Goldstückchen auf Plattenspieler: Der Tonarm Mørch DP-8 im Test

Scheu Plattenspieler

Ein Mørch DP-8 auf einem Scheu-Dreher

Kann man in der Auseinandersetzung mit einem Tonarm Demut lernen? Man kann. Denn der Mørch DP-8 ist eine Zicke. Aber eine begnadete. Er ist vielleicht das Beste, was Sie ihren Schallplatten antun können. Und er ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Fieseste, was Sie Ihren Nerven antun können. Aber fangen wir mal demütig ganz von vorne an …

Mørch – ausgesprochen “Mörch” , wie mörcherisch – heißt mit Vornamen Hans Henrik ist Däne und baut seit vielen Jahren mit einigen wenigen Mitarbeitern in Gentofte bei Kopenhagen Tonarme. Bekannt sind der “kleine” einpunktgelagerte Mørch UP-4 und der klassische kugelgelagerte DP-6. Beide Tonarme sind feinmechanische Kleinode, gegen die die marktbeherrschenden Arme von den kleinen Regas bis zu den großen Clearaudios und Armen von SME wie vom Pferdeschmied geschlagen aussehen. Tonarme von Mørch hingegen sind feinziseliert und sensibel wie Schweizer Uhrwerke.

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Du hättest fliegen können, wenn Du geschwiegen hättest…

Soziale Netzwerke haben sich vor geraumer Zeit zu profunden Instrumentarien entwickelt, wenn es darum geht, seiner Unzufriedenheit Ausruck zu verleihen. Was damit begann, seinem Ärger oder seinem Unmut Luft zu machen – sei es auf Facebook, Twitter oder auf anderen Plattformen – ist mittlerweile die “Stimme des Verbrauchers”, also des kleinen Mannes im Kampf gegen die Arroganz und mangelnde Kundenfreundlichkeit großer Konzerne. Das ist keine neue Erkenntnis:
Bahnreisende empören sich über mangelnde Durchsagen auf Bahnhöfen, wenn die Züge verspätet abfahren. Andere erregen sich über die Unpünktlichkeit. Wieder andere sind sauer wegen unverschämter Behandlung bei Hotlines, schlechter Produkte oder Dienstleistungen, nicht nachvollziehbarer Preiserhöhungen, mangelndem Kundenservice usw. usw. Die Liste der Shitstorms ist schier unendlich – mal sind sie groß, mal klein.
Eine völlig neue Dimension der Wechselwirkung zwischen digitaler Beschwerde und realen Reaktionen erlebte vor einigen Tagen Duff Watson, wie  mittlerweile einigen Medien zu entnehmen ist. Dabei ist die Geschichte nicht einmal ein klassischer Shitstorm sondern die Reaktion auf einen einzigen Tweet, den Duff Watson abgesetzt hatte.

Was ist passiert?
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Weltsensation: Czyslansky entschlüsselt “Lorem ipsum”!

Das Original

Das Original

#Unser Czyslansky-Freund Michael hat leider etwas vorschnell das Zeitalter der totalen Blog-Verschlüsselung ausgerufen und ist gleich mit gutem Beispiel vorangeschritten, als er einen kompletten Czyslansky-Beitrag durch einen Verschlüsselungsalgorithmus jagte und das Ergebnis unter der Überschrift “Lorem Ipsum? Lorem ipsum!” online stellte. Jetzt muss er sehen, wie er aus der resultierenden Zwickmühle herauskommt, dass nämlich keiner mehr versteht, was er schreibt, und deshalb irgendwann auch keiner mehr lesen will, was er schreibt. Ich fühle mich verdammt an das Bild des “Armen Poeten” von Carl Spitzweg erinnert, jener genial-verkannte Dichter, der in seiner zugigen Dachstube hockt und die tollsten Verse zu Papier bringt – aber vergebens, denn keiner kriegt es mit.

Wie gesagt: Das ist jetzt sein Problem. Meines ist, dass ich mich (wie wahrscheinlich so ziemlich jeder Leser) gefragt habe, wo dieses blöde “Lorem ipsum” überhaupt herstammt und was es bedeutet. Es ist mir in meiner Laufbahn hundertfach begegnet in Layouts und Dummies von Artikeln und Zeitschriften, und ich ging immer davon aus, dass es für jemanden, der im Lateinunterricht besser aufgepasst hat als ich, durchaus einen Sinn ergibt. Was macht der Mensch im Digitalzeitalter also: Er fragt Google. Und dort gibt es höchst unterschiedliche Deutungen und Deutungsversuche.

Auf gutefrage.net wird einerseits behauptet, dass es sich um einen reinen Platzhalter und damit um Kunstsprache handelt. “Die Verteilung der Buchstaben und der Wortlängen des pseudo-lateinischen Textes entspricht in etwa der natürlichen (lateinischen) Sprache. Der Text ist (absichtlich) unverständlich, damit der Betrachter nicht durch den Inhalt abgelenkt wird.”

Gleich drunter aber liefert jemand eine einigermaßen plausibel klingende Übersetzung, nämlich: “Niemals [wieder] gab es jemanden, der es liebte oder verfolgte oder wünschte sich selbst Schmerzen zuzufügen, weil es Schmerz ist, aber in besonderen Umständen können Anstrengung und Schmerz ihm großes Behagen bereiten.” Das kann es aber nicht gewesen sein, denn das Original ist viel länger. Weiterlesen

Foursquare und der angekündigte Tod

Bald ausgesummt?

Bald ausgesummt?

Das Social Web ist voll von Tausenden von mehr oder weniger sinnvollen Diensten, aber mein erklärter Liebling war seit Jahren Foursquare, eine App fürs Smartphones, mit dem man „einchecken“ und damit seinen Freunden und Followern signalisieren konnte, wo es sich lohnt zu essen, zu wohnen oder sich umzusehen. Man bekam für jedes Checkin Punkte und Abzeichen, so genannte „Badges“, und wurde, wenn man nur oft genug eine Lokalität empfohlen hatte, irgendwann einmal „Mayor“, was einem ein gewissen Status gerade bei Restaurantbesitzern verlieh.

Tja, sic transit gloria mundi, kann ich nur sagen. Foursquare hat sich von seinem alten Geschäftsmodell verabschiedet und will in Zukunft nur noch ein geolokaler Empfehlungsportal sein. Da mein Smartphone immer weiß, wo ich gerade bin (egal ob es gerade ausgeschaltet ist oder nicht), können smarte Werber diese Information nutzen, um mich mit Angeboten aus der nächsten Umgebung zu ködern.

„Zumüllen“ wäre vielleicht ein passenderes Wort. Weiterlesen

Lorem ipsum? Lorem ipsum!

Jahrestagung der Freunde Czyslanskys

Jahrestagung der Freunde Czyslanskys

Jämmerliches Gejammer, ermärmliches. Alle Welt regt sich über die Datensammler der NSA auf und wer unternimmt etwas dagegen? Richtig: Czyslansky. Auf unserer letzten Jahrestagung am vergangenen Wochenende – der Ort bleibt aus eben diesen Gründen unbenannt – haben wir uns ein Herz gefasst: wir sind nicht mehr bereit als kostenloses Redaktionssystem und Storytelling-Werkzeug für Geheimdienste welcher Nationalität auch immer zu dienen. Deshalb werden wir ab sofort unsere Postings verschlüsseln!

Dabei bedienen wir uns selbstverständlich des berühmten und vielfach gerühmten, doch nur selten verstandenen 49-Bit-Verschlüsselungsalgorithmus unseres verehrten Czyslansky. Bis heute gilt was unser Ahnherr am 12. März 1938 in einem Brief an seinen Mitkommilitonen Heinz Zemanek schrieb: “Lieber Heinz, mein Algorithmus ist völlig undurchschaubar. Die 49-Bit-Verschlüsselung wird wohl niemals entschlüsselt werden.” Zemaneks joviale Entgegnung: “Lieber Czyschi (sc: ein Kosename, der nach meinem Wissen nur von Zemantek genutzt wurde ), du hast völlig recht, dein Alkoholismus war mir immer ein Rätsel. Aber er ist leiband” (Zemanek war – Sie wissen es – bekanntlich Österreicher).

Ab sofort also werden unsere Beiträge die 49-Bit-Verschlüsselung Czyslanskys nutzen. Ab sofort ist Czyslansky das erste vollverschlüsselte Blog Deutschlands. Ab sofort heisst: “ab sofort”:

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Einen letzten, guten Flug, Cliff…

“Hier ist die Orion 7 unter Commander Cliff Allister McLane. An Oberste Raumbehörde Sektion 12, Abteilung Astrotechnik über Jupiter-Außen und EAS 3. Um meine Behauptung zu erhärten, dass eine Landung auf Rhea möglich ist, setze ich in wenigen Augenblicken auf Rhea auf. Das war die Orion.”

Commander Cliff Allister McLane hat schon immer alles anders gemacht als es seine Vorgesetzten bei der obersten Raumbehörden wollten. Damit trieb er den Oberkommandanten Sir Arthur, General Winston W. Wamsler (man beachte das WWW) und Oberst Villa, den Oberbefehlshaber der GSD auf die Palmen. Er war ein sturer Bock, der Cliff – und einer der frühen Charakterschädel, wie sie im Weltraum wie auch auf den TV Bildschirmen oft vorkommen. Aber im gegensatz zu seinen vielen Kollegen und seinen amerikansichen “Nachfahren” hat er etwas beherrscht, was kein anderer seitdem mehr zustande gebracht hat Einen schnellen Raumkreuzer mit Wasserhähnen, Nähgarnrollenhaltern, Bleistiftminenanspitzern und einem Rowenta-Bügeleisen  zu steuern.


“Raumpatrouille Orion” – von September bis Dezember 1966 fester Garant für Einschaltquoten im deutschen (Schwarz-Weiß)-Fernsehen – ist längst Kult. Und sein Commander mit ihm. Mal ranzt er SIE, die Regentin des Planeten Chroma (großartig gespielt von Margot Trooger) an, er habe ihren Amazonenzirkus satt. Mal rettet er General Lydia van Dyke (noch großartiger: Charlotte Kerr) aus höchster Gefahr. Mal liefert er sich heiße Wortgefechte mit seinem Sicherheitsoffizier Tamara Jagellowsk (am allergroßartigsten: Eva Pflug). Cliff, stets ruppig, impulsiv, clever und wagemutig, hatte immer ein etwas unbeholfenes, was jungenhaftes. Und kein taktvolles Händchen im Umgang mit Frauen. Das aber glich er mit unverfrorener Direktheit wieder aus.
Das war stilbildend – was immer rüpelhafte Machos von Schimanski bis zum letzten Bullen aufgefahren haben, ob im Umgang mit Frauen oder Vorgesetzten: Cliff hat all das bereits vorweggenommen.
Heute Nacht hat Commander Mc Lane von Ibizia aus seinen letzten Flug angetreten. Darsteller Dietmar Schönherr ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Ihn auf diese Rolle des Weltraumpiloten zu reduzieren, wird Schönherr nicht gerecht. Er war ein politisch und sozial engagierter Mensch, der sich völlig unkorrekt verhielt. Er engagierte sich in den 80ern des vorangegangenen Jahrhunderst für Nicaragua, unterstützte die Friedensbewegung, nahm an Sitzblockaden teil und hatte genügend Weitsicht, 1981 den damaligen US Präsidenten Ronald Reagan als “Arschloch” zu beschimpfen. All das konnte dem bürgerlichen Establishment nicht gefallen und machte ihn für die öffentlich rechtlichen Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeitweilig zur Persona non grata. Schönherr war’s egal, er blieb auf Kurs. Ganz wie Cliff.

Schland hat fertig

Schland hat fertig!
Schland ist Fußballweltmeister, und das ausgerechnet mit einem Tor von der Pummelfee Mario Götze in der Verlängerung (aber das ist ein anderes Thema). Ob Deutschland das verdient hat oder nicht, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt und wird sicherlich in den kommenden Tagen ausgiebig diskutiert. Da muss ich nicht auch noch meinen Senf dazu geben.
Aber wissen Sie was?

Endlich ist die WM 2014 vorbei.
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Dabei ist es nicht so, dass ich nicht mitgefiebert, vor dem Fernseher allein oder in Gesellschaft mit geschrieen, gezittert und -getobt hätte. Ich habe viele Spiele gesehen, nicht nur die der deutschen Fußballnationalmannschaft. Mal habe ich dem einen, mal dem anderen Team die Daumen gedrückt, habe mich begeistert oder gelangweilt, aufgeregt, abgeschaltet, bin eingeschlafen oder Bier holen gegangen.
Mit Freunden und Kollegen habe ich wieder und wieder die Mannschaftsaufstellung und taktische Ausrichtung diskutiert, Löws Fehler zur Sprache gebracht und sowieso alles besser gewusst als der Bundestrainer. Wir waren uns einig, dass rund 50 Millionen Deutsche mehr Sachveratand haben als Löw. Morgens ging der erste Griff zum Handy um die aktuellen Kicktipp-Tabellen abzurufen. Wer hat wie viele Punkte? An wem bin ich vorbei gezogen oder bin ich etwa abgerutscht? Meist war letzteres der Fall. Soweit zum Thema Sachverstand.
Spielergebnisse wurden ausgiebig vor, während und nach dem Spiel erörtert. Ebenso Schiedsrichterentscheidungen, die natürlich – sofern sie gegen unsere Jungs bzw. meine favorisierte Mannschaft ging – grundsätzlich falsch war. Und nicht nur die. Auch das hatten wir schon immer gewusst. Fifa-Schiedsrichter pfeifen nicht – sie selbst sind die Pfeifen.
Nun ist es vorbei. Das alles Spaß hat gemacht, aber ich bin froh, dass nun andere Themen anstehen.

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Vicky Leaks enthüllt: PKW-Maut bei Autokorsos kommt

Kaum hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt sein Konzept für die PKW-Maut der Öffentlichkeit präsentiert und damit die öffentliche Diskussion erneut entfacht, sickert aus seinem Ministerium ein neues Vorhaben des umtriebigen Geldeintreibers durch. Offenbar noch aus Zeiten seines Vorgängers Peter Ramsauer stammt der Plan, eine Zusatzmaut für die Teilnahme an Autokorsos zu erheben. Eine Sachverständigenkommisison hat dazu bereits ein Gutachten erstellt, das Ramsauer allerdings nicht mehr weiterverfolgen konnte. Jetzt ist dieses Gutachten plötzlich wieder aktuell.
mautDer Zeitpunkt ist klug gewählt: Die Öffentlichkeit ist durch die Diskussion um die allgemeine Maut abgelenkt und durch die Androhung der Klagen vor der EU durch die benachbarten Österreicher und Niederländer bereits auf trotzige Solidarität mit Dobrindt eingeschwenkt. Die Akzeptanz steigt, nur um es den „Abzockern aus Österreich und den niederländischen Wohnwagenkolonnen- Straßenschnorrern und -blockieren mal so richtig zu zeigen“, wie unlängst Volkes Stimme auf Facebook verbreitete. Zudem zeigt sich Fußballdeutschland nach dem furiosen Sieg gegen Brasilen in bester Stimmung, da sitzt der Euro sowieso locker, da kommt es dann darauf auch nicht mehr an, ob man für die Teilnahme an einem Autokorso ein paar Euro bezahlen muss.
Wie aus dem Gutachten, das durch gezielte Indiskretion eines Mitglieds des Verkehrsausschusses gestern an die Öffentlichkeit geraten ist und das in Kopieform Vicky Leaks vorliegt, hervorgeht, ist die Maut für die Teilnahme an Autokorsos nach sportlichen Großereignissen, insbesondere Fußballspielen vorgesehen. Weiterlesen

Sommerlich elegant

Morgen bin ich mal wieder auf einen Gala-Abend eingeladen. Es wird – ich weiß ja wer einlädt – sicherlich spannender und angenehmer als ein XING Rotating-Dinner und weniger exotisch als das Sommerfest aller Nationen mit Seiner Exzellenz Botschafter Sarrath Kongahage in der Villa Rothschild, zu der ich unlängst geladen war. Nein, ich freue mich auf Donnerstagabend. Ein wenig Sorge bereitet mir allenfalls der Hinweis, als Dresscode sei “sommerlich elegant” angesagt. Was zum Teufel trägt man, will man “sommerlich elegant” erscheinen?

Nicht, dass ich im “Benimm-Kurs für Aufsteiger” gefehlt hätte – mir ist schon klar, dass kurze Hosen und Tennis-Socken eher fehl am Platz sind -, obwohl …

kurzer anzug

Ich fürchte nur, ich bin auf “sommerlich elegant” so gar nicht vorbereitet.Das zu Rate gezogene Handbuch sagt:

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“Die hard, Kendall Jones…”

Sie wünschen ihr den Tod an den Hals. Verrecken soll sie. Am besten langsam und qualvoll. Die hard.  Vielleicht – so schlägt ihr jemand vor – erschießt sie sich selbst, das ginge am schnellsten. Oder, so schlagen einige vor: In einer Arena sollen Löwen auf sie gehetzt werden, ganz wie bei den Gladiatorspielen. Andere hoffen auf einen schweren Autounfall mit ihrem Jeep, am besten von einem Nashorn gerammt. Wieder andere wünschen ihr eine tödliche Tropenkrankheit an den Hals. Ebola… Mindestens.
Kaum jemand hat in den vergangenen Wochen so viele unverholen brutale und aggressive Beschimpfungen und Verwünschungen über sich ergehen lassen müssen wie Kendall Jones.

Kendall wer?

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