Czyslansky liest

Ich liebe Bücher. Und ich lese sie noch immer ausschließlich in gedruckter Form, also tote Bäume. Und ab und an schreibe ich über Gelesenes. Heraus kommen dabei selten klassische Buchbesprechungen, eher schon kleine Erfahrungs- oder besser Erlesungsberichte. Wer sich für den Inhalt der Bücher interessiert, der muss diese schon selbst lesen. Walter Benjamin meinte einmal, echte Polemik nehme sich ein Buch so vor, wie ein Kannibale sich einen Säugling vornehme. Eben mit liebevoller Zuneigung. So nähere ich mich jedem neuen Buch. Lüstern schmatzend. 

Vor einiger Zeit habe ich einmal in hundert aufeinander folgenden Tagen 100 Bücher von 100 Autoren auf Facebook und Instagram vorgestellt. Die dabei entstandenen kleinen Texte habe ich auf Czyslansky zu „Literarischen Quintetten“ zusammengefasst.

Noch ein Tipp: Bücher gibt es in allen guten Buchhandlungen. Und wenn es bei Euch vor Ort keine Buchhandlung mehr gibt, dann kann man fast alle hier besprochenen Werke beim sozialen Buchhandel buch7 online bestellen. Der ist fair und von jeder Bestellung wird  ein kleiner Anteil für einen sozialen Zweck abgeführt. Man muss wirklich nicht bei Jeff kaufen …

Ode an die Zwiebel

Ode an die Zwiebel Zwiebel,leuchtende Phiole,Blütenblatt um Blütenblattformte deine Schönheit sich,kristallene Schuppenließen dich schwellen,und im Verborgenen der dunklen Erdefüllte dein Leib sich an mit Tau. Unter der Erdeward dieses Wunderwerk,und als dein unbeholfenergrüner Trieb erschienund deine Blätter degengleichim Garten sprossen,drängte die Erdeihren ganzen Reichtum zusammenund wies deine nackte Transparenz,wie in Aphrodite das ferne Meerdie Magnolie nachschuf,da es ihre Brüste formte,also bildete dich die Erde,Zwiebel, hell wie ein Planetund zu leuchten bestimmt,unvergängliches Himmelszeichen,rundliche Rose von Wasserauf dem Tischder armen Leute.Verschwenderisch lässt dudeinen Globus der Frische zergehnim verzehrenden Suddes Topfesund der kristallene Saumin des Öls Hitzeverwandelte sich in eine gekräuselte Feder von Gold. Auch gedenke ich, wie dein Zutundie Freundschaft des Salates fruchtbar macht,und es will scheinen, der Himmel hilft mit,da er dir des Hagelkorns zierliche Gestalt verlieh,deine feingehackte Helle zu rühmenauf den Hemisphären einer Tomate. Aber erreichbarden Händen des Volkesund beträufelt mit Öl,bestreut mit ein wenig Salz,tötest du den Hungerdes Tagelöhners

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Literarisches Quintett

Literarisches Quintett XV: Altvordere: Johnson, Manzoni, Mulisch, Sinclair, Zuckmayer

Literarisches Quintett XV: Altvordere: Johnson, Manzoni, Mulisch, Sinclair, Zuckmayer Heute geht es um fünf alte weiße Männer. Um „Altvordere“. Ich lese ja gerne „Altmeister“. Bücher alter Meister. Den klassischen Kanon. Also nicht immer nur Ersterscheinungen aus der SPIEGEL-Bestsellerliste. Jedes Jahr erscheinen auf dem deutschen Buchmarkt rund 60.000 Titel. Wer soll das alles lesen? Und dabei gibt es so viele gute alte Schmöker. Klassiker der deutschen und der Weltliteratur. Die wollen doch auch gelesen werden. Man muss Neuigkeiten ignorieren. Die Alten haben es verdient. Hier also fünf große Bücher von fünf großen alten weißen Männern. Vorgestellt habe ich sie gemeinsam mit 95 anderen Lieblingsautoen in der Reihe Tagesbücher im Laufe des Jahres 2020, also mitten in der Corona-Pandemie, auf meiner Facebook-Seite Czyslansky. Hier fasse ich sie in handlichen 5er-Banden für die Ewigkeit zusammen. Uwe Johnson: „Jahrestage“ Schwere Kost. Ich lese in der Regel zwei bis drei, manchmal auch vier Bücher gleichzeitig.

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Thomas von Steinacker: Ende offen

Das gescheite Buch über gescheiterte Kunstwerke von Thomas von Steinacker: Ende offen

Das gescheite Buch über gescheiterte Kunstwerke von Thomas von Steinacker: Ende offen Ich habe die furchtbare Angewohnheit zumeist mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Manchmal liegen hier zwei, manches Mal auch drei oder vier angelesen Bücher herum, mit hübschen Lesezeichen oder weniger hübschen „Eselsohren“ als Markierungen für die jeweiligen Lesefortschritte. Und wie bei einem Autorennen, geht es mit manchen Werken schneller voran, mit machen langsamer. Und machmal bleibt ein Werk auch auf halber Strecke liegen. Es kann auch vorkommen, dass ich in wilden Zeiten die Passagiere ein wenig durcheinander bringe, die Figuren unerkannt umsteigen und ich ein wenig den Überblick verliere. Ich gebe es zu. Da ist es gut, wenn sich unter den angelesenen Exemplaren mal ein Buch befindet, dass mich nicht zum linearen Lesen zwingt, das aus Gedichten oder Kurzgeschichten besteht, aus verdaulichen Häppchen, aus literarischen Fünf-Minuten-Terrinen. Das „Buch der gescheiterten Kunstwerke“ – so der Untertitel – von Thomas Steinaecker

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Robert Antelme Das Menschengeschlecht

Buchbesprechung: Robert Antelme: Das Menschengeschlecht

Buchbesprechung: Robert Antelme: Das Menschengeschlecht Niemals hat mich ein Buch mehr verstört, niemals mehr berührt, als dieses: „Das Menschengeschlecht“ von Robert Antelme. Ich habe das Tagebuch der Anne Frank gelesen, die Erinnerungen von Reich-Ranicki, viele Bücher über die Konzentrationslager der Nazis und natürlich auch den großen Alexander Solschenizyn. Und Solschenizyn wird sicherlich zu recht bewundert für seine detaillierten und eindrucksvollen Schilderungen des Lebens im Gulag. Niemand hat das Leben im Lager mit größerer schriftstellerischer Akkuratesse beschrieben, als der russische Großschriftsteller. Und doch halte ich das Buch von Robert Antelme für wichtiger. Um was geht es? Ein Augenzeugenbericht aus einem Arbeitslager, Todesmarsch und KZ Robert Antelme war Mitglied der Resistence, als er im Juni 1944 in Paris von der Gestapo gefangen genommen wurde. Er wurde erst nach Fresne verschleppt, anschließend nach Buchenwald und weiter ins Arbeitslager nach Gandersheim in Niedersachsen. Dieses Lager war ein Außenlager des KZ Buchenwald. Die Häftlinge mussten

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waldviertel

Josef Haslinger: Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek – Buchvorstellung. Mit Haslinger im Waldviertel

Josef Haslinger: Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek – Buchvorstellung. Mit Haslinger im Waldviertel Es ist bitter, im Münchner Speckgürtel aufzuwachen, nachdem man die ganze Nacht mit Josef Haslinger im Waldviertel verbracht hat. Aber das kommt davon, wenn man sich abends im Bett von einer dieser wunderbaren Novellen entführen lässt: „Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek“ ist bei Fischer gemeinsam mit der Kurzgeschichte  „Die mittleren Jahre“ erschienen.  Die meisten werden Josef Haslinger nur von seinem „Opernball“ kennen, jenem skurrilen Massenmord, bei dem 3.000 Besucher des Wiener Opernballs inklusive Bundeskanzler, Bundespräsident, einer illustren Schar Minister und ein Mörtel ums Leben kommen. Das ist schade, denn Haslinger hat viele bezaubernde Dinge geschrieben, etwa den Roman „Das Vaterspiel“, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Der Kleinhäusler Ignaz Hajek aber, entstanden schon 1985, also weit vor den großen Romanen, hat mich völlig geflasht und eine ganze Nacht ins harte österreichische Waldviertel entführt, in eine Gegend,

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Michael KauschCzyslansky wurde 2008 von Sebastian von Bomhard, Alexander Broy, Tim Cole, Alexander Holl, Michael Kausch, Hans Pfitzinger, Lutz Prauser, Ossi Urchs und Christoph Witte als gemeinsames Projekt ins Leben gerufen. Seit 2017 führt Michael Kausch das Blog alleine weiter.

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