Die ganze Welt tanzt mit

Ich liebe den Begriff „Mitmach-Internet“ (der sehr viel besser als „Web 2.0“ das beschreibt, was gerade im Netz abgeht), aber ich muss gestehen, dass Matt Harding selbst meine kühnsten Erwartungen in dieser Beziehung übertrifft.

Weltentänzer Matt Harding

Matt ist ein pummeliger Allerweltstyp, so einer, der sich auf Parties nicht traut, ein Mädchen aufzufordern und deshalb irgendwo in einer stillen Ecke alleine vor sich hin tanzt. Das heißt: Tanzen kann er eigentlich auch nicht. Statt dessen zuckt er ziemlich ungelenk mit Armen und Beinen wie eine schlecht geölte Marionettenpuppe, die sich am Ententanz versucht. Dazu grinst er, und er tanzt halt eben. Mehr nicht.

Und die ganze Welt tanzt mit. Strassenkinder in Soweto. Kellnerinnen in einer Kneipe in Tokio. Bollywood-Tänzerinnen in Mumbai. Buschmänner auf Papua Neuguinea. Taschenkrebse auf den Weihnachtsinseln. Und Hunderte. Tausende von ganz normalen Passanten auf den Strassen von Madrid oder Montreal, vor dem Eifelturm in Paris oder zwischen den Wasserfontänen eines Springbrunnens in Atlanta.
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Czyslansky und der Ort der Stille

In seinem leider auf tragische Weise verschollenen Standardwerk „Digitalis vincit omnia“ gelang Czylansky, wie wir aus einem Briefwechsel mit seinem Freund Alois Beckstein wissen, eine grundsätzliche philosophische Standortbestimmmung der Digitalität im Kontext der freien Willensausübung. Wie Beckstein (angeblich ein entfernter Vorfahre des heutigen bayerischen Minsterpräsidenten) verriet, ging den Ereignissen um Niederschrift und Verlust von „Digitalis“ ein heftiges, mehrere Nächte dauerndes Streitgespräch der beiden im Restaurant Cooperativo („Coopi“) in Zürich voraus.

Hier kam es vermutlich auch zur denkwürdigen Begegnung mit James Joyce, in deren turbulentem Verlauf Joyce (wie fast jeden Abend) volltrunken ins Lokal kam und schrie, er habe „eine viel bessere Odysee als Homer“ geschrieben, worauf er drei Flaschen „Chateau Limatkai“ verwettete. Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass Joyce seinen Wettgewinn einlösen konnte, denn er starb bekanntlich wenige Stunden später an den Folgen eines Magendurchbruchs.
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Web 2.0 am Ende?

Die „Financial Times Deutschland“ stellte kürzlich, zwar nicht ins Blatt, aber immerhin in die Online-Ausgebe, eine bemerkens- und bedenkenswerte Frage in den Raum, nämlich ob die „Web-2.0-Euphorie“ nun langsam am Ende sei. Grund der bangen Annahme: Das Geschäft mit Widgets halte nicht, was die Hersteller sich einmal davon versprachen.

Das mag traurig stimmen, liebe Kollegen, geht aber dennoch messerscharf am Phänomen Web 2.0 vorbei: Erstens ist das kein Geschäftsmodell, worauf schon der Urheber des Begriffs, Tim O’Reilly gern hingewiesen hat, sondern eine (neue) „Haltung“ („attitude“) der Nutzer und zweitens ist der Gedaanke so unsinnig, als wenn jemand 1998, bevor Google seinen Siegeszug antrat, behauptet hätte, die „Euphorie“ um Suchmaschinen im Web sei beendet, weil die damaligen Akteure noch keine gewinnbringende Strategie für die Monetarisierung ihres Angebots gefunden hatten.

Merke: Im Internet geht es immer zuerst, um die Entwicklung eines erfolgreichen, weil für die Nutzer hilfreichen, Angebots und dann erst um dessen Monetarisierung. Wie erfolgreich dieser Weg sein kann, beweist nicht zuletzt Google selbst. Richtig ist allein die nicht eben originelle Beobachtung, dass Web 2.0 in allen seinen Ausprägungen noch nach einem ebenso innovativen wie erfolgreichen Geschäftsmodell verlangt. Wer das zuerst gefunden hat, der könnte zukünftig vielleicht sogar in der Google-Liga spielen.

Springer kauft Apple-Geist

Der Axel Springer Verlag setzt voll auf Apple. In den nächsten fünf Jahren tauscht er sämtliche Wintel-Rechner gegen Macs aus. Auch die Blackberry-Nutzer des Medienhauses dürfen auf das schickere Iphone von Apple umsteigen. Neben dem sicher günstigen Deal, den Springer mit Apple geschlossen haben muss, spielt offenbar auch das Image eine Rolle, das die Apple-Gerätschaften mitbringen und auf die Springer-Leute übertragen sollen. Zumindest Springerchef Döpfner hofft öffentlich, dass die Entscheidung pro Apple den kulturellen Wandel und die kulturelle Modernisierung seines Unternehmens fördert. Großes Publikum, große Geste. Aber durch den Kauf von Rechnern und Handys einen kulturellen Wandel herbeiführen zu wollen, ist doch arg naiv – oder verzweifelt. Mich erinnert es ein bisschen an die Kannibalen, die das Herz ihrer Feinde esssen, damit sich deren Mut auf sie selbst übertrage.
Döpfners Video-Botschaft:

A- Jugendmeister oder Championsleague?

Alexander Hüsing hat auf deutsche-startups.de wieder eine schöne Übersicht der Übernahmen des ersten Halbjahres 2008 gemacht. Die großen deutschen Medienkonzerne wie ProSieben Sat1 (Lokalisten), Mediaventures- Stroer (Ad2Net) , RTL (wer-kennt-wen.de), Springer (onmeda) oder Gruner & Jahr (Ligatus) haben wieder umfangreich investiert. Was auffällt im Unterschied zu Amerika, wo sich große Medienkonzerne, wie Yahoo oder Google, aus dem Internet entwickelt haben, das in Deutschland erfolgversprechende Start-ups oft schon nach 1-2 Jahren von großen Medienkonzerne oder internationalen Playern übernommen werden.

Auch im Bereich Performance Marketing, aus dem ich komme, sind die meisten großen deutschen Agenturen , wie 3G Net (Icrossing), oder rmsarcar (iprospect) an internationale Agenturen oder an die großen deutschen Medienunternehmen gegangen, wie z.B. eprofessional (Zanox-Axel Springer) oder Quisma (Group M).

Wann also kauft explido das internationale Affiliate Netzwerk tradedoubler?
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Der Blog, das Blog?

Gut, es gibt wichtigere Fragen zu beantworten. Wie kriegen wir die globale Erwärmung in den Griff? Ist Obama wirklich ein Liberaler? Darf eine Bundeskanzlerein Busenansatz zeigen? Trotzdem will ich sie stellen, die Frage, die mich gerade am heftigsten herumtreibt: Heißt es eigentlich „der Blog“ oder „das Blog“?

Gleich vorweg: Ich sage „der Blog“. Ich darf das, denn ich bin Amerikaner, und es ist unsere Wortschöpfung, da könnt Ihr Deutschen Euch auf den Kopf stellen. Aber als ich die Frage per Mail an Michael Kausch richtete, kam von ihm sofort ein schroffes „nein nein. DAS blog. unbedingt.“

Wie ernst es ihm ist, merkt man daran, dass er in einer Mail Großbuchstaben verwendet. Das tut er sonst nie.

Das heisst aber nicht, dass er recht hat. Leider hilft uns auch der Duden („Blog, das, auch der)“ nicht wirklich weiter. Man hat es sich in Mannheim offenbar seit der Right-Write Reform ganz abgewöhnt, eindeutig zu irgendeinem Thema Stellung zu beziehen und sagt statt dessen im Grunde: „Macht doch grad was ihr wollt!“
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Traue keinem Wiki, den du nicht selbst gefälscht hast

Im Jahre 2004 schrieb schließlich der Amerikaner James Surowiecki ein Buch, das er „The Wisdom Of Crowds“ nannte, in dem er die kollektive Intelligenz der Gruppe beschreibt: Gemeinsam sind wir Menschen laut Surowiecki in der Lage, besser zu denken und zu entscheiden, als es ein Einzelner je könnte.

Im Zeitalter des „Mitmach-Internet“ ist die Gruppenweisheit gefragter denn je, und nirgendwo zeigt sich das deutlicher als bei Wikipedia, dem Online-Lexikon, das von den Lesern selbst erstellt wurde und ständig fortgeschrieben wird. Der Einzelne trägt sein Wissen in Form von Fachaufsätzen oder Einträgen bei, die anderen Leser nehmen sozusagen eine fortlaufende kollektive Schlusskorrektur vor.

Wikipedia ist heute für die meisten Menschen, die im Internet recherchieren müssen, das was Google für die Online-Suche ist, nämlich die erste und wichtigste Anlaufstelle. Und was da steht, das glaubt man auch, denn schließlich wacht ja die Menge mit ihrer Weisheit darüber, dass keiner mogelt oder lügt.
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angie allein im web?

der jugend- und online-ableger der süddeutschen zeitung jetzt.de bringt ein interview mit markus beckedahl von re-publica zu dessen studie über politiker im web 2.0.  die ergebnisse der untersuchung sind nicht überraschend: deutsche politiker scheuen das soziale netz wie  ministranten katholische priester.

„In den USA hat Barack Obama über eine Million Unterstützer bei Facebook. In Deutschland haben wir von Angela Merkel ein Profil bei Facebook gefunden, sonst aber von so gut wie keinem Politiker in einem sozialen Netzwerk“  (beckedahl). deutsche parteien investierten noch zu wenig in online-wahlkämpfe, so der deutsche online-politik-papst.

aber liegt das nur an der unfähigkeit der pr- und marketingprofis hinter unseren politikern? daran, dass die moritz hunzingers ihren kunden zwar die anzüge kaufen, aber kein blog einrichten?
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Blüm, Marx, Zumwinkel und der ganze Wahnsinn

„Wo die Moral abhanden kommt, da gerät der freiheitliche Rechtsstaat in Gefahr.“ Dies lies Horst Köhler vor wenigen Tagen bei der Verleihung des Max-Weber-Preises für Wirtschaftsethik in Berlin verlauten. Aber stimmt das eigentlich?

Ich meine, es stimmt auf gefährliche Weise nicht! Angesichts der zahllosen aktuellen Skandale um offene Rechtsbrüche unserer Vorzeigeunternehmen von Siemens bis zur Deutschen Telekom vermischt die öffentliche Diskussion zwei grundsätzlich voneinander unabhängige Probleme:

Natürlich ist es wahr, dass die soziale Ungleichheit in unserem Land zunimmt. Natürlich orientieren sich die Vorstände unserer börsennotierten Unternehmen in erster Linie an den Interessen ihrer Shareholder und nicht an den Interessen ihrer Mitarbeiter. Natürlich schanzen sich Vorstände hohe Abfindungen zu, wenn sie ihr Unternehmen mitsamt ihrer Mitarbeiter an den Wettbewerb verkaufen. Und natürlich ist das alles nicht schön und manchmal auch auf lange Sicht für unsere Gesellschaft, die auf Konsens beruht, gefährlich. Aber das ist eine Wertedebatte, die es in privatwirtschaftlich verfassten Wirtschaftssystemen immer schon gab und auch immer geben muss. Es ist die alte Diskussion um die neuerdings wieder so beliebten paternalistisch organisierten Familienunternehmen einerseits (siehe Handelsblatt vom 17. Juni) gegen die modernen und anonymen Aktiengesellschaften, die für Karl Marx eine Vorlage für sozialistische Unternehmen und für Norbert Blüm eine prima Voraussetzung zum sozialen Ausgleich über die Arbeitnehmerbeteiligung am Produktivvermögen, darstellen. Da scheinen heute in der Diskussion die Fronten gehörig durcheinander zu geraten. Aber das ist ein eigenes Thema …
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Kein Anschluss unter dieser Nummer

Es gibt nur eine richtige Art, seine Telefonnummer auf die Vistenkarte zu schreiben – nämlich so, dass sie der Computer versteht!

Ich habe mir neulich einen Vistenkarten-Scanner gekauft. Das ist eine wunderbare Erfindung, denn jetzt kann ich endlich den Stapel an Vistenkarten abarbeiten, die bei mir neben dem Schreibtisch liegen und wo ich nie die Zeit fand, sie in mein Outlook einzugeben.

Es gab allerdings schon bald erste Probleme. Ich bin es nämlich gewohnt, meine Outlook-Daten mit meinem Mobiltelefon zu synchronisieren, damit ich meine Kontakte auch unterwegs anrufen kann. Als ich aber die erste eingescannte Nummer wählen wollte, kam den typischen dreifachen Piepston, gefolgt von der vorwurfsvollen Frauenstimme: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

Schuld war die Visitenkarte. Genauer: die Art und Weise, wie der Mensch seine Telefonnummer auf seiner Karte angegeben hatte.
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das blog zur analog- und digitalkultur