Tock, tock, tock …

SpechtSeit einigen Tagen klopft immer wieder jemand außen an meine Hauswand. Wer dabei unter dem Stichwort „film noir“ an den ebenso wunderbaren wie weitgehend vergessenen Film Themroc mit Michael Piccoli denkt, der liegt daneben. Und zwar völlig.

Vielmehr bittet immer mal wieder ein Specht um Einlass. Und da mich in meinem Home Office nur eine bunte Wand in Holzständerbauweise vom Gemüsegarten trennt, kann es schon mal sein, dass ein Specht mein Haus für einen hohlen Baum hält, mein Wohnzimmer für eine Wohnhöhle. Sollte er es eines Tages schaffen – und nichts spricht dagegen – die Holzwand zu durchhämmern, so wird er freilich seine neue Nisthöhle besetzt vorfinden. Und zwar von mir. Und natürlich von Pablo, meinem Papagei, der ebenso wenig wie ich geneigt ist, seine Höhle mit einem Specht zu teilen. Wobei: bei Pablo bin ich mir da nicht so sicher. Immerhin ist der zudringliche Specht ein hübscher gefiederter Geselle. Und warum soll nicht mal ein Mohrenkopfpapagei – nein: diese Bezeichnung ist nicht rassistisch – mit einem bunten Specht …

Also wir leben ja nun wirklich in einem weltoffenem multikulturell geprägtem Haushalt. Aber eines sollte klar sein: wenn hier ein Specht einziehen will, so kann man wohl erwarten, dass er sich anpasst. Migration setzt Assimilation voraus. Gerade bei Vögeln. Bei uns kommt man nicht durch die Wand herein. Man nimmt die Haustür. Und da wird geklingelt. Wir haben eine Läutkultur. Und die gilt auch für Spechte. Und Amseln, Finken, Drosseln. Ich werde eine Partei gründen. Eine Anti-AFD gegen assimilierungsunwillige Amseln, Finken, Drosseln. Und Spechte.

Ich bin doch nicht bekloppt, Herr Specht.

Neues aus der Czyslansky-Forschung: Wie Moses einmal das Meer geteilt hat.

Mythos Cole

Czyslansky-Forscher Tim Cole bei der Erforschung des Mythos auf Kreta im Mai 2016

In letzter Zeit ist es ja ein wenig still geworden um die Czyslansky-Forschung. Nun aber meldet sich das Team zur Erforschung des großen Czyslansky mit einem Paukenschlag zurück: Auf einer Forschungsreise durch Kreta, die mich gemeinsam mit meinem Forschungskollegen Tim Cole vor einigen Tagen durch Kreta führte, stießen wir im Archiv der Synagoge des nordkretischen Chania auf eine bislang unbekannte handschriftliche Skizze Czyslanskys, in der dieser als Zwölfjähriger die Teilung des Roten Meeres durch Moses wissenschaftlich zu erklären versuchte.



Mit Grethe auf Kreta

Synagoge in Chania

Die alte Synagoge in Chania auf Kreta (Bild mik)

Der historische Hintergrund:

Im Alter von zwölf Jahren besuchte Czyslansky seine Mitschülerin Grethe Grünbaum in den Sommerferien auf Kreta. Grethes Vater Jitzchak Grünbaum war zu jener Zeit als Rabbiner der Etz-Hayyim Synagoge in Chania tätig und selten kam der junge Czyslansky seiner großen Jugendliebe Grethe näher, als in jenen Sommerwochen auf Kreta.

Bekannt waren der Czyslansky-Gemeinde bislang zahlreiche schwärmerische Tagebuchaufzeichnungen des jungen Czyslansky über lange gemeinsame Wanderungen mit Grethe entlang der kretischen Nordküste. Nicht selten führten diese Exkursionen auf die nahe Halbinsel Akrotiri und dort bis hinauf nach Stavros, dessen Schönheit Czyslansky schon viele Jahre bevor Anthony Quinn in der Rolle des Alexis Sorbas dort seinen sagenhaften Sirtaki tanzte, beeindruckte. Eine kleine Sensation durften Tim und ich dann aber im Archiv der alten Synagoge entdecken:

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Ein Statement für nur 1,98 Euro – oder ein Kinderbild

Selten war es einfacher, ein politisches Zeichen zu setzen, 1,98 Euro zu investieren und sich gleich noch ein Genussmittel zu sichern.
Einfach Schokolade kaufen! Es muss allerdings die Richtige sein…

Natürlich ist es günstiger, wenn man einfach auf eine Demo geht, das kostet gar nichts. Laut AfD-Rosenheim und deren Facebook-Post wird man ja sogar dafür bezahlt, wenn man nur wacker gegen rechts marschiert. Das jedenfalls dachten die nur mit begrenzter Intelligenz ausgestatteten treudeutschen Bürger, als sie auf eine ebenso lautende Meldung des Postillon reagierten, diese für bare Münze nahmen und sich bei Facebook gar fürchterlich echauffierten. Keine 12 Stunden später war der Beitag gelöscht – nachdem das „linksversiffte“ Deutschland sich einmal abgerollt hat vor Lachen über die Dummheit der AfD-ler und es hunderte hämischer Kommentare hagelte.
Schade. Solche Zeugnisse der intellektuellen Überlegenheit der urdeutschen Dichter und Denker sollten der Nachwelt unbedingt erhalten bleiben. Weiterlesen

Kondolenz – meine natürliche Grenze digitaler Transformation

Tim Cole, Czyslansky-Autor, Verfechter und Apologet der digitalen Transformtion wird nicht müde, selbige unablässig zu lobpreisen.
Und für das, was er meint, gebührt ihm meine Zustimmung. Sein Werk ist lesens- und diskutierenswert und zudem ein großer Erfolg. Unermüdlich verkündet Cole seinen Facebook-Freunden jubelpersisch und zyklisch, dass er es schon wieder auf der Amazon-Bestsellerliste in irgendeiner Rubrik wieder auf Platz 1 geschafft (man muss nur die Parameter ordentlich justieren, dann klappt das schon). Die Wandlung von der analogen zur digitalen Transformaton vornehmlich in Unternehmen ist sein big issue. Zu Recht.
Im Privaten aber gibt es Grenzen – zumindest für mich. Es gibt Bereiche der digitalen Transformation, zu denen ich nicht mitgehen werde. Ich weigere mich einfach. Als Beispiel nenne ich Kondolenz.

Tod, Sterben und den Verlust von Freunden in den sozialen Netzwerken zur Sprache zu bringen und zu verarbeiten, ist weder neu noch mir fremd. Gerade in den verangenen Wochen, als zwei Freunde starben, bin ich diesem Thema wieder oft begegnet.
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High End 2016 – Der verzweifelte Versuch auf einer Messe nichts zu verkaufen

High End 2016

Vielen High End Ausstellern fehlt der Drive

Es gibt wenige Branchen, die seit so vielen Jahren auf so hohem Niveau jammern, wie die gehobene Hifi-Branche, die sich selbst High End nennt. Während die Medien vom Hype um Plattenspieler kreischen und Journalisten ob der Preisschilder auf Röhrenverstärkern und Edel-Playern sich verwundert die Augen reiben, klagen auch in diesem Jahr viele Aussteller der Weltleitmesse High End (seit heute im Münchner M.O.C.) über die Unlust der Menschen, für hochwertige Musikanlagen Geld auszugeben. Weiterlesen

Stalin lässt grüßen

OnlineanzeigeformularBei der Berliner Stadtverwaltung sind die Sicherungen jetzt völlig durchgeknallt. Bürger sollen ihre Nachbarn ab heute anonym und online denunzieren, wenn sie es wagen, über AirB&B zu vermieten. “Zweckentfremdung von Wohnraum“ heisst das.

Ich nenne es übelsten Stalinismus!

Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie

afd logo

An diesem Wochenende will die AfD auf ihrem Parteitag ein neues Grundsatzprogramm beschließen. Aus diesem Anlass beschäftigen sich zahlreiche Medien mit der Partei und meine geliebte Süddeutsche Zeitung sieht die AfD an der Weggabelung zwischen Nationalkonservatismus und Rechtsradikalismus. Das ist falsch!

Der Versuch zwischen nationalkonservativen und rechtsradikalen Teilen der AfD zu unterscheiden als fatal. Es gibt keine „guten“ und „bösen“ AfD-Teile. Vielmehr ist die Verbindung aus nationalkonservativen und rechtsradikalen Forderungen typisch für rechtsradikale politische Organisationen – nicht erst seit 1945.

Das doppelte Gesicht der AfD ist ein Januskopf: beide Seiten gehören zusammen

Im Entwurf für ihr Grundsatzprogramm beruft sich die AfD einerseits auf demokratische Traditionen – etwa auf die bürgerlichen deutschen Revolutionen von 1848 und 1989 – formuliert aber andererseits in vielen Punkten in faschistischer Tradition, in dem sie demokratisch gewählte Volksvertreter als Repräsentanten eines undemokratischen Systems brandmarkt. Unseren demokratisch gewählten Gremien wirft die AfD pauschal den „Bruch von Recht und Gesetz und die … Zerstörung des Rechtsstaats“ vor. Demokratisch gewählte Volksvertreter werden pauschal zu Verfassungsfeinden erklärt:

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Tschernobyl in Fürstenfeldbruck – Dem König treu ergeben

atomkraft nein dankeTschernobyl – dreißig Jahre ist es heute her, dass die Reaktorkatastrophe unseren Alltag erheblich durcheinander wirbelte, meinen Alltag jedenfalls. Ich saß damals über meiner Promotionsarbeit, vorzugsweise in unserem Garten in Fürstenfeldbruck, als die ersten Nachrichten hereinbrachen. Wenige Tage später gehörte ich mit meiner Frau zum Gründerkreis der Bürgerinitiative gegen Atomkraft in Fürstenfeldbruck. In den nächsten Wochen und Monaten organisierten wir mit einem örtlichen Metzger die Anschaffung einer eigenen Messstation für verstrahlte Nahrungsmittel, wir sorgten für den Austausch des Spielsands auf den örtlichen Spielplätzen, wir organisierten Kundgebungen, serviertem einem bayerischen Staatsminister verstrahltes Trockenmilchpulver, wir machten und taten und sorgten und wirkten – die Bürger wurden aktiv gegen Radioaktivität, weil allzu viele Politiker, weil die Behörden schliefen und logen, dass sich die Reaktoren bogen. Wenn wir heute darüber jammern, dass die Politik in Sachverwaltung erstarrt, dass Demokratie nicht gelebt wird, dann sollten wir uns erinnern, dass Ignoranz und Schwermut vor dreißig Jahren nicht leichter auf unserem Land lasteten und dass viele von uns erst mit einer ungehörigen Portion Caesium und Strontium aktiv wurden.

Damals wurden viele „anpolitisiert“, die sich vor der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl niemals hätten vorstellen können, einmal auf eine „Demo“ zu gehen. Gäbe es einen grünen Ministerpräsidenten in Stuttgart ohne Tschernobyl? Wohl kaum. Und gäbe es das Rückrat, das es heute bei vielen Kommunalpolitikern in den demokratischen Parteien gibt ohne Tschernobyl? Na, es gäbe jedenfalls weniger Rückrat und mehr Krümmung.

Es gibt am heutigen Jahrestag der Katastrophe genügend kenntnissreiche Rückschauen. Der Generation Ü40 muss ich eh nichts über die damaligen Monate erzählen. Statt einem Rückblick möchte ich einen kleinen Leserbrief abdrucken, den ich vor dreißig Jahren – einige Tage nach der Katastrophe – in meiner schon damals geliebten Süddeutschen Zeitung veröffentlichte.

Es treten auf: ein stummer Landrat, ein inzwischen verstorbener Ministerpräsident, ein Bürgermeister namens Steer, ein aufrechter SZ-Redakteur, ein Geigerzähler, eine WAA und viele protestierende Bürgerinnen und Bürger im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Ein Märchen aus noch längst nicht vergangener Zeit:

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Die Restaurantkritik als Prosa-Rülpser, oder: wie TripAdvisor die Kunst der Rezension demokratisiert hat

Gut ist doch gut genug, oder?

Gut ist doch gut genug, oder?

Um Restaurantkritiker zu werden, sagte mir einmal Wolfram Siebeck, der Doyen dieser seltenen und etwas elitären Journalistengattung, musst du zuerst den Gegenwert eines Einfamilienhauses verfressen haben. Dann hast du wirklich Ahnung.

Wie groß das Haus war, das ich selbst verfressen habe, weiß ich nicht, aber es hat mich immerhin in die Lage versetzt, in einem früheren Leben recht gut von dem Schreiben von Rezensionen über Restaurants und Hotels zu leben. Meine mehr oder weniger sachkundigen Meinungsäußerungen wurden immerhin regelmäßig in so angesehenen Organen wie dem Feinschmecker, dem Playboy und dem Diners Club Magazin abgedruckt. Und auch wenn sich der Schwerpunkt meines Schaffens inzwischen in Richtung Internetjournalismus verändert hat, drängt es mich hin und wieder immer doch dazu, nach einem besonderen kulinarischen Erlebnis zur digitalen Feder zu greifen und meine Eindrücke in Textform festzuhalten.

Meistens veröffentliche ich das Ergebnis selbst auf meinem Cole-Blog oder auf meiner Facebook-Seite. Aber in den letzten Jahren habe ich Spaß daran gefunden, Kritiken für TripAdvisor zu schreiben, und ich habe es dort immerhin zu etwas Ansehen gebracht: Ich bin dort als „Profi-Bewerter“ und als „Luxushotelexperte“ geführt, und neulich bekam ich von denen eine elektronische Post, die mich schmunzeln lies: „Glückwunsch“, schrieb man mir, „Sie sind die Nummer eins unter den Bewertern aus St. Michael im Lungau!“ Weiterlesen

Schallplatten digitalisieren: Weil Vinyls im Auto immer so sperrig sind

Schallplatten digitalisieren ist wie Kobe-Rind durch den Fleischwolf drehen! Es gibt nur einen guten Grund für dieses Unterfangen seine wertvolle Zeit zu opfern: Im Auto kann man nur Singles hören.

Schallplatte im Auto

Schallplatten digitalisieren ist eine Alternative zum Vinyl-Falten

Im Ernst: ich habe mir lange überlegt in mein Auto einen Plattenspieler einzubauen. In der Bucht findet man immer wieder mal gut erhaltene Einzelstücke aus US-Besitz. Drei Gründe sprechen aber eindeutig gegen dieses Unterfangen:

Erstens: Angesichts des Volumens dieser Geräte würde aus meinem Zweisitzer wohl ein Einsitzer. Wobei: braucht man bei guter Musik unbedingt einen Beifahrer? Oder gar eine Beifahrerin?

Zweitens: Die Dinge schlucken nur 7-Zöller, also Singles. Und alle fünf Minuten rechts raus fahren zum Plattenwechsel – wohlgemerkt nicht wegen eines Plattens, sondern wegen der Platten – nervt auf lange Strecken auch.

Drittens: Würden irgendwelche wohlmeinende Freunde kräftige Burschen in weißen Kitteln schicken, um mich abzuholen? Ich will das nicht ausschließen.

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