so muss eine interaktive tagesschau aussehen

obama

meine liebe kollegin susanne müller-zantop hat mich heute auf eine wirklich phantastisch gelungene aufbereitung der gestrigen inaugurationsrede von barack obama hingewiesen: die new york times hat die komplette rede nicht einfach online gestellt, sondern neben den vodcast das komplette manuskript der rede eingestellt, dass sich parallel zum fortschritt der videomitschnitts durchscrollt. dabei ist das manuskript über eine volltextrecherche durchsuchbar. man kann zu jedem suchergebnis im manuskript und damit auch im video springen. das manuskript ist sauber gegliedert und wurde um sinnvolle links auf ergänzende informationen erweitert. so lässt sich einerseits der vortrag bestens analysieren. und andererseits wird diese wunderbare rede (ja tim: ich finde ihn auch großartig!) tatsächlich zum ausgangspunkt weiterer recherchen.

ja – genau so muss eine interaktive tagesschau künftig aussehen. schaut doch einfach mal rein:

http://www.nytimes.com/interactive/2009/01/20/us/politics/20090120_INAUGURAL_ANALYSIS.html?hp#

das beste aber ist: die nyt kommuniziert das ganze im gewohnt ruhigen und klassischem design. man möchte seinen fernseher samt diesem unsäglich kunterbunten heute journal glatt eingraben.

Mindestlohn für Blogger?

Da gibt es diese neue Jobbörse für Blogger: Bloggerjobs.de.
Weil die auf Basic Thinking ein Werbebanner schalten und Robert sein Blog verkauft, und mich das interessiert hat, und ich mir seinen letzten Blogeintrag mit der Verlinkung auf „I did it my Way“ von Ol‘ Blue-Eye angeguckt habe, habe ich dieses Banner gesehen und drauf geklickt. Ich weiß nicht, ob ich das tat, um Robert noch ein paar Cents zuzuspielen, wenn seine Auktion doch nicht so gut laufen sollte, oder ob ich tatsächlich einen Job als Profiblogger gesucht habe …
Da werden also Blogger gesucht, die für Geld, für Spaß, für Ruhm und Ehre, oder aber für eine Beteiligung an einem sicherlich hochseriös und stockkonservativ businessplanisierten Geschäftsmodell bloggen.
Eine Anzeige habe ich mir dann mal genauer angesehen, denn ich Blogge gerne für Geld oder eben ganz für die Katz. Da heißt es also:

Ich suche einen zuverlässigen Blogger, für den Bereich Online-Marketing.
<blabla> Themen, Anforderungen </blabla>

Dann wurde es interessant:

Vergütung: Bezahlt wird Monatlich, pro Beitrag 10 € (bei mindestens 250 Wörtern).

10 Euro also für min. 250 Wörter, das sind durchschnittlich 1300 Anschläge, dass macht dann gerundet pro Zeichen 0,77 Cent. Zum Vergleich im PR Bereich werden ungefähr 10-15 Cent pro Zeichen gezahlt.
Wenn ich ein Thema recherchiere und brauche dazu, sagen wir mal mindestens eine Stunde, dann schreibe ich noch eine Stunde lang die geforderten 250 Zeichen, dann bin ich mit meinem 5 Euro Stundenlohn schon wieder mitten in der Mindestlohn-Diskussion und das bei einem Fachgebiet (Online Marketing) in dem man an einen Stundenlohn im dreistelligen Bereich gewohnt ist.
Der Deutsche Journalistenverband geht im übrigen in seinem Honorarleitfaden bei Kurztexten (<1000 Zeichen) von einer Pauschalvergütung von 120 Euro aus.

Das war jetzt bestimmt nicht repräsentativ, aber ich denke man kann schon ein wenig aufs Ganze schließen: Bloggen in Deutschland ist ein schönes Hobby, aber noch lange kein Beruf.

Dieser Blogeintrag hat 310 Wörter und ist für lau.

Digitale Gefangene

Eigentlich sollte das Internet befreiend wirken. Als ich vor einigen Jahren mein erstes Buch über dieses Thema schrieb, „Erfolgsfaktor Internet“, habe ich das Internet mit den Volksempfängern im Dritten Reich verglichen, mit denen die Menschen in Deutschland heimlich BBC-Nachrichten gehört haben –  ein Fenster alternativer Informationen. Weil die Machtbasis totalitärer Regime in der Vergangenheit nur durch Gleichschaltung aller Medien und die möglichst lückenlose Überwachung ihrer Bürger zu erreichen war (siehe Orwells „Gedankenpolizei“), müsse die grenzenlose Freiheit der Online-Kommunikation zwangsläufig zu einem Abbau totalitärer Strukturen in Ländern wie China, Saudi-Arabien, Iran oder Irak (wo damals noch Saddam Hussein herrschte) führen.

Nun, gerade China hat gezeigt, dass es auch anders geht. Und nicht nur ich frage mich warum. Evgeny Morozov vom Open Society Institute in New York hat neulich in einem Meinungsbeitrag für die International Herald Tribune eine mögliche Antwort geliefert.

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Die „Süddeutsche“ hat das Internet verpennt

Er hat wieder zugeschlagen! Dr. Bernd Graff, spätberufener Internet-Beobachter und „Stellvertreter des Chefredaktuers“ der Online-Ausgabe der SZ, hat es uns mal wieder so richtig gesagt. „Dem Cyberspace sind die Utopien abhanden gekommen“, donnert er von der neuerdings luftigen Kanzel in der Hultschiner Straße. „Die Verheißung, die mit solcher Grenzüberschreitung einmal verbunden war, ist nirgends mehr zu spüren“, behauptet er und macht sich über Apples neuen Virtual Reality Headset lustig: „Es reicht völlig, dass man damit Theater sehen kann, das gar nicht da ist.“

Das schwülstige Versatzsrück, das sich immerhin über zwei volle Zeitungsspalten auf der ersten Seite des Feuilletons zieht, ist ein entsetzliches – vor allem aber entsetzlich langweiliges – Wiederkäuen von Zitaten aus den Kindertagen des Cyberpunk, von Rudy Rucker über Timothy Leary bis William Gibson und Donna Haraway. So ganz genau wird zwar nicht klar, was ihn so stört, aber offenbar möchte er mal so richtig zum Rundumschlag gegen den Hype ausholen.

Dass der Schlag ins Leere geht liegt daran, dass er eine nur halbverstandene Version des Internets von vor 10 Jahren durch den Kakao zu ziehen versucht – und dabei natürlich selbst tief hinein taucht.

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Geheimnisvoller Kampfstern

Virales Marketing ist zwar der letzte Schrei, aber im Grunde doch ein alter Hut. Es geht darum, Endverbraucher – vulgo: User – dazu zu bringen, Werbebotschaften eines Anbieters als eigene Empfehlung auszugeben oder, besser, selbstgebastelte Werbebotschaften zu produzieren. „User-generated content“ ist sozusagen die Königsdisziplin dieser noch jungen Branche. Dass dabei gelegentlich von Anbieterseite aus nachgeholfen wird, ist ein offenes Geheimnis. „Seeding“ nennt man das, wenn nämlich die Firma scheinbar von Usern generierte Inhalte so geschickt bei Bloggern oder auf YouTube platzieren, dass alle glauben, sie seien wirklich von Unbeteiligten gemacht, was natürlich die Glaubwürdigkeit immens erhöht.

Ich hatte gestern Abend Gelegenheit, mal hinter die Kulissen dieses noch ziemlich jungen und vor allen ziemlich undurchschaubaren Ablegers der Werbebranche zu blicken. Anlass war ein Vortrag von Dominik Kuhn, dem ungekrönten König des viralen Marketing. Sie kennen Kuhn vielleicht nicht, aber garantiert haben Sie schon einen Link auf seinen berühmtesten viralen Werbefilm, „Todesstern Stuttgart“, irgendwann einmal von einem Bekannten zugemailt bekommen. Es handelt sich um einen Clip aus „Star Wars“, wo ein Kriegsrat des Galaktischen Imperiums in eine fiktive Vorstandssitzung eines schwäbischen Unternehmens verwandelt wird.

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Das Internet hat gewonnen!

Barack Obama / DC Examiner
Quelle: The DC Examiner

Der Sieg Barack Obamas ist auch ein Sieg des Internet.

Während Politologen und Wahlstrategen noch monate- oder jahrelang darüber debattieren werden, wie es der schlacksige Nobody mit den abstehenden Ohren geschafft hat, sich in kürzester Zeit bis zum wohl mächtigsten Mann der Welt empor zu boxen, ist eines klar: Ohne die Macht der Neuen Medien wäre er niemals so weit gekommen.

Obama und seine Berater sind vielleicht die ersten echten Vertreter einer ganz neuen Politikergeneration die verstanden hat, dass Politik in Zukunft nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben funktionieren wird. Ja, es gab schon lange den Begriff „Graswurzelbewegung“, aber das war ungefähr so ehrlich gemeint wie die Floskel „König Kunde“. In Wahrheit haben die Politiker dem Bürger gesagt, was er zu wollen hat. Dafür bekommen ja bei uns jetzt insbesondere die SPD-Oberen ganz deutlich die Quittung. Man stelle sich vor, Frau Ypsilanti hätte ihre Parteibasis erst mal online diskutieren lassen, bevor sie sich auf das Abenteuer mit den Linken einließ…

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