Die Lage ist bescheiden

Auf CNET ist ein interessanter Artikel über die Lage des Journalismus in Amerika erschienen. Es ist absolut deprimierend, aber eine Lesemuss. Da steht zu lesen, das traditioneller Journalismus (hat nichts mit print versus online zu tun, sondern mit Recherche und so) durchaus sein Publikum hat und auch
neues anzieht, aber er hat doch tatsächlich ein „revenue problem“. Wäre hätte das gedacht. Alternative Finanzmodelle sind natürlich nicht in Sicht. Vielleicht führt die Krise ja irgendwann mal dazu, dass Leser merken, welche Qualitätsmängel unbezahlter Journalismus häufig aufweist und Informationen liefert, auf die man sich nicht verlassen kann. Und vielleicht, vielleicht, zahlen sie dann endlich für Informationen.

9 Gedanken zu „Die Lage ist bescheiden“

  1. Wenn es nur die Journalisten wäre, hättest du recht. Es sind die Zeitungen, die sich selber das Wasser abgegraben habem in dem sie die Chance verpennt haben, im Internet Geld zu verdienen. Weil sie keine Ahnung hatten, wie man mit dem Medium umgeht, haben sie einfach alles, was in der Zeitung steht, kostenlos auf ihre Homepages gestellt haben, und nun wudnern sie sich, dass der Kunde nix bezahlen will. Wer im Internet nichts als Recyclingmaschine für alte News sieht, hat nichts Besseres verdient. Aber leider sind wir Schreiber die eigentlichen leidtragenden.

    David Carr hat dazu übrigens in der International Herald Trubine etwas sehr interessantes geschrieben http://tinyurl.com/bdanqv Seine Forderungen:

    Keine kostenlosen Inhalte mehr! Zeitungen sollen konsequent Geld verlangen, und zwar alle! (Was in Deutschland bislang an der nicht nur meines Erachtens illegalen Gratis-Konkurrenz der öffentlich-rechtlichen Sender scheitert)
    Sperrt Google-News und alle anderen Aggregatoren, die den free content der Zeitungen abgreifen und zu eigenen pseudo-journalistischen Produkten zusammenstellen, wo sie Werbung verkaufen und den Verlagen das Wasser abgraben können.
    Kein Verramschen unverkaufter Anzeigenplätze mehr über einschlägige Agenturen. Dann lieber keine Werbung als eine, die nicht einmal die Kosten deckt.
    Bildet Zeitungs-Kartelle im Internet! Statt sich auseinander dividieren und von branchenfremden Wettbewerbern (und Fernsehanstalten) das Geschäft kaputt machen zu lassen sollen die Zeitungshäuser sich im Internet zusammentun und aggressiv um ihre schwumpfenden Märkte kämpfen. Und wenn das Kartellamt meckert, dann sollen sie auf den öffentlichen Versorgungsauftrag pochen. Es ist Krieg, und es geht den zeitungen ums nackte Überleben!

  2. wer bei erlösen von rund 330 mio eur rund 50 mio eur ergebnis macht (spiegel-verlag) hat keinen grund zum jammern. und den meisten anderen deutschen verlagen geht es ebenfalls blendend – vielleicht nciht im verlgeich zu früheren goldjahren, aber allemal im vergleich zu anderne branchen.

  3. Ich rede von Zeitungen, nicht Zeitschriften. Die trifft es halt ein bisschen später.

    Eine Tageszeitung ist ein Bündel von Geschäftsmodellen, die gemeinsam eine Druckerpresse finanzieren. Wenn ein Geschäftsmodell nach dem anderen wegbröckelt (Autoanzeigen, Heiratsanzeigen, Stellenanzeigen, Immobilienanzeigen., etc. , etc.) lässt sich schon fast mathematisch errechnen, wann es nur noch 2 oder 3 große Zeitungen in Deutschland geben wird, die irgendwie von den Vetriebserlösen leben können. Der Rest ist Schweigen im Blätterwald.

  4. Bei der ganzen Diskussion über das Sterben der Zeitungen frage ich mich, ob es uns wirklich um das Medium geht, dass uns schützenswert erscheint?
    Mir persönlich geht es um die Redaktionen, die Journalisten, deren ich Arbeit ich schätze. Ob sie ihre journalistische Arbeit, nun auf toten Bäumen, LED, OLED oder E-Ink publizieren, ist mir persönlich völlig egal, hauptsache sie tun es und werden anständig dafür vergütet.

    Gute Inhalte werden immer Käufer oder Werbekunden finden. Ich jammere nicht über sterbende Geschäftsmodelle (dann müsst man im WEB 2.0 den ganzen Tag heulen), sondern über sinkende Qualität des Content.

  5. Da hast du Recht, Alexander, aber leider kann das Online-Modell bisher bezahlten Journalismus nicht so vergüten, dass die Journalisten davon leben könnten. Bisher hat ja der Printjournalismus den Online-Journalismus subventioniert. Das dürfte in Zukunft nicht mehr der Fall sein, mit der Folge, dass Online-Quellen immer unsicherer werden. Man findet zwar im Netz zu allem einen Beitrag, aber nachzuprüfen, ob er stimmt, nimmt inzwischen fast so viel Zeit in Anspruch, wie früher die mühsame Recherche per Telefon,

  6. Es gibt in den USA mit New Haven und San Francisco zwei Großstädte, die demnächst wohl ohne Tageszeitung dastehen werden. Das Leben dort wird weitergehen (siehe SZ von heute: Medienseite, „Stadt ohne Zeitung“ – leider noch nicht online, was schon wieder symptomatisch ist…). In Seattle hat Hearst die „Post-Intelligence“ am vergangenen Dienstag als Printausgabe eingestellt und führt sie nur noch online fort. Von den 145 Redakteuren sollen 20 übrig bleiben, dafür werden 20 neue Anzeigenverkäufer eingestellt. Vielleicht sollten wir umsatteln…

    Dafür legt die Wall Street Journal kräftig zu, vor allem deshalb, weil Murdoch in journalistische Qualität investiert. Gut, er tut es aus einem niedrigen Beweggrund: Er hasst die New York Times und ihren Besitzer Arthur O. Sulzberger, Jr., die ihn für einen Emporkömmling halten. Aber uns Schreiberlingen kann das ja egal sein…

    Tatsache bleibt, dass die Zeitungsverleger in Deutschland das Internet seit 15 Jahren verpennt haben und bis heute keine Anstalten machen, etwas gegen die schleichende Abwanderung ihrer Geschäftsmodelle Richtung Cyberspace zu tun. Das Ergebnis wird die letzte Runde im großen Zeitungssterben sein, an dessen Ende eine Handvoll überregionaler Blätter steht, die wie die NYT noch ein paar Lokalseiten im Internet veröffentlichen. Und zu den heute rund 2500 arbeitslos gemeldeten Journalisten werden noch ein paar Zehntausend hinzu kommen. Zieht Euch warm an – ich bin bis dahin ja zum Glück in Rente.

  7. Und während wir hier noch so nett vor uns hin diskutieren, ist es in Amerika schon soweit: Laut der Jahresstudie „Project for Excellence in Journalism“ der renommierten Marktforschungsgesellschaft Pew Research, ist der Qualitätsjournalismus wohl nicht mehr zu retten. Der Grund: Die Anzeigenerlöse – offline und online – wachsen zu langsam. Hier der O-Ton:

    „Schon vor der Rezession lautete die Grundsatzfrage im Journalismus, ob die Nachrichtenindustrie das Rennen gegen die Uhr ums Überleben gewinnen würde: Würde sie es schaffen, neue Wege finden, das Sammeln von Online-Nachrichten zu finanzieren und gleichzeitig die zurückgehenden Einnahmen aus alten Medien zur Finanzierung des Übergangs zu nutzen?

    Im vergangenen Jahr sind zwei wichtige Dinge passiert, die die verbleibende Zeit auf der Uhr verlürzt haben.

    Zum einen bedeutet das Abwandern der Verbraucher, dass die Nachrichtenindustrie sich schneller neu erfinden muss als sie angenommen hat – selbst wenn die meisten dieser Menschen traditionelle Nachrichten-Destinationen ansteuern. Kurzfristig hat die größere Zahl der Online-Kunden den herkömmlichen Nachrichtenanbietern geschadet, nicht genutzt.

    Und dann kam der Zusammenbruch der Wirtschaft. Die Zahlen sind nur Annahmen, aber Manager schätzen, dass die Rezssion die Einnahmeverluste in der Nachrichtenindustrie in 2008 mindestens verdoppelt hat. Und was noch wichtiger ist, sie hat die Bemühungen zunichte gemacht, neue Einnahmequellen zu finden. Beim Versuch, sein geschäft neu zu erfinden, war 2008 für die Branche ein verlorenes Jahr, und 2009 droht es auch zu werden.

    Stellen Sie sich vor, jemand befindet sich in Behandlung nach einem Schlaganfall, und plötzlich zieht er sich eine zweite schwere Krankheit zu.“

    Der am Dienstag zum sechsten Mal in Folge vorgelegte Jahresbericht zur Lage der US-Medien sei der „düsterste bisher“, heißt es bei Pew. Ob wir wollen oder nicht: Mit Nachrichten wird sich künftig nicht mehr genug Geld verdienen lassen, um über traditionelle Werbung künftig die Kosten für Qualitätsjournalismus decken können. Das ist die nackte, bittere Wahrheit, auch wenn man das hierzulande nicht gerne hört. Leider ist uns Amerika auch hier wieder ein Stück voraus – aber nicht viel.

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