Gedankenhehlerei Teil 3 – es ist noch nicht vorbei

So schnell kann es gehen. Das Buch „Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten“ ist, kaum veröffentlicht, schon wieder vom Markt verschwunden.
Es geht – Sie erinnern sich – um 140 Tweets, die die Plattform MadeMyDay zunächst von Twiter zusamengeklaubt und dann im Riva-Verlag als amüsantes Büchlein veröffentlicht hat. Unter Nichtbeachtung irgendeines Urheberrechts, denn – so der Anwalt des Autoren – bei Tweets gelte selbiges nicht, hier sei keine Schöpfungshöhe erreicht. Twitter-Deutschland war stinkwütend und empört.
6 Tage später, unzählige unter dem Hashtag #madebytwitter veröffentlichte Tweets und mehrere Dutzend Blogeinträge später, hat der Verlag nun die Ausgaben vom Markt genommen. Auch auf Czyslansky war zu dem Thema zu lesen: Unter dem Titel Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei? habe ich zum Wochenanfang einen erste Artikel veröffentlicht, am 17.12. folgte die Fortsetzung Gedankenhehlerei Teil 2. Es darf spekulierr werden.
Mir diesem Beitrag endet nun zumindest für den Riva-Verlag das Kapitel:

riva1

riva2
Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Verlagserklärung ist das Buch aus derm Verkaufssortiment von Amazon verschwunden:
riva3

Dass auch Amazon, vermutlich auf Betreiben des Verlags, das Buch ausgelistet hat, heißt aber nicht, dass es nun nicht mehr erhältlich ist. Bereits vom Verlag verkaufte Exemplare an Buchhändler sind nach wie vor zu kaufen. Auch bei Amazon werden über Marketplace (also Drittanbieter) nach wie vor die MadeMyDay-Bücher vertrieben.

Mit diesem „Etappensieg“ ist den Twitterern zumindest eines gelungen: Ein Zeichen zu setzen und ein Wirtschaftsunternehmen massiv unter Druck zu setzen. Dass die Selbstbedienung bei Twittern möglichweise legal ist (hier käme es tatsächlich auf einen Prozess an, das zu klären), heißt nicht, dass es legitim, moralisch in Ordnung oder anständig wäre. Das war tagelang Tenor bei Twitter und in den Blogs. Und das hat der Riva-Verlag eingesehen.
MadeMyDay allerdings nicht, denn auf Facebook erscheinen nach wie vor die Machwerke ungehindert und ungebremst.
Und es gibt Nachahmer. Facebook-Plattformen wie Schilderspruch bedienen sich  genau der gleichen Mechanik: Klauen, umbauen, weiter verteilen.
Es ist also noch nicht vorbei.

Null Toleranz für PEGIDA – Wenn PEGIDA die Mitte ist, ist PEGIDA das Arschloch der Nation

“Mein Vorschlag für ein besseres Deutschland: Für jeden neuen Mitbürger moslemischen Glaubens schmeißen wir einen PEGIDA-Anhänger raus.”

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer beschwichtigt: “[Bei den PEGIDA-Demonstrationen sind auch] viele Bürger mit berechtigten Sorgen [dabei].” Und weiter: “Mit denen muss man in einen Dialog treten und darf sie nicht pauschal verurteilen”. Bei Seehofer könnte man ja noch darauf setzen, dass er ein zwei Tage später das Gegenteil behauptet. Aber er ist ja nicht allein mit seiner Beschwichtigungspolitik gegenüber dem neuen Rechtsradikalismus. Bundesinnenminister De Mazière behauptet gar unter den Teilnehmern seien viele, die “ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit” bringen.

PEGIDA: Ja geht’s denn noch?

Nur weil die Krawallchöre der PEGIDA-Demonstranten dümmlich sind, sind sie nicht als Bewegung ernst zu nehmen? Nur weil emotionale und irrationale  Angst aus ihren Plakaten schreit, haben die Claqeure des Faschismus nichts mit dem Faschismus zu tun? Ist denn Hitler Kanzler geworden, weil die deutsche Intelligenz ihn gefördert hat? Waren seine Reden denn intelligent? Bildete die SA etwa das Podium des rationalen Diskurses um Blut und Boden? Bildeten denn im Gegenteil nicht gerade die vom sozialen Abstieg bedrohten alten Mittelschichten den Gärteig des Nationalsozialismus?

PEGIDA kommt aus der Mitte der Gesellschaft! Was ist das für ein Gerede? Wo kamen die Nazis Ende der zwanziger Jahre plötzlich her? Vom Mars?
Weiterlesen

Gedankenhehlerei Teil 2. Es darf spekuliert werden.

„Wir als Verlag leben vom Schutz des geistigen Eigentums. Deshalb wollten sie alles tun, um etwaige Rechtsverletzungen zu unterbinden. Wir bitten alle Twitterer, die einen selbst erfundenen Spruch von sich auf dieser Facebook-Seite entdecken, uns dies mitzuteilen, damit wir den Urheber nennen können oder, falls dieser an einer Veröffentlichung nicht interessiert ist, den Spruch aus dem Manuskript zu entfernen.”

Pressemitteilung des Riva Verlages, so zu lesen 2012 unter anderem auf wwww.boersenblatt.net, der Online-Ausgabe des Börsenblatts, Magazin für den Deutschen Buchhandel.
Mit dieser Pressemeldung trat der Münchner Riva Verlag im September 2012 an die Öffentlichkeit und stoppte die Auslieferung des Buches “Nachts um 3 Uhr klingelte der Nachbar. Mir ist vor Schreck fast die Bohrmaschine aus der Hand gefallen” von Rolf Hohenhaus. Der Grund: Dem Autor Hohenhaus wurden Plagiate aus dem Internet vorgeworfen…
Erinnert sie das an was?
Richtig:MadyMyDay? MadeByTwitter?

mmd1Es wird immer absurder, darum greifen wir das Thema noch einmal auf.
Wir erinnern uns. Vor einigen Tagen erschien das Buch „Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten“ . Seitdem herrscht Aufregung im Twitterland. Dem anonymen Autor wurde vorgeworfen, Tweets zusammengesucht und unter eigenem Namen/Label bei Facebook veröffentlicht zu haben und aus diesem Material nun ein Buch erstellt zu haben. Veröffentlicht wurde es im Münchner Riva Verlag, eben dem, der eigentlich 2012 hätte lernen können, dass Diebstahl von Geistesblitzen in sozialen Netzwerken in selbigen gnadenlos abgestraft wird. Aber, so lässt sich in der mittlerweile veröffentlichten rechtlichen Einschätzung des Anwalts zum Tweetklau nachlesen, steht der Verlag ja auf dem Standpunkt, nichts Unrechtes begangenn zu haben: Legt man die oben ausgeführten Grundlagen auf die üblicherweise bei Twitter veröffentlichen Beiträge an, so ist davon auszugehen, dass der weit überwiegenden Zahl von Tweets – gerade auch wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen – wohl kein Urheberrechtsschutz zugebilligt werden kann. Entscheidend ist dabei, dass die Rechtsprechung entsprechend kurzen Sprüchen Urheberrechtsschutz eben nur im Ausnahmefall und nur dann zubilligt, wenn der Urheber mit Hilfe der Auswahl, der Anordnung und der Kombination verschiedener Wörter seinen schöpferischen Geist in origineller Weise zum Ausdruck zu bringen vermag (vgl. EuGH ZUM 2009, 945 (947) – Infopak/DDF). Allein die Tatsache, dass ein Spruch einen gewissen Witz entfaltet, führt nach der Rechtsprechung jedenfalls nicht zu einem Urheberrechtschutz.

Weiterlesen

Lasst mich mit eurem Scheiss in Ruhe! – Netiquette2014.beta #05

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der fünfte Text unserer kleinen Serie zum Thema Nett im Netz – Netiquette2014.beta. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

————————

“Netiquette” kommt von “Net” wie “Netz” nicht von “nett” wie der kleine Bruder von Scheisse. Nur das sei einmal mal vorweggeschickt. Ich muss also nicht nett sein. Ich befinde mich, seit ich denken kann in sozialen Netzwerken, erst mit meinen Eltern und Grosseltern, Tanten und so weiter und dann irgendwann mit Frau und Kindern. Ich war in ein paar Cliquen, Schulen, sogar Universitäten, an unzähligen Arbeitsplätzen und Filmsets. Das alles sind soziale Netzwerke. Überall waren Menschen mit denen ich gut, besser oder eben auch schlechter zurechtgekommen bin. Manchmal gab es Freundschaft, manchmal Sex, Streit oder auch mal ein paar aufs Maul, wie man in kultivierten Kreisen sagt. Aber meistens gibt und gab es Nix, gar Nichts. Langeweile, Desinteresse …

Seit ein paar Jahren, inzwischen sind es Jahrzehnte geworden sind auch einige digitale Netzwerke hinzugekommen. von Compuserve, div. MMORPGs, Mailinglisten, Newsgroups, Foren, Twitter, Facebook, Youtube etc. Und wissen Sie was? Es gibt kaum Unterschiede. Mal gibt es Freundschaft, machmal … sie wissen schon … Es ist schlicht genau dasselbe. Ob digital oder real: “same shit, different channel”, wie der Lateiner sagt.
Weiterlesen

Information ohne Zusammenhang

Ist Kopieren gut oder schlecht?  Nun, eine Berufsgruppe, die sozusagen von alters her vom Kopieren gelebt hat, sind die Journalisten. “Lieber gut abgeschrieben als schlecht selbst getextet” gehört zu den geflügelten Worten vieler Mitglieder dieser Zunft, ebenso wie der Spruch: “Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat”.

Das hören die Kollegen natürlich nicht gerne. Im Gegenteil: Sie stürzen sich wie die Geier auf jeden Politiker, dem in der Doktorarbeit ein Plagiat nachgewiesen werden kann, was mittlerweile dank ausgeklügelter Software und dem Fleiß einer Schar von freiwilligen Saubermännern und -frauen ziemlich leicht geht.

Dabei sind Journalosten die größten Plagiatoren, die es gibt – und es ist sogar ihre ureigene Aufgabe. Der klassische Reporter ist schließlich nichts anderes als ein Jäger und Sammler. Er ist ständig auf der Suche nach Informationen, die er (jedenfalls meistens) nicht selbst erfunden hat, sondern die er „recherchiert“, also ausgegraben hat. Oft möchten die Besitzer dieser Information nicht, dass ihre Namen veröffentlicht werden, und dann spricht man in Fachkreisen stolz von „Enthüllungsjournalismus“.

Neben dem Reporten von Fakten hat der Journalist die Aufgabe, diese zu kommentieren, was häufig miteinander vermischt wird und die Gefahr der tendenziellen Berichterstattung in sich birgt. Deshalb gibt es in der Tradition des ordentlichen Journalismus auch die Grundregel, dass Kommentar und Berichterstattung streng voneinander zu trennen sind. Das ist in Deutschland anders. Hier sorgten staatliche Zensur und eine weitgehend parteienfinanzierte Presse im 19ten und frühen 20sten Jahrhundert dafür, dass Journalisten mit ihrer Arbeit meistens eine bestimmte Absicht verfolgen sollten: Sie gehörten einem Lager an, und sie neigten dazu, die Fakten danach auszusuchen, ob sie zu der jeweiligen politischen, kulturellen oder weltanschaulichen Botschaft passen, die sich der Journalist und das Blatt, für das er arbeitet, auf die Fahne geschrieben haben. Diese handverlesenen Fakten werden dann in einen Kontext gestellt, der zur jeweiligen Agenda passt. Sie werden also “rekontextualisiert” – nicht mehr und auch nicht weniger. Weiterlesen

Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei?

Die Wut ist groß im Zwitscherland. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn nun hat nach Ansicht zahlreicher deutscher Zwitscherer Alex Bitschnau den Bogen überspannt. Und das bei weitem.
Vor Jahr und Tag hatte Bitschnau die famose Idee, eine Facebook-Fanpage einzurichten und unter dem Namen „Made My Day“ tagtäglich lustige, witzige und geistreiche Sinnsprüche zu veröffentlichen. Das ist nun nicht nach Jedermanns Geschmack, aber immerhin gefällt es mittlerweile über 2 Mio. Leuten, die Fans dieser Seite lassen und sich nun täglich von Bitschnau ein kurzes Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn auf ihrer Pinnwand wieder eines seiner Bonmots erscheint.

Seiner Bonmots?

Weiterlesen

Ich twichtle – Ein Erfahrungsbericht (Teil: 2)

20141130_145622Spontan und auf der Suche nach einer netten, weihnachtlichen Story für Czylansky habe ich mich im November beim Twitter-Wichteln – kurz twichteln – angemeldet.
Ich werde twichteln schrieb ich und war neugierig, was denn dabei herauskommen würde.

Nun: Zunächst habe ich den Twitternamen und die Adresse eines mir vollkommen fremden Menschen bekommen. Wobei: Vollkommen fremd ist mir dieser Mensch nicht, denn wir folgen uns bei Twitter gegenseitig. Das heißt: Wenn es einigermaßen gut geht, liest dieser Mensch, nennen wir ihn H., meine Tweets und ich lese seine. Das aber passiert eher unregelmäßig und vor allem zufällig, wenn ich mal bei Twitter bin und H. gerade was geschrieben hat, dann taucht das bei mir in der Timeline auf. Ich habe mir abgewöhnt, halbe Ewigkeiten zu scrollen und nachzulesen oder einzelne Twitterer aufzurufen und mich durch deren Tweets durchzugraben. Dazu ist es zu viel geworden. So funktioniert es auch ganz nett: Tür aufreißen, reinschauen, eine Runde mitkreischen, Tür zu.
Nun aber ist es anders. Ich durchstöbere H.s Tweets auf der Suche nach Hinweisen. Was schenke ich diesem Menschen? Vielleicht finde ich in den Tweets oder in den Bildern, die er hoffentlich hochgeladen hat, ein paar Spuren.
Mann, ist das spannend. Herr P. (also ich) wird ein Profiler. Mosaikstein um Mosikstein baue ich mir H.s Profil zusammen. Natürlich erfahre ich, wo er wohnt (ok, das wusste ich aus der Mail der Veranstalterin). Aber ich weiß jetzt auch, wohin er in Urlaub fährt, wo er sich rumtreibt, welche Hobbys er hat, ob er ein Tier hat (ich glaube schon) usw. usw. Und ob H. ein Mann oder eine Frau ist (aber das verrät das Avatarbild sowieso, das ist ein Portrait, und ich bin sicher, dass ist H. selbst). Und plötzlich verstehe ich auch seinen Twitternamen, der sich aus dem Realnamen herleiten lässt. Mann… ich geh zur Kripo.
Aber ich bin kein Profiler. Ich bin ein Stalker wenn auch mit ehrenhaften Absichten. Irgendwann nämlich entdecke ich ein Foto auf Instagram, dass H. hochgeladen hat. Es zeigt etwas Nettes versehen mit dem Satz “So etwas hätte ich auch gerne”.
Den Rest macht Google. Ich finde das Produkt, bzw. ein Ähnliches. Um es zu bekommen, muss ich mich in einem eher sonderbaren Shop anmelden. Was es nicht alles gibt… ok, mach ich auch das. Das Teil gibt’s weder bei Amazon noch bei ebay und ich werde ganz sicher nicht kreuz und quer durch die Stadt laufen, um ein Geschäft zu finden.

20141211_202259Das Geschenk garniere ich noch mit meinem neuen Buch. Damit ich die Regeln einhalte und nicht über Budget komme, wird das als Privatentnahme notiert. 10 Euro sind die Obergrenze und daran halte ich mich (nun ja… fast).

Als ich das alles verpacke und das Papier glattziehe, komme ich mir ein wenig wie in einem RTL-Scripted-Reality-Format vor. So wie die frauensuchenden Bauern, die die Bettlaken extra gerade ziehen, die bauernsuchenden Frauen, die Irgendwas voller Hingabe als Mitbringsel packen… so viel Liebe, so viele Erwartungen, so viel Emotionen in einer winzigen Geste.
Natürlich bin ich weder Bauer noch Frau, suche weder das eine noch das andere, aber ich bin überrascht, wie wichtig mir das geworden ist, das mein Geschenk ankommt. Also lege ich einen Screenshot des Instagram-Fotos dazu und wünsche viel Freude mit dem ersehnten Teil. Und ich hoffe, mein Twitter-Wichtel-Gegenüber weiß das auch zu würdigen.
Ab jetzt schaue ich täglich in die Post nach Päckchen sonderbarer und unbekannter Herkunft. Wann kommt mein Twichtelgeschenk? Und was wird es sein?
Ich bin so gespannt, denn Post kommt reichlich. Auch Päckchen. Aber das sind alles Sachen, die ich selbst zum Verschenken bestellt habe, einiges bei Amazon Marketplace.

Ich will aber auch ein Geschenk. Verdammt. Ich bin so aufgeregt. Das ist ja wie Weihnachten…

 

Was darf in einer E-Mail stehen – und was nicht? – Netiquette2014.beta #04

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der vierte Text unserer kleinen Serie zumThema Nett im Netz – Netiquette2014.beta. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

——————————————————————————

get-anybody-on-the-phone-cartoonIn einer offenen Gesellschaft – und das Internet ist mit das Offenste, was man sich vorstellen kann – dürfen Sie natürlich in Ihre E-Mails schreiben, was Sie wollen. Ob das aber unbedingt weise wäre, ist zweifelhaft. Gerade die Offenheit des Net kann sich als Nachteil auswirken, wenn es darum geht, über Dinge zu kommunizieren, die nicht jeder wissen soll.

Eine E-Mail kann auf dem Weg zum Empfänger durchaus eine Reihe von Zwischenstationen durchlaufen. In jedem dieser Rechner ist es theoretisch möglich, dass ein Fehler auftritt und Ihre Mail an jemanden ganz anderen geleitet wird. Computer sind alles andere als unfehlbar. Außerdem sind manche E-Mail-Adressen in Wirklichkeit Mailing Lists, die eingehende Nachrichten sofort an alle Mitglieder der Liste weiterleiten.

Von der Möglichkeit, dass ein böse meinender Mensch Ihre Mail absichtlich abfangen und lesen könnte, wollen wir erst gar nicht reden. Es ist auch eher unwahrscheinlich, wenn man an die ungeheuren Mengen an Mails denkt, die täglich kreuz und quer durchs Internet reisen. Wie soll ein Hacker wissen, welche Mails für ihn interessant sind und welche nicht? Weiterlesen

“Oh … der Chef liest mit …” – Netiquette2014.beta #03

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der dritte Text unserer kleinen Serie zumThema Nett im Netz – Netiquette2014.beta. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

——————————————————————————

FatzebuckJa, in meiner Agentur haben wir uns alle lieb. Wir duzen uns natürlich. Die Hierarchien sind flacher noch, als meine Absätze – obwohl man mir in früheren Jahren schon mal zu höheren Absätzen geraten hat. Und ich meine nicht meinen Steuerberater, der schon mal seine Finger auf Absatzschwierigkeiten gelegt hat, sondern eine frühe Jugendfreundin, die sich immer zu mir bücken musste – Jungs sind ja Spätentwickler, wenn überhaupt.

Und doch stellt sich die Frage, ob man sich als “Boss”, selbst wenn man von seinen Mitarbeitern nicht immer als solcher angesehen wird, und zwar vor allem zumeist dann nicht, wenn man sein Chef-sein mal so richtig raushängen lassen möchte, darf man sich also als Arbeitgeber mit seinen Mitarbeitern und erst recht mit seinen Mitarbeiterinnen  auf Fatzebuck befreunden?

Dies ist eine Frage, die ich mit einem entschiedenem JEIN beantworten möchte:

Weiterlesen

Papa, Du bist Scheiße! – Netiquette2014.beta #02

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der zweite Text unserer kleinen Serie zum Thema Nett im Netz – Netiquette2014.beta. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

 

——————————————————————————

Es ist über 30 Jahre her, da überraschte mich mein Vater mit einer Zeitungsmeldung. Er hatte sie gelesen, mit Textmarker markiert, auf meinen Platz am Frühstückstisch gelegt und war in die Arbeit gefahren.
Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass er mich auf diese Art auf Nachrichten, Meldungen oder Berichte hinwies, von denen er meinte, ich solle das lesen. Das war in den meisten Fällen zwar gutgemeint, aber nicht gut durchdacht. Vieles davon war weder lesenswert noch interessant – fand ich, der geborene Neinsager zu jeglichen väterliche Belehrungsansprüchen. Ich fing an, in der Fernsehzeitung Sendungen anzustreichen, die er unbedingt sehen wollte. Er verstand das Signal nicht. Noch Jahre später – wir waren längst ausgezogen und lebten in einer anderen Stadt, flatterten auf dem Postweg Schnipsel aus seiner Tageszeitung zu mir: „Das interessiert Dich doch sicher…“
Wie sehr er sich irrte. Heute, wenn ich meine Facebook-Timeline durchblättere sehe ich oft ähnliches Verhalten. Ein Vater stellt seinem Sohn in die Timeline einen Link ein, wo er sich als Praktikant bewerben könne. Natürlich kommentiert. Eine Mutter verlinkt in die Timeline ihres Sohnes unentwegt Berichte über Orte, wo die Familie mal Urlaub gemacht hat und setzt nicht selten eine Anekdote dazu: „Weißt Du noch. Da warst Du acht oder neun…“
Ein anderer zaubert Fotos seiner Kinder aus seinem Archiv und verbreitet diese via Facebook an Freunde und Verwandte, Bilder, die teilweise an die 15 Jahre alt sind. Die Kinder sind hin und wieder recht putzig, aber mal ehrlich: Wer möchte schon unkontrolliert Kleinkindfotos von sich im Netz verbreitet wissen? Ich nicht. Und genau hier steckt das Problem.
Als mein Vater meinte, mich mit Notizen aus der Zeitung belehren und hin und wieder auch provozieren zu müssen (denn nicht selten waren die Berichte genauso ausgewählt) war das eine Sache zwischen zwei Personen: Ihm und mir. Und sie fand auf dem heimischen Esstisch statt. Heute passiert Selbiges auf Facebook: Vor den Augen der Öffentlichkeit, vor eigenen Freunden und den Freunden und Bekannten der Kinder. Das Eltern-Kind-Verhältnis ist im sozialen Netzwerk ein Schwieriges, ich weiß das, denn ich bin seit Jahren bei Facebook und meine Töchter sind es auch.friendsatacebook1
Als sie vor Jahren dort mit dem ersten große Walk In einmarschierten und SchülerVZ und ähnliche Plattformen hinter sich ließen, gab es eine kleine Diskussion dazu. Ich stimmte dem Wunsch zu, dass sie sich dort anmelden durften (eine andere Wahl hatte ich sowieso nicht, sie hätten es sonst vermutlich auch alleine gemacht), erbat mir aber, dass wir fortan bei Facebook befreundet sein sollten. Weiterlesen