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Superhypochonder

Bildschirmfoto 2014-04-21 um 11.48.12 Haben Sie eigentlich die Sch’tis gesehen? War ein sehr netter Film. Und obwohl man die ganze Zeit fühlt, daß der Film auf Französisch noch viel besser wäre, funktioniert er auch auf Deutsch. Wer die Leute in jenem Film mochte, kann sich freuen: Es gibt wieder einen Film. Der Superhypochonder.

Wahnwitzige Geschichte. Ein Arzt hat einen Patienten, eine ziemliche Nervensäge. Besser gesagt, ein hysterischer Hypochonder, der ständig auf der Flucht vor Keimen ist und fürchtet, jede Krankheit, von der er erfährt, zu haben. Was natürlich ständig Sondereinsätze des Doktors erfordert. Der Doktor wiederum ist ein netter Mann. Ihm ist klar, daß er frühestens Ruhe haben wird, wenn der Hypochonder eine Frau gefunden hat. Kommt einem im Film logischer vor als es ist, was wieder sehr für den Film spricht.

Der Doktor stammt in dritter Generation aus Charkistan, einem Land, das man irgendwie kennt, wenngleich nicht unter diesem Namen. Dort wiederum ist Revolution und der Revolutionsführer, der aussieht wie der leibhaftige Bruder des Hypochonders, kommt nach Paris.

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Im Kino: INSIDE WIKILEAKS

52465-the-fifth-estate-poster-575Julian Assange ist ein Getriebener. Besessen von dem eigenen Dogma Transparenz um jeden Preis; aber auch besessen vom eigenen Ego, der Kontrollwut und der Angst, irgendjemand könnte ihm den Schneid abkaufen. Mal ist er ein Alphatier, ein charismatischer Führer, dann wieder depressiv und an der Grenze zum Autismus. Auf der einen Seite ist erzutiefst überzeugt von sich, auf der anderen Seite zweifelnd. Gehetzt von Termin zu Termin, von Land zu Land, heute in Kenia, morgen in Island, misstraurisch und überheblich gegenüber der „alten“, weil gedruckten Presse, der vierten Macht. Irgendwie ist er ein Genie, das niemand so wirklich versteht, und leider behaftet mit allerhand charakterlichen Fehlern.

Daniel Domscheit-Berg ist das genaue Gegenteil. Ein überzeugter Jünger, ein Anhänger und Verteidiger,  kreuzbrav und bieder hinter seiner Nerd-Brille und seinem Vollbart, infiziert und fasziniert vom großen Meister, den er immer wieder zitiert: „Julian hat gesagt… Julian hat aber gesagt“, gutgläubig, fast schon naiv. Und er ist der gute Mensch mit dem Gewissen. Denn er ist es, der zum ersten Mal die Frage in den Raum stellt, warum Dokumente, die auf Wikileaks veröffentlicht werden, nicht redigiert werden, wenn doch Gefahr für Leib und Leben besteht. Damit wirft er die Frage nach den Folgen des Tuns auf. Ethik aus der Verantwortung statt aus der Gesinnung.
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Alter Mann am Arsch … R.E.D.

Diesen Filmtipp gebe ich nicht etwa deshalb ab, weil ich die Website zu dem Streifen produziert habe, oder weil der Concorde Filmverleih ein ganz besonders guter Kunde ist, nein, diese absolute „Muss man sehen“ Empfehlung kommt von Herzen. Mit R.E.D. habe ich endlich mal eine Comic-Verfilmung, für Erwachsene gesehen. Keine Helden in Strumpfhosen und beknackten Masken, sondern gestandene Männer und Frauen, die mit viel Witz und Gewaltbereitschaft grossartiges Popcorn Kino abliefern. Ich bin davon überzeugt, dass einige der Sprüche auch in unseren Sprachgebrauch übergehen werden und damit meine ich nicht nur Malkovichs „Alter Mann? Alter Mann am Arsch …“ Die Handlung ist schnell erzählt und auch gar nicht so wichtig. Ein paar CIA Rentner sollen von ihrem ehemaligen Arbeitgeber umgebracht werden, weil sie zu viel wissen, aber sie sind natürlich viel zu clever, sich einfach so abservieren zu lassen und zeigen den Jungen, was eine Harke ist. Einfach mal ins Kino, grosse Tüte Popcorn und ein Becks und einen phänomenalen Cast mit Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und Morgan Freeman geniessen.

Der Blues des Bannermalers

Der Beruf des Kinomalers ist nahezu ausgestorben. Als großformatiges Drucken noch unerschwinglich war, engagierten die Kinobetreiber Maler, mit Pinsel und Farbe Filmplakate auf große Leinwände zu übertragen. Diese taten das mehr oder weniger gekonnt und mit mehr oder weniger Lust an der künstlerischen Freiheit. Über den Eingängen so mancher Lichtspielhäusern prangten großformatige Kunstwerke, wo heute Großdruckplakate und teilweise schon elektronische Screens auf das laufende Kinoprogramm hinweisen.

Dieses Berufsbild ist ein sterbendes aber ein anderes, eigentlich nicht ganz unähnliches, ist seit einigen Jahren ganz groß im Kommen: Der Bannermaler.

Ich bin eines dieser Spezies und so manch ein Kinofilm ist von einem Banner aus meinem Pixelatelier beworben worden. Weiterlesen