produkttests und -besprechungen

Thiele TA01

Der Thiele TA01 – ein Tonarm ohne Fehl mit Adel

Am vergangenen Wochenende war ich bei ATR in Eltville am schönen Rhein. Das Team von Audiotrade hat zum „Open House“ eingeladen und es war wirklich eine tolle Veranstaltung mit zahlreichen Vertretern hochkarätiger Hifi-Hersteller. Einmal mehr beeindruckten die großen La Sphére von Cabasse meine Ohren und die schrägen Laufwerke von Pro-Ject. 

Die Cabasse in der Vorführung

Die Cabasse in der Vorführung

Ganz besonders aber fesselte mich ein Arm. Der Tonarm sah nach klassischem Maschinebauhandwerk aus: nicht eben grazil, aber schwer durchdacht und blitzsauber verarbeitet. Eine Mischung aus deutschem Maschinenbau und deutschem Industriedesign. Und wie der Zufall so spielt wurde mir das Meisterstück auch vom Meister persönlich vorgeführt, vom Entwickler Helmut Thiele, seines Zeichens Industriedesigner und gelernter Maschinenbauer und Hifi-Enthusiast und Duisburger – alles in einer Person. Und hömma, wenn der dir sacht, wo der Frosch die Locken hat, denn weisse aber Bescheid, ne.

Tonarm Thiele TA 01

Also tu ich jetzt Bescheid wissen über den Thiele TA01, denn der ist kein Drehtonarm und kein Tangentialtonarm und aber vielleicht auch beides zusammen.

Der Thiele TA01 ist ein Drehtangentialtonarm – oder so…

Der Thiele TA01 verbindet die Vorteile eines Drehtonarms mit einem Tangentialtonarm.

Mal für die Nicht-Vinylisten: Ein Drehtonarm ist ein Tonarm, wie ihn jeder kennt: der führt die Abtastnadel in einem Kreissegment über die Schallplatte. Und wer jetzt nicht weiß, was eine Schallplatte ist soll weiter MP3 hören und seine Ohren schinden. Man kann sich vorstellen, dass die Nadel bei der Bewegung auf dem Kreissegment genau an einem Punkt optimal in der Rille sitzt, aber an allen anderen Punkten ein wenig schräg zur Rille in der Scheibe kratzt. Dabei gilt: je kürzer der Arm ist, desto stärker ist dieser sogenannte „Spurfehlwinkel“. Der Spurfehlwinkel führt zu einer unsauberen Abtastung und zu einer erhöhten Abutzung von Abtastnadel und Schallplatte.  

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Das neue OM System 20 mm 1.4 ED Pro Objektiv im Praxis-Test

Gestern kam mein neues Standardobjektiv für die Olympus Pen-F an: das OM System 20 mm 1.4 ED Pro. Es ist das erste Objektiv, das unter dem neuen Markennamen „OM System“ auf den markt kommt und nicht mehr als „Olympus“. Man darf also der alten Marke ein wenig nachtrauern, sollte sich aber nicht lange mit Jammern aufhalten.  Wichtiger ist, ob es den hohen Ansprüchen an die „Pro“-Reihe seiner Objektiv-Geschwister genügt. Und soviel vorweg: das tut es!

Das neue 20 mm Objektiv ist ein wunderbares Reiseobjektiv

Für ein Pro-Objektiv von Olympus – Verzeihung: OM System – ist es mit rund 670,- Euro allerdings erstaunlich preisgünstig. Es ist allerdings auch minimal lichtschwächer, als die anderen Festbrennweiten. Die Anfangsöffnung liegt bei 1,4, nicht bei 1,2 wie bei dem 25er oder dem 17er. Dafür ist es mit nur 247 Gramm auch ein echtes Leichtgewicht. Das 25er wiegt immerhin mehr als 400 Gramm. Natürlich besteht so ein Leichtgewicht weitgehend aus Kunststoff, aber der ist hochwertig und die Objektivfassung ist natürlich aus Metall. Die Haptik ist schon in Ordnung, keine Leica, aber doch gut.

Das OM System 20 mm verzichtet aber leider auch auf den praktischen Umschalter zwischen manuellem und Autofokus. Viele Fotografen hassen diesen kleinen Schieberegler ja, weil er sich angeblich zu leicht im Alltag versehentlich verstellt. Ich komme damit bei meinem 12-100 mm Reisezoom der Pro-Reihe sehr gut klar.

Ich habe mich für das neue 20er entschieden, weil es eben dieses Objektiv und das neue 100-400 mm Supertele als lichtstarkes Standardobjektiv auf Reisen ergänzen soll. Es komplettiert mein Objektiv-Set für die kompakte Olympus Pen-F – das 60er Macro gehört noch dazu – immer dann, wenn ich unterwegs bin und auf Tele-Brennweiten nicht verzichten will und deshalb meine Leica M nicht zum Einsatz kommt. Die entscheidenden Kaufargumente waren also:

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Clearaudio TT5

Der Tangential-Tonarm Clearaudio TT5

Der Clearaudio TT5 ist der Einstieg in die ganz große Welt der tangentialen Tonarme. Clearaudios kleinster Tangential-Tonarm ist ein kleiner Lustgriffel. Manch kurzes Stück bringt langes Glück. Jedenfalls wenn Musik dabei herauskommt. Mit ihm kann man ganz lange sehr glücklich Musik hören. Vielleicht ist es sogar die endgültige Antwort auf die Frage nach einem klangneutralen, einfach zu bedienenden und hochwertigen Tonarm.

Clearaudio Innovation

Beim Autor wurde der TT5 auf einem clearaudio Innovation montiert. Er passt mit seiner Linn-kompatiblen Befestigung und einem Einbauabstand von 222 Millimetern aber auch auf so ziemlich jedes andere (Fremd-)Laufwerk.

Abtastwinkel gleich Schneidewinkel

Das ist in Kürze das Prinzip eines Tangential-Tonarms. Der Schneidstichel kratzt bei der Produktion einer Schallplatte die Musik tangential in die Rille, also immer im 90-Grad-Winkel zur Tellerachse. Ein Drehtonarm wiederum steht immer ein wenig schief in der Rille. Dieser Schiefstand ist der Spurfehlwinkel. Auch wenn bei modernen gekröpften Tonarmen dieser Winkel in der Regel bei deutlich unter zwei Grad liegt, so entstehen doch in jedem Fall Verzerrungen bei der Tonabnahme. Es werden zusätzliche harmonische Oberwellen erzeugt, genauer: in der Regel wird die zweite Harmonische verstärkt. Wahrnehmbar sind solche Verzerrungen, folgt man aktuellen empirischen Untersuchungen, ab einer Abweichung von etwa 2,11 Grad. Damit liegen die Auswirkungen des Spurfehlwinkels bei einem guten Drehtonarm knapp unter der Hörbarkeitsschwelle (vgl. hierzu die diesbezüglichen Anmerkungen von Klaus Rampelmann für die AAA, die Analogue Audio Association).

Ganz sicher geht man freilich, wenn man den Ton so abnimmt, wie er auch in die Scheibe geritzt wurde. Bei einem Tangential-Tonarm bewegt sich die Abtastnadel auf geradem Weg Umdrehung für Umdrehung von außen nach innen. Einen Spurfehlwinkel und zusätzliche Verzerrungen gibt es nicht.

Klangrelevanter ist aber vielleicht ein anderer Vorteil von Tangential-Tonarmen: man spart sich die Einstellung der Antiskating-Kraft. Die Skating-Kraft drängt einen Drehtonarm immer ein wenig zur Plattentellermitte hin. Diese Kraft aber ist nicht immer gleich, sondern hängt von mehreren Faktoren ab: von der Form der Nadel, also vom Tonabnehmer, von dessen Auflagekraft, leider aber auch davon, ob die gerade abgespielte Rille sich eher außen oder innen auf der Platte befindet. Die Skating-Kraft bewirkt ebenfalls Verzerrungen, und mit einer Testschallplatte kann kann man die Auswirkungen einer nicht optimal eingestellten Antiskating-Kraft bei einem Drehtonarm auch recht gut hören. Ein Tangential-Tonarm aber kennt keine Skating-Kraft und vermeidet deshalb den klangverschlechternden Einfluss eines falsch eingestellten Antiskatings schon mal aus Prinzip. Deshalb ist ein Tangential-Arm weniger fehleranfällig, aber auch einfacher zu betreiben. Perfekt für alle, doppelt perfekt für Faule!

Warum hängen dann die meisten Tonabnehmer an fehleranfälligen Dreharmen und nicht einfach an Tangential-Tonarmen? Nun, die Konstruktion eines Tangentialarms ist alles andere als einfach: Erfolgt die Abtastung der Toninformationen nicht völlig gleichmäßig, sondern zum Beispiel durch eine störanfällige aktive Nachführtechnik mehr oder wenig ungleichmäßig, so entstehen hässliche Rumpelgeräusche. Auch sind motorgetriebene Nachführmechaniken störanfällig. Clearaudio hat sich deshalb schon vor vielen Jahren für das passive Souther-Prinzip entschieden, bei dem die Nadel allein von der Rille geführt wird. 1982 hat Peter Suchy das von Lou Souther gehaltene Patent für diese Tangentialtechnik gekauft und seitdem entwickelt clearaudio diese Technik immer weiter. Der TT5 ist die modernste und aktuellste Reinkarnation dieses Prinzips.

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RESTEK MRIA+

Heisse Kiste – Der Phono-Pre RESTEK MRIA+

Seit mehr als sechs Jahren läuft hier schon der kleine Phono-Pre MINIRIA von RESTEK. Nun hat er einen großen Bruder bekommen: den MRIA+. Beide steuern jeweils einen Tonabnehmer an getrennten Tonarmen von Mørch auf meinem Clearaudio Innovation. Warum ich mich für den MRIA+ entschieden habe?

Hightech aus Deutschland

Seit der Renaissance der Schallplatte gibt es wieder zahlreiche bezahlbare Phonovorverstärker, darunter viel Schrott, aber auch einige wirklich gute Produkte, vor allem aus England und Deutschland. Zu den renommierten deutschen Manufakturen zählt zweifellos RESTEK aus  Fuldabrück bei Kassel. das hessische Unternehmen liefert aber nicht nur besonders langlebige Produkte, sondern auch ein langlebiges und zeitloses Produktdesign. Den MRIA gibt e schon seit vielen Jahren. Freilich hat er in diesen Jahren eine schonende Modellpflege erhalten.

MRIA+ 4-03

Die aktuelle Version 4.03 meines MRIA+

Das Konzept und die äußere Gestalt aber sind geblieben und heute noch so modern wie seit ehedem.

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Advance Playstream A7

Der Streaming Vollverstärker Advance Playstream A7 im Test – C’est Paris merveilleux

„C’est Paris merveilleux“ – An diese letzte Zeile des großen Chansons „Les Prénoms de Paris“ von Jacques Brel musste ich denken, als der Streaming Vollverstärker Advance Playstream A7 von Advance Paris für einige Tage bei mir zu Gast war. „Es ist das wunderbare Paris“, das könnte auch als Überschrift über diesem kleinen Testbericht stehen.

Denn wunderbar ist es, was diese kleine schwarze Französin bei mir in den Raum gezaubert hat. Und dabei bin ich eigentlich eher ein altmodischer Röhren- und Vinyl-Junkie, während es sich bei der A7 – und es muss sich bei der französischen Finesse und Eleganz, die dieses Gerät ausstrahlt, ganz klar um etwas weibliches handeln – um ein Hifi-Gerät der modernen digitalen Gegenwart handelt. Die A7 ist – ja was ist sie eigentlich? Vollverstärker, Streamer, DAB- und UKW-Tuner, DAC, Netzwerk-Player, Phono-Pre … ?

Aber fangen wir doch mal mit den  Äußerlichkeiten an:

Advance Playstream A7

Im kleinen Schwarzen

Das Gehäuse besitzt klassisches Gardemaß (43 x 37 x 13,5 cm) mit hochglänzender Front und fein gezeichneter Beschriftung. „Fein gezeichnet“ heißt: es ist hübsch anzusehen, aber von größerer Entfernung aus nicht wirklich gut ablesbar. Man muss sich der hübschen Französin also schon nähern, wenn man etwas von ihr will, es sei denn, man nutzt die sauber gemachte Fernbedienung. Was man aus großer Entfernung sieht, sind die großen blauen Augen, also die beiden beleuchteten VU-Meter, die ein ganz klein wenig an Mcintosh erinnern. Zwischen beiden gibt es ein kleines Info-Fenster mit einer ebenso feinen Klarschriftanzeige mit Informationen zur Quelle.

A7 Fernbedienung

Der große Lautstärkedrehregler rechts ist ein wenig schwammig, tut aber zuverlässig seinen Dienst. An ihm merkt man am ehesten, dass die Französin eben doch eher eine zerbrechliche Piaf ist, als eine mondäne Jeanne Moreau. Gleich daneben gibt es gleich zwei parallel geschaltete Kopfhörerausgänge, einen für 3,5-mm- und  einen für 6,3-mm-Klinke. Das ist dann schon wieder ziemlich luxuriös, oder sagen wir besser sehr funktional.

Überhaupt legt die Französin sehr viel Wert auf Funktionalität. Sie ist einfach sehr sehr praktisch veranlagt und erinnert dabei an Simone Signoret in „Le chat“.  Betrachten wir sie dabei einmal von hinten, also ihr Anschlussfeld:

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Die EMUD Phono Rekord 59 – ein Klanggut

1959 war ein Jahr in dem der Welt viel Gutes geschenkt wurde. Aus diesem Grund kam auch – als traumhaftes Geschenk meines traumhaften Agentur-Teams –  am vergangenen Freitag eine komplette multifunktionale Musikanlage in mein Haus: ein bestens restaurierter spielfreudiger EMUD Phono Rekord aus dem Jahr – ich sagte es schon – 1959.

EMUD Phono Rekord 59

Wer oder was um alles in der Welt ist EMUD?

EMUD, das steht für Ernst Mästling: Ulm/Donau. Heute kennen nur noch unverbesserliche Sammler betagter Röhrenradios diese deutsche Manufaktur. Sie zählt zu den drei ältesten Radiofirmen Deutschlands. Um das Jahr 1959 waren rund 600 Leute bei EMUD damit beschäftigt hochwertige Rundfunkempfänger zu produzieren. Die Geräte waren sogar in den USA ausgesprochen beliebt. Der Exportanteil der Produktion lag zeitweise bei mehr als 25 Prozent. „Made in West Germany“ hatte einen guten Klang. damals schon. 

EMUD Phono Rekord 59

Umfangreiche Klangbeeinflussungsmöglichkeiten: die berühmte Sprachtaste zur Anhebung der mittleren Frequenzen.

In den 20iger und 30iger Jahren bauten die Ulmer preiswerte „Volksradios“, besser und preiswerter als die berüchtigten „Volksempfänger“. Im Krieg wurden die Produktionsanlagen weitgehend zerstört. Trotzdem gelang der Wiederaufbau und in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren blühte EMUD zu nie dagewesener Größe auf. Aber:

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Im Test: Papierloses Büro mit dem reMarkable Tablet

Das reMarkable Tablet gibt es nun schon in zwei Versionen: Im April 2019 habe ich hier die erste Version ausführlich einem unabhängigen Test unterzogen und vorgestellt. Unabhängig ist der Test allemal, denn ich habe beide Produkte, das reMarkable 1 und das reMarkable 2 regulär im Handel erworben. Deshalb hat es mit dem zweiten Test nun auch ein wenig gedauert. Schon die erste Version dieses etwas anderen Tablets hat mich damals begeistert. Inzwischen ist das neue reMarkable 2 bei mir eingetroffen. Die meisten der vor eineinhalb Jahren vorgestellten Features gelten auch für das neue reMarkable 2 unverändert. Deshalb habe ich meinen Testbericht hier stehenlassen und an den Stellen aktualisiert, an denen es notwendig war. Im Folgenden verweise ich auf alle Unterschiede zwischen reMarkable 1 und reMarkable 2. Denn die Version 1 gibt es nach wie vor. Und beide Tablets sind eine gute Wahl. Das mal vorneweg. (Vorbemerkung vom 24.11.2020)

reMarkable 2 und reMarkable 1: die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Tablets

Ehe ich in den alten neuen Testbericht einsteige will ich im Folgenden die wichtigsten Unterschiede beider Versionen kurz vorstellen.

Vor allem unterscheiden sich beide Versionen im Design und in der Usability. Das neue reMarkable 2 ist wesentliche eleganter und schicker und es verfügt über einige Dinge, die es in der Handhabung ein wenig angenehmer machen. Die erste Version war ein wenig dicker. Das war und ist für mich nicht wirklich ausschlaggebend. Viel wichtiger: Für die erste Version hatte ich mir eine ganz hübsche aber letztlich unpraktische Einschubhülle besorgt. Das reMarkable 2 hingegen lässt sich magnetisch in eine Hülle einklicken, die wie ein Heft- oder Buchumschlag aussieht und funktioniert. Das macht die Handhabung für das Anfertigen schneller Notizen wesentlich einfacher. Der optionale Stift „Marker Plus“ (Aufpreis!) verfügt nun über einen elektronischen Radiergummi am Stiftende, mit dem man Geschriebenes einfach löschen kann – wie mit einem klassischen Bleistift. Da kann man sich sehr schnell daran gewöhnen. Der iPad von Apple hat sowas nicht.
Die ohnehin schon lange Batterielaufzeit wurde nochmals verlängert und die USB-Schnittstelle ist nun nach dem C-Standard zertifiziert und entsprechend schnell.

reMarkable 1 reMarkable 2
256 x 177 x 6,4 mm 246 x 187 x 4.7 mm
350 gr 403 gr
einfache Stoff- oder Lederhülle elegantes magnetisches Leder-Etui
  reagiert exakter auf Schreibimpulse
  3fach längere Batterielaufzeit
  Stift mit „Radiergummi“ am Stiftende
herkömmlicher USB-Anschluss USB-C-Anschluss

 

Soweit zu den Unterschieden zwischen reMarkable 1 und reMarkable 2. Das im Folgenden Geschriebene gilt für beide Versionen:

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Der schnellste High End Lautsprecher der Welt

Presto Possibile – Die schnellsten High-End-Lautsprecher der Welt

Der Sound im Bugatti Chiron kommt aus accuton High-End-Lautsprechern

„Ein Auto braucht mehr Watt als PS.“ Nach diesem Motto habe ich seit meiner Führerscheinprüfung meine Fahrzeuge immer und ausnahmslos ausgesucht. Anfangs war es noch relativ einfach, mein automobiles Leben nach dieser Maxime auszurichten: mein erster Fiat Cinquecento hatte gerade mal 17 PS. Mein zweites Traumauto war eine Baguette-Schaukel von Renault – ein weißer R4 – mit immerhin schon 23 PS. In ihm wurde ein Grundig-Radio von einem Kassettenrekorder angetrieben, den ich in selbstmörderischer Eigenverkabelung an die Autobatterie angeklemmt hatte – mit dem Effekt, dass die Umdrehungszahl der Audio-Kassette immer ein wenig mit der Geschwindigkeit des Fahrzeugs korrelierte. Temps perdu …

Bugatti Chiron exterior

Der schnellste High-End-Lautsprecher der Welt: der Bugatti Chiron (Bild © Bugatti)

Was aber macht man, um Carl Benz Willen, mit meiner alten „Mehr-Watt-als-PS-Regel“ in einem Fahrzeug, dessen Motor nicht weniger als 1.500 PS – in Worten: eintausendfünfhundert – freisetzt?

Die Rede ist vom Bugatti Chiron, der bei 420 km/h (!) abgeregelt wird. Die Limitierung der Geschwindigkeit wurde bei meinem Cinquecento noch durch Gegenwind und Straßenneigung auf natürliche Art gewährleistet. Bei Rückenwind, im Windschatten eines Lastwagens und mit 20 bis 30 Sekunden Anlauf, waren durchaus 100 km/h drin – eine Geschwindigkeit, die der Chiron schon nach 2,5 Sekunden aus dem Stand erreicht.

Bugatti Chiron interior

Abgeregelt wird der schnellste High-End-Lautsprecher der Welt für den Straßenbetrieb bei 420 km/h (Bild © Bugatti)

Ihr seht schon: der Bugatti Chiron wird niemals in meiner Garage stehen, schon weil ich einfach kein passendes Autoradio mit mehr als 1.500 Watt auftreiben kann. Die 2,4 Millionen Euro, die man mindestens für den Wagen investieren muss – ohne Zusatzausstattung versteht sich – kann ich mir … äh … sparen. Irgendwie stimmen auch die Rahmenbedingungen nicht. Denn wie hat der SPIEGEL so schön über den Chiron-Fahrer recherchiert: „Im Mittel besitzt er 63 weitere Autos, außerdem noch diverse Helikopter oder Privatflugzeuge, eine Yacht und fünf Villen.“ Ich habe keinen Heli …

German Audio Competence on German Autobahn

Aber drin gesessen bin ich im Bugatti Chiron; nicht zum Fahren, sondern zum Musik hören.

Bugatti Chiron interior

Schwelgen in Leder und Musik … (Bild © Bugatti)

Und das ist ein wahrlich konzertantes Erlebnis, denn im Chiron steckt die geballte Akustik-Erfahrung einer der renommiertesten Lautsprecher-Manufakturen der Welt. Für den guten Ton im schnellen Bugatti sorgt die in Pulheim bei Köln beheimatete Firma Thiel & Partner, besser bekannt unter dem Markennamen accuton. Und das hat einen einfachen Grund:

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Im Test: Der Flux Hifi Sonic Nadelreiniger für Plattenspielerabtaster

Sie lieben Schallplatten? Gut so. Dann hassen Sie Staub. Staub ist der Tod des guten Klangs. Und zwar in jeder Form: auf der Platte, im Ohr und natürlich auch auf der Nadel ihres Abtasters. Gegen den Staub in den Rillen der Platte gibt es probate Mittel: bei mir läuft grundsätzlich der berühmte Mitlaufbesen aus Eichhörnchenhaar von Transrotor mit. Und vor jedem Abspielvorgang wird die Platte mit einer Bürste von Clearaudio gereinigt. Und ab und an darf jede Platte auch mal baden: in der großen und großartigen Schallplattenwaschmaschine von Gläss. Diesen Vinyl Cleaner habe ich vor drei Jahren hier auf Czyslansky schon vorgestellt.

Die Waschmaschine für die Schallplattennadel

Die Abtastnadel habe ich bislang vor jedem Abspielgang mit einem kleinen Bürstchen gesäubert, ab und an auch mit einem kleinen Besen, den ich mit der Reinigungsflüssigkeit von Dynavox benetzt habe. Trotzdem: an der Nadel setzt sich immer mal Dreck fest, und zwar richtig fest. Und genau dafür habe ich mich nun für eine kleine elektrische Waschmaschine für Abtastnadeln entschieden -den Flux Hifi Sonic:

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Manley Neoclassic SEPP

sepp aus glas: der manley neo-classic se/pp 300b röhrenverstärker im test

seit gut zwei monaten lässt er hier seine röhren glühen – der neue alte röhrenverstärker mit dem seltsamen namen manley neo-classic se/pp 300b. dabei ist der name programm: es ist ein manley! das heisst, er stammt aus einer der berühmtesten audiophilen glasbläsereien der neuen welt. die manley labs genießen einen sagenhaften ruf, nicht nur bei audiophilen, sondern auch bei tonstudios in aller welt. david manley hat ihn irgendwann vor rund 30 jahren entwickelt, seine damalige frau und heutige chefin der manley labs eveanna manley hat ihn vor rund zehn jahren gebaut und ich habe ihn nun fabrikneu erworben.

dazwischen fehlen ein paar jahre? nun, in den ersten fehlenden zwanzig jahren ist er gereift und in den letzten fehlenden zehn jahren lag er im lager des ehemaligen deutschen manley-importeurs eberhard gries in einer abgelegenen lagerhalle im schönen schwarzwald.  seltsamerweise sind manley-verstärker in deutschland ausgesprochen selten zu finden. derzeit ist mir gar kein importeur bekannt. im idyllischen schwarzwald haben wir ihn im vergangenen herbst gründlich entlaubt und entstaubt und nun steht und spielt er hier, der röhren-sepp.

Manley Speaker Terminals

wie immer bei manley sind alle teile von feinster qualität – auch die lautsprecherterminals, die hier zu sehen sind: für 4 bis 8 und für 8 bis 16 ohm.

was ihr wollt: single ended oder push pull

der sepp? ja, der sepp. se/pp steht für singel ended und push pull. und das ist schon mal äußerst ungewöhnlich. denn die beiden seppls – ja, es sind zwei, also zwei mono-endstufen, ein linker und ein rechter sepp – treiben ihre endröhren wahlweise im single-ended- oder im push-pull-betrieb, also als eintakter oder als gegentakter. und das muss zumindest röhren-novizen kurz erklärt werden:

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