Digitales Leben

Iran

Zwischen CIA-Kampagne, Stalinismus und Menschenrechtsorganisation

Im vergangen Jahr rotierte ich mitten in der „Achse des Bösen“,  wie US-Präsident George W. Bush den Iran gemeinsam mit Staaten wie Nordkorea und Irak im Jahr 2002 nannte. Meine Rotation gelang mittels eines Eisenbahnzugs und sie führte mich quer durchs Land, von Teheran über Mashad und Kerman, durch die Wüste und das Bergland bis in die persischen Traumstädte Isfahan und Shiraz. Vor allem aber machte mich diese Reise mit wunderbaren Menschen in einem wunderbaren Land bekannt. Ich habe darüber ja ausführlich in meinem fünfteiligen Reisebericht zum Iran erzählt.

Freilich bleibt einem als kritischer Tourist immer bewusst, dass man sich zugleich durch das Land mit den weltweit meisten Todesstrafen, mit zahllosen politischen Gefangenen und heftiger Unterdrückung der Menschenrechte bewegt. Der Iran ist nicht einfach ein „Zentrum des Bösen“, aber auch keine Urlaubsidylle, sondern ein autoritär geführter Staat mit zahlreichen offenen, hilfsbereiten und freundlichen Menschen darin.

Und freilich will man, wenn man viel Geld für eine Bildungsreise investiert, nicht einfach ein ungewolltes Regime stabilisieren, sondern sich solidarisch mit den Rechtlosen, mit den Opfern zeigen. Also informiert man so gut man eben kann in seinen Kreisen über die Wirklichkeit im Iran, wirbt für die Menschen, nicht für das Regime. Und man ist froh, wenn man Menschen trifft, die sich von Deutschland aus für politische Gefangene im Iran einsetzen.

So wurde ich  auf den gemeinnützigen in Berlin ansässigen „Verein für Nothilfe e.V.“ aufmerksam und geriet damit sogleich in vielfache Verwirrung.

Weiterlesen

The Educated Monkey

Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich den guten alten Rechenschieber aus meiner Schulzeit – stimmt: ich bin kein digital native! – noch bedienen könnte. Aber Spaß würde es bestimmt nicht machen. Spaß hat er nie gemacht. Ganz anders mein neuer Rechenknecht, den ich vor ein paar Tagen erstanden habe: der Educated Monkey!

Educated Monkey

Mein neuer Rechen-Affe

Das schlaue Kerlchen kann alles, was man so rechnerisch im Alltag braucht: addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren. Mit stoischer Miene beweist der kleine Affe seine Intelligenz. Beziehungsweise die Intelligenz seines Schöpfers William Robertson. Der hat den kleinen blechernen Rechenknecht am 3. September 1915 zum Patent angemeldet, welches er am 27. Juni 1916 auch für die Educational Novelty Company in Dayton, Ohio erhalten hat (Quelle).

Dem Original des Educated Monkey war eine Gebrauchsanweisung beigefügt mit einem bedenkenswerten Satz:

Weiterlesen

Umfrage zum Diversity Management – Der Mittelstand hat Nachholbedarf

Für den Unternehmerkreis (MUK) habe ich im Frühsommer 2018 eine Umfrage unter oberbayerischen Unternehmen zum Stand ihres Diversity Managements durchgeführt. Die Ergebnisse sind überaus aufschlussreich:

  • Diversity Management ist heute bereits ein breiter Trend, der in vielen Unternehmen aufgegriffen wird. In jedem zweiten Unternehmen werden Konzepte realisiert, die unter dem Stichwort Diversity Management subsumiert werden können. Dabei hat der Mittelstand noch den größten Nachholbedarf.
  • Diversity Management wird nicht aus philanthropischen Gründen betrieben, sondern aus harten betriebswirtschaftlichen Erwägungen heraus. Vor allem geht es um die Sicherstellung des benötigten Fachkräftepersonals.
  • Die Ergebnisse der bestehenden Diversity-Management-Projekte werden sehr positiv eingeschätzt: die Produktivität der Betriebe verbessert sich, die Mitarbeitermotivation nimmt zu und das Image der Unternehmen kann optimiert werden.
  • Im Zentrum der Projekte stehen derzeit Modelle zur Flexibilisierung der Arbeit. Besonders häufig werden bereits Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet.
  • Die wichtigste Zielgruppe sind derzeit Frauen. Viele Projekte richten sich aber auch an jüngere und ältere Beschäftigte und an Menschen mit Migrationshintergrund.
  • Viele Diversity-Management-Projekte sind derzeit noch unzureichend organisiert: häufig fehlt es an klar zugewiesenen Budgets, an einer schriftlichen Dokumentation und an einer regelmäßigen internen Information.

Diversity Management – Was ist das eigentlich?

„Achte darauf, dass ein Stellvertreter immer ein anderer Charakter ist, als derjenige, um dessen Stellvertretung es geht!“

„Fördere im Unternehmen jene, die anders sind, als du selbst!“

Diese und ähnliche Regeln bestimmen schon seit vielen Jahrzehnten das Recruiting und Management in zahlreichen Firmen.

Weiterlesen

Dieter Kempf und Michael Kausch

Kann man BDI Chef Dieter Kempf trauen?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über ein uns allen schon lange geläufiges Problem: gekaufte und gefälschte Produktbewertungen auf Amazon und anderen Online-Plattformen.

Das wissen wir doch, dass viele Unternehmen Firmen damit beauftragen, ihre Produkte gegen kleines Geld im Internet in den Himmel zu loben. Während eine positive Hotelbewertung heute rund 10 Euro kostet, gibt es den Fan-Like und das Facebook-Abo schon für 70 Cent. Das ist furchtbar, aber leider erlebbar- und buchbar. Andererseits habe ich schon von vielen Restaurant-Besitzern gehört, dass immer wieder Gäste sie nach dem Dessert anmachen „Entweder das Dessert war kostenlos oder der Verriss auf Tripadvisor wird furchtbar sein“. Und wieder andererseits sind seriöse Kundenbeschwerden und -kritiken wertvoll und ihre Lektüre erspart Fehlkäufe und übt einen gesunden Druck auf die Qualitätsmanager der Unternehmen aus. Klassische Shitstorms lehren uns das immer wieder.

Zur Aufdeckung unseriöser Produktbesprechungen empfiehlt meine Lieblingszeitung heute das Tool reviewmeta.com.  Diese Seite analysiert die Glaubwürdigkeit von Rezensenten und Produkttestern auf Amazon. Hierzu werden das Besprechungsverhalten und Inhalt und Stil der Besprechung analysiert. Klingt ja toll. Und ich kannte dieses Zaubertool noch gar nicht. Also habe ich es ausprobiert. Und natürlich bei einem Produkt, das ich verstehe.

Also habe ich mal das Buch „Digital Transformation“ von Tim Cole auf Amazon gesucht. Dieses Buch wurde viel gekauft, viel gelesen und viel besprochen. Auch von mir:

Weiterlesen

Neues aus der LinkedIn Service-Wüste

Eigentlich bin ich schon seit vielen Jahren ein großer Fan von LinkedIn:

  • Vor Gründung der Deutschland-Niederlassung von LinkedIn war ich als sogenannter „LinkedInsider“ beratend für das amerikanische LinkedIn Headquarter tätig
  • Ich berate regelmäßig Unternehmen im Bereich LinkedIn Marketing 
  • Ich empfehle LinkedIn immer wieder als Referent auf zahlreichen Konferenzen und Kongressen

Und so kommt es, dass meine Kunden bei Problemen mit LinkedIn gelegentlich Rat bei mir suchen. Vor einigen Tagen meldete sich einer meiner Kunden, weil plötzlich auf seinem Firmenprofil in LinkedIn Stellenausschreibungen auftauchten, die das Unternehmen niemals eingestellt hat. Nicht nur das: mein Kunde hat noch nicht einmal eine Karriereseite bei LinkedIn eröffnet. Die ausgeschriebenen Positionen gab und gibt es bei meinem Kunden auch nicht. Vielmehr handelt es sich um Positionen, die offenbar bei einem Immobilienunternehmen ausgeschrieben sind. Auf Anfrage weiß man dort aber von diesen Stellenanzeigen auf LinkedIn nichts. Seltsam.

LinkedIn Service

Im LinkedIn Firmenprofil meines Kunden werden unerwünscht Stellen ausgeschrieben, die es nicht gibt.

Eigentlich ein klarer Fall für den LinkedIn Service:

Weiterlesen

Glashütte

Wo die Zeit entsteht – ein Besuch in Glashütte und ein Social-Media-Branchenblick

Eigentlich wollte ich hier ja von einer Besichtigung der Uhrenmanufaktur Glashütte Original berichten. Vor wenigen Tagen hatte ich das Vergnügen mir diesen heiligen Gral der deutschen Uhrmacherzunft anzusehen. Leider fällt der geplante Bericht mangels Bildmaterial aus. Dass man in den Räumen der Manufaktur nicht fotografieren darf, ist angesichts der berechtigten Schutzinteressen des Herstellers in Bezug auf die eingesetzten Maschinen und Verfahren gut verständlich. Dass es die Manufaktur nicht schafft, eine Anfrage zu Nutzungsrechten bereits veröffentlichter Manufaktur-eigener Bilder zu beantworten, ist weniger verständlich. So verkürzt sich mein Bericht von der Besichtigung der Manufaktur Glashütte Original auf einen Satz: „Die Tour ist sehenswert und informativ, auch wenn man die Produktionsräume nur durch große Panoramascheiben besichtigen kann.“ Fertig. 

Uhrenmanfaktur Glashütte Original

Die Ausstellung im Empfangsraum ist der einzige Ort, an dem man während einer Betriebsbesichtigung in der Uhrenmanufaktur Glashütte Original fotografieren darf. Verständlich.

Aber das Kommunikationsverhalten von Glashütte Original gibt Anlass sich einmal grundsätzlich mit der Kommunikationsfähigkeit der in Glashütte beheimateten Uhrenmanufakturen auseinanderzusetzen. Und so entstand – aus persönlicher Leidenschaft für mechanische Uhren – ein kleiner Branchenbericht zur Reife des Social Media Marketings deutscher Uhrenmanufakturen. Auf dem PR-Blog meiner Agentur vibrio habe ich in den letzten Jahren immer wieder mal solche Branchenblicke veröffentlicht, z.B. zu Stromanbietern oder zum Hifi-Markt. Hier also nun ein Blick zum Stand der Social-Media-Kommunikation der Uhrenmanufakturen in Glashütte:

Weiterlesen

Helmut Kunkel – ein Nachruf auf einen großen Verleger und guten Freund

Helmut_KunkelAm vergangenen Mittwoch verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Helmut Kunkel, ein Urgestein der deutschen Computer-Verlags-Branche – und ein guter Freund. Er wurde nur 64 Jahre alt.

Kennengelernt habe ich Helmut Kunkel vor beinahe 30 Jahren – natürlich nicht in einem kargen Meeting-Raum, sondern in einem Restaurant: wir saßen zufällig an zwei benachbarten Zweiertischen im damals ausnehmend eng bestuhlten Münchner Werneckhof. Beide litten wir ein wenig unter eher langweiligen Gesprächspartnern und so konnte es nicht ausbleiben, dass wir alsbald tischübergreifend und unsere jeweiligen Tischgenossen fröhlich ignorierend miteinander ins Gespräch kamen. Helmut war schon damals ein ausgesuchter Gourmet und Wein-Connaisseur und liebenswerter Gesprächspartner. Es wurde letztlich ein langer Abend mit tiefschürfenden Albernheiten über Wein, Autos, Computer, … hab ich was vergessen?

Wenig später – 1990 – übernahm Helmut Kunkel gemeinsam mit Martin Aschoff den Aufbau der deutschen Niederlassung des Ziff-Verlags. Zwischen 1994 und 1997 verwandelte er als Geschäftsführer den ein wenig verschnarchten TeWi-Fachverlag zum erfolgreichen ersten deutschen Multimedia-Verlag.

Weiterlesen

Der Hana SL – Ein MC-Tonabnehmer aus Japan zum Kampfpreis

Diamonds are a man’s best friend. Jedenfalls wenn sie durch Vinylrillen tauchen, also als Tonabnehmer auf einem Schallplattenspieler ihren Dienst tun. Der Hana SL tritt den Beweis an. Und dass Diamanten ein wenig teurer sind als Strass und Glasperlenspiele ist auch bekannt. Aber der japanische Phono-Spezialist Excel hat härter kalkuliert, als die Tabellenspezialisten von Microsoft und mit dem MC-Tonabnehmer Hana SL im vergangenen Jahr ein System auf den Markt gebracht, dass mit 649,- Euro als ausgesprochen preiswert gelten darf. Dabei ist es alles andere als billig. Immerhin handelt es sich nicht um einen schnöden Industriediamanten, sondern um einen echten Stein. Und immerhin handelt es sich bei dem Schliff um einen aufwendigen Shibata-Schliff.

Hana SL Tonabnehmer

Sowas bekommt man normalerweise in dieser Preisklasse nicht geboten. Und tatsächlich spielt das System locker eine Klasse höher, als der Preis erwarten lässt.

Die technischen Daten des Hana SL

Ein Blick ins Datenblatt der Hana SL macht deutlich, dass es sich um einen Tonabnehmer handelt, der sich grundsätzlich auf den gängigen mittelschweren Tonabnehmern wohl fühlt: Weiterlesen

Ein Dachbodenfund: die Typenrad-Zeigerschreibmaschine SCRIPTA Modell 5

Eigentlich wollte ich nur ein paar alte Kartons auf den Dachboden bringen. Und eigentlich sollte ich bei der Gelegenheit ein paar alte Kartons finden, die man „endlich mal“ wegwerfen könnte. Und es hätte auch fast geklappt. Einen alten Karton habe ich gefunden. Nur der Inhalt hat mich überrascht. Die Kiste enthielt in der Tat etwas ebenso nutzloses wie definitiv Nichtwegwerfbares: eine Typenrad-Zeigerschreibmaschine aus den goldenen Zwanziger Jahren.

Die SCRIPTA 5 – ein frühes Notebook

Auf meinem Dachboden finden sich selten Dinge, die man antiquarisch nennen könnte, eher schon Kisten mit alten Büchern über die Einführung von ISDN oder Schachteln mit alten SPIEGEL-Ausgaben, Tonbandgeräte und Receiver aus den siebziger Jahren. Plötzlich aber hielt ich eine gut 90 Jahre alte Schreibmaschine in den Händen. Und ich kann mich erinnern, dass dieses Schmuckstück des Analogzeitalters vor vielen Jahren mein Vater aus Tschechien als Fundsache und Geschenk mitgebracht hat. 

Es handelt sich um eine sogenannte Typenrad-Zeigerschreibmaschine der Marke SCRIPTA.

Weiterlesen

shiraz

Mit dem Zug von Isfahan nach Shiraz – Fünfter und letzter Teil meines Reiseberichts aus dem Iran

Die letzte Etappe meiner Rundreise durch den Iran führt mich mit dem Zug von Isfahan nach Shiraz. Meine Eindrücke von der alten Residenzstadt Isfahan habe ich im vierten Teil meiner kleinen Serie schon vorgestellt.  Davor führte uns Teil 3 von Teheran über die Pilgerstadt Mashhad nach Kerman und in die Wüste Lut, während ich mich im zweiten Bericht mit meiner Reisegruppe und im ersten Post mit den Reisevorbereitungen und Buchtipps für Iranreisende beschäftigte.

Pasargadae im Zwielicht der Geschichte

Auf dem Weg nach Shiraz verließen wir in Sa’adat Abad unseren Sonderzug um mit dem Bus zwei Orte zu besuchen, deren Namen ganz weit hinten in meiner Erinnerung ungute Assoziationen aufkommen ließen…

Pasargadae wurde  um das Jahr 570 v. u. Z. von Kyrus dem Zweiten als Residenzstadt gebaut. Na ja, vermutlich baute er die Stadt eher nicht selbst … Als in der Schule Brecht auf dem Stundenplan stand, war ich stets hellwach und kann den Meister wohl aus diesem Grunde noch heute bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zitieren:

„Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?

Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte. So viele Fragen.“

Als Kyrus der Erste und der Zweite, der auch „der Große“ genannt wird, als Pasargadae und Persepolis auf dem Stundenplan standen, da muss ich wie die meisten meiner Freunde krank gewesen sein. Oder ich war mit umfassenden technologiesoziologischen Feldstudien am ersten Pong-Automaten in meiner Stadt beschäftigt. Von den Perserkriegen ist mir einzig die Schlacht bei Salamis in Erinnerung geblieben, vermutlich weil mich der Ort immer an die gleichnamige Pizza erinnerte.

Blickt man sich heute in Pasargadae um, dann muss man den Eindruck gewinnen, während der Schulzeit nicht viel verpasst zu haben:

Weiterlesen