beiträge über high end und hifi, über produkte, veranstaltungen und andere dinge, die mit der hochwertigen reproduktion von musik zu tun haben.

Lang Lang bringt dich sicher über den Goldberg

Lang Lang GoldbergvariationenOh ich war ja immer hin- und hergerissen, wenn ich Lang Lang hörte. Stets hegte ich heftigen Kitsch-Verdacht und sein Manierismus an den Tasten war mir nie geheuer. Als er sich nun über die Goldberg-Variationen her machte argwöhnte ich das Allerschlimmste und die Marketingmaschine die die Veröffentlichung seine Aufnahme begleitete war ja nun auch beängstigend. Doch die meisten Kritiken waren äußerst wohlwollend und ich war ob des Gehörten mal wieder hin- und hergerissen: technisch ist der Mann ja wirklich meisterhaft und seine Interpretation des viel gehörten Werkes ist, nun ja, jedenfalls interessant. So ganz konnte ich mich freilich nicht damit anfreunden Bach plötzlich als Romantiker einordnen zu müssen …

Wie herzerfrischend war es da endlich einen gnadenlosen Verriss zu lesen: Wolfram Ette schreibt Lang Lang im Freitag in Grund und Boden:

„Wenn Bach wie Chopin klingt … Wenn man diesseits aller Theorie anschaulich erleben will, wie Kulturindustrie heute läuft, sollte man sich mit der Neueinspielung der Goldberg-Variationen des chinesischen Pianisten Lang Lang auseinandersetzen. … Die Aria klingt bei Lang Lang wie Chopin, delirant kommen die Verzierungen als schwankende Gestalten daher, die nichts zu erkennen geben, außer den Wunsch aufzufallen. Die extremen Temposchwankungen der Variationen wirken willkürlich; alles ist gestelzt, gesetzt, leerer Ausdruck. Das ganze Gebäude gerät bei Lang Lang ins Rutschen, alle Wände verschieben sich ständig gegeneinander wie auf Bildern von Escher. Aber es ist nicht „Dekonstruktion“, sondern Willkür als knallhartes Kalkül, das nur eine einzige Währung kennt: die der zerstreuten und zersplitterten Aufmerksamkeit der Hörerinnen und der Hörer. Flach vor Tiefe hat Lukács dieses Phänomen genannt, Adorno nennt es den Fetischcharakter der Musik. Aber es reicht auch, wenn man findet: Es ist Kitsch.“

Danke Meister Ette. Mein Weltbild ist wieder eingenordet.

kurz kurz kurz lang lang lang kurz kurz kurz.

tagesplatte

100 Tage – 100 Schallplatten

Gestern endete auf meiner Facebook-Seite „Michael Kausch schreibt“ und auf meinem Instagram-Kanal das Projekt #tagesplatte. Über 100 Tage habe ich jeden Tag eine Schallplatte aus einer Sammlung vorgestellt.  Angefangen hat es mit einer dieser Aktionen, in der Freunde einen darum bitten 10 Dinge zu tun und 10 Freunde darum zu bitten ebenfalls 10 Dinge zu tun. Ihr kennt das: eine Schneeball-Aktion, die dazu führt, dass Facebook jede Menge Traffic bekommt. Ich mag diese Challenges, die neuerdings sogar bei LinkedIn um sich greifen eigentlich nicht besonders und mach in der Regel auch nicht mit, aber bei Schallplatten kann ich nur sehr schwer NEIN sagen. Ich liebe diese schwarzen Scheiben nun mal. Und eigentlich sollte ich auch nur Bilder der Cover online stellen, aber das geht ja gar nicht. Ich muss doch sagen, warum ich gerade diese Platten vorstelle und nicht tausend andere. Und wie soll ich mich für 10 (!) entscheiden? Schon die Auswahl von 100 war eigentlich ganz und gar unmöglich.

Der Autor beim Hören einer Schallplatten

Trotzdem ich hab es getan: ich habe 100 Tage lang 100 Platten – ausschließlich Vinyl – vorgestellt. Und immer habe ich ein bisschen was dazu geschrieben, mal mehr, mal weniger. Keine Plattenkritiken. Mehr so persönliche Erinnerungen und Assoziatiönchen. Und die Auswahl war furchtbar unfair gegenüber die vielen Platten, die hier noch herumstehen und die mir genauso wichtig sind.  Manche vielleicht sogar wichtiger. Je nach Tageslaune.

Was bleibt nach 100 Tagen? Eine große Ernüchterung:

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Die EMUD Phono Rekord 59 – ein Klanggut

1959 war ein Jahr in dem der Welt viel Gutes geschenkt wurde. Aus diesem Grund kam auch – als traumhaftes Geschenk meines traumhaften Agentur-Teams –  am vergangenen Freitag eine komplette multifunktionale Musikanlage in mein Haus: ein bestens restaurierter spielfreudiger EMUD Phono Rekord aus dem Jahr – ich sagte es schon – 1959.

EMUD Phono Rekord 59

Wer oder was um alles in der Welt ist EMUD?

EMUD, das steht für Ernst Mästling: Ulm/Donau. Heute kennen nur noch unverbesserliche Sammler betagter Röhrenradios diese deutsche Manufaktur. Sie zählt zu den drei ältesten Radiofirmen Deutschlands. Um das Jahr 1959 waren rund 600 Leute bei EMUD damit beschäftigt hochwertige Rundfunkempfänger zu produzieren. Die Geräte waren sogar in den USA ausgesprochen beliebt. Der Exportanteil der Produktion lag zeitweise bei mehr als 25 Prozent. „Made in West Germany“ hatte einen guten Klang. damals schon. 

EMUD Phono Rekord 59

Umfangreiche Klangbeeinflussungsmöglichkeiten: die berühmte Sprachtaste zur Anhebung der mittleren Frequenzen.

In den 20iger und 30iger Jahren bauten die Ulmer preiswerte „Volksradios“, besser und preiswerter als die berüchtigten „Volksempfänger“. Im Krieg wurden die Produktionsanlagen weitgehend zerstört. Trotzdem gelang der Wiederaufbau und in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren blühte EMUD zu nie dagewesener Größe auf. Aber:

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High End 2019

Die High End 2019 – Ein Rundgang über die Hifi-Messe

Die High End ist die Weltleitmesse der gehobenen Audio-Kultur. In diesem Jahr war ich leider gut mit Terminen eingedeckt und kam nur wenig zum Fotografieren. Trotzdem will ich hier einige persönliche Highlights der High End kurz in Bildern vorstellen – High End vom röhrenden Bugatti by Accuton bis zur Edel-Röhre von Michael Franken.:

Western Electric

Bild 1 von 7

Immer ein Höhepunkt: Western Electric Lautsprecher bei den liebenswert Durchgeknallten von Silbatone. Dieses Mal lief "die Knef".

 

Zum Bugatti hab ich einen eigenen Bericht verfasst, schon vor der Messe: Presto Possibile.

Und früher gab’s die High End auch schon: HighEnd 2016

Und als ganz besonderes Erlebnis: High End 2013

Der schnellste High End Lautsprecher der Welt

Presto Possibile – Die schnellsten High-End-Lautsprecher der Welt

Der Sound im Bugatti Chiron kommt aus accuton High-End-Lautsprechern

„Ein Auto braucht mehr Watt als PS.“ Nach diesem Motto habe ich seit meiner Führerscheinprüfung meine Fahrzeuge immer und ausnahmslos ausgesucht. Anfangs war es noch relativ einfach, mein automobiles Leben nach dieser Maxime auszurichten: mein erster Fiat Cinquecento hatte gerade mal 17 PS. Mein zweites Traumauto war eine Baguette-Schaukel von Renault – ein weißer R4 – mit immerhin schon 23 PS. In ihm wurde ein Grundig-Radio von einem Kassettenrekorder angetrieben, den ich in selbstmörderischer Eigenverkabelung an die Autobatterie angeklemmt hatte – mit dem Effekt, dass die Umdrehungszahl der Audio-Kassette immer ein wenig mit der Geschwindigkeit des Fahrzeugs korrelierte. Temps perdu …

Bugatti Chiron exterior

Der schnellste High-End-Lautsprecher der Welt: der Bugatti Chiron (Bild © Bugatti)

Was aber macht man, um Carl Benz Willen, mit meiner alten „Mehr-Watt-als-PS-Regel“ in einem Fahrzeug, dessen Motor nicht weniger als 1.500 PS – in Worten: eintausendfünfhundert – freisetzt?

Die Rede ist vom Bugatti Chiron, der bei 420 km/h (!) abgeregelt wird. Die Limitierung der Geschwindigkeit wurde bei meinem Cinquecento noch durch Gegenwind und Straßenneigung auf natürliche Art gewährleistet. Bei Rückenwind, im Windschatten eines Lastwagens und mit 20 bis 30 Sekunden Anlauf, waren durchaus 100 km/h drin – eine Geschwindigkeit, die der Chiron schon nach 2,5 Sekunden aus dem Stand erreicht.

Bugatti Chiron interior

Abgeregelt wird der schnellste High-End-Lautsprecher der Welt für den Straßenbetrieb bei 420 km/h (Bild © Bugatti)

Ihr seht schon: der Bugatti Chiron wird niemals in meiner Garage stehen, schon weil ich einfach kein passendes Autoradio mit mehr als 1.500 Watt auftreiben kann. Die 2,4 Millionen Euro, die man mindestens für den Wagen investieren muss – ohne Zusatzausstattung versteht sich – kann ich mir … äh … sparen. Irgendwie stimmen auch die Rahmenbedingungen nicht. Denn wie hat der SPIEGEL so schön über den Chiron-Fahrer recherchiert: „Im Mittel besitzt er 63 weitere Autos, außerdem noch diverse Helikopter oder Privatflugzeuge, eine Yacht und fünf Villen.“ Ich habe keinen Heli …

German Audio Competence on German Autobahn

Aber drin gesessen bin ich im Bugatti Chiron; nicht zum Fahren, sondern zum Musik hören.

Bugatti Chiron interior

Schwelgen in Leder und Musik … (Bild © Bugatti)

Und das ist ein wahrlich konzertantes Erlebnis, denn im Chiron steckt die geballte Akustik-Erfahrung einer der renommiertesten Lautsprecher-Manufakturen der Welt. Für den guten Ton im schnellen Bugatti sorgt die in Pulheim bei Köln beheimatete Firma Thiel & Partner, besser bekannt unter dem Markennamen accuton. Und das hat einen einfachen Grund:

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Im Test: Der Flux Hifi Sonic Nadelreiniger für Plattenspielerabtaster

Sie lieben Schallplatten? Gut so. Dann hassen Sie Staub. Staub ist der Tod des guten Klangs. Und zwar in jeder Form: auf der Platte, im Ohr und natürlich auch auf der Nadel ihres Abtasters. Gegen den Staub in den Rillen der Platte gibt es probate Mittel: bei mir läuft grundsätzlich der berühmte Mitlaufbesen aus Eichhörnchenhaar von Transrotor mit. Und vor jedem Abspielvorgang wird die Platte mit einer Bürste von Clearaudio gereinigt. Und ab und an darf jede Platte auch mal baden: in der großen und großartigen Schallplattenwaschmaschine von Gläss. Diesen Vinyl Cleaner habe ich vor drei Jahren hier auf Czyslansky schon vorgestellt.

Die Waschmaschine für die Schallplattennadel

Die Abtastnadel habe ich bislang vor jedem Abspielgang mit einem kleinen Bürstchen gesäubert, ab und an auch mit einem kleinen Besen, den ich mit der Reinigungsflüssigkeit von Dynavox benetzt habe. Trotzdem: an der Nadel setzt sich immer mal Dreck fest, und zwar richtig fest. Und genau dafür habe ich mich nun für eine kleine elektrische Waschmaschine für Abtastnadeln entschieden -den Flux Hifi Sonic:

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Der Hana SL – Ein MC-Tonabnehmer aus Japan zum Kampfpreis

Diamonds are a man’s best friend. Jedenfalls wenn sie durch Vinylrillen tauchen, also als Tonabnehmer auf einem Schallplattenspieler ihren Dienst tun. Der Hana SL tritt den Beweis an. Und dass Diamanten ein wenig teurer sind als Strass und Glasperlenspiele ist auch bekannt. Aber der japanische Phono-Spezialist Excel hat härter kalkuliert, als die Tabellenspezialisten von Microsoft und mit dem MC-Tonabnehmer Hana SL im vergangenen Jahr ein System auf den Markt gebracht, dass mit 649,- Euro als ausgesprochen preiswert gelten darf. Dabei ist es alles andere als billig. Immerhin handelt es sich nicht um einen schnöden Industriediamanten, sondern um einen echten Stein. Und immerhin handelt es sich bei dem Schliff um einen aufwendigen Shibata-Schliff.

Hana SL Tonabnehmer

Sowas bekommt man normalerweise in dieser Preisklasse nicht geboten. Und tatsächlich spielt das System locker eine Klasse höher, als der Preis erwarten lässt.

Die technischen Daten des Hana SL

Ein Blick ins Datenblatt der Hana SL macht deutlich, dass es sich um einen Tonabnehmer handelt, der sich grundsätzlich auf den gängigen mittelschweren Tonabnehmern wohl fühlt: Weiterlesen

Musikserver cocktail audio X50

im test: der neue musikserver cocktail audio x50

der musikserver cocktail audio x50 hat eigentlich nur ein wirkliches problem: man kann in sein slot-in-laufwerk keine schallplatten schieben!

als bekennder vinyl-fan muss ich das einfach vorausschicken. aber im ernst: der cocktail audio x50 bildet neuerdings die schnittstelle zwischen meinen scheiben und meinen daten. und dafür gibt es einige verdammt gute gründe:

Musikserver Cocktail Audio Screen

der farbmonitor des musikservers cocktail audio x50 ist auch aus größerer distanz gut zu lesen.

der cocktail audio x50 ist keine integrierte eierlegende wollmilchsau, sondern ganz einfach ein hochwertiger streamer und musikserver. dafür stellt er die biologie gründlich auf den kopf: er ist der große jüngere bruder der sattsam bekannten und ebenfalls ordentlich beleumundeten x30 und x40. er kann weniger als diese und ist deshalb auch merklich teurer.

das macht alles keinen sinn? macht es doch:

denn mit dem x50 betritt der für sein hervorragendes preisleistungsverhältnis bekannte hersteller den gehobenen highend-markt. nicht nur die anfassqualität des immerhin knapp zehn kilogramm schweren spielers ist beeindruckend.

Musikserver von innen

das im cocktail audio x50 verbaute dvd-laufwerk stammt von lg und tut auch in zahlreichen computern seinen dienst.

ein guter cocktail lebt von guten zutaten

hinter der 12mm starken massiven aluminium-front haben die cocktail-mixer nur beste zutaten verbaut:

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Rokblok

rokblok – der „kleinste tragbare plattenspieler“ sucht investoren

auf kickstarter versuchen ja immer wieder mal vinyl-freaks ihr glück. seit einiger zeit wirbt dort das projekt rokblok um kapital. dabei soll es sich um den kleinsten mobilen schallplattenspieler der welt handeln. dieses mal dreht sich nicht die schallplatte, sondern der „spieler“:

 

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die initiatoren haben auf kickstarter schon mehr als 350.000 us-dollar eingesammelt. der player soll im herbst für knapp 100 dollar auf den markt kommen.

nette idee, aber überflüssig wie ein mp3-player. der schönste mobile plattenspieler erschien schon vor fast sechzig jahren. er wurde natürlich von dieter rams für braun entwickelt: 

wie beschrieb ein mitglied des analog-forums das rokblok-projekt so schön: „dinge, die keiner braucht, mit geld, das man nicht hat, für leute, die man nicht kennt.“

dem ist nichts hinzuzufügen.

 

die wirklich größte schallplatte

die größte mir bekannte schallplatte wird von einem mir bislang unbekanntem fiat-system befahren:

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alternativ gibt es aber auch spielbare tortillas:

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oder die platte aus eis:

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