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Reisebericht: Mit der Jangada auf dem Amazonas

Von Tabatinga nach Manaus sind es auf dem Oberlauf des Amazonas rund 1.700 Kilometer. Mit dem Schnellboot (barcos rapido) schafft man das in 36 Stunden. Und man sieht – nichts. Mit einem der langsamen Linienboote braucht man vier Tage und drei Nächte. Und man sieht – nicht viel.

Man kann aber auch mit allem Luxus und viel Zeit in zwei Wochen die Strecke bewältigen. Dann nimmt man das einzige kleine Touristen-Expeditions-Schiff, das den Oberlauf des Amazonas derzeit befährt – die Jangada. Was man dann sieht, will ich im Folgenden berichten. Denn ich habe es getan. Und zwar im Oktober 2022: Gut 1.000 Meilen auf dem Amazonas!

1.000 Meilen auf dem Amazonas

1.700 Kilometer bin ich ihn gefahren, den vermutlich längsten und mit Sicherheit wasserreichsten Strom unseres Planeten. Rund 7.000 Kilometer ist er lang und macht damit je nach Vorlieben des jeweiligen Vermessungstechnikers dem Nil den Status des längsten Flusses der Erde streitig. Seine Quelle liegt in Peru. Ich habe im Dreiländereck Peru-Bolivien-Brasilien mein Schiff Richtung Atlantikmündung bestiegen. Um genau zu sein: in Tabtinga.

Dreiländereck
Meine Amazonasfahrt startete im Dreiländereck Kolumbien - Brasilien - Peru.

An der Mündung des Amazonas ergießen sich 200.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Atlantik. Das ist rund 70 mal mehr als der Rhein in die Nordsee entlässt. Das Einzugsgebiet des Amazonas umfasst rund sechs Millionen Quadratkilometer, eine Fläche fast so groß wie Australien. Für’s erste sollte das reichen, um die 16.000-Euro-Frage bei Jauch ohne Telefon-Joker beantworten zu können. 

Leticia
Leticia ist die quirlige kolumbianische Grenzstadt und liegt direkt neben dem brasilianischen Tabatinga. Ich bin über Bogota und Leticia nach Brasilien eingereist und habe in Tabatinga das Schiff für meine Amazonas-Tour bestiegen.

Die Jangada - mit Jules Vernes auf dem Amazonas

Eigentlich begann alles mit einem Franzosen, mit Bernard Ramus. Der verschlang als Kind – ebenso wie ich – mit großer Leidenschaft die Romane von Jules Verne. Besonders hatte es ihm ein Buch angetan, da zu den unbekanntesten Werken des großen phantastischen Schriftstellers zählt: „Die Jangada. 800 Meilen auf dem Amazonas„. Ich habe diesen Roman hier auf Czyslansky schon ausgiebig vorgestellt. Die Lektüre dieses Abenteuerromans veranlasste Ramus sich nicht nur intensiv mit dem Amazonas auseinanderzusetzen. Er verwirklichte hier auch einen großen Traum und lies ein Schiff ganz nach seinen Idealen bauen und nannte es nach dem Boot des Romans „Jangada“. „Jangada“, so nannte man früher Flöße, auf denen Einheimische wie auf einem Hausboot wohnten. 

Und da zu den Idealen von Bernard Ramus auch eine gut gepflegte Bar und ausgezeichnetes Essen gehörte, kam ich in den Genuss eines hervorragend ausgestatten Schiffs und konnte meine Amazonas-„Expedition“ mit gepflegtem Luxus verbinden.

Die Jangada, ein Schiff, ausgelegt für maximal 24 Passagiere, war für mich und 13 weitere Gäste für zwei Wochen meine schwimmende Unterkunft auf dem mächtigen Amazonas.

Das Schiff ist ein 29 Meter langer Katamaran und mit nur 1 Meter 30 Tiefgang in der Lage auch bei Niedrigwasser die Nebenarme des Amazonas sicher zu passieren. Wir waren bei herbstlichem Niedrigwasser unterwegs. Hochwasser führt der Amazonas im (europäischem) Frühjahr. Hoch- und Niedrigwasser, das kann acht, je nach Standort aber durchaus  auch achtzehn Meter Unterschied ausmachen. Seine Reiseplanung sollte man davon nciht abhängig machen. Zwar kann man bei Niedrigwasser einige Nebenarme nicht befahren, weshalb einem einige Bereiche des Waldes verschlossen bleiben. Andererseits ziehen sich bei Hochwasser viele Tiere weiter in den Wald zurück, man sieht also auch nicht mehr. Sicherlich aber ist die Routenplanung bei Niedrigwasser schwieriger. Im Prinzip wird der Fahrplan, also das reiseprogramm, von Tag zu Tag je nach Wasserstand aktuell festgelegt. Unsere drei hervorragend informierten und erfahrenen Guides besprachen jeweils am Vorabend das Programm für den Folgetag und änderten auch diese Planung je nach Wasserstand und Wetter spontan von Stunde zu Stunde. Eine Fahrt auf dem Amazonas ist kein planbarer Zoo-Besuch, sondern man muss sich schon einlassen auf das was kommt. Es lohnt sich allemal.

Guides in der Bar
Unsere Guides bei der Planung des Programms des Folgetags in der Schiffsbar.

Als Katamaran liegt es satt auf dem Wasser, so dass einem bei den abendlichen Gesprächsrunden an der Bar der Caipi nicht gleich aus dem Glas schwappt. Die Küche serviert täglich regionale Köstlichkeiten, vor allem natürlich frischen Fisch aus dem Amazonas, gegrillt, geschmort, gebacken, meist in wunderbar fruchtig-exotischen Saucen. Das hat aber auch so gar nichts von fränkischem Moderkarpfen … 

Übrigens: Rund 2.000 Fisch-Arten leben im Amazonas. Der größte unter ihnen ist der Arapaima oder Pirarucu. Er wiegt oft mehr als 200 Kilogramm. Reicht locker für zwei … In ganz Europa gibt es gerade mal 150 Fischarten. 

Augenbarsch
Aus dem Amazonas kommen viele Sorten hervorragende Speisefische, hier zum Beispiel der Augenbarsch.

Reisebericht: Auf dem Fluss

Schon in Tabatinga, unserem Startort, sahen wir die ersten Flussdelphine. Sie begleiteten uns bis Manaus, ebenso, wie die zahlreichen kleinen Motorboote, mit denen die Anwohner des Amazonas ihre täglichen Geschäfte erledigen. Überhaupt: Alltag auf dem Fluss: der Amazonas ist die Hauptverkehrsader der Region. Hier am Oberlauf des Flusses gibt es kaum Straßen. Es wird alles auf dem Wasser transportiert: Lebensmittel, Vieh, alle Dinge des täglichen und nicht-alltäglichen Bedarfs. Die Menschen nutzen ihre kleinen Boote, die heute aus Aluminium sind (früher waren es Einbaum-Boote) als Alltagsfahrzeuge. Auf ihnen sind Fischer unterwegs und ganze Familien auf dem Weg zum Einkauf oder nach irgendwo (ein Klick auf eines der folgenden Bilder vergrößert die Ansicht): 

Größere Entfernungen werden mit Linienschiffen zurückgelegt, für die es eigene Umsteigebahnhöfe mitten auf dem Fluss gibt. Die Linienschiffe nehmen nicht nur Passagiere (in Hängematten) mit, sondern auch „Handgepäck“, also Motorräder und diverse Möbelstücke…

Aber auch die ganz großen Dinge des Lebens – von den Bier- und Zementpaletten bis zum Lastwagen – werden auf Schiffen transportiert:

Natürlich befinden sich auch die Geschäfte auf dem Fluss. Das macht auch Sinn, schließlich ändert sich der Pegel des Flusses je nach Jahreszeit. Wenn man also bei Niedrigwasser nicht alle Waren vom Fluss ans Hochufer transportieren will, dann macht es Sinn, dass sich die Läden stets auf Höhe des Lieferverkehrs befinden, dass sich also alle Geschäfte auf Hausbooten befinden. So kam ich auf meiner Fahrt auf dem Amazonas nicht nur an vielen bunten „Tante-Emma-Booten“ (Flutuante) vorbei, sondern auch an schwimmenden Metzgereien und natürlich an schwimmenden Apotheken und Tankstellen:

Bei den Indigenen in Benjamin Constant

In Benjamin Constant bestiegen wir einen Kleinbus und fuhren rund 20 Kilometer über eine recht unwegsame Piste in den Wald. Dort trafen wir auf den Kazike Menempa vom Stamm der Marubo. Ein Kazike ist eine Art Bürgermeister. Er wird von den Mitgliedern seines Stammes in einem demokratischen Wahlvorgang für zwei Jahre gewählt. Zur Wahl stehen übrigens auch Frauen. 

Menempa hat neben einer Machete und einer beachtlichen Wampe (nein, kein indianischer Ausdruck) auch seine Tochter Heenne und seine beiden Nichten Lara und Meira mitgebracht. Die Frauen tragen die für ihren Stamm typische rote Gesichtsbemalung. Das leuchtende Rot wird aus den Blüten der Urucum-Pflanze gewonnen und schon bei Jules Verne beschrieben.

Bei den Marubo Indigenen
Zwei Frauen aus Luxemburg treffen drei Frauen der Marubos: Heenne, Meira und Lara.
Kapokbaum
Menempa zeigt uns mit seiner Begleitung einen heiligen Kapokbaum, ein Urwaldriese, der mehr als 40 Meter hoch werden kann.

Heute gibt es am Amazonas noch rund 200 verschiedene indigene Völker. Einige wenige sind noch unkontaktiert und leben fern von dem, was wir Zivilisation nennen. Die meisten aber leben wie die Marubo in indigenen Schutzgebieten. 13 Prozent des brasilianischen Staatsterritoriums sind heute indigene Schutzgebiete. Dort gilt eine eigene Gerichtsbarkeit. Zum Beispiel dürfen die Indigenen jagen, während in Brasilien ein allgemeines Jagdverbot gilt. 

Die Schutzgebiete spielen eine außerordentlich wichtige Rolle für den Naturschutz und insbesondere für den Schutz des Regenwaldes. Die Indigenen sind heute die wichtigsten Beschützer des Regenwaldes, weil sie in nachhaltig nutzen.

Indigene Bananenplantage
Eine Bananenplantage der Marubo fügt sich fast nahtlos in den Urwald ein.

In den Schutzgebieten, die von Nicht-Indigenen nur mit Sondergenehmigung der Behörden betreten werden dürfen,  wohnen und arbeiten die Indigenen in ganz normalen Siedlungen. Was sie allerdings von den Nicht-Indigenen unterscheidet: sie pflegen intensiv ihre Traditionen und ihre Sprache. Und sie pflegen in jedem Stamm ein traditionelles und kulturelles Zentrum. Dort steht dann immer ein Gemeinschafthaus, eine „Maloca“. Die Marubo pflegen den Brauch, dass die Maloca eng mit dem Leben der Stammesältesten verbunden ist. Stirbt sie, so wird auch die Maloca niedergebrannt und neu aufgebaut. 

So führten uns Menempa, Heenne, Meira und Lara in eine recht neue Maloka um uns dort einige ihrer Bräuche zu zeigen.

Maloka
Heenne vor der Maloka der Marubo

Die Marubo sind eine relativ kleine Gemeinde und so ist auch die Maloka recht übersichtlich. 

Einer der Maruba zeigt uns, wie sich die Männer früher auf die Jagd oder einen kriegerischen Kampf vorbereitet haben: sie ließen sich Brandwunden zufügen und in die offene Wunde ein schmerzhaftes Gift eintragen. Die damit verbundenen Schmerzen sollten sie „stählen“. Ja ja … früher war alles besser bei den Naturvölkern … 

Maruba Mann

Ein anderer Maruba führte uns sein Blasrohr vor – ein imposantes rund viereinhalb Meter langes Gerät. Auf das Angebot es auch einmal zu versuchen, geht tatsächlich ein Schweizer Mitglied unserer Reisegruppe ein. Natürlich traut niemand dem armen Mann zu, den Pfeil überhaupt aus dem Rohr zu befördern. Es geschieht aber das Unfassbare: er jagt den Pfeil nicht nur aus dem langen Rohr, sondern durchbohrt auch noch eine als Ziel aufgehängte dicke Bastmatte. Mit leicht süffisantem Lächeln erklärt er seinen goldenen Schuss: „Das war jetzt eher kein Problem. Ich bin Alphornbläser!“ Seitdem ist mir klar, dass das eidgenössische Alphornblasen letztlich doch eine arg militaristische Form der Blasmusik ist. Leider habe ich kein Bild von der Großtat unseres Wilhelm Tell.

Ein Maruba präsentiert sein viereinhalb Meter langes Blasrohr.

Im Gegensatz zur Blasrohr-Präsentation wurden wir bei der nächsten Vorführung nicht zu Teilnahme eingeladen. In einer Ecke der Maloka präsentierten zwei Männer der Maruba eine althergebrachte und recht interessante Tradition des Drogenkonsums. Dabei wurden die Dämpfe eines Pflanzendestillats von einem Maruba über einen langen Schlauch einem anderen Stammesmitglied direkt in die Nase geblasen. Einer unserer Guides war sichtlich wenig amüsiert über diese Präsentation. Dabei muss man festhalten, dass es im Gegensatz zu den brasilianischen Großstadtbewohnern bei den Indigenen keine Drogenprobleme gibt. Psychische oder pysische Suchterscheinungen gibt es – angeblich – nicht. Der Konsum von Drogen finden ausnahmslos im rituellen Kontext statt. Dies unterscheidet die Indigenen Brasiliens offenbar deutlich von den Indigenen Nordamerikas.

Drogen in der Maloka
Drogen in der Maloka

Reisetagebuch: Bei den Tikuna

Der zweite indigene Stamm, den wir mit einer Sondergenehmigung besuchen durften, waren die Tikuna in Bethania. Bethania liegt westlich von San Antonio und damit auf etwa einem Drittel unserer Route. Die Tikuna sind einer der größten Stämme in Brasilien und Bethania ist eine relativ große indigene Siedlung. Ihre Maloca lilegt ein wenig außerhalb im Wald auf einem Hügel. Wir kamen über einen von den Indigenen angelegten Trampelpfad von einem Nebenarm des Amazonas durch den Wald zum Gemeindehaus, wo wir bereits vom Kazike, einem Abgeordneten der Indio-Verwaltung und dem Präsidenten der Tikuna Trovao empfangen wurden. Trovao war eigens für uns nach Bethania gekommen. Er steht dem gesamten Volk der Tikuna vor. Trovao spricht fließend Englisch und hat auch schon vor dem Parlament in Brasilia die Interessen der Indigenen vertreten. Seine Anwesenheit war ein Zeichen dafür, dass unser Besuch für die Indigenen einen besonderen Stellenwert hatte. Es kommen nur selten Fremde nach Bethania, wie überhaupt nur wenige Europäer den Weg an den Oberlauf des Amazonas und in die dortigen indigenen Gebiete finden. Was wir in der Folge präsentiert bekamen war auch keine der übichen Touristenattraktionen, sondern eher eine Darbietung authentischer Bräuche. Und wir wurden dabei als Europäer ebenso neugierig betrachtet (und auf Video gebannt), wie wir die Einheimischen betrachteten. Voyeurismus auf Objektivhöhe.

Maloka der Tikuna
Die imposante Maloka der Tikuna in Bethania
Eingang der Maloka
Vor der Maloka begrüßten uns u.a. der Kazike und zwei Geister, die uns erst Einlass gewähren mussten.
Tikuna Präsident Trovao
Tikuna Präsident Trovao

Die Tikuna führten uns in traditionellen Gewändern einen Initiationstanz vor, mit dem sie trationell junge Mädchen in die Gemeinschaft der Frauen aufnehmen, also eine Art Konfirmation oder Jugendweihe. Früher dauerte dieses Fest bei den Tikuna zwischen ein und drei Tagen. Die Dauer hing rüher davon ab, wieviel Nahrung sie gerade hatten. 

Apropos Kirche: Die Missionare haben ganze Arbeit bei den Indigenen geleistet. Die Ortsbezeichnung Bethania geht ja noch auf die Missionsarbeit zurück. „Beth“ ist hebräisch für „Haus“. Mehr ist aber von der Mission nicht geblieben. Heute sind die Indigenen gegenüber der Kirche mehrheitlich extrem kritisch eingestellt, berichtete Trovao auf Nachfrage. Die Missionare haben neben Krankheiten einfach zu viel Unheil über die Gemeinden gebracht, indem sie die traditionelle Kultur der Einheimischen zerstörten. Heute versuchen die Indigenen wieder ihre alten Kulte und Kulturen zu erhalten, so wie ihre Sprache wieder an ihren Schulen unterrichtet wird. Zunehmend gelingt sogar eine Verschriftlichung der verschiedenen Dialekte der Indigenen.

Der Ritus Moca Nova, den sie uns vorführten, zeigt im Wesentlichen, wie junge Mädchen anfangs in einem Verschlag in der Mitte der Maloka eingeschlossen sind, während sich gute und böse Geister tanzend und singend um diesen Verschlag bewegen, Schließlich befreien die Frauen des Stammes die Mädchen und mit Tanz, Gesang und Musik auf traditionellen Instrumenten (v.a. Trommeln, auch ein Schildkrötenpanzer spielt eine wichtige Rollle) werden die Mädchen in die Gemeinschaft aufgenommen.  

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Tipps zur Reise

Man kann den Oberlauf des Amazonas als Individualreisender befahren. Von Tabatinga (Leticia) bis Manaus fahren Linienschiffe, die man vor Ort buchen kann.

Eine 16-tägige Reise mit 13-tägiger Flusskreuzfahrt auf der Jangada mit hervorragend ausgebildeten Guides in einer kleinen Reisegruppe lässt sich in beide Richtungen Tabatinga-Manaus und Manaus-Tabatinga buchen über 

Lernidee Erlebnis-Reisen

Preis: 6.620,- € – 8.920,- € pro Person je nach Kabine inkl. Flug ab Deutschland über Bogota.

Ein Visum ist für deutsche Staatsangehörige ist nicht erforderlich. Ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass ist ausreichend.

Lese-Tipp

Jules Verne: Die Jangada. 800 Meilen auf dem Amazonas (Die Andere Bibliothek, Band 406). Zu kaufen beim freundlichen Buchhändler oder bei buch7.

Gesundheit

Derzeit sind bei der Einreise nach Brasilien keine Impfungen vorgeschrieben. Empfohlen werden jedoch Impfungen gegen Gelbfieber,  Hepatitis A und Tollwut. Die Empfehlungen in Bezug auf Malaria sind extrem unterschiedlich. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich gegen eine Prophylaxe entschieden. Steckt man sich an, bricht sie ohnehin est nach der Rückkehr aus. Bei entsprechenden Symptomen sollte man dann rasch in Deutschland einen Arzt aufsuchen.
Ein starker Mückenschutz, vor allem bei Hochwasser ist dringend anzuraten. Meine Empfehlung: Anti Brumm Ultra Tropical. Ja, das ist eine Chemie-Keule, aber sie funktioniert. Man nutzt sie ja nicht als Rachen-Spray für guten Atem. Eine aktuelle COVID-19-Impfung ist nicht vorgeschrieben (es reicht ein Test), sollte aber meiner Meinung nach selbstverständlich sein.

Geld

Glaubt nicht den klugen Reiseführern: Ja man kann in größeren Städten überall mit gängigen Kreditkarten bezahlen. Amex ist übrigens nicht „gängig“. Vor allem aber: „größere Städte“ gibt es am Oberlauf des Amazonas nicht. Und Geld abheben an Automaten von Banken hat bei mir nirgendwo funktioniert. Es hilft nichts: nur Bares ist Wahres! Dollar und Euro könnt Ihr überall in Real umtauschen. Die Indigenen freuen sich sehr über kleine sinnvolle (!) Geschenke für die Kinder (Stifte und ähnliche Dinge. Vielleicht auch hier ein wenig an Nachhaltigkeit beim Einkauf denken). Sie beschenken Euch auch.

Reisezeit

Wie ich oben schon erwähnte: meiner Meinung nach ist es egal, ob Ihr bei Hoch- oder Niedrigwasser reist. Eine Amazonasfahrt ist keine Sightseeingtour mit festen Besichtigungszeiten. Der Amazonas ist auch kein Tierpark, in dem an jeder Ecke ein Vieh herum steht und fotografiert werden will. Man muss sich überraschen lassen und von Tag zu Tag leben. Reisebeschreibungen sind keine Reiseprogramme. Ich würde aber vermutlich eine Schiffstour flussabwärts bevorzugen. Das Schiff muss dann seltener den Motor anwerfen, die Fahrt ist ruhiger, die Pausen sind länger. Man fährt dann durchgehend in West-Ost-Richtung. Eine Kabine auf Steuerbord hat dann Südfenster, auf Backbord Nordfenster.  Was man lieber mag muss jeder selbst wissen.

Kleidung

Es ist warm. Es ist feucht. Also leichte Kleidung. Und helle Kleidung. Mücken mögen Farben und selbst Schwarz halten sie für eine Farbe. Es hat schon seinen Grund, warum  Fitzcarraldo seinen weißen Anzug nicht ablegt – und ich meine Attitude des „Man in Black“ für drei Wochen abgelegt habe und mir extra weiße Klamotten zugelegt habe. Na gut, ein bißchen wollte ich auch im weißen Baumwollanzug mit Hut auf dem Oberdeck stehen, auf den Amazonas gucken und Caruso hören …

Und darum geht es im zweiten Teil meines Reiseberichts vom Amazonas

Natürlich war meine Fahrt auf dem Amazonas bei den Tikuna nicht zu Ende. Es gibt eine Fortsetzung dieses Reiseberichts. Dabei erfahren wir u.a.

  • dass am Amazonas die Bäume wirklich laufen können
  • warum ein Faultier kopfüber die Welt betrachtet
  • wie mich eine Kaiman-Dame anlächelt
  • wann die Frauen von Manaus ihre Wäsche zum Waschen nach Lissabon geschickt haben

Und natürlich gibt es wieder viele bunte Bildchen vom Amazonas.

Illustrationen © Michael Kausch

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