Der Blues des Bannermalers

Der Beruf des Kinomalers ist nahezu ausgestorben. Als großformatiges Drucken noch unerschwinglich war, engagierten die Kinobetreiber Maler, mit Pinsel und Farbe Filmplakate auf große Leinwände zu übertragen. Diese taten das mehr oder weniger gekonnt und mit mehr oder weniger Lust an der künstlerischen Freiheit. Über den Eingängen so mancher Lichtspielhäusern prangten großformatige Kunstwerke, wo heute Großdruckplakate und teilweise schon elektronische Screens auf das laufende Kinoprogramm hinweisen.

Dieses Berufsbild ist ein sterbendes aber ein anderes, eigentlich nicht ganz unähnliches, ist seit einigen Jahren ganz groß im Kommen: Der Bannermaler.

Ich bin eines dieser Spezies und so manch ein Kinofilm ist von einem Banner aus meinem Pixelatelier beworben worden. Früher waren es, beschränkt durch niedrige Bandbreiten, kleine bewegte Gifs heute designe ich meist aufwändige Flashanimationen mit gestreamten Trailern.

Diese Dinger haben so poetische Namen wie: „Medium Rectangle“, „Streaming Flash-Layer“, „Pre-roll Video Ad“, „Fullsize Banner“ und „Skyscraper“. Alle diese Formate, haben eines gemeinsam, sie sind keine Verschönerung des Stadtbildes, sind keine Farbtupfer im grauen Großstadt Einerlei, sondern sie zappeln und flimmern auf den Bildschirmen der Internetnutzer. 3 Millionen Bannerklicks und 6000 Gigabyte Traffic hat meine letzte Bannermalerei für den Teenie-Blockbuster „Twilight“ in einem Monat verursacht und Kinobetreiber und Filmverleih waren sehr zufrieden.
Mich macht es jedoch auch ein bisschen nachdenklich, wenn meine Leinwände im Keller vor sich hin schimmeln und ich 500×500 „Kino-Pixel-Malerei“ dem nichtsahnenden Surfer vor die Augen klatsche und so manchmal würde ich gerne die Maus beiseite legen, den Duft von feuchter Farbe in der Nase haben und etwas richtig „Großes“ schaffen.
Nicht zu Werbezwecken und nur zur Illustration, habe ich hier ein paar Werke aus meiner Sammlung zusammengestellt.

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