reMarkable Tablet

Passt: Papierloses Büro mit dem reMarkable Tablet

Das reMarkable Tablet kann wenig – aber was es kann, das kann es richtig gut. Es ist angenehm im Handling, braucht wenig Energie und wäre es weiblich, so wäre sie ist die erste seit der legendären S.T., die meine Handschrift lesen kann.  Und was will man mehr?

Im Ernst: mein Büro arbeitet schon lange fast komplett papierlos: Rechnungen werden elektronisch erledigt, Dokumenten nur noch eingescannt archiviert, unser Drucker langweilt sich mächtig. Aber Notizen während Meetings und meine gefürchteten spontane Ideen – von manchen immer wieder gerne als „Sponti-Ideen“ denunziert –  die entstanden bislang noch immer zumeist auf toten Bäumen. Denn Tastaturengeklapper während Meetings ist nervig. Und in Monitore glotzende Zuhörer und Mitdiskutanten und -onkels kann ich selten ernst nehmen. Tanzende Bleistifte und Füllfederhalter haben mich hingegen nie gestört.

Aber das Gekratze auf der Glasplatte meines Surface Books war an sich schon unerotisch. Und die Schrifterkennung war – nun eben unterirdisch. Was fehlte war ein papierloses Notizbuch. und alles was der Markt mir diesbezüglich angeboten hat, war aus dem ein oder anderen Grund unerträglich:

  • Es brauchte zu viel Strom.
  • Es schrieb sich schlecht damit.
  • Es war unhandlich.
  • Es war kompliziert.

Bis vor wenigen Tagen das erste brauchbare elektronische Notizbuch in meinem Briefkasten lag: das reMarkable.  Von reMarkable. Aus Oslo.

Was kann das reMarkable Tablet? Wenig, aber das (fast) perfekt.

Eigentlich kann das reMarkabel Tablet nur wenig. Was es aber kann, macht es sehr ordentlich:

    • Man kann handschriftliche Notizen und Skizzen machen. Dafür stellt es eine Vielzahl unterschiedlicher virtueller Stiftspitzen bereit, vom Rollerstift bis zum Beistift, mit dem man recht ordentlich zeichnen kann.
    • Man kann seine Handschrift erkennen lassen und das Ergebnis per Email oder an einen online-Speicher versenden. Die Datei nach der Texterkennung kann man also nicht direkt auf dem Gerät speichern. Das ist ein wenig schade. 
    • Die Handschrifterkennung funktioniert KI-gestützt auf dem Server von reMarkable. Man benötigt also dort einen – kostenlosen – Account und eine W-LAN-Verbindung. Dafür funktioniert die Schrifterkennung schnell und überraschend zuverlässig. Mit meinen alten Palm-Erfahrungen hat das nun wirklich nichts mehr zu tun 😉

So funktioniert die Handschrifterkennung:

  • Für die Notizen stellt das reMarkable fertige Vorlagen zur Verfügung, angefangen von diversenen Papiersorten (kariert, liniert, …) bis hin zu vorformatierten Joblisten. Leider muss man die Jobs noch selbst abarbeiten …
  • Nun benötigt man unterwegs manchmal auch schon fertige Dokumente.  Deshalb lassen sich pdf-Dateien importieren. Man kann dann auch Notizen in diese Dokumente einarbeiten. Wer also Textdokumente oder Tabellen oder Bilder benötigt, der muss diese als pdf – und nur als pdf – importieren. Der Arbeitsspeicher reicht für rund 100.000 Seiten Papier – äh … Dokumente.
  • Alle Dokumente – die pdf-Dateien und die selbst zusammengeschreibselten Notizbücher – lassen sich in einem einfachen Dateisystem hierarchisch organisieren. Das ist wirklich schlicht, eben so schlicht, wie die meisten von uns auch arbeiten. Es ist auch nicht wirklich schnell. Dazu reicht der verbaute Arbeitsspeicher  im schlanken 1-Gigahertz-Prozessor einfach nicht aus. Auch hier legten die Macher des reMarkable mehr Gewicht auf Energieeffizienz, als auch Rechen-Power.

So funktioniert die schlichte Dateiverwaltung der pdf-Dokumente:

Kurz: Das reMarkable bietet kein elaboriertes Hypertextsystem für alle denkbaren Dateiformate mit perfekter Integration handschriftlicher Dokumente. Es ist ganz einfach eine perfekte Simulation eines schönen papierenden Notizbuchs mit den wichtigsten Integrationsvarianten in die elektronische Welt. 

Das Wichtigste ist doch das Schreiben

Das wichtigste an einem guten Moleskine ist doch das Papier und der Stift. Das Papier ist hier ein E-Ink-Display mit ordentlicher 228 dpi Auflösung. Und das ist doch erheblich angenehmer, als eine Glasscheibe. Man schreibt wirklich fast wie auf Papier, nicht gerade handgeschöpftes Bütten, aber immerhin. Je nach Druck schreibt man breiter oder feiner. Man kann auch im hellen Sonnenlicht schreiben, da die Oberfläche nicht reflektiert. Dafür gibt es auch keine Beleuchtung. Papier hat ja auch keine Beleuchtung. Im Dunkeln ist gut munkeln, aber schlecht schreiben. So muss das. So braucht man auch kaum Energie. Schließlich verbraucht das reMarkable für die Darstellung einer Seite gar keinen Strom, sondern nur für das Schreiben und Seite wechseln.

Michael Spehr vermisst in der F.A.Z. die Möglichkeit mit gelenkigen Fingern auf dem Bildschirm zu zoomen oder über die Seiten zu wischen. Ich vermisse das nicht. Auf Papier kann ich auch nicht zoomen. Und die Philosophie des reMarkable ist es, eine elektronische Alternative zum Papier zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Und das jedenfalls gelingt vom Schreibgefühl her recht gut:

Mit dem Stift kann man schreiben, zeichnen, schraffieren oder wie mit einem Textmarker arbeiten.  Der Stift könnte ein wenig wertiger sein – sowohl im Aussehen, als auch und vor allem in der Haptik. Man hat halt einen billigen Plastikeumel in der Hand. Da gibt es noch erheblich Verbesserungspotential. Der Stift ist auch einfach zu leicht für eine ruhige Hand. Wie immer beinem Stift für ePaper nutzt sich die Spitze ab. Deshalb liegen dem Tablet von Anfang an einige Ersatzspitzen bei.

Nachtrag vom 1. Mai: Die Einbindung des reMarkable in Android und Windows

Etwas hatte ich völlig vergessen: Es gibt natürlich auch eine Windows- und eine Android-App für das reMarkable. Beide sind schlank und schnell. Nun kann man einfach vom Arbeitsplatzrechner aus seine Dokumente für unterwegs auf den reMarkable Server schaufeln. Das Tablet synchronisiert sich automatisch, ebenso das Android Smartphone. Und schon hat man seine aktuellen Projekte überall dabei: die Dropbox fürs Aktuelle!  Ich glaube, ich werde mich daran gewöhnen. 

Das Unboxing des Tablet

Das reMarkable ist nicht billig. Nein, es ist sogar richtig teuer. 600 Euro sind ja richtig viel Geld in Zeiten, in denen man für das gleiche Geld schon richtige Computer kaufen kann. Aber dafür macht das Teilchen schon beim Auspacken einen guten und wertigen Eindruck:

reMarkable Unboxing

Unboxing the reMarkable

In der stabilen Verpackung entbirgt sich in schöner Reihung

      • ein Karton
      • ein kleines Installationshandbuch
      • Stiftspitzen
      • ein USB-Kabel
      • das Tablet

Das Tablet selbst könnte so auch aus einem Apple Store kommen: weiß, schlicht, leicht abgerundete Kanten, ordentlicher Kunststoff von der nicht ganz billigen Sorte, ein straffes Hinterteil aus Aluminium.

Ganz wichtig: es ist nicht federleicht, aber papierleicht. es wiegt 350 Gramm und liegt mit einer Größe von 256 x 177 x 6,4 mm noch ganz gut in der Hand. Mir persönlich wäre ein etwas kleinerer Formfaktor (DIN A 5) allerdings lieber. Meine Moluskine waren auch immer nur A5 groß.  So entspricht es eher unserem B5 oder fast dem amerikanischen „Executive“-Format. 

reMarkable

Das reMarkable liegt recht gut in der Hand.

Extra bestellen kann man sich für das reMarkable eine Woll- oder Ledermütze, also eine Hülle, in die man das Teilchen hineinstecken kann. Die ist aber weder schön, noch praktisch. Das strickt man sich lieber selbst etwas Hübsches.

Warum ich das reMarkable liebe

Das reMarkable ist ein schlichtes Gerät mit schlanker Funktionalität. Man kann mit ihm hervorragend schreiben und es erkennt meine Schrift wie sonst niemand – abgesehen von S.T.. Man muss es auch nicht ständig an eine Steckdose hängen. Seine wichtigsten Dokumente kann man mitnehmen. Und man benötigt wirklich kein Handbuch für die paar wenigen Funktionen. Das ist doch auch mal schön.

Was ich mir wünsche?

Vor allem einen Stift mit besserer Haptik und mehr Gewicht. Und dann bei Gelegenheit die Speicherbarkeit erkanntes Textes als Datei direkt auf dem Gerät, meinetwegen auch als pdf. Und vielleicht noch eine vernünftige Hülle, so eine wie früher beim Palm: hinten festgesteckt und vorne zum Aufklappen. Ihr seht schon: es geht vor allem um „analoge“ Kleinigkeiten, nicht um viele zusätzliche Funktionen.   

Ach ja, ehe ich’s vergesse: eBooks kann man mit dem reMarkable auch lesen. Wer’s braucht.

Was kostet es und wo bekommt man es?

Das reMarkable ist eine Entwicklung von Enthusiasten, die sich ihr Startkapital über die Crowd besorgt haben. Konsequenterweise gibt es das Teilchen nur im Direktvertrieb und zwar hier: https://remarkable.com. Zur Zeit liegt der Preis bei 599,- Euro. Und es ist den Preis wert!

Nachtrag: Das reMarkable ist schon seit rund zwei Jahren auf dem Markt. Es wurde aber laufend weiterentwickelt. Dieser Test gibt es den Stand vom Mai 2019 wieder. Zahlreiche Schwächen, die in älteren Tests dem Gerät zugeschrieben wurden, sind inzwischen offenbar beseitigt worden. Das Gerät läuft absolut stabil und mit sehr guter Performance. Und wer weiß: vielleicht werden meine open formulierten Wünsche ja auch eines Tages erfüllt. Das Entwicklerteam ist jedenfalls außerordentlich aktiv und pflegt das Teil nachhaltig. Auch das entspricht der Philosophie von reMarkable.


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