blogger – das sind vielleicht typen …

blogger gibt es viele, allein: was haben sie eigentlich miteinander gemein? im gegensatz zur den journalisten, die von „bild-zeitung“ bis zu „rute und raute“ zumindest noch das volontariat und der presseausweis verbindet, fassen wir unter blogger menschen zusammen, die nichts, aber auch wirklich gar nichts miteinander zu tun haben.

eine recht brauchbare gleichwohl nicht ganz vollständige kategorisierung des chaos schlägt michael haller in message online vor. in anlehnung und erweiterung an seinen unbedingt lesenwerten beitrag werfe ich folgende kategorien einmal in die debatte (wobei ich um nachsicht bitte, wenn ich heute mal bei mir selbst abschreibe):

a) narzistenblogger, also freizeit-selbstdarsteller mit starkem ego und ausgeprägtem eskapismus. das ist die mehrheit. thematisch interessieren sie sich vor allem für das was sie vermeintlich können: fürs bloggen.

b) kuschelblogger, die in sozialen netzwerken vor allem anerkennung und emotionale nähe suchen. das sind die „hosen-runter“-blogger, die sich im internet outen, dass es eine wahre freude für professionelle datensammler ist.

c) idolblogger, auch a-blogger genannt, die zwar nur selten recherchieren, aber zumindest als sekundärauswerter nachrichten neu kombinieren oder kommentieren. eine besondere ausprägung dieser idolblogger sind die

d) lügenblogger, dies sich mehr oder wenig offen für die durchsetzung konkreter politischer oder wirtschaftlicher ziele instrumentalisieren lassen. ein widerliches beispiel hierfür ist andy martin, der mit seinem blog „contrarian commentary“ schon seit vier jahren gegen obama hetzt. siehe hierzu auch den beitrag von tim cole hier auf czyslansky.

e) expertenblogger, die in zum teil hochspezialisierten themenblogs ihr wissen mit anderen experten tauschen und aggregieren.

f) general-interest-blogger, die in einigen wenigen qualitativ hochwertigen blogs vereinzelt anzutreffen sind. haller nennt hier den guten alten spreeblick, die sicherputzer und den politblock. ich ergänze dann unbedingt thomas knüwer, de zwar nicht immer recht, aber immer gehör verdient. da finden sich dann in der tat einzelne journalistische perlen, basierend auf hartnäckiger eigenrecherche und journalistischer professionalität.

g) ach ja: und dann gibts da noch die corporate blogger. hier basteln sich mehr oder minder begabte blogger ein firmenimage.

so – damit sind die schubladen fürs erste hinreichend definiert und wir können mit dem einräumen beginnen …

tim, ossi, papst, christoph: welches schachterl hättens denn gern?

6 Gedanken zu „blogger – das sind vielleicht typen …“

  1. Also ich als möchtegern Idol, narzistischer, Kuschelexperte mit Generalinteressen blogge eigentlich hauptsächlich Corporate … Für mich brauchst du schon einen ganzen Ikeaschrank, da kommst du mit einer Schublade nicht hin. Das gilt übrigens für die meisten Blogger, aber die wirst du ja sicher bald alle persönlich der Systems Blogger Lounge kennenlernen in … bist du eigentlich schon Akkreditiert? oder gehst du als Journalist auf die Messe?

  2. Was ist mit den Besserwisser-Bloggern?

    Den Aufrechtempörten-Bloggern?

    Den Gartenlauben-Bloggern, die ihre Websites mit Rüschen verzieren?

    Den Profund-Bloggern („pro Pfund ’n Euro…“)?

    Den Edelfeder-Bloggern, die gerne Rilke wären?

    Und nicht zu vergessen: Den Techno-Bloggern, auf deren Websites es zischt und raucht und wo das Medium the Message ist?

    Die Liste lässt sich beliebig erweitern.

    Ich selbst würde mich als Dampf-Blogger bezeichnen („bloggt, um Dampf abzulassen“) – wenn Vibrio nicht schon vorher dagewesen wäre. Mist!

  3. Laut Haller ist die deutsche Blogszene „in gewisser Weise infantil, weil sie sich meist mit sich selbst beschäftige und alles interessant fände, was mit Blogging zu tun habe“. Er ist übrigens Journalismus-Professor in Leipzig, also sollte er es ja eigentlich wissen.

    Angesichts der Häufigkeit, mit wir uns auf den Seiten von Czyslansky über das Bloggen an sich austauschen, kommt man nicht umhin. ihm in gewisser Weise Recht zu geben.

    Er vergißt aber, dass Selbstbezüglichkeit in der Mathematik und in der Computerwissenschaft ein wichtiges Forschungsgebiet ist. Außerdem macht sie tierisch Spaß, wie Doug Hofstadter in einem seiner frühen Kolumnen in „Spektrum der Wissenschaft“ bewiesen hat. Ich durfte seine Kolumne seinerzeit übersetzen, und habe gerade darüber auf cole.de gebloggt („Das Blogger-Paradoxon„) – womit sich der Kreis zu Prof. Haller wieder schließt.

  4. Ihr habe die kommerziellen Blogs vergessen, wie Gizmodo oder Engadget etc. Da bildet sich doch etwas heraus, dass dem traditionellen Webauftritt doch durchaus paroli bieten kann, aber mit viel weniger Aufwand gestartet werden kann. Mir ist eigentlich wurscht, was für ein Blogger ich bin. Toll an der Sache finde ich nach wie vor die niedrige Eingangsbariere, die es mir erlaubt, alternativ zu den kommerziellen Kanälen zu publizieren. Über die Jahre – wenn es die Bloggerei so lange gibt – wird sich die Spreu allein vom Weizen trennen. Hassprediger, Arschlöcher, Angeber und Lügner entlarven sich immer irgendwan selbst.

  5. >Hassprediger, Arschlöcher, Angeber und Lügner entlarven sich immer irgendwan selbst.

    Erinnert mich fatal an den alten Spruch: „Nichts ist idiotensicher – denn Idioten sind zu erfinderisch…“

    An die Selbstentlarvung von Blogger-Arschlöcher zu glauben ist ungefähr so naiv wie der Glaube an die Selbstheilungskräfte der freien Marktwirtschaft.

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