Das neue OM System 20 mm 1.4 ED Pro Objektiv im Praxis-Test

Gestern kam mein neues Standardobjektiv für die Olympus Pen-F an: das OM System 20 mm 1.4 ED Pro. Es ist das erste Objektiv, das unter dem neuen Markennamen „OM System“ auf den markt kommt und nicht mehr als „Olympus“. Man darf also der alten Marke ein wenig nachtrauern, sollte sich aber nicht lange mit Jammern aufhalten.  Wichtiger ist, ob es den hohen Ansprüchen an die „Pro“-Reihe seiner Objektiv-Geschwister genügt. Und soviel vorweg: das tut es!

Das neue 20 mm Objektiv ist ein wunderbares Reiseobjektiv

Für ein Pro-Objektiv von Olympus – Verzeihung: OM System – ist es mit rund 670,- Euro allerdings erstaunlich preisgünstig. Es ist allerdings auch minimal lichtschwächer, als die anderen Festbrennweiten. Die Anfangsöffnung liegt bei 1,4, nicht bei 1,2 wie bei dem 25er oder dem 17er. Dafür ist es mit nur 247 Gramm auch ein echtes Leichtgewicht. Das 25er wiegt immerhin mehr als 400 Gramm. Natürlich besteht so ein Leichtgewicht weitgehend aus Kunststoff, aber der ist hochwertig und die Objektivfassung ist natürlich aus Metall. Die Haptik ist schon in Ordnung, keine Leica, aber doch gut.

Das OM System 20 mm verzichtet aber leider auch auf den praktischen Umschalter zwischen manuellem und Autofokus. Viele Fotografen hassen diesen kleinen Schieberegler ja, weil er sich angeblich zu leicht im Alltag versehentlich verstellt. Ich komme damit bei meinem 12-100 mm Reisezoom der Pro-Reihe sehr gut klar.

Ich habe mich für das neue 20er entschieden, weil es eben dieses Objektiv und das neue 100-400 mm Supertele als lichtstarkes Standardobjektiv auf Reisen ergänzen soll. Es komplettiert mein Objektiv-Set für die kompakte Olympus Pen-F – das 60er Macro gehört noch dazu – immer dann, wenn ich unterwegs bin und auf Tele-Brennweiten nicht verzichten will und deshalb meine Leica M nicht zum Einsatz kommt. Die entscheidenden Kaufargumente waren also:

  • Kompaktheit
  • Abbildungsqualität
  • Abdichtung

Das OM System 20 mm ist laut OM System nach IPX1-Standard gegen Staub und Spritzwasser geschützt sowie frostsicher bis -10 ° Celsius. Am Metallbajonett besitzt es einen Dichtungsring. Die vorderste Linse ist fluorbeschichtet, wodurch sich Schmutzpartikel weniger fest anhaften. Alles gut für den Einsatz unterwegs. Wobei ich freilich immer noch darauf hoffe, dass Olympus – Verzeihung: OM Systems – irgendwann mal einen Nachfolger für die Pen-F vorstellt, der dann auch gegen Staub und Wasser abgedichtet ist. So viele Fotografen schreien danach. Vielleicht werden wir ja doch einmal erhört …

Die Bildqualität des OM System 20 mm Pro Objektivs

Nach ersten Testaufnahmen bin ich mit der Bildqualität des OM System 20 mm recht zufrieden. Es gibt eine ganz schwache Randabschattung. Die Schärfe ist bis an den Rand ordentlich. Sie lässt zum Rand hin bei Offenblende nur minimal nach. Abblenden um eine Stufe hilft. Verzeichnung kann ich nicht feststellen. Aber ich bin kein Labor, ich habe nur ganz ordentliche Augen. 😉

Das Bokeh ist ausgesprochen gut und kommt beinahe an meine Leica heran. Und das will dann schon etwas heißen. Neun Blendenlamellen tun hier einen guten Job. 

Die folgenden Aufnahmen wurden alle an der Olympus Pen-F gemacht. Alle Bilder sind unbearbeitete JPEG, so wie sie aus der Kamera kommen:

Hier eine Aufnahme mit dem neuen OM 20 bei Offenblende 1,4:

OM 20 mm bei Offenblende

Zum Vergleich eine Aufnahme mit dem Panasonix Lumix 20 mm mit Offenblende 1,7:

Panasonic Lumix 20 mm bei Offenblende

Und schließlich mit dem Olympus 12-100 mm Reisezoom bei 20 mm mit offener Blende 4,5:

Olympus 12 – 100 mm bei 20 mm und Blende 4,5

Man sieht schön, dass wunderschöne Bokeh des OM 20 mm. 

Nun noch zum Vergleich eine Aufnahme mit der Leica M Modell 240 mit 50er Summilux bei Blende 2,8, ebenfalls als unbehandeltes JPEG:

Die Leica ist eine Vollformat-Kamera. Der Schärfentiefebereich entspricht deshalb bei 2,8 derjenigen einer MFT-Optik bei 1,4. Der Bildwinkel ist anders. Und ja: an die Leica kommen die Olys nicht heran. das kann man auch nachträglich nicht hinmanipulieren. Das liegt nicht nur an der Optik, sondern auch am Vollformat. 

Da ich mich ja hier vor allem für das OM 20 interessiere gibt es zum Abschluss nochmal einen optimierten Ausschnitt der Aufnahme mit dem OM System M.Zuiko Digital ED 1,4/20 mm Pro:

Ausschnitt der Aufnahme mit dem OM 20 mm 1.4 Pro

An der Bedienbarkeit des OM System 20 mm Pro gibt es nichts zu meckern

Der Einstellring ist breit, aus Metall und fasst sich gut an. Die manuelle Fokussierung kann sehr exakt erfolgen. Umschalten muss man freilich an der Kamera. Das ist umständlich. Der Autofokus reagiert flott, aber nicht lautlos. Ich filme nicht, also stört mich das auch nicht. Videofilmer werden mit dem Objektiv wohl nicht wirklich froh.

Mit den Olympus- oder meinetwegen OM-Streulichtblenden werde ich nie wirklich glücklich werden. Sie werden bei Nicht-Gebrauch verkehrt herum aufs Objektiv gesteckt und sind aus Hartplastik. Haptisch reichen sie an den Kunststoff der Objektivfassungen nicht heran. Ich mag die Dinger einfach nicht. Aber auf sie verzichten kann man auch nicht. Und sie funktionieren ja ordentlich. Aber ich bin schon verwöhnt von meinen Schiebe-Metall-Blenden einiger Leica-Objektive.  Die vermitteln schon beinahe erotische Gefühle … Ach ja …

Features – gibt es 😉

Featurelisten und technische Daten findet Ihr ja nun wirklich überall im Netz. Ich will mich deshalb hier nicht lange damit aufhalten. Hier nur die wichtigsten Fakten zum OM System M.Zuiko Digital ED 1,4/20 mm Pro:

  • Gewicht: 247 Gramm
  • Länge: 61,7 mm
  • Durchmesser: 63,4 mm
  • Filtergröße: 58 mm
  • Brennweite: 20 mm (entspricht 40 mm im Vollformat)
  • Größte Blende: 1,4
  • Kleinste Blende: 16
  • Mindestentfernung: 25 cm
  • Optik: 11 Linsen in 10 Gruppen
  • Verschluss: 9 Blendenlamellen
  • Preis: ca. 670,- € inkl. Gegenlichtblende, Front- und Rückendeckel, Stoffbeutel

Und jetzt hab ich besseres zu tun, als Blogbeiträge zu schreiben, Fotos machen zum Beispiel …

 

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