Schlagwort-Archive: Blogs

Alles Müller oder was?

A ha – da haben wir sie also wieder, jene merkwürdige Vermengung von Ursache und Wirkung, von Täter und Opfer, von Fremd- und Eigenwahrnehmung. So jedenfalls mutet das Bild an, das Gerhard Müller gerade von sich zeichnet.
Schon als Regensburger Bischof war Gerhard Müller als Hardliner bekannt. Jetzt aber ist der gehorsame Ratzinger-Eleve Präfekt der Glaubenskongreation und damit qua Amt der oberste Inquisitor der katholischen Kirche. Der Glaubenswächter und -hüter, dessen Blick streng nach hinten und gleichzeitig nach oben gerichtet ist, hat noch nie viel vom interkonfessionellen Dialog, vom Dialog der Prieser und Laien innerhalb der katholischen Kirche oder von neumodischem Zeugs wie Frauen im Priesteramt, gleichgeschlechtlicher Ehe oder Abschaffung des Zölibats gehalten.

Steht ein Pogrom von Rom bevor?


Das prädestiniert ihn für sein Amt und stellt sicher, dass innerhalb der katholischen Kirche Reformen mit der größtmöglichen Langsamkeit durchgeführt werden. Etwa so im Stil des Orgelkonzerts von John Cage, das zu spielen 639 Jahre dauert und vermutlich 2640 seinen letzten Ton erklingen lässt.
Weiterlesen

Mitmachen im Alt-Herren-Klub

Eine unaufhaltsame Entwicklung

Traue bekanntlich keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Oder zumindest selbst ausgelegt. Diese alte Weisheit fiel mir wieder ein bei der Lektüre der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, deren Ergebnis HR-Intendant Helmut Reitze, stellvertretender Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, so zusammenfasste: „Sie zeigt, dass es keinen Verdrängungswettbewerb zwischen Fernsehen und Hörfunk einerseits und Internet andererseits gibt.“

Das ist erstens nur die halbe Wahrheit: Während die Fernsehnutzung, ausgedrückt in durchschnittlicher Nutzungsdauer pro Woche in Stunden, in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent zugelegt hat, hat das gute alte Dampfradio 10 Prozent verloren. Wer hier wen substituiert hat, bleibt offen.

Weiterlesen

Bye bye, Blogger

teenblogging

Wo bleibt der Nachwuchs?

Bloggen ist inzwischen das Uncoolste, was man im Internet machen kann. Das behauptet jedenfalls Nick Carr, der Mann, dem wie die legendäre Frage verdanken: „Does IT matter?“ Er beruft sich auf eine Studie von Pew Internet, wonach die Zahl der Jugendlichen Blogger seit 2006 dramatisch abgestürzt ist. Damals gaben 28 Prozent der Teenager und jungen Erwachsenen noch an, Blogs zu schreiben. Heute sind es nur noch 14 Prozent. Sie kommentieren auch die Blogs von anderen viel seltener als früher. Vor vier Jahren hinterließen noch 76 Prozent der jüngeren Internet-Nutzer Anmerkungen unter dem, was andere online abgesondert haben. Heute sind es nur noch 52 Prozent.

Nicht, dass die Kids dem Internet den Rücken kehren würden – im Gegenteil! 73 Prozent der amerikanischen Teens geben an, regelmäßig in sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. Im November 2006 waren es nur 55 Prozent. Aber die Beliebtheit bestimmter Features von Facebook & Co. hat sich verändert. Und sie sind offenbar auch unkommunikativer geworden.

Weiterlesen

In jeder sechsten PR-Agentur wird getwittert – dabei ist Twitter eigentlich v.a. ein persönliches Medium

twitter

Laut aktuellem PR-Trendmonitor von news aktuell wird inzwischen in jeder sechsten PR-Agentur getwittert. Das sind immerhin 16,2 Prozent, während nur 10,8 Prozent der Unternehmenspressestellen zwitschern. Immerhin 35 Prozent der Agenturen halten Twitter als eine „für die PR ernstzunehmende neue Kommunikationsform“. Ob es sich bei den hier aufgezählten Twitter-Accounts um Corporate Accounts oder um persönliche Accounts von Mitarbeitern handelt, lässt die Studie leider offen.

Weiterlesen

Die SZ blogt doch keinen hinter dem Ofen hervor …

„Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren.“ Das analysiert Felix Salmon im sz-magazin. Da man alldort leider nur kleine Kommentare hinterlassen kann, aber die Süddeutschen von sich behaupten, sie würden diese Thesen zur Diskussion stellen, bleibt einem leidenschaftlichen SZ-Leser ja gar nichts anderes übrig, als über diese Thesen zu bloggen. Was hiermit geschieht:

1. Deutschland blogge nicht, weil Deutschland in Hierarchien denke, während die Blogosphäre eine Gleichheitsmaschine sei.

Nein: auch in Deutschland glaubt man den „Oberen“ lange schon nicht mehr und die Beliebtheit der Leserbriefseiten in unseren Zeitungen wird nur von der Relevanz der Todesanzeigen („Schau mal an, der auch!“) getoppt.

Weiterlesen

Hol das Blögchen …

„So bietet z.B. czyslansky wundervolle Artikel; die Autoren (ja, es sind mehrere) veröffentlichen nicht annähernd im BasicThinking-Stakkato, dafür ist jeder einzelne Artikel im besten Sinne des Wortes lesenswert.“

Wer so schön und lieb über uns schreibt, der hat auch einen Ping zurück verdient. Hier ist er.

Im Ernst: der Macher der kleinen Bloggsi hat sich Großes vorgenommen: „Bloggsi soll helfen, die besten Posts in den vielen zigtausenden Blogs da draußen zu finden. Dabei soll nicht die Verlinkung des Blogs der entscheidende Faktor sein, sondern tatsächlich die inhaltliche Qualität. Das bedeutet nichts anderes als einen Algorithmus zu finden, der die Qualität eines Artikels erkennen kann.“

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ein solcher Algorithmus funktionieren soll. Aber schon die Absicht edelt ihren Entwickler Stefan Fischerländer.

Der Kern des Bloggens

Ich habe ein schönes Video auf „The Atlantic“ gefunden. Ganz ruhig und unaufgeregt unterhalten sich da zwei Menschen über den Kern des Bloggens.Der eine ist einer der bekanntesten politischen Blogger in den USA, Andrew Sullivan. Er wird interviewt von Marc Ambinder . Ambinder ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt in der amerikanischen Politik-Journalie. Er arbeitet für „The Atlantic“, bloggt selbst und hat auch für ABC gearbeitet. Ich habe den Eindruck, die beiden kommen der Wahrheit des Bloggens in ihrem Gespräch sehr nahe.

blogger – das sind vielleicht typen …

blogger gibt es viele, allein: was haben sie eigentlich miteinander gemein? im gegensatz zur den journalisten, die von „bild-zeitung“ bis zu „rute und raute“ zumindest noch das volontariat und der presseausweis verbindet, fassen wir unter blogger menschen zusammen, die nichts, aber auch wirklich gar nichts miteinander zu tun haben.

eine recht brauchbare gleichwohl nicht ganz vollständige kategorisierung des chaos schlägt michael haller in message online vor. in anlehnung und erweiterung an seinen unbedingt lesenwerten beitrag werfe ich folgende kategorien einmal in die debatte (wobei ich um nachsicht bitte, wenn ich heute mal bei mir selbst abschreibe):

a) narzistenblogger, also freizeit-selbstdarsteller mit starkem ego und ausgeprägtem eskapismus. das ist die mehrheit. thematisch interessieren sie sich vor allem für das was sie vermeintlich können: fürs bloggen.
Weiterlesen

Die Macht des Bloggers

Ein wiederkehrendes Thema auf dieser Blogsite ist die Frage nach der Macht des Bloggers. Klar: Alle Czyslanskys führen seit Jahren ein Online-Tagebuch, und man möchte gerne wissen, ob man das eigentlich nur zum Zwecke der Selbstbefriedigung tut, oder ob einem Blog sozusagen die vielzitierte „Kraft der Feder“ innewohnt, die gemeinhin nur die klassischen Medien wie Zeitung, Funk oder Fernsehen für sich in Anspruch nehmen. Oder noch ein Stückchen höher gehängt: Sind Blogger Angehörige der vierten Gewalt im Staat, und kann das, was sie schreiben, den Gang der Geschichte verändern oder wenigstens teilweise beeinflussen?

Wenn ja, dann lässt sich diese Macht des Bloggers natürlich theoretisch auch mißbrauchen, so wie diejenigen, die das einstige Nazi-Parteiblatt „Der Stürmer“ herausgaben, die Macht des gedruckten Wortes für ihre finsteren Zwecke korrumpiert haben.

Ein besonders krasses Beispiel dafür ist das Gerücht, Barack Obama sei ein Muslim. Fakt ist: Obama wurde von seiner alleinerziehenden Mutter, eine weiße Atheistin, und seinen protestantischen Großeltern in Hawaii großgezogen, sein Vater, ein nichtpraktizierender Muslim aus Kenia, verließ Frau und Sohn, als Obama noch ein Kind war. Trotzdem tauchen entsprechende Gerüchte aber immer wieder auf, und man fragt sich, woher sie wohl stammen könnten.
Weiterlesen

wenn zwei messeveranstalter pitchen hilft nur ein killepitsch

killepitsch

eine hightech-messe in deutschland mit zweistelligen zuwachsraten? mit vollen gängen und ständen? mit zum bersten übervollen vortragssälen? mit immer mehr ausländischen ausstellern und besuchern? mit einem funktionierenden match making-system? gibts nicht? gibts doch! noch!

die „online marketing düsseldorf“ – oder kurz omd – war in diesem jahr (genauer: von gestern bis heute) ein tolles ereignis. alle waren sie ins killepitschland gekommen: microsoft, yahoo, google, tommorow focus, springer und und und. die qualität der speaker und aussteller war hervorragend.

die organisation war nicht immer befriedigend (schlangen an der registrierung). aber selbst das verströmte eher den charme der frühen aufbruchjahre unserer branche, als dass es ernstlich verstörte.

für blogger gab es einen eigenen bereich und journalisten wurden weitgehend von langweiligen pressekonferenzen verschont.

aber wie das so ist: man soll aufhören wenn es am schönsten ist. und die diesjährige omd wird es so wohl nie wieder geben. so ist das halt, wenn sich macher und gemachte in die quere kommen.

vor einigen wochen schon hat der bvdw (der „gemachte“) der omd seine weitere unterstützung gekündigt. der verband will im kommenden jahr in köln eine eigene messe zum thema online-marketing veranstalten. gegen die omd. mit weitgehend identischem konzept. kölsch gegen alt. aber die branche braucht eine zweite online marketing messe ungefähr genauso wie der kölner ein alt und der düsseldorfer ein kölsch. und so wird im streit zwischen bvdw und den omd-machern um alexander felsenberg (der „macher“) wieder einmal eine tolle deutsche messe mit internationaler ausstrahlung den bach runtergehen. entweder wandern die grossen vermarkter zum kölsch und die agenturen und lösungsanbieter bleiben beim alt und zwei provinzmessen sterben einen langsamen tod, oder einer von beiden gibt vorher auf. nach meinem eindruck könnten dies die düsseldorfer sein. einen killepitsch drauf!