Chinas Blogger machen Journalisten Feuer unterm Hintern

Verbotenes Bild: Hotelbrand in Bejing

Verbotenes Bild: Hotelbrand in Bejing

Wenn die richtigen Journalisten ihren Job nicht machen können oder wollen, dann werden ihn eben die Blogger machen. Das ist die Botschaft, die aus China zu uns kommt nach dem verheerenden Feuer, bei dem am Montag das neuerbaute Hotel Mandarin Oriental bis auf ein ausgeglühtes Stahlskelett ausbrannte.

Inzwischen ist klar, dass es Mitarbeiter des Staatsfernsehens China Central Television (CCTV) waren, die mit einem illegalen Privatfeuerwerk die Brandkatastrophe ausgelöst haben. Überall in China werden am letzten Tag des Mondjahres Böller gezündet und Raketen abgefeuert. Eigentlich ist das verboten, weil in der Vergangenheit immer wieder Unglücke passiert sind, aber die Behörden drücken meist ein Auge zu – Traditionspflege und so.

Nun ist die Sache gründlich schief gegangen, eines der Wahrzeichen der Olympiade von Bejing ist eine verkohlte Ruine, und das zu einer Zeit, in der das ganze Land aufgrund von Wirtschaftskrise und Exportrückgang an Katzenjammer leidet. An Symbolträchtigkeit ist das eigentlich nicht mehr zu überbieten – nur bekommen die Chinesen die Bilder nicht zu sehen.

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ausgezoomt

Screenshot_Zoomer

eines der aus meiner sicht besten journalistischen online-angebote wird eingestellt: zoomer.de!

zommer, eine elektronische zeitung aus dem holtzbrinck-verlag, verband professionell gemachte journalistische inhalte mit der möglichkeit für die leser die relevanz dieser inhalte zu bewerten und derart auf die struktur des medienangebots direkt einfluss zu nehmen. standardisierte inhalte konnten um individuelle inhalte ergänzt werden. die trennung zwischen user made content und profi-content wurde aufgehoben.

kress meldet: „Der Druck auf den Anzeigenmärkten, der in den letzten Monaten erheblich zugenommen hat, stellt auf absehbare Zeit die ökonomischen Erfolgsaussichten in Frage“. dort verklärt auch peter neumann, leiter new media content der verlagsgruppe georg von holtzbrinck den exitus.

hier auf czyslansky hatte ich mehrmals schon auf zoomer hingewiesen. schade um das objekt. schade für die kollegen. schade für uns.

PR 2.0 bei der Bahn: Die Blogger sind schuld!

Als ob Bahnchef Mehrdorn nicht genug Ärger am Hals hätte mit der Online-Schüffelei. Jetzt fährt er auch noch schweres Geschütz gegen den Blogger auf, der den Stein so richtig ins Rollen gebracht hat.

Markus Beckedahl gehört zur seltenen Spezies der deutschen A-Blogger. Seit mehr als acht Jahren veröffentlicht er auf seinem Blog „netzpolitik.org “ geistreiche und witzige Betrachtungen zu Themen wie Datenschutz, Digitalkultur, Urheberrecht und Online-Überwachung. Er hat sich eine treue Lesergemeinde geschafft, und einer von ihnen arbeitet wohl bei der Bahn. Jedenfalls spielte dieser Leser dem Blogger Beckedahl das Memo des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten Alexander Dix über die Rasterfahndung der Deutschen Bahn zu, bei der die persönlichen Daten von  mindestens 220.000 Bahn-Mitarbeiter (Stand 4. Februar, Tendenz steigend) an einen kleinen externen Dienstleister übermittelt hat. Die kleine Berliner Network Deutschland GmbH wurde, wie die Bahn zugibt,von 1998 bis 2007 in mindestens 43 Fällen engagiert, um per Datenabgleich möglichen Betrügern bei der Bahn auf die Schliche zu kommen.

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engländer twittern sich ihren eigenen wetterbericht

twitterwetter2

eines der reizvollsten neuen twitter mashups kommt von der insel: unter dem #uksnow tweed bauen sich schneeverwehte engländer derzeit ihren eigenen wetterbericht mit satellitenkarte. user twittern die anfangskennzeichen ihrer postleitzahl und die heftigkeit des lokalen schneetreibens auf einer skala von 1 bis 10. das mashup trägt die daten automatisch in eine googlemap ein. wozu brauchen wir künftig noch kachelmanns teure satelliten ???

handelsblatt öffnet sich bloggern

habla

natürlich konnten sie auch bisher schon wichtige notizen ins handelsblatt schreiben (s.o.). künftig aber kann ich mitlesen. das handelsblatt öffnet seine elektronischen seiten den bloggern. seit heute verweist die online-ausgabe des handelsblatts am ende jeden artikels auf blogs, die auf den entsprechenden artikel verweisen. genutzt wird dazu die blogsuchmaschine twingly, die die freunde des gepflegten czyslansky-blogs freilich schon lange (!) kennen. letztlich handelt es sich um – dank twingly – spamfreie trackbacks. wer mehr zu diesem service wissen will, der lese beim habla-kollegen knüwer nach.

Obama darf seinen Blackberry behalten

Obama und sein Lieblingsspielzeug

„They’re going to pry it out of my hands.“ (Barak Obama am 13. Januar 2009. Foto: AP)

Die digitale Glaubensbemeinschaft kann aufatmen: Obama kriegt seinen geliebten Blackberry wieder zurück! Nicht nur Czyslansky war entsetzt, als die Nachricht durchsickerte, dass Amerikas COPAZ („coolster Präsident aller Zeiten“) seinen ständigen elektronischen Begleiter an der Tür zum Weißen Haus abgeben sollte (siehe „Kein Blackberry für Obama„). Doch nun meldet das angesehene Politikmagazin „The Atlantic“ Entwarnung: „Obama Keeping His Blackberry After All„.

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so muss eine interaktive tagesschau aussehen

obama

meine liebe kollegin susanne müller-zantop hat mich heute auf eine wirklich phantastisch gelungene aufbereitung der gestrigen inaugurationsrede von barack obama hingewiesen: die new york times hat die komplette rede nicht einfach online gestellt, sondern neben den vodcast das komplette manuskript der rede eingestellt, dass sich parallel zum fortschritt der videomitschnitts durchscrollt. dabei ist das manuskript über eine volltextrecherche durchsuchbar. man kann zu jedem suchergebnis im manuskript und damit auch im video springen. das manuskript ist sauber gegliedert und wurde um sinnvolle links auf ergänzende informationen erweitert. so lässt sich einerseits der vortrag bestens analysieren. und andererseits wird diese wunderbare rede (ja tim: ich finde ihn auch großartig!) tatsächlich zum ausgangspunkt weiterer recherchen.

ja – genau so muss eine interaktive tagesschau künftig aussehen. schaut doch einfach mal rein:

http://www.nytimes.com/interactive/2009/01/20/us/politics/20090120_INAUGURAL_ANALYSIS.html?hp#

das beste aber ist: die nyt kommuniziert das ganze im gewohnt ruhigen und klassischem design. man möchte seinen fernseher samt diesem unsäglich kunterbunten heute journal glatt eingraben.

Mindestlohn für Blogger?

Da gibt es diese neue Jobbörse für Blogger: Bloggerjobs.de.
Weil die auf Basic Thinking ein Werbebanner schalten und Robert sein Blog verkauft, und mich das interessiert hat, und ich mir seinen letzten Blogeintrag mit der Verlinkung auf „I did it my Way“ von Ol‘ Blue-Eye angeguckt habe, habe ich dieses Banner gesehen und drauf geklickt. Ich weiß nicht, ob ich das tat, um Robert noch ein paar Cents zuzuspielen, wenn seine Auktion doch nicht so gut laufen sollte, oder ob ich tatsächlich einen Job als Profiblogger gesucht habe …
Da werden also Blogger gesucht, die für Geld, für Spaß, für Ruhm und Ehre, oder aber für eine Beteiligung an einem sicherlich hochseriös und stockkonservativ businessplanisierten Geschäftsmodell bloggen.
Eine Anzeige habe ich mir dann mal genauer angesehen, denn ich Blogge gerne für Geld oder eben ganz für die Katz. Da heißt es also:

Ich suche einen zuverlässigen Blogger, für den Bereich Online-Marketing.
<blabla> Themen, Anforderungen </blabla>

Dann wurde es interessant:

Vergütung: Bezahlt wird Monatlich, pro Beitrag 10 € (bei mindestens 250 Wörtern).

10 Euro also für min. 250 Wörter, das sind durchschnittlich 1300 Anschläge, dass macht dann gerundet pro Zeichen 0,77 Cent. Zum Vergleich im PR Bereich werden ungefähr 10-15 Cent pro Zeichen gezahlt.
Wenn ich ein Thema recherchiere und brauche dazu, sagen wir mal mindestens eine Stunde, dann schreibe ich noch eine Stunde lang die geforderten 250 Zeichen, dann bin ich mit meinem 5 Euro Stundenlohn schon wieder mitten in der Mindestlohn-Diskussion und das bei einem Fachgebiet (Online Marketing) in dem man an einen Stundenlohn im dreistelligen Bereich gewohnt ist.
Der Deutsche Journalistenverband geht im übrigen in seinem Honorarleitfaden bei Kurztexten (<1000 Zeichen) von einer Pauschalvergütung von 120 Euro aus.

Das war jetzt bestimmt nicht repräsentativ, aber ich denke man kann schon ein wenig aufs Ganze schließen: Bloggen in Deutschland ist ein schönes Hobby, aber noch lange kein Beruf.

Dieser Blogeintrag hat 310 Wörter und ist für lau.

Digitale Gefangene

Eigentlich sollte das Internet befreiend wirken. Als ich vor einigen Jahren mein erstes Buch über dieses Thema schrieb, „Erfolgsfaktor Internet“, habe ich das Internet mit den Volksempfängern im Dritten Reich verglichen, mit denen die Menschen in Deutschland heimlich BBC-Nachrichten gehört haben –  ein Fenster alternativer Informationen. Weil die Machtbasis totalitärer Regime in der Vergangenheit nur durch Gleichschaltung aller Medien und die möglichst lückenlose Überwachung ihrer Bürger zu erreichen war (siehe Orwells „Gedankenpolizei“), müsse die grenzenlose Freiheit der Online-Kommunikation zwangsläufig zu einem Abbau totalitärer Strukturen in Ländern wie China, Saudi-Arabien, Iran oder Irak (wo damals noch Saddam Hussein herrschte) führen.

Nun, gerade China hat gezeigt, dass es auch anders geht. Und nicht nur ich frage mich warum. Evgeny Morozov vom Open Society Institute in New York hat neulich in einem Meinungsbeitrag für die International Herald Tribune eine mögliche Antwort geliefert.

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Die „Süddeutsche“ hat das Internet verpennt

Er hat wieder zugeschlagen! Dr. Bernd Graff, spätberufener Internet-Beobachter und „Stellvertreter des Chefredaktuers“ der Online-Ausgabe der SZ, hat es uns mal wieder so richtig gesagt. „Dem Cyberspace sind die Utopien abhanden gekommen“, donnert er von der neuerdings luftigen Kanzel in der Hultschiner Straße. „Die Verheißung, die mit solcher Grenzüberschreitung einmal verbunden war, ist nirgends mehr zu spüren“, behauptet er und macht sich über Apples neuen Virtual Reality Headset lustig: „Es reicht völlig, dass man damit Theater sehen kann, das gar nicht da ist.“

Das schwülstige Versatzsrück, das sich immerhin über zwei volle Zeitungsspalten auf der ersten Seite des Feuilletons zieht, ist ein entsetzliches – vor allem aber entsetzlich langweiliges – Wiederkäuen von Zitaten aus den Kindertagen des Cyberpunk, von Rudy Rucker über Timothy Leary bis William Gibson und Donna Haraway. So ganz genau wird zwar nicht klar, was ihn so stört, aber offenbar möchte er mal so richtig zum Rundumschlag gegen den Hype ausholen.

Dass der Schlag ins Leere geht liegt daran, dass er eine nur halbverstandene Version des Internets von vor 10 Jahren durch den Kakao zu ziehen versucht – und dabei natürlich selbst tief hinein taucht.

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