Digitale Transformation und die Zukunft der Intelligenz

digital transformationVinton Cerf, einer der Erfinder des TCP/IP-Protokolls, spricht gerne von „Netzwerk-Intelligenz“ und meint damit technische Veränderung in Systemlandschaften, die von digitaler Vernetzung ausgelöst werden und zu einer direkten Veränderung im Verhalten ihrer menschlichen Benutzer führen.

Computerexperten sprechen in diesem Zusammenhang gerne von „digital transformation“, also von einer durch digitale Vernetzung induzierten Veränderung von Systemen und IT-Landschaften. Man kann den Begriff aber auch im Sinne Cerfs sehr viel weiter ausdehnen und damit auch Veränderungen im Verhalten von Menschen beschreiben, die mit diesen Systemen arbeiten oder durch sie kommunizieren.

Die digitale Vernetzung wird langfristig zu einer ganz neuen Form von Intelligenz führen, die wir „kommunikative Intelligenz“ nennen, und die wir aus der Beobachtung ableiten, dass der kollektive IQ eines großen Kommunikationsnetzwerks wie zum Beispiel Facebook höher ist als die Summe der Einzel-IQs der Mitglieder. Wahrscheinlich steigt der Gesamt-IQ, ähnlich wie bei dem von John Metcalfe 1993 postulierten „Netzwerk-Effekt“ sogar exponentiell zur Anzahl der Netzwerk-Teilnehmer. Weiterlesen

R.I.P. – Mr. Spock

Live long and prosper…

pflegte er als Abschiedsgruß zu sagen, der Vulkanier, dem Emotionen so fremd waren. Das Spitzohr an der Seite von Kirk, dem Schlitzohr. Der ewige “Widersacher” von Pille (Bones) McCoy, der sachlich, kühle, vernunftbegabte Analytiker…

Schon einmal ist er gestorben, damals auf der Kinoleinwand in den Filmen der Star Trek Serie. Und er kam doch zurück.

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Er schrieb, er blieb. Er twitterte… und das sehr poetisch.

Jetzt ist sein Darsteller, Leonard Nimoy, gestorben. Und mit ihm Mr. Spock.

Seinen letzten Tweet schrieb er vor vier Tagen:

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Live long and prosper…

Du Held meiner Kindheit… Einer, der so war, wie ich es gerne gewesen wäre, einer, den ich immer spielen wollte, wenn wir mit unseren Grundschulfreunden die Kinderzimmer in die Kommandobrücke der Enterprise umbauten.

Live long and prosper, wherever you are…

Doitschland gegen Varoufakis und Souflaki – ein Video, das man gesehen haben muss!

Ich meine, das ist die perfekte Antwort auf die unsägliche BILD-Selfie-Kampagne gegen Griechenland:

Deutschland digital? Nicht mit uns!

Und um neun seid Ihr alle am Schreibtisch - sonst knallt's!

Und um neun seid Ihr alle am Schreibtisch – sonst knallt’s!

Das Internet verändert alles – nur nicht die deutsche Bürolandschaft. Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer erweisen sich hierzulande als  beratungsresistent wenn es um die Neugestaltung der Arbeitsorganisation geht. Das ist jedenfalls mein Fazit nach der Lektüre der neuen BITKOM-Studie zum Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“. Home Office? Aber ohne mich! Flexible Beschäftigungsmodelle und Einbinden von Freien? Lieber nicht! Videokonferenz? Was iss‘n das?

Deutschland, ein einig Volk von Bürohengste. BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf, im Nebenjob Chef der Steuerberatergenossenschaft DATEV, war jedenfalls hörbar ernüchtert, als er heute die Studienergebnisse in einer Online-Pressekonferenz vorstellen musste. Wobei ihn offenbar die Tatsache besonders fuchste, dass nur 8 Prozent der befragten Firmen auf Videokonferenzen als Alternative zum Präsenztreffen setzt. Er war sich aber wenigstens der feinen Ironie bewusst , dass ihm die zugeschalteten Journalisten nur per Telefon lauschen konnten. Immerhin liefen seine Charts parallel im Internet. „Irgendwann sind wir auch soweit“, seufzte er zwischendurch.

Viel erschütternder waren die Zahlen, die er präsentieren musste. 75 Prozent der Firmen in Deutschland verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie während der Dienstzeit anwesend zu sein haben. Weitere 17 Prozent erlauben immerhin zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Leute, zwischendurch auch mal woanders zu arbeiten. 73 Prozent sind überzeugt, dass der klassische Büroarbeitsplatz mit Präsenzpflicht auch in Zukunft das Modell der Wahl bleiben wird. Nur ein Drittel glaubt, dass das Home Office künftig an Bedeutung gewinnen wird. Bei 64 Prozent ist es schlicht „nicht vorgesehen.“ Weiterlesen

Je suis Sisyphe

800px-Punishment_sisyphJahre meines Lebens verschwende ich mit sinnlosem Tun. Und ich habe keinen einzigen Moment dabei ein schlechtes Gewissen oder ein schlechtes Gefühl. Denn ich habe mich freiwillig entschieden, das zu tun. Aber manch verschwendete Minute macht mich doch wütend – vor allem, wenn das Schicksal oder der Wille der Götter mich zu sinnlosem Tun verurteilt. Oft ist dabei mein Tun nicht ganz sinnlos, denn es führt immer zu dem gewünschten Ergebnis. Nur ist das Resultat eben nicht von Dauer. Will sagen: Es ist wie bei Sisyphos (hier im Bild zu sehen auf einem Gemälde Tizians). Am nächsten Tag geht der Scheiß von vorne los.
Wer Albert Camus‘ Essay Le mythe de Sisyphe gelesen hat, weiß, dass die ganze Anstrengung des Sisyphos im Grunde vergebens ist… und sinnlos. Und darin begründet sich die Absurdität des Ganzen. Man will seinem Tun einen Sinn geben, in der Welt einen Sinn suchen, obwohl sie doch gar keinen hat. Weiterlesen

Qualitätsjournalist – ein Hundeleben!

Ein Hundeleben ist das!

Ein Hundeleben ist das!

Ich bin eigentlich kein typischer taz-Leser, aber manchmal verirre ich mich mal auf die Website und genieße den rotzfrechen Stil und die eklektische Themenauswahl der Berliner Kollegen. So auch heute, wo mich die Headline „Bald in der ganzen Stadt: Leinenzwang“ unwiderstehlich anzog. Ich las dort einen pointiert geschriebenen und außerordentlich respektlosen Beitrag über die ausufernde Verbotswut Berliner Politiker, der plötzlich eine unerwartete Wende nahm und in eine schwarzhumorige Tirade gegen Hundebesitzer umschwenkte („…versuchen Sie mal, mit Leuten zu reden, die ihren kalbsgroßen Köter „Prinzessin“ nennen) und in der Forderung gipfelte: „Macht aus dem Leinenzwang ein landesweites Hundeverbot, bitte.“ Weiterlesen

Ich griech die Krise

800px-Flag_of_Greece.svgEs ist nicht auszuhalten. Ich habe ja schon viel zum Thema Griechenland geschrieben (hier, hier, hier oder neulich erst hier), durchaus ambivalent, aber nun sitze ich im ICE. Im Großraumwagen. Nein, kein Schimpfen über die Bahn heute, das wäre zu ermüdend und wir haben auch nur 15 Minuten Verspätung und der Zug fährt ja, trotz Streikgeschrei. Es ist viel schlimmer. Eine Reihe weiter sitzt ein Mensch mit unangenehmem Düsseldorfakzent, also “rheinisch ohne Freude am Leben”, und weiss alles zum Thema Griechenland. Nein, ich werde ihm nicht ins Wort fallen, nein, ich werde ihm nicht seinen Schal in den Hals stopfen oder ihn mit seinen eigenen Därmen erwürgen, oder welche Gewaltphantasien noch mit mir durchgehen mögen. Ich beschliesse also, still zu leiden. Der da spricht, ist kein dumpfer Stammtischler, der aus der Bildzeitung vorliest, oder einfach nur Dampf abläßt, sondern er ist, wie er auch erwähnt, ehemaliger Ministerialbeamter. Und ich befürchte, viele denken so wie der. Warum tun sie das? Weil sie recht haben? Ich bin nicht überzeugt.

Aber reden wir über das, was er sagt. Weiterlesen

Das Arbeitspferd des Internets hat ausgedient

Wenn der Windows Server 2003 ein Auto wäre...

Wenn der Windows Server 2003 ein Auto wäre…

Im Juli geht in der IT eine Ära zu Ende. Dann nämlich wird Microsoft die Wartung des Windows Server 2003 einstellen. Das „Arbeitspferd des Internet“, wie ihn ein IT-Journalist einmal nannte, wird aufs Altenteil verabschiedet. Und Hunderttausende von IT-Verantwortliche fragen sich: Was kommt danach?

Die Aufgabe, die vor ihnen steht, hat durchaus historische Dimensionen. Die „größte Migration in der Tech-Geschichte“, nannte es Barbara Walter, Macom-Chefin von Spiceworks gestern in einer Diskussionsrunde, zu der Intel und Microsoft ins Münchner Sofitel eingeladen hatten. Immerhin laufen ja alleine in Europa noch rund vier bis fünf Millionen der alten Dinger noch, allerdings mehr schlecht als recht.

Alte Server sind langsam und verbrauchen viel zu viel Strom. Und sie sind anfällig, was zu der an sich absurden Situation führt, dass die Budgets der IT-Abteilungen hierzulande zu 75 Prozent in Wartung und Unterhaltung bestehender Systeme fließt und nur zu 25 Prozent in die Innovation. Das behauptet jedenfalls Thomas Kellerer, der bei Intel Deutschland für die Cloud Service Provider zuständig ist. Die Folge: Dringend benötigte Business-Anwendungen wie Social Media, Mobile und Collaboration bleiben liegen oder werden ausgebremst, weil die Server schlicht und einfach dafür nicht gebaut worden sind. Weiterlesen

Wie macht man Nazis?

oliver-welkeEs ist schon wieder einige Zeit her, aber die Sache will mir nicht aus dem Kopf. In der heute-Show vom 6.2. war ein kurzer Clip zu sehen, in dem eine Frau mit Petra-Pau-Frisur erstaunlicherweise sagte, sie wähle AfD, weil die NPD ihr doch zu extrem sei und die AfD eben die NPD “in nett” sei. Optisch war das schon auffällig, die Frisur war links, der Rest AfD? Die Lösung ist simpel, das Interview war gewaltsam und sinnentstellend gekürzt. Sie hatte eigentlich vorher gesagt, es gebe in ihrem Dorf viele Leute, die rechter Meinung seien und die nun einfach sagten, sie wählten AfD weil usw. usw. Die Frau ist Mitglied bei der LINKEN und es ist nachvollziehbar, dass sie sich ärgert, von einem schnoddrigen Satireteam um 180 Grad gedreht zu werden. Sie veröffentlicht den Vorfall auf Facebook und die Stimmung kocht hoch. Erstaunlich: sobald jemand darauf hinweist, daß es sich bei der heute-Show um eine Satiresendung handle, wird er niedergemacht. Satire erlaube eine Überzeichnung, mehr nicht. Nicht jedoch eine Verdrehung des Sinns oder gar eine Fälschung.

So schnell sind die “Je suis Charlie” – Bekenner also wieder verschwunden. Weiterlesen

Vorsicht Freunde, ich bin bewaffnet

bleistift

… das meine ich ernst. Ich bin bewaffnet. Vor vielen Jahren las ich in einem Krimi von Nino Filasto, von einem Mord, der mit einem Bleistift ausgeführt wurde. Ein Bleistift ist immer eine wunderbare Waffe. Darum bevorzuge ich dieses Schreibinstrument zumindest dann, wenn ich mit Hand schreibe. Das erwähnte ich n meinem Blog ja schon einmal: Ich habe bestellt…

Nun stellt klassischerweise ein Bleistift weder eine Verteidigungswaffe noch ein tatsächliches Tötungsinstrument dar. Und doch, das wissen wir, dass die Feder eine mächtigere Waffe sein kann, als das Schwert. Die Redensart ist hinlänglich bekannt. In Tagen wie diesen ist sie oft genug bemüht worden, womit ich ganz unverhohlen noch einmal auf das Terrorattentat in Paris, das umfassende Thema Pegida/Nopegida, die Demonstrationsverbote, die Lügenpresse usw. zu sprechen kommen möchte. Viel ist in der vergangenen Wochen über Karikaturen und Satire diskutiert worden: Ihre Macht, ihre Grenzen, ihre Verantwortung, ihre Aufgbaben.

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