Gut ordnen oder lieber gut kotzen?

Knapp daneben ist auch vorbei.
Auf alle Fälle daneben aber ist, was die britische Fa. Leitz, Tochter des mittlerweile an den Esselte-Konzern verkauften Familienunternehmens Leitz aus Stuttgart vor drei Wochen an Werbung im Markt platziert hat. Gekotzt wird nicht später: Gekotzt wird sofort – und zwar mehrfach. Dazu gibt’s das passende Youtube-Video auf dem Channel der Firma, die einst mit dem Aktenordner mit Griffloch (das erst seit 1911 lt. Wikipedia) die Büroablage revolutionierte.


Für alle, die das Ganze etwas unappetitlich finden und sich das Video ersparen wollen, hier die Storyline: Ein Geschäftsmann besucht eine Firma und wundert sich zunächst, dass dort alle Mitarbeiter mit riesigen Kaffeeflecken auf der Brust herumrennen. Die Auflösung folgt mitten im Meeting. Dort nämlich schießt braune Kaffebrühe aus allen Mündern, jeder kotzt fontänenartig auf jeden. Und warum? Dazu drehe man das Rad der Geschichte (und das tut der Spot dann auch) um drei Tage zurück: Der Grund des kollektiv erruptiven Erbrechens liegt darin, dass der Einkäufer bei der Büromaterialbestellung nur auf das Schlüsselsignal „Cheap“ geachtet hat… Billig, billig, billig muss es sein. So auch der Kaffee und darum die fröhliche Kotzerei.
Gut, dass wenigstens das entscheidende Dokument vorher wasserdicht und abwischbar laminiert war. Leitz sei dank.

Das kann man, muss man aber nicht geschmackvoll finden, auch nicht witzig. Es fehlte im Spoteigentlich  nurdas Weißbrot zum Stippen oder der freundliche Hinweis: Halten Sie die Hand vor den Mund, dann können Sie das Dicke noch mal kauen…Vom feinsinnigen britischen Humor ist das meilenweit entfernt, aber das war die Kotzerei in Monty Python’s Meaning of Life auch – geschadet hat’s dem Film damals nicht. Im Gegenteil.

Ob man das allerdings auf Produktwerbung übertragen kann, sei dahingestellt.  Auf alle Fälle ist es nicht gerade innovativ, Büroausstattung mit Hilfe wahrer Kotzorgien zu bewerben. Mag ja sein, dass der gute alte Aktenordner in die Jahre gekommen ist und im Zeitalter digitaler Datenverarbeitung auszusterben droht. Mag auch sein, dass Locher, Hefter, Lochverstärkerspender, Stempelkissen und -karrusell sowie weitere ähnliche lustige Schreibtischuttensilien von Computermaus, USB-Sticks, Headsets und anderem verdrängt wurden. Aber nach wie vor wird gelocht, geklammert (ups: heißt ja jetzt getackert), geklebt, geheftet und abgelegt. Mehr vielleicht als laminiert. Da hätte den Kreativen ruhig etwas Intelligenteres und vor allem Charmanteres einfallen dürfen…

Leitz selbst kommentiert die Kampagne bei Youtube mit den Worten:
Günstig kaufen bedeutet oft zweimal kaufen. Es ist doch wirklich nervenaufreibend, wenn Dinge nicht so funktionieren wie sie sollten. Leitz weiß, dass hochwärtiges Büromaterial jedem das Leben leichter macht. Es hält länger und hinterlässt immer den richtigen ersten Eindruck.
Oder würden Sie Ihren Kunden etwa billigen Kaffee servieren?
Leitz ist der Meinung, dass hochwertiges Büromaterial jedem das Arbeitsleben erleichtert und die Produktivität ihrer Angestellten erhöht. Was glauben Sie?

Nun, ich persönlich glaube, dass Louis Leitz, der 1871 die Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmittel geggründet hatte, sich im Grabe umdreht – sofern er nicht gelocht und fixiert zwischen Aktendeckeln eingeklemmt ist. Mit oder ohne Griffloch.

Ein Gedanke zu „Gut ordnen oder lieber gut kotzen?“

  1. Der lustige Vertipper ist ja vom Original! „Hochwärtig“ statt „widerwertig“, oder? ROTFL. Die Kampagne selbst läßt mich kalt, ich wusste allerdings auch nicht, daß Leitz Kaffeemaschinen herstellt. Aber Geschmack hin oder her, die Sache funktioniert: Wir reden bereits drüber.

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