Czyslanskys Bauchladen

Es gibt immer Dinge, die in der Schublade „Vermischtes“ landen, die irgendwie in keine Ablage passen und die trotzdem nicht verloren gehen dürfen. In Czyslanskys Bauchladen findet Ihr Beiträge, die in keine der anderen Kategorien gepasst haben. 

Immerhin umfasst das Czyslansky-Blog heute mehr als 1.500 Beiträge aus 15 Jahren. Ein dicker Bauch …

herbst

Die Herbste kommen meistens allein

Die Herbste sind doch rechte Einzelgänger. Fast wie die Frühjahre. Und ganz anders, als die Winter und die Sommer. Wie verräterisch doch die deutsche Sprache ist: kein Mensch denk sich etwas dabei, wenn er liest, wie heiß und trocken die Sommer in den letzten Jahren waren. Oder wie kalt und weiß die Winter in frühen Kindheitstagen angeblich einst gewesen sind. Aber die Herbste, sie sollen sich gefälligst nicht in pluralen Horden in unsere Sprache stehlen. Herbst und Frühjahr sind Einzelgänger, wahre Solitäre, singuläre Übergänge. Sie sind überhaupt gar nicht so richtige Jahreszeiten. Sie sind so irgendwas dazwischen. Zwischenzeiten. Sie schmuggeln sich zwischen die Sommer und die Winter. Immer nur vereinzelt. Sie sind keine Gattung, nicht wie die weißen Winter und die heißen Sommer. Sie sind einsame Schmuddelkinder. Wenn sie sich schön machen, dann sind sie „Indian Summer“, also schon wieder eine Form der Sommer, in Deutschland „Altweibersommer“. Schöne Herbste gibt

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Karte aus Timbuktu

Schöne Grüße aus Timbuktu

Die meisten von uns tragen wohl einen Traum in sich, einen Traum aus Kindheitstagen, von einer fernen Insel, einer fremden Stadt oder was auch immer. Mein Traum hat einen Namen: Timbuktu! Als Kind  war ich vernarrt in ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel „Ich war in Timbuktu“. Geschrieben hat es der DDR-Schriftsteller Werner Legère 1953 in Anlehnung an den Reisebericht des französischen Afrikaforschers René Caillié, der im Jahr 1828 als zweiter Europäer nach Alexander Gordon Laing die sagenumwobene Wüstenstadt Timbuktu erreichte. Laing war auf seiner Expedition getötet worden und so waren Cailliés Berichte die ersten Reportagen aus der ehemals so reichen muslimischen Metropole, die Europa erreichten. Der Franzose gab sich zu seinem Schutz als Muslim aus und durchlebte allerlei Abenteuer. Für einen verträumten Jungen in der fränkischen Provinz war er eine Mischung aus Neil Armstrong, James Bond, Alexander Humboldt und … äh … Karl May. Kurz: er war ziemlich genau

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Adolf

Der Depp Adolf

Ich bin in einer kleinen Siedlung in der fränkischen Provinz groß geworden. Die Siedlung bestand nur aus einigen Häusern, die sudetendeutsche Heimatvertriebene entlang einer Bundesstraße neben einem kleinen Dorf errichten durften. Das Dörfchen bestand aus etwas sieben oder acht uralten Bauernhöfen, die augenscheinlich den Dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger lädiert überlebt hatten. In diesen Hofstellen saßen graue krumme Bäuerlein, die von eben diesem Krieg noch sichtlich gezeichnet waren. Der einzige Kontakt zwischen der protestantischen Bauernschaft und den katholischen Flüchtlingen bestand darin, dass die Flüchtlinge Milch und Eier und im Dezember auch noch ihre Christbäume bei den Bauern holten. Sonst wusste man voneinander wenig. Man ging sich eher vorsichtig als ehrfürchtig aus dem Weg. Bei den Wahlen machten die Bauern ihr Kreuz bei der CSU – in den sechziger Jahren auch schon mal bei der NPD – während die Flüchtlinge zu 90 Prozent sozialdemokratisch wählten. Das lag daran, dass man in

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KI Übersetzungsprogramme

Hallo Babelfisch – Zur Künstlichen Intelligenz in Übersetzungsprogrammen

„Lost in Translation“ titelt verzweifelt Tobias Haberl im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 3. Juli 2020 verängstigt über die aufbrausende Künstliche Intelligenz in modernen Übersetzungsprogrammen, die ihm die Freude am Erlernen fremder Sprachen und Kulturen rauben. Der alte Lateiner.  Wie muss Anglisten der Schreck in die Glieder fahren beim Anblick angetrunkener britischer Studentenhorden, die per Google-App mit deutschen „Frauleins“ im Englischen Garten anbandeln. Wie muss es Altphilologen schaudern, wenn ein Trupp reisefreudiger chinesischer Touristen im Franziskaner die Speisekarte mit dem Smartphone scannt.  Und wie graust es ihn erst, wenn der Japaner ローストポークをお願いします in sein Handy tippt und die Bedienung freudig vom Bildschirm liest, dass er gern einen Schweinebraten hätte. Für Kulturpessimisten bricht da eine Welt zusammen. Ohne Google und Deepl hätte unser Japaner jetzt grunzend auf dem Tisch tanzen müssen, wie wir jahrelang in Frankreich das Auf- und Zuklappen von Austern imitieren mussten um zu unserer Austernplatte zu kommen. Wie

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moskau

Vor 30 Jahren – mit Bill Gates in Moskau

Der folgende kleine Beitrag über meine erst Pressekonferenz mit Microsoft-Gründer Bill Gates in Moskau basiert auf einem Artikel, den ich vor fünf Jahren für den Digisaurier-Blog verfasst hatte. Nun sind tatsächlich schon wieder fünf Jahre ins Land gegangen und eben gestern erreichte mich ein erinnerungsseeliger Facebook-Beitrag von Alexander Petrochenkov zu eben dieser Konferenz, was mich veranlasst diesen Artikel ein wenig zu aktualisieren und hier auf Czyslansky noch mal einzustellen. Und vielleicht verdient es diese Geschichte aus der frühen Blechzeit des Pesonalcomputers ja wirklich der Nachwelt erhalten zu bleiben. So sei es denn: es begab sich also im April des Jahres 1990 … dass Bill Gates einmal Gast des KGB war dass ein Beamer für ein halbes Jahr verschwand dass sich zwei Journalisten mit einem Pressesprecher und drei Flaschen Wodka anfreundeten dass junge Damen nicht nur an Stangen tanzten dass … NEIN: die wirklich schlimmen Dinge unterliegen auch heute noch dem

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Michael KauschCzyslansky wurde 2008 von Sebastian von Bomhard, Alexander Broy, Tim Cole, Alexander Holl, Michael Kausch, Hans Pfitzinger, Lutz Prauser, Ossi Urchs und Christoph Witte als gemeinsames Projekt ins Leben gerufen. Seit 2017 führt Michael Kausch das Blog alleine weiter.

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