beiträge über high end und hifi, über produkte, veranstaltungen und andere dinge, die mit der hochwertigen reproduktion von musik zu tun haben.

Clearaudio TT5

Der Tangential-Tonarm Clearaudio TT5

Der Clearaudio TT5 ist der Einstieg in die ganz große Welt der tangentialen Tonarme. Clearaudios kleinster Tangential-Tonarm ist ein kleiner Lustgriffel. Manch kurzes Stück bringt langes Glück. Jedenfalls wenn Musik dabei herauskommt. Mit ihm kann man ganz lange sehr glücklich Musik hören. Vielleicht ist es sogar die endgültige Antwort auf die Frage nach einem klangneutralen, einfach zu bedienenden und hochwertigen Tonarm.

Clearaudio Innovation

Beim Autor wurde der TT5 auf einem clearaudio Innovation montiert. Er passt mit seiner Linn-kompatiblen Befestigung und einem Einbauabstand von 222 Millimetern aber auch auf so ziemlich jedes andere (Fremd-)Laufwerk.

Abtastwinkel gleich Schneidewinkel

Das ist in Kürze das Prinzip eines Tangential-Tonarms. Der Schneidstichel kratzt bei der Produktion einer Schallplatte die Musik tangential in die Rille, also immer im 90-Grad-Winkel zur Tellerachse. Ein Drehtonarm wiederum steht immer ein wenig schief in der Rille. Dieser Schiefstand ist der Spurfehlwinkel. Auch wenn bei modernen gekröpften Tonarmen dieser Winkel in der Regel bei deutlich unter zwei Grad liegt, so entstehen doch in jedem Fall Verzerrungen bei der Tonabnahme. Es werden zusätzliche harmonische Oberwellen erzeugt, genauer: in der Regel wird die zweite Harmonische verstärkt. Wahrnehmbar sind solche Verzerrungen, folgt man aktuellen empirischen Untersuchungen, ab einer Abweichung von etwa 2,11 Grad. Damit liegen die Auswirkungen des Spurfehlwinkels bei einem guten Drehtonarm knapp unter der Hörbarkeitsschwelle (vgl. hierzu die diesbezüglichen Anmerkungen von Klaus Rampelmann für die AAA, die Analogue Audio Association).

Ganz sicher geht man freilich, wenn man den Ton so abnimmt, wie er auch in die Scheibe geritzt wurde. Bei einem Tangential-Tonarm bewegt sich die Abtastnadel auf geradem Weg Umdrehung für Umdrehung von außen nach innen. Einen Spurfehlwinkel und zusätzliche Verzerrungen gibt es nicht.

Klangrelevanter ist aber vielleicht ein anderer Vorteil von Tangential-Tonarmen: man spart sich die Einstellung der Antiskating-Kraft. Die Skating-Kraft drängt einen Drehtonarm immer ein wenig zur Plattentellermitte hin. Diese Kraft aber ist nicht immer gleich, sondern hängt von mehreren Faktoren ab: von der Form der Nadel, also vom Tonabnehmer, von dessen Auflagekraft, leider aber auch davon, ob die gerade abgespielte Rille sich eher außen oder innen auf der Platte befindet. Die Skating-Kraft bewirkt ebenfalls Verzerrungen, und mit einer Testschallplatte kann kann man die Auswirkungen einer nicht optimal eingestellten Antiskating-Kraft bei einem Drehtonarm auch recht gut hören. Ein Tangential-Tonarm aber kennt keine Skating-Kraft und vermeidet deshalb den klangverschlechternden Einfluss eines falsch eingestellten Antiskatings schon mal aus Prinzip. Deshalb ist ein Tangential-Arm weniger fehleranfällig, aber auch einfacher zu betreiben. Perfekt für alle, doppelt perfekt für Faule!

Warum hängen dann die meisten Tonabnehmer an fehleranfälligen Dreharmen und nicht einfach an Tangential-Tonarmen? Nun, die Konstruktion eines Tangentialarms ist alles andere als einfach: Erfolgt die Abtastung der Toninformationen nicht völlig gleichmäßig, sondern zum Beispiel durch eine störanfällige aktive Nachführtechnik mehr oder wenig ungleichmäßig, so entstehen hässliche Rumpelgeräusche. Auch sind motorgetriebene Nachführmechaniken störanfällig. Clearaudio hat sich deshalb schon vor vielen Jahren für das passive Souther-Prinzip entschieden, bei dem die Nadel allein von der Rille geführt wird. 1982 hat Peter Suchy das von Lou Souther gehaltene Patent für diese Tangentialtechnik gekauft und seitdem entwickelt clearaudio diese Technik immer weiter. Der TT5 ist die modernste und aktuellste Reinkarnation dieses Prinzips.

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RESTEK MRIA+

Heisse Kiste – Der Phono-Pre RESTEK MRIA+

Seit mehr als sechs Jahren läuft hier schon der kleine Phono-Pre MINIRIA von RESTEK. Nun hat er einen großen Bruder bekommen: den MRIA+. Beide steuern jeweils einen Tonabnehmer an getrennten Tonarmen von Mørch auf meinem Clearaudio Innovation. Warum ich mich für den MRIA+ entschieden habe?

Hightech aus Deutschland

Seit der Renaissance der Schallplatte gibt es wieder zahlreiche bezahlbare Phonovorverstärker, darunter viel Schrott, aber auch einige wirklich gute Produkte, vor allem aus England und Deutschland. Zu den renommierten deutschen Manufakturen zählt zweifellos RESTEK aus  Fuldabrück bei Kassel. das hessische Unternehmen liefert aber nicht nur besonders langlebige Produkte, sondern auch ein langlebiges und zeitloses Produktdesign. Den MRIA gibt e schon seit vielen Jahren. Freilich hat er in diesen Jahren eine schonende Modellpflege erhalten.

MRIA+ 4-03

Die aktuelle Version 4.03 meines MRIA+

Das Konzept und die äußere Gestalt aber sind geblieben und heute noch so modern wie seit ehedem.

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Leckere Schallplatte

Vinyl-Kult: Allerlei Schräges zum Thema Vinyl

Vinyl ist Kult. Immer Menschen entdecken ihre Leidenschaft zur Schallplatte und holen ihre Vinylschätze aus dem Keller. Ich habe das sammeln und Hören von Schallplatte nie aufgegeben. Ich kaufe auch regelmäßig Musik auf Platte. 

Und ich gucke mich im YouTube-Universum immer mal um, was es dort so gibt rund um das Thema Schallplatte. es es gibt wunderhübsche Dinge zu entdecken. Ich habe mich vor einiger Zeit für das Clearaudio-Blog in den Tiefen der Video-Gruft umgeschaut und bin auf zahlreiche magische Rillen gestoßen. Einige davon will ich hier kurz vorstellen:

Schallplatten kann man zum Fressen gern haben – in Form schmackhafter Tortillas:

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Auch wenn der Sommer nun schon fast vorbei ist mag der ein oder andere von Euch auch mal einen kalten Aufschnitt kühlender klingender Schallplatten aus purem Eis auflegen:

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Wer hat die größten? Die vermutlich größte Schallplatte der Welt lässt sich weder mit einem Virtuoso V2 abspielen, noch mit einem Goldfinger Statement. Da muss schon ein „ausgewachsener“ 500er Fiat ran:

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Ob Schallplatten aus dem 3D-Drucker die Zukunft sind? Ich weiß es nicht. In den USA aber schnitzt jemand Platten aus Plastiktellern aus dem Kaufhaus:

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In größeren Auflagen erschienen vor einigen Jahren tatsächlich Schallplatten auf alten Röntgen-Bildern. In der ehemaligen Sowjetunion war der Rohstoff für Vinyl-Platten kostbar, und Regierungs-kritische Liedermacher hatten keine Chance, ihre Musik in offiziellen Presswerken auf Schallplatte verewigt zu bekommen. Not aber macht erfinderisch: Einige Künstler pressten und veröffentlichten ihre Werke auf alten Röntgenbildern. Diese Röntgen-Platten sind heute gesucht und wertvoll.  Die Kollegen von der Vinyl Factory erzählen auf YouTube die Geschichte dieser Pretiosen, von denen ich – natürlich – auch einige zuhause habe:

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Das Königreich Bhutan veröffentlichte im Jahr 1972 sieben runde Briefmarken mit Musik und Sprachaufnahmen. Die Briefmarkenplatten sind auf jedem Plattenspieler mit 33 rpm abspielbar. Zu hören sind Volkslieder, aber auch die königliche Nationalhymne. Auf allen Platten ist der Wert als Postwertzeichen aufgedruckt. Man kann tatsächlich Briefe und Päckchen mit ihnen frankieren – aber eben nur in Bhutan:

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Wer aber einfach gute Musik auf Schallplatten aus Vinyl sucht, der wird eher in unserem Online-Shop fündig: Spitzenpressungen aus den Bereichen Jazz, Blues, Klassik, Pop und Rock kann man dort direkt in der Rubrik Vinyl bestellen. Garantiert nicht essbar, nicht Fiat-kompatibel und ohne jeden postalischen Wert. 😉

Voyager-Golden-Record

Mit freundlichen Grüßen von den Erdlingen: Die Voyager Golden Record Vinyl Box

Natürlich habe ich auch eine – eine Goldene Schallplatte: „The Voyager Golden Record Vinyl Box Set„.

Die edle Box enthält die Botschaft der Erdlinge, die die NASA vor mehr als 40 Jahren ins All schoss: 

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1977. Dies sind die Abenteuer der Raumsonde Voyager, die mit ihrer Golden Record viele Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Voyager in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Rock und Barock, Klassik und Pop, Gesprochenes und Gemaltes wurde vor 44 Jahren auf eine vergoldete Scheibe gepresst und mit zwei Voyager Sonden ins All geschossen. In 55 Sprachen grüßt die Menschheit fremde intelligentere Wesen, die eines fernen Tages die wertvollen Schallplatten bergen und entziffern mögen.

Erdenklänge verzaubern auf der Voyager Golden Record

Voyager-Golden-Record 01

In einer kunterbunten Klang-Collage wurden unter anderem Vogelgezwitscher, Babyschreie und ein schmatzender Kuss verewigt. Nach einer Rede des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim (muss man nicht hören) singen Wale (muss man hören) höchst polyphon. Und nicht zuletzt sollen hochwertige Konzertaufnahmen den fremden Intelligenzen einen Eindruck vom menschlichen Kultur- und Musik-Schaffen vermitteln:

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grossemeister

Platten-Tipp: Wenn dem Plattenspieler Flügel wachsen: Große Meister – Kleine Stücke

Platten-Tipp: Große Meister – Kleine Stücke, clearaudio LP 83044, 29,- Euro

Gleich sieben der weltbesten Pianisten kommen auf dieser Schallplatte zu Gehör. Besonders erfreulich, dass neben den Großmeistern Askenase, Barenboim, Kempff, Richter und Weissenberg auch zwei Frauen auf der Platte Berücksichtigung fanden: Die heute in Argentinien lebende Pianistin Martha Argerich ist eigentlich erst in den letzten Jahren mit der Verleihung des ECHO im Jahr 2014 international in die erste Riege der Klaviervirtuosen aufgenommen worden. Die Französin Monique Haas hat über lange Jahre vor allen Dingen die Debussy- und Ravel-Tradition der Deutschen Grammophon bereichert. Hier ist sie einmal nicht mit einer Interpretation der Romantik, sondern mit einer Sonate von Scarlatti vertreten. 

Klavier-Platten der Deutschen Grammophon sind eigentlich immer eine feste Bank. Und wenn Heinz Wildhagen der Tonmeister war, dann ist die Aufnahmequalität vom Feinsten. Und wenn dann auch noch clearaudio die Platte als Neupressung auf schwerem 180-Gramm-Vinyl vorlegt, dann stimmt auch die Pressqualität. Und so liegt denn gerade mit „Große Meister – Kleine Stücke“ eine Scheibe auf meinem Laufwerk, die wahrlich prächtig ist. 

Die Auswahl der „kleinen Stücke“ ist äußerst abwechslungsreich geraten. Vom verzückt-lieblichen Lisztschen Ohrenschmalz „Liebestraum“ über das expressive und furiose Feux d’artifice von Claude Debussy bis zu zwei mächtigprächtigen Präludien Rachmaninows. Sicherlich wird jeder Hörer seine eigenen Favoriten heraushören. Mir sagen zum Beispiel die eigenwilligen Transkriptionen kammermusikalischer Pretiosen Wilhelm Kempffs besonders zu. Bachs sizilianische Flötensonate in der Kempffschen Fassung für den Flügel wird zwar heute nicht selten gespielt, von ihm selbst interpretiert hatte ich es allerdings bislang noch nicht in meinem Plattenschrank.

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Advance Playstream A7

Der Streaming Vollverstärker Advance Playstream A7 im Test – C’est Paris merveilleux

„C’est Paris merveilleux“ – An diese letzte Zeile des großen Chansons „Les Prénoms de Paris“ von Jacques Brel musste ich denken, als der Streaming Vollverstärker Advance Playstream A7 von Advance Paris für einige Tage bei mir zu Gast war. „Es ist das wunderbare Paris“, das könnte auch als Überschrift über diesem kleinen Testbericht stehen.

Denn wunderbar ist es, was diese kleine schwarze Französin bei mir in den Raum gezaubert hat. Und dabei bin ich eigentlich eher ein altmodischer Röhren- und Vinyl-Junkie, während es sich bei der A7 – und es muss sich bei der französischen Finesse und Eleganz, die dieses Gerät ausstrahlt, ganz klar um etwas weibliches handeln – um ein Hifi-Gerät der modernen digitalen Gegenwart handelt. Die A7 ist – ja was ist sie eigentlich? Vollverstärker, Streamer, DAB- und UKW-Tuner, DAC, Netzwerk-Player, Phono-Pre … ?

Aber fangen wir doch mal mit den  Äußerlichkeiten an:

Advance Playstream A7

Im kleinen Schwarzen

Das Gehäuse besitzt klassisches Gardemaß (43 x 37 x 13,5 cm) mit hochglänzender Front und fein gezeichneter Beschriftung. „Fein gezeichnet“ heißt: es ist hübsch anzusehen, aber von größerer Entfernung aus nicht wirklich gut ablesbar. Man muss sich der hübschen Französin also schon nähern, wenn man etwas von ihr will, es sei denn, man nutzt die sauber gemachte Fernbedienung. Was man aus großer Entfernung sieht, sind die großen blauen Augen, also die beiden beleuchteten VU-Meter, die ein ganz klein wenig an Mcintosh erinnern. Zwischen beiden gibt es ein kleines Info-Fenster mit einer ebenso feinen Klarschriftanzeige mit Informationen zur Quelle.

A7 Fernbedienung

Der große Lautstärkedrehregler rechts ist ein wenig schwammig, tut aber zuverlässig seinen Dienst. An ihm merkt man am ehesten, dass die Französin eben doch eher eine zerbrechliche Piaf ist, als eine mondäne Jeanne Moreau. Gleich daneben gibt es gleich zwei parallel geschaltete Kopfhörerausgänge, einen für 3,5-mm- und  einen für 6,3-mm-Klinke. Das ist dann schon wieder ziemlich luxuriös, oder sagen wir besser sehr funktional.

Überhaupt legt die Französin sehr viel Wert auf Funktionalität. Sie ist einfach sehr sehr praktisch veranlagt und erinnert dabei an Simone Signoret in „Le chat“.  Betrachten wir sie dabei einmal von hinten, also ihr Anschlussfeld:

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Humppa

Humppakäräjät – Da tanzt die Nadel in der Rille Polka

Humppa humppa tätäräää. Ich hab es getan! Ich habe sie beim Abendessen aufgelegt. Und mir ist glatt die Salami vom Brot gerutscht. Da rockt der Elch. Dabei ist die Platte „Humppakäräjät“ vom Orchester Eläkeläiset  (deutsch „Die Rentner“, nicht zu verwechseln mit „Porojen“ = Rentiere) schon von 1994. Da ist ein Stück finnische Hochkultur glatt an mir vorbei gegangen.  

Was die Rentner da machen klingt, als ob Ozzy Osbourne schwer betrunken die Oberkrainer dirigieren würde. Sie spielen … äh … Polka. Und zwar nach Noten von Judas Priest, Bon Jovi und anderen Musikalienhändlern. Sie „covern“ klassische Songs. Sie nennen das aber nicht „covern“, sondern „polkern“. Weil herauskommen tut immer eine Polka. Ihr könnt Euch das nicht vorstellen? Nachvollziehbar. Ihr könnt es Euch auch dann nicht vorstellen, wenn Ihr es gehört habt.  Und glaubt mir: es ist besser, man stellt es sich nicht vor. 

Humppa

Aber man sollte es hören.

Wenn man gute Nerven hat. Und wenn nicht gerade ein Salamibrot vor einem liegt. Wichtig ist auch, dass der Plattenspieler einigermaßen erschütterungsfrei aufgestellt ist. Ebenso wie die Zuhörer. Denn die Musik ist erschütternd.

Mein finnisch ist leider nicht sonderlich entwickelt und ich lasse also Google mal ein wenig aus dem Cover übersetzen:

Zur Aufnahmesituation:

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Frisch gehört: Mulo Francel und Quadro Nuevo – Mare

Kopfreisen sind im Corona-Jahr ja schwer angesagt. Mulo Francel, der Kopf hinter der Weltmusikgruppe Quadro Nuevo, ist mir ein willkommener Reiseführer für einen solchen Trip. Mit seiner neuen Doppel-LP MARE hat er ein neues Ziel in seinem Reiseprogramm.

Als musikalischen Reiseveranstalter kenne ich Mulo Francel und seine Quadro Nuevo schon seit vielen Jahren. Angefangen hat alles mit Luna Rossa, dem Debüt-Album von 1998 und seinen schwer verliebten Tangos in bester Piazolla-Tradition. Wenig später folgte dann Tango Lyrico mit der wundervollen Evelyn Huber an der Harfe. In dieser Besetzung habe die Gruppe dann auch live gehört, auch deshalb, weil Evelyn Huber ganz früher mal, ehe sie ihre phantastische musikalische Karriere startete, bei meiner Frau zur Lehre ging.

Dann, so muss ich gestehen, hab ich Quadro Nuevo ein wenig aus dem Auge und vor allen Dingen aus den Ohren verloren. Nun mag ich zwar südamerikanische Rythmen und auch Tango und vor allen Dingen moderne und „jazzige“ Varianten südamerikanischer Musik – ich verehre zum Beispiel den argentinischen Bandoneon-Spieler Dino Saluzzi über alle Maßen – gleichwohl war ich vor einigen Jahren mit Quadro Nuevo „durch“ wie man so schön sagt.

Was für eine Fehleinschätzung!

Quadro Nuevo ist mehr als „nur“ Tango. Auf Weltreise mit Mulo Francel

quadro nuevo mareDurch Freunde wurde ich auf MARE aufmerksam, die Neuerscheinung von Quadro Nuevo, in der Mulo Francel mit recht unterschiedlichen Musikern die ganze Bandbreite seiner musikalischen Interessen und Fähigkeiten zelebriert. Mulo Francel selbst erklärt die Vielfalt der Stile als Resultat der Buntheit der Eindrücke aus umfangreichen Reisen der Musiker:

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Lang Lang bringt dich sicher über den Goldberg

Lang Lang GoldbergvariationenOh ich war ja immer hin- und hergerissen, wenn ich Lang Lang hörte. Stets hegte ich heftigen Kitsch-Verdacht und sein Manierismus an den Tasten war mir nie geheuer. Als er sich nun über die Goldberg-Variationen her machte argwöhnte ich das Allerschlimmste und die Marketingmaschine die die Veröffentlichung seine Aufnahme begleitete war ja nun auch beängstigend. Doch die meisten Kritiken waren äußerst wohlwollend und ich war ob des Gehörten mal wieder hin- und hergerissen: technisch ist der Mann ja wirklich meisterhaft und seine Interpretation des viel gehörten Werkes ist, nun ja, jedenfalls interessant. So ganz konnte ich mich freilich nicht damit anfreunden Bach plötzlich als Romantiker einordnen zu müssen …

Wie herzerfrischend war es da endlich einen gnadenlosen Verriss zu lesen: Wolfram Ette schreibt Lang Lang im Freitag in Grund und Boden:

„Wenn Bach wie Chopin klingt … Wenn man diesseits aller Theorie anschaulich erleben will, wie Kulturindustrie heute läuft, sollte man sich mit der Neueinspielung der Goldberg-Variationen des chinesischen Pianisten Lang Lang auseinandersetzen. … Die Aria klingt bei Lang Lang wie Chopin, delirant kommen die Verzierungen als schwankende Gestalten daher, die nichts zu erkennen geben, außer den Wunsch aufzufallen. Die extremen Temposchwankungen der Variationen wirken willkürlich; alles ist gestelzt, gesetzt, leerer Ausdruck. Das ganze Gebäude gerät bei Lang Lang ins Rutschen, alle Wände verschieben sich ständig gegeneinander wie auf Bildern von Escher. Aber es ist nicht „Dekonstruktion“, sondern Willkür als knallhartes Kalkül, das nur eine einzige Währung kennt: die der zerstreuten und zersplitterten Aufmerksamkeit der Hörerinnen und der Hörer. Flach vor Tiefe hat Lukács dieses Phänomen genannt, Adorno nennt es den Fetischcharakter der Musik. Aber es reicht auch, wenn man findet: Es ist Kitsch.“

Danke Meister Ette. Mein Weltbild ist wieder eingenordet.

kurz kurz kurz lang lang lang kurz kurz kurz.