beiträge über analoge und digitale kultur

Die Soß ist die Liebe zwischen Schweinsbraten und Knödel

Gedanken zum Hochzeitstag:

Man sagt,
Menschen müssten viele Gemeinsamkeiten haben,
wenn sie es ein Leben lang miteinander aushalten sollen,
als Mann und Frau
oder als Mann und Mann
oder Frau und Frau.

Ich glaub das nicht.
Man muss nix gemeinsam haben,
um zusammen zu passen.

Ein Schweinsbraten und ein Knödel haben nichts gemein,
außer der Soß,
in der sie liegen.
Und ein Schweinsbraten und ein Knödel
passen sehr gut zusammen.

Auch zwei Menschen,
die miteinander leben,
müssen nix miteinander gemein haben,
außer einer Liebe.

Die Soß ist die Liebe
zwischen Schweinsbraten und Knödel.


Illustration: © jeepbabes @ stock.adobe.com

Dieter Kempf und Michael Kausch

Kann man BDI Chef Dieter Kempf trauen?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über ein uns allen schon lange geläufiges Problem: gekaufte und gefälschte Produktbewertungen auf Amazon und anderen Online-Plattformen.

Das wissen wir doch, dass viele Unternehmen Firmen damit beauftragen, ihre Produkte gegen kleines Geld im Internet in den Himmel zu loben. Während eine positive Hotelbewertung heute rund 10 Euro kostet, gibt es den Fan-Like und das Facebook-Abo schon für 70 Cent. Das ist furchtbar, aber leider erlebbar- und buchbar. Andererseits habe ich schon von vielen Restaurant-Besitzern gehört, dass immer wieder Gäste sie nach dem Dessert anmachen „Entweder das Dessert war kostenlos oder der Verriss auf Tripadvisor wird furchtbar sein“. Und wieder andererseits sind seriöse Kundenbeschwerden und -kritiken wertvoll und ihre Lektüre erspart Fehlkäufe und übt einen gesunden Druck auf die Qualitätsmanager der Unternehmen aus. Klassische Shitstorms lehren uns das immer wieder.

Zur Aufdeckung unseriöser Produktbesprechungen empfiehlt meine Lieblingszeitung heute das Tool reviewmeta.com.  Diese Seite analysiert die Glaubwürdigkeit von Rezensenten und Produkttestern auf Amazon. Hierzu werden das Besprechungsverhalten und Inhalt und Stil der Besprechung analysiert. Klingt ja toll. Und ich kannte dieses Zaubertool noch gar nicht. Also habe ich es ausprobiert. Und natürlich bei einem Produkt, das ich verstehe.

Also habe ich mal das Buch „Digital Transformation“ von Tim Cole auf Amazon gesucht. Dieses Buch wurde viel gekauft, viel gelesen und viel besprochen. Auch von mir:

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Neues aus der LinkedIn Service-Wüste

Eigentlich bin ich schon seit vielen Jahren ein großer Fan von LinkedIn:

  • Vor Gründung der Deutschland-Niederlassung von LinkedIn war ich als sogenannter „LinkedInsider“ beratend für das amerikanische LinkedIn Headquarter tätig
  • Ich berate regelmäßig Unternehmen im Bereich LinkedIn Marketing 
  • Ich empfehle LinkedIn immer wieder als Referent auf zahlreichen Konferenzen und Kongressen

Und so kommt es, dass meine Kunden bei Problemen mit LinkedIn gelegentlich Rat bei mir suchen. Vor einigen Tagen meldete sich einer meiner Kunden, weil plötzlich auf seinem Firmenprofil in LinkedIn Stellenausschreibungen auftauchten, die das Unternehmen niemals eingestellt hat. Nicht nur das: mein Kunde hat noch nicht einmal eine Karriereseite bei LinkedIn eröffnet. Die ausgeschriebenen Positionen gab und gibt es bei meinem Kunden auch nicht. Vielmehr handelt es sich um Positionen, die offenbar bei einem Immobilienunternehmen ausgeschrieben sind. Auf Anfrage weiß man dort aber von diesen Stellenanzeigen auf LinkedIn nichts. Seltsam.

LinkedIn Service

Im LinkedIn Firmenprofil meines Kunden werden unerwünscht Stellen ausgeschrieben, die es nicht gibt.

Eigentlich ein klarer Fall für den LinkedIn Service:

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Glashütte

Wo die Zeit entsteht – ein Besuch in Glashütte und ein Social-Media-Branchenblick

Eigentlich wollte ich hier ja von einer Besichtigung der Uhrenmanufaktur Glashütte Original berichten. Vor wenigen Tagen hatte ich das Vergnügen mir diesen heiligen Gral der deutschen Uhrmacherzunft anzusehen. Leider fällt der geplante Bericht mangels Bildmaterial aus. Dass man in den Räumen der Manufaktur nicht fotografieren darf, ist angesichts der berechtigten Schutzinteressen des Herstellers in Bezug auf die eingesetzten Maschinen und Verfahren gut verständlich. Dass es die Manufaktur nicht schafft, eine Anfrage zu Nutzungsrechten bereits veröffentlichter Manufaktur-eigener Bilder zu beantworten, ist weniger verständlich. So verkürzt sich mein Bericht von der Besichtigung der Manufaktur Glashütte Original auf einen Satz: „Die Tour ist sehenswert und informativ, auch wenn man die Produktionsräume nur durch große Panoramascheiben besichtigen kann.“ Fertig. 

Uhrenmanfaktur Glashütte Original

Die Ausstellung im Empfangsraum ist der einzige Ort, an dem man während einer Betriebsbesichtigung in der Uhrenmanufaktur Glashütte Original fotografieren darf. Verständlich.

Aber das Kommunikationsverhalten von Glashütte Original gibt Anlass sich einmal grundsätzlich mit der Kommunikationsfähigkeit der in Glashütte beheimateten Uhrenmanufakturen auseinanderzusetzen. Und so entstand – aus persönlicher Leidenschaft für mechanische Uhren – ein kleiner Branchenbericht zur Reife des Social Media Marketings deutscher Uhrenmanufakturen. Auf dem PR-Blog meiner Agentur vibrio habe ich in den letzten Jahren immer wieder mal solche Branchenblicke veröffentlicht, z.B. zu Stromanbietern oder zum Hifi-Markt. Hier also nun ein Blick zum Stand der Social-Media-Kommunikation der Uhrenmanufakturen in Glashütte:

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Iranreise 2017

Meine Reise durch den Iran – Teil 2: Die Gefährten

Eigentlich bin ich ja weder ein Pauschaltourist, noch ein typischer Gruppenreisender. Ich gehe gerne in meinem Tempo zu meinen Zielen auf meinen Wegen. Zwischen dem 13. und dem 24.  April 2017 durchquerte ich aber mit einer Reisegruppe auf der Eisenbahn den Iran. Während es im ersten Teil des Berichts um die Reisevorbereitungen und Literaturhinweise ging, möchte ich heute einen Einblick in meine Reisegruppe geben: die Gefährten!

Es war erst das dritte Mal, dass ich eine organisierte Gruppenreise unternahm. Vor Jahren bin ich mit einer Gruppe auf Tempeltrip den Nil hinauf gefahren, später dann besuchte ich Ausgrabungsstätten in der westlichen Türkei in einem geführten Team. Dieses Mal schloss ich mich einer Gruppe an, um im Sonderzug zwölf Tage quer durch den Iran zu fahren.

Dabei weisen diese drei Reisen durchaus einen durchgängigen Spannungsbogen auf: die soziokulturelle Zusammensetzung auf meinem Nildampfer unterschied sich kaum von einer Heizdecken- und Butter-Fahrt; der Ausflug in die Türkei glich dem Ausflug eines Lehrerkollegiums (der GEW-Anteil lag bei geschätzten 80 Prozent); im Iran war ich schließlich bei der betreuten Seniorenausfahrt pensionierter Hochschulprofessoren angekommen: „Guten Tag Herr Professor!“ „Hallo Herr Doktor.“ „Hat Ihre Gemahlin heute schon ihre Medikamente genommen?“ 

Sonderzug Iran

Mit dem Sonderzug 3.500 Kilometer quer durch den Iran.

Reiseland Iran: Gruppentour oder Individualreise?

Im Iran spricht heute vieles für eine organisierte Gruppenreise:

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Iran

Mit dem Zug durch den Iran – Teil 1: Vorbereitung und Buch-Tipps und Traditionelle Musik

Zwischen dem 13. und dem 24.  April 2017 durchquerte ich mit der Eisenbahn den Iran. Der folgende Reisebericht gibt in mehreren Teilen meine Erfahrungen wieder. Ich würde mich freuen, wenn mein kleiner Bericht  ein wenig dazu beitragen würde, den Iran endlich für Reisende aus Europa wieder neu zu entdecken. Es lohnt für alle: für die Menschen im Iran, wie für die Reisenden.

Teil 1: Reisevorbereitungen

Persepolis

Iran ist mehr als Persepolis, die Stadt der Perser.

Die Geschichtsstunden über die Perserkriege liegen Jahrzehnte zurück. Die Erinnerung an diese Stunden ist beschämend lückenhaft. Vermutlich war ich krank oder in schulnahen Kneipen unabkömmlich, als Dareios und Xerxes im Lehrplan standen.

Unvoreingenommene Berichte über den modernen Iran sind in unseren Medien Mangelware. Ein typisches Reiseland ist der Iran heute auch nicht. Im besten Fall ist er für meine Freunde eine große Unbekannte, im schlechteren Fall für meine Nicht-Freunde Teil der Achse des Bösen. Eine Fahrt durch das Morgenland, aus dem angeblich die Weisen kamen, die heute im Kölner Dom in der goldenen Schatulle liegen, bedarf der Vorbereitung. Ich habe mir deshalb in den letzten Wochen nicht nur Reiseführer und einige Bücher über den Islam angeeignet, sondern auch  einige zeitgenössische Belletristik ausgewählt. Die besten möchte ich im Folgenden kurz vorstellen:

Buchtipp I: Ramita Navai: Stadt der Lügen

Buchtipp Iran 1

Von den hier empfohlenen Büchern ist dies vermutlich das bekannteste. Jedenfalls wurde es mir vor Reiseantritt gleich von drei meiner Freunde empfohlen. Ramita Navai, die Autorin, war von 2003 bis 2006 Korrespondentin der Times in Teheran. Sie schildert die Widersprüchlichkeit und Doppelmoral des Alltags im heutigen Iran anhand mehrerer halbdokumentarischer Kurzgeschichten, die alle in der Valiasr-Straße in Teheran spielen. Diese große Nord-Süd-Achse spiegelt wie kaum eine andere Verkehrsverbindung die Vielfalt der soziokulturellen Milieus der 12-Millionen-Stadt Teheran wieder:

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kurt kister

sz-chefredakteur kurt kister und die kognitive-dissonanz-toleranz

der chefredakteur meiner geliebten süddeutschen zeitung kurt kister schreibt am freitag in seinem abo-rundbrief:

„als ich noch daran glaubte, dass mich das studium der kommunikationswissenschaft (kw) in der einen oder anderen form auf den beruf des journalisten vorbereiten könnte, habe ich manches seminar besucht, in dem ich dinge hörte, an die ich mich bis heute erinnere, auch wenn ich sie nicht wirklich für mein leben brauchen konnte. … in kw jedenfalls beschäftigten wir uns in einem semester mal mit der kognitiven dissonanz.“

und im folgenden führt er aus, dass er „4-3-2-1“ von paul auster und „the river“ von bruce springsteen mag. und dass er darunter leidet, wenn menschen, die er schätzt, dinge nicht mögen, die er schätzt. zum beispiel den boss und auster. wenn also zum beispiel seine eigene zeitung paul auster kritisiert.

er fasst seine position wie folgt zusammen:

„konsonanz ist fein, dissonanz ist nötig.“

lieber kurt kister: ich bin da völlig anderer meinung. nichts war mir über viele jahre hilfreicher, als die literarischen verrisse eines marcel reich-ranicki. die entdeckung des himmels konnte ich blind kaufen obwohl das buch viel zu dick ist (ähnlich wie 4-3-2-1) – eben weil es im literarischen quartett vom chef verrissen wurde, wie selten zuvor ein anderes.

die süddeutsche zeitung lese ich seit ich vor jahrhunderten als wirtschaftsflüchtling aus franken exilierte eben weil ich mich über kein blatt der welt mehr ärgern kann, als über das unsere. die sz ist ehegefährdend, weil zu groß für den begrenzten platz neben dem frühstücksei, ignoriert in ihrem sportteil den glubb weitgehend, ist fast immer ausgezeichnet recherchiert und trotzdem zu oft nicht meiner meinung.

es gibt nichts wichtigeres, aber auch nichts schöneres, als eine gegenmeinung von hoher qualität. eine gut gemachte tageszeitung ist das gegengift zu social media bubble und  google-algorithmus. sie ist nicht nur nötig, sie ist auch fein.

die sz hat einen chefredakteur, der offenbar ziemlich zeitgleich mit mir das überaus seltsame studium der kommunikationswissenschaften absolvierte (langenbucher? wir sollten uns begegnet sein …), der wie ich paul auster sehr schätzt und bruce springsteen mit inbrunst auf seinen plattenspieler schiebt. mit kurt kister teile ich wie mir scheint gar zu viele gemeinsamkeiten. mir fehlen die wichtigen kognitiven dissonanzen. wie langweilig.

obwohl: er findet kognitive dissonanzen unfein. das unterscheidet uns hinlänglich. wir beide haben noch eine chance. weil er nicht recht hat.

Viktualienmarkt

münchen oder berlin – wo ist die startup-metropole?

seit berlin hauptstadt ist, verkriecht sich münchen ins jammertal. die guten filme werden schon lange nicht mehr hier gedreht, sondern in berlin. fassbinder und dietl sind tot, achternbusch und kluge drehen kaum noch. theater-innovationen, große musik, kleine jazz-kneipen, uraufführungs-kinos – alles gibt es in berlin, immer weniger gibt es in münchen. ok, abgesehen von einem vernünftigen flughafen. und abgesehen von augustiner. und schlemmermeyer. und dem isarflimmern.

aber wo liegt deutschlands startup-metropole? wo ist der innovationsnabel des landes? kurz vor polen? kurz vor österreich?

deutschlands gründerzentrum, das war im letzten jahrtausend münchen. 1992 saß ich beim abendessen mit borland gründer philipp kahn und schlug ihm vor, seine deutschlandzentrale nach berlin zu verlegen. ja, ich bin ein verräter und berlin-fan, kein fcb-mitglied und auch nicht in der hiesigen gesellschaft der wagnerianer. aber es wurde eh nix draus. er war gerade dabei die entwicklung eines eigenen office-pakets einzustampfen. und noch eine verelendende bankrott-firma war so ziemlich das letzte, auf das berlin damals gewartet hat.

heute residiert jedes dritte deutsche startup an der spree, in der isar kühlen gerade noch 11 prozent ihr augustiner. wir isarindianer wurden abgehängt. abgehängt?

nicht wirklich: emma tracey versucht mit ihrer munich tech map das gegenteil zu beweisen. und sie hat gute und anschauliche argumente:

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Brüder zum Facebook zur Freizeit – Kann die digitale Welt sozial und demokratisch sein? – Teil 3: Politik 2.0

Michael KauschIm ersten Teil dieser kleinen Artikel-Serie ging es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit, im zweiten Teil um das Leben als Kunde. Heute soll es um die geänderten Rahmenbedingungen für das politische Handeln gehen.

Kai-Hinrich und Tim Renner haben in ihrem Buch „Digital ist besser“ wunderbar den aufkommenden Prosumer beschrieben, der als Konsument und gleichzeitig Produzent von user-generated Content nicht nur die beiden Sphären der bürgerlichen Gesellschaft – hier die Produktion, dort die Konsumtion – symbiotisch in einer Person vereint.

Damit einher geht auch die weitgehende Granularisierung der Informationen. Rezipiert wird immer seltener ein ganzes Buch oder wenigstens eine Zeitung, sondern ein einzelner Artikel. Nicht mehr die acht Lieder einer Schallplatte werden gekauft, sondern ein einzelner Song wird im Download erworben. Diese Granularisierung ist die Voraussetzung für das kreative Covern von Werken, das längst an die Stelle des Abkupferns getreten ist. Einzelne Stücke werden isoliert von ihrer Historie und der in dieser verwobenen Intentionen eines Autors interpretiert.

Im Zusammenfallen von Produktion und Konsum entsteht der Prosumer

Und so handelt es sich bei der Entwicklung des Prosumers eben nicht nur um die Verschmelzung beider Elemente in eine Person, sondern auch noch um deren Integration in einen einheitlichen Akt! Im vernetzten Arbeiten lassen sich die Prozesse von Nutzung und Verformung der Dinge gar nicht mehr logisch unterscheiden. Je einfacher zugänglich Informationen sind, je besser diese mit anderen Informationen vernetzt sind, desto weniger ist eine beliebige Informationseinheit stofflich isolierbar. „Guttenbergen“ wird zur vorherrschenden Form geistiger Produktion – wobei man allerdings als Autor dann auch den Anspruch auf individuelle geistige Originalität aufgeben muss. Entscheidend bleibt einzig und allein die – vermutlich zeitlich, räumlich oder situativ begrenzte – Relevanz des neuen Werkes.

Ohne Urheber, keine Urheberrechte

Entsprechend verhält es sich auch mit dem individuellen „Recht am Werk“.

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