Fachkräftemangel in Bayern dramatisch

Der wachsende Fachkräftemangel in den deutschen Wachstumsregionen erfordert phantasievolle Lösungen – und viele parallele Lösungsansätze. Weder ist es mit einigen zusätzlichen Förderprogrammen getan, noch mit ein paar Reformen in der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Allein in Bayern fehlen bald 450.000 Fachkräfte

Im eben veröffentlichen Fachkräftereport der bayerischen IHKs wird die Mangelwirtschaft sichtbar:

  • Aktuell sind in Bayern 4,4 Millionen Fachkräfte beschäftigt.
  • Ende 2017 rechnen die Kammern mit rund 227.000 fehlenden Fachkräften in Bayern.
  • Bis zum Jahr 2030 steigt der Engpass auf etwa 451.000 Personen an.
  • Gesucht werden vor allem beruflich Qualifizierte. Ende 2017 werden in Bayern 195.000 (2030: 406.000) beruflich Qualifizierte und 31.000 Akademiker (2030: 45.000) fehlen.
Fachkräftemangel in Bayern

Aktuelle Strukturdaten zum Fachkräftemangel in Bayern

Stellt man sich vor Augen, dass demnach in wenigen Jahren jeder zehnte Arbeitsplatz für eine Fachkraft in Bayern nicht mehr besetzt werden kann, dann wird offensichtlich, dass einzelne Maßnahmen immer zu kurz greifen werden. Gefragt ist eine umfassende Qualifizierungsoffensive und eine neue  intelligente regionale Verteilung des Wachstums.

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kurt kister

sz-chefredakteur kurt kister und die kognitive-dissonanz-toleranz

der chefredakteur meiner geliebten süddeutschen zeitung kurt kister schreibt am freitag in seinem abo-rundbrief:

„als ich noch daran glaubte, dass mich das studium der kommunikationswissenschaft (kw) in der einen oder anderen form auf den beruf des journalisten vorbereiten könnte, habe ich manches seminar besucht, in dem ich dinge hörte, an die ich mich bis heute erinnere, auch wenn ich sie nicht wirklich für mein leben brauchen konnte. … in kw jedenfalls beschäftigten wir uns in einem semester mal mit der kognitiven dissonanz.“

und im folgenden führt er aus, dass er „4-3-2-1“ von paul auster und „the river“ von bruce springsteen mag. und dass er darunter leidet, wenn menschen, die er schätzt, dinge nicht mögen, die er schätzt. zum beispiel den boss und auster. wenn also zum beispiel seine eigene zeitung paul auster kritisiert.

er fasst seine position wie folgt zusammen:

„konsonanz ist fein, dissonanz ist nötig.“

lieber kurt kister: ich bin da völlig anderer meinung. nichts war mir über viele jahre hilfreicher, als die literarischen verrisse eines marcel reich-ranicki. die entdeckung des himmels konnte ich blind kaufen obwohl das buch viel zu dick ist (ähnlich wie 4-3-2-1) – eben weil es im literarischen quartett vom chef verrissen wurde, wie selten zuvor ein anderes.

die süddeutsche zeitung lese ich seit ich vor jahrhunderten als wirtschaftsflüchtling aus franken exilierte eben weil ich mich über kein blatt der welt mehr ärgern kann, als über das unsere. die sz ist ehegefährdend, weil zu groß für den begrenzten platz neben dem frühstücksei, ignoriert in ihrem sportteil den glubb weitgehend, ist fast immer ausgezeichnet recherchiert und trotzdem zu oft nicht meiner meinung.

es gibt nichts wichtigeres, aber auch nichts schöneres, als eine gegenmeinung von hoher qualität. eine gut gemachte tageszeitung ist das gegengift zu social media bubble und  google-algorithmus. sie ist nicht nur nötig, sie ist auch fein.

die sz hat einen chefredakteur, der offenbar ziemlich zeitgleich mit mir das überaus seltsame studium der kommunikationswissenschaften absolvierte (langenbucher? wir sollten uns begegnet sein …), der wie ich paul auster sehr schätzt und bruce springsteen mit inbrunst auf seinen plattenspieler schiebt. mit kurt kister teile ich wie mir scheint gar zu viele gemeinsamkeiten. mir fehlen die wichtigen kognitiven dissonanzen. wie langweilig.

obwohl: er findet kognitive dissonanzen unfein. das unterscheidet uns hinlänglich. wir beide haben noch eine chance. weil er nicht recht hat.

Reiseblogs liegen im Trend – ein Ferien-Post

Ein neuer Reiseblog

Travellers Insight – der neue Reiseblog des Flughafens München

Sommer, Sonne, Kaktus – wer jetzt nicht im Sand liegt, durchs Wasser pflügt oder das Opernhaus im Urwald sucht, der liest, und zwar einen Reiseblog. Die Zeiten, da man mit dem Finger im Diercke Atlas auf Reisen ging, sind vorbei. Reiseblogs liegen im Trend. Und zwar schwer.

Jahr für Jahr steigen die Zugriffszahlen auf Reiseblogs, steigt die Zahl der Reiseblogs, steigt die Zahl der bloggenden Weltenbummler. Und immer mehr Reiseblogger können von ihren Blogs leben. Denn die Industrie – Reiseveranstalter, Luftmatratzenbauer und Sonnenölmixer, aber auch Markenhersteller aller Branchen – haben die Reiseblogs längst als interessantes Werbeumfeld entdeckt.

Die Wachstumskurven der Reiseblogs macht lüstern:

Reiseblogs im Trend

Reiseblogs liegen voll im Trend. Hier die aktuellen Daten der „Google Trends“.

Dass die Reiseblogs nicht nur das Fernweh ihrer Leser bedienen, sondern offenbar auch relevant für die Wahl und Buchung von Reisen sind, darauf deutet der Peak der saisonalen Suchvorgänge nach „Reiseblog“ im Januar hin, dem Monat, in dem viele Menschen ihren Jahresurlaub buchen.

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Vom Terror der Sozialen Medien – Der Anschlag von München im GeTwitter

Terror tv

„Wir hatten Bilder, meist Bruchstücke, mit Handy-Kameras aufgenommen. Oft aus einer Deckung heraus. Fetzen von Informationen. es war erst einmal nicht viel, aber es hätte gereicht, eine Sendung voranzutreiben, notfalls mit zigfacher Wiederholung des immer wieder selben Materials. Doch was wäre das für eine Sendung geworden?“ (Claus Kleber, Süddeutsche Zeitung von heute)

Claus Kleber spricht nicht von gestern. Er spricht von der Berichterstattung über den Putsch in der Türkei. Ja, was wäre das wohl für eine Sendung geworden? Ungefähr so eine, wie die Tagesschau von gestern, die nahtlos in die Tagesthemen überging: Die immer gleichen Handy-Videos in Endlosschleife, die immer gleichen Statements mit Null-Aussagen. Kurz nach acht Uhr durfte ein Experte den Anschlag von München analysieren. Zu dieser Zeit wusste man nicht, wie viele Täter, wie viele Opfer, wie viele Tatorte, welche Motive. Man wusste nichts, man hatte nichts, aber man sendete. Auf allen Kanälen.

Vor 15 Jahren, an 9/11, machte RTL den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, wie aktuelle News-Reportagen funktionieren. Darauf weist ZDF-Nachrichten-Profi Claus Kleber in einem lange geplanten Gastbeitrag heute in der Süddeutschen hin.  Als er diesen Artikel verfasste, konnte er die Vorfälle von gestern nicht einmal erahnen. Umso wertvoller ist sein Beitrag, den lesen muss, wer sich für Medien interessiert! Denn er plädiert für eine gründliche und sachliche Nachrichtenaufbereitung in den öffentlich-rechtlichen Medien. „Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit SocialMedia einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben.“ Aber genau dies geschah gestern: das Rennen der Ratten auf allen Kanälen und in allen Rennbahnen.

„Es ist schon alles getwittert, nur noch nicht von allen“ (frei nach K.V.)

Man musste gar nicht selbst das Twitterland durchreisen. Man konnte ja in der Tagesschau hören, dass eine Skirennläuferin mit ihren Gedanken gerade in München ist, dass das Schwabinger Krankenhaus seine Ärzte aufgefordert hat, „den Toten zu helfen“, dass es weitere Schießereien am Karlsplatz UND am Münchner Stachus gebe. Eine unseelige Mischung aus Belanglosigkeiten – die Dame ohne Ski – und hektischem Irrsinn – der ganze widerliche Rest. Weiterlesen

Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie

afd logo

An diesem Wochenende will die AfD auf ihrem Parteitag ein neues Grundsatzprogramm beschließen. Aus diesem Anlass beschäftigen sich zahlreiche Medien mit der Partei und meine geliebte Süddeutsche Zeitung sieht die AfD an der Weggabelung zwischen Nationalkonservatismus und Rechtsradikalismus. Das ist falsch!

Der Versuch zwischen nationalkonservativen und rechtsradikalen Teilen der AfD zu unterscheiden als fatal. Es gibt keine „guten“ und „bösen“ AfD-Teile. Vielmehr ist die Verbindung aus nationalkonservativen und rechtsradikalen Forderungen typisch für rechtsradikale politische Organisationen – nicht erst seit 1945.

Das doppelte Gesicht der AfD ist ein Januskopf: beide Seiten gehören zusammen

Im Entwurf für ihr Grundsatzprogramm beruft sich die AfD einerseits auf demokratische Traditionen – etwa auf die bürgerlichen deutschen Revolutionen von 1848 und 1989 – formuliert aber andererseits in vielen Punkten in faschistischer Tradition, in dem sie demokratisch gewählte Volksvertreter als Repräsentanten eines undemokratischen Systems brandmarkt. Unseren demokratisch gewählten Gremien wirft die AfD pauschal den „Bruch von Recht und Gesetz und die … Zerstörung des Rechtsstaats“ vor. Demokratisch gewählte Volksvertreter werden pauschal zu Verfassungsfeinden erklärt:

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Israel

IsraelDa war er wieder – dieser eklige judaphil-antisemi-tische Standlospunkt, der mich seit Jahren erbost: „Ich habe nichts gegen Juden, wirklich nicht, aber Juden und Israel, das sind doch zwei verschiedene Dinge. Man kann das eine mögen ohne das andere zu akzeptieren.“

Um es ein letztes Mal zu sagen: NEIN, DAS KANN MAN NICHT! Israel ist eine Heimat jedes Juden – und das aus gutem Grund.

Aufgekommen ist die unselige Diskussion anlässlich meiner Empfehlung des Großen Gesangs des Jizchak Katzenelson in der ganz formidablen Übertragung von Wolf Biermann. Ich empfehle dieses Werk gerne und jedem, der sich für jiddische Kultur interessiert, aber selbst die Mameloschn nicht spricht. Und eben da kam sie wieder, diese bei Linken gerne geübte Unterscheidung zwischen Juden und Israel, eine Unterscheidung, die nicht aufgehen will.

IsraelIsrael ist eine Heimat für jeden Juden, sei er Zionist oder nicht. Und natürlich darf man Israel ebenso kritisieren, wie man jeden Juden kritisieren darf. Wer sich beides nicht erlaubt, agiert antisemitisch, ob er will oder nicht.  Wer aber Israel angreift, der greift immer zugleich das Judentum an.

Warum das so ist, das möchte ich am liebsten mit einer sehr persönlichen Erfahrung vermitteln:

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So nicht!

In unserer Reihe „Idioten, die Online-Werbung machen“ geht der Preis heute an die Swissad GmbH (Bahnhofstrasse 9, CH-9435 Heerbrugg) fur folgende Email:

„Hallo Tim, dein neues Smartphone wartet auf dich – trotz Schufaprüfung! Bestelle dir jetzt dein neues Smartphone inklusive Allnet- & Internetflatrate.“

Quaere: Haben die von mir vorher eine Bonittsauskunft eingeholt? Ist mein Kreditrating wirklich so schlecht? Vielleicht sollte ich mal bei der Schufa anrufen…

Angst essen Freiheit auf

„Ein Teil meiner Antwort würde die Bevölkerung verunsichern!“ – Ein denkbar unglücklicher Satz, den Thomas de Maiziere gestern abend auf der Pressekonferenz anlässlich des abgesagten Fußballländerspiels vor laufenden Kameras gesagt hat. Hätte er – was er auch gemacht hat – auf die Frage, wie akut denn die Terrorbedrohung in Deutschland sei – lediglich geantwortet, dass er dazu aus ermittlungstechnischen Gründen nichts weiter sagen könne: Es hätte gereicht, und jeder hätte es verstanden.
Stattdessen hat er eben genau das getan, was er besser nicht hätte tun sollen: Mit dieser Formulierung den diffusen Ängsten in der Bevölkerung Nahrung gegeben, Journalisten zu Spekulationen aufgefordert und den rechten Flügel im Land befeuert, dass man hierzulande bedroht sei.
Denn er – so klingt es – weiß etwas, was er nicht sagen will: Und das ist ganz sicher nichts Gutes. Und gleichzeitig stellt er die Bevölkerung selbst als unmündig und unfähig dar, offene und klare Antworten zu verstehen. Einem kleinen Kind darf man eben keine Angst machen…
Wer die Pressekonferenz gesehen hat, der weiß, dass deMaiziere in dem Moment wohl selbst gemerkt hat, dass er etwas gesagt hat, was er so besser nicht geäußert hätte. Es ist eben was anderes, mit vorbereiteten Texten vor die Presse zu treten, als sich frei äußern zu müssen.

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Offener Brief an Josef Bryla

Sehr geehrter Herr Bryla,

ich kenne Sie nicht, Sie kennen micht nicht. Offengestanden bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Sie auch nicht kennenlernen möchte. Trotzdem schreibe ich Ihnen diesen offenen Brief. Denn mir sind Ihre Kommentare aufgefallen, die Sie unter die Focus-Meldung „„Antifa-Zigeunerhure“: ARD-Moderatorin wird nach Flüchtlingskommentar massiv beleidigt bei Facebook abgesondert haben. Diese Kommentare finde ich in gewisser Weise herausragend – nämlich nach unten. Und da nicht jeder Facebook nutzt, erlaube ich mir, Ihre Hasspostings hier zu zitieren. Denn es ist ja eine öffentliche und mitnichten eine rein private Äußerung.

Sie kommentierten und antworteten also so:

bryla bryla2

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe Ihr Profil besucht.
Offensichtlich stammen Sie, das spekuliere ich aus dem was ich dort lese, aus Polen. Das würde dann auch das überaus bescheidene Deutsch erklären, in dem Sie schreiben.

Sind Sie vor der „Wende“ nach Deutschland gekommen? Sind sie vielleicht sogar ein Anhänger der damals verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen?
Vielleicht sind sie ein politisch Verfolgter des Regimes von Woiciech Jaruzelski, der das Land verlassen musste, als dieser im Dezember 1981 das Kriegsrecht ausgerufen hatte?

Dann wären Sie ja ein politischer Flüchtling… Gut, dass Sie es geschafft haben, dem langen Arm des diktatorischen Regimes unbeschadet zu entkommen.

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Warum sich selbst ein Asylant heute ein Smartphone leisten kann – allerdings nicht von Apple!

iPhone für Arme

iPhone für Arme

„Smartphone am Ohr vor der Flüchtlingsunterkunft. Dieses Bild verstört viele Menschen, wenn es um Asylbewerber geht, denn in Deutschland gelten die Geräte als Luxusartikel.“ Das schreibt die Süddeutsche Zeitung heute in einem Artikel im Politikteil.

Mein Czyslanksy-Freund Lutz Prauser hat das heute auf Facebook gepostet. Erste Antwort aus dem Cyberspace: „Die telefonieren uns die Freiminuten weg!“ Bei uns in Österreich hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den Beitrag einer Dame, die offenbar aus dem rechten Fremndenhassersumpf stammt, weitergepostet, die sich über das „auffällig große“ Smartphone in der Hand eines dunkelhäutigen Flüchtlings beschwerte. Gut, er hat den Beitrag später wieder gelöscht, aber nur, weil seine Seite von Protestlern zugemüllt wurde.

Ich denke, das Thema verdient es aber, genauer untersucht zu werden. Warum sind Smartphones bei uns Luxusgüter? Das liegt natürlich an den Wucherpreisen, die hierzulande verlangt und bezahlt werden. Mit uns kann man’s ja machen, denn wir Wohlstandsbürger bezahlen klaglos 700 bis 750 Euro und mehr für ein Gerät, das in der Herstellung gerade mal $150 kostet. Oder was glauben Sie, wieso Apple im vergangenen Quartal den höchsten Firmengewinn der Wirtschaftsgeschichte eingefahren hat? Oder anders gefragt: Wer kann sich außer Apple eine Gewinnaufschlag von 500 Prozent leisten?

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