Wenn die Deutsche Glasfaser anderen eine Grube gräbt …

Deutsche Service-Wüste, Deutschland als Redlight District im europäischen Breitband – alles gut und schön: aber wohin ein überstürzter Aufbruch ins Glasfaser führen kann, das erlebe ich seit einem Jahr mit den Maulwürfen der Deutschen Glasfaser. Es ist ein Desaster. Und ein Possenspiel. Dabei spreche ich der Deutschen Glasfaser nicht die Kompetenz als Netzbetreiber ab, aber sehr wohl jedwede Fähigkeit und Seriosität als Projektmanager im Tiefbau. Und ohne Tiefbau gibt es nun mal kein Glasfasernetz.

Erst kommt das buddeln, dann das Bloggen.

Aber immer der Reihe nach und am besten rollen wir das Kabel von hinten auf:

Kurz vor Weihnachten 2018 erschienen Bauarbeiter in meiner Garagenzufahrt und sperrten die selbige kurzerhand ab. Als ich mich mit dem Auto näherte, fuchtelten sie wild mit den Armen und bedeuteten mir auf Nachfrage „Not possible“. Das war insofern überraschend, als dass dies der erste Arbeiter des von der Deutschen Glasfaser beauftragten Bautrupps war, der zwei Worte Englisch sprach. Deutsch ging und geht gar nicht.

Deutsche Glasfaser

Auf der Suche nach einem Fehler im Netz hatten sie kurzfristig meine Einfahrt aufgegraben. Gefunden haben sie nix und sie haben dann bis auf ein großes Loch auch alles wieder zugeschüttet. Diese Fallgrube besteht jetzt seit dreieinhalb Monaten und damit eben keiner hinein fällt wurde sie provisorisch mit zwei rotweißen Absperrungen eingekreist.

Die Deutsche Glasfaser vergräbt sich

Nun frieren im Winter nicht nur die Bauarbeiter, sondern auch das Erdreich und ich bin ein geduldiger Mensch, der einfach den Glauben an das Gute nicht verlieren will und darauf setzte, dass das Loch nach Beendigung der winterlichen Eiszeit schon wieder zugeschüttet werden würde. Wurde aber nicht. Und meine diesbezügliche Ermunterung mir das Wenden vor meiner Garage durch Verfüllung des Lochs  nach dreieinhalb Monaten wieder zu ermöglichen wurde heute wie folgt beschieden:

„Mit der Verlegung der Glasfaserleitung in Ihrem Gebiet versorgen wir auch Haimhausen mit einer Modernen und zukunftsorientierten Infrastruktur. Die Verlegung der Glasfaserleitung führt in vielen Fällen vor Herausforderungen.  [Ja, sie „führt vor Herausforderungen“, aber leider nicht in meine Garage] Für die Realisierung sind manche Gegebenheiten jedoch unumkehrbar [mein Loch ist ein unumkehrbares Loch ?], sodass es durchaus üblich ist das Bauarbeiten nur abgesperrt und nicht vollständig verschlossen werden. Sobald die Infrastruktur vollständig abgeschlossen wird, wird eine Abnahme mit unserem Bauleiter, der Stadt und uns durchgeführt.“

ich will aber gar kein Stelldichein mit der Stadt auf „meinem“ Grundstück. Es geht bei meiner Einfahrt nicht um öffentlichen Grund, sondern um einen Privatweg, den die Deutsches Glasfaser ohne meine Einwilligung hat aufgraben lassen.  Da war schon das Aufgraben eine Sachbeschädigung und jetzt ist’s ein Reinfall.

Wie mir die Deutsche Glasfaser in den Garten kam

Als vor vielen Monaten die Deutsche Glasfaser mir wie den meisten Haushalten in meinem Wohnort den Anschluss an ihr Glasfasernetz anbot, war ich natürlich hoch erfreut. Bald schon kam es zum angekündigten Hausbesuch einer netten, des Deutschen kaum mächtigen jungen Mitarbeiterin:

Sie erklärte mir, wie das Haus über meine Einfahrt durch Grabungen auf einer Länge von rund 40 Metern zu erschließen sei. Ich verwies auf eine erheblich einfachere Anschlussvariante über die Rückseite des Hauses: weniger Grabung, weniger Kosten für die Deutsche Glasfaser, weniger Ärger für mich. Der Kommentar: „Nischt möglisch„. Warum? „Weil hier anders in Plan„. Aha.

Nach einer längeren Korrespondenz, in der ich den ursprünglichen Planungen heftig und eindeutig widersprach erhielt ich dann ein „Begehungsprotokoll“ mit mannigfachen Fehlern, aber immerhin mit der zugesicherten Erschließung über die Rückseite des Hauses. Ich sollte dann noch zusichern, dass ich alle notwendigen Angaben über unterirdisch verlegte Kabel und Versorgungsleitungen gemacht hätte – habe ich nicht; ich weiß von einer Stromleitung unter meinem Garten, kenne deren Verlauf aber nicht, alldieweil das Kabel vor meinem Einzug verbuddelt worden war. Auf meinen diesbezüglichen Widerspruch zu den Haftungsklauseln erhielt ich von der Deutschen Glasfaser niemals eine Antwort. Es ist dann ja auch nix passiert. Glück gehabt.

Kurz darauf wurde dann meine Einfahrt trotzdem auf voller Länge aufgegraben um einen Nachbarn anzuschließen. Ich hatte im Vorfeld angeregt auch dessen Haus über die Nordseite meines Hauses anzuschließen. Dies hätte erheblich Kosten und Ärger gespart. Meine diesbezügichen Schreiben an die Deutsche Glasfaser blieben stets unbeantwortet. Die Grabungsarbeiten auf meinem Grundstück – mit gemeinschaftlichen Nutzungsrechten zweier Nachbarn – erfolgt dann ohne Zustimmung und sogar ohne irgendeine Information durch die Deutsche Glasfaser. Meine Beschwerde hierzu blieb – kaum überraschend – unbeantwortet. Das heißt: einmal erhielt ich eine Vorgangsnummer. Immerhin.

Die Zufahrt wurde bei der Gelegenheit übrigens arg demoliert. Auf meine drei diesbezüglichen Beschweren erhielt ich in den letzten sechs Monaten als Antwort das bekannte Schweigen. Schreiben einer Nachbarin – es ist stellenweise auch ihre private Zufahrt – die selbst gar keinen Glasfaseranschluss besitzt, blieben ebenfalls unbeantwortet.

Ist meine Erfahrung mit den Grabungsarbeiten der Deutschen Glasfaser ein Einzelfall? Nein, leider nicht!

Wo die Deutsche Glasfaser schaufelt, bleibt alle Hoffnung begraben

Das schnelle, wie auch das langsame Netz ist voll von abenteuerlichen Berichten und Beschwerden zum Grabungsbau der Deutschen Glasfaser:

In Zorneding bei München herrschen laut Münchner Merkur beim Glasfaserausbau „völliges Chaos“ und „Katastrophe„. Der Bürgermeister ist stocksauer und beklagt unter anderem die Informationspolitik der Deutschen Glasfaser. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von „Problemen mit Absprachen bei Hausbesuchen„. Ei wie nun das?

In Neuss kam es zum Baustopp „weil ganze Straßenzüge nach Tiefbauarbeiten nicht wieder ordentlich hergerichtet wurden„.  Und weiter schreibt die NGZ: „Neu sind die Probleme nach Tiefbauarbeiten für die Deutsche Glasfaser nicht. In Grevenbroich sowie weiteren Kommunen gab es ebenso Beschwerden über den Zustand der Straßen„. 

.Klagen kommen auch aus dem schönen Münsterland: „In Ostbevern zum Beispiel bemäkelte der dortige Bürgermeister Wolfgang Annen kürzlich ’nicht fachgerechte Tiefbauarbeiten und Baustellenabsicherungen, nicht eingehaltene Zeitpläne, nicht geräumte und gesäuberte Flächen sowie nicht eingehaltene Zusagen‘.“ Ich weiß ja gar nicht, wo Ostbevern liegt, aber es könnte sich um einen mir bislang noch nicht erschlossenen Bereich meines Gartens handeln …

In Delbrück hatten unzufriedene Kunden „bemängelt, dass auf ihren Grundstücken ohne Terminvereinbarung »gebuddelt« worden sei“ und die Lingener Tagespost vermutet, dass die Kunden bei der Deutschen Glasfaser nur stören würden. Im hessischen Reinhardshagen hört man Klagen, dass „ohne Rücksprache mit der Kommune eine Firma einfach die Straße auffräse„.

Die Liste der Chaosberichte aus ganz Deutschland ließe sich beliebig erweitern. Und sie zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein System: um ein System, in dem es einzig darauf ankommt, möglichst schnell Masse zu machen, sich einen interessanten Zukunftsmarkt zu erschließen, ohne Rücksicht auf Verluste, auf Qualitätsdefizite oder gar auf gesetzliche und bürokratische Regelungen. Wer weiß, wie schwierig es ist eine Genehmigung zu erhalten um irgendwo  einen Stein zu versetzen, der muss sich wundern über die gläserne Leichtigkeit mit der ein Unternehmen wie die Deutsche Glasfaser massenhaft Regeln missachtet. Aber natürlich: es sind ja immer nur die Partner des Unternehmens. Und man bedauert jeden Regelverstoß. Nur tut man dies schon seit Jahren ohne dass irgendwo Verbesserungen in Sicht wären. 

Im Mai 2017 berichtete die Aachener Zeitung in einem Gespräch mit einem Vertreter der Deutschen Glasfaser: „Kritisiert wurde unter anderem, dass Gehwege oder Straßen nicht in der erwarteten Qualität wiederhergestellt worden seien. Auch die Bezahlung der Bauarbeiter war ein Thema. Der Zoll hatte im Jahr 2013 aufgedeckt, dass auf einer Baustelle in Gangelt osteuropäische Bauarbeiter für einen Stundenlohn von 2,30 Euro beschäftigt wurden. Anfang 2014 hatten niederländische Bauarbeiter dann in Übach-Palenberg die Arbeit niedergelegt, weil sie angeblich monatelang nicht bezahlt worden waren. Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Der Mann von der Deutschen Glasfaser versprach damals: „Wir konnten in der Vergangenheit leider nicht verhindern, dass die von uns beauftragten Generalunternehmen wiederum auf Subunternehmen zurückgegriffen haben. Wir haben aber aus der Vergangenheit gelernt und arbeiten mit diesen Generalunternehmen nicht mehr zusammen.

Ja, ich bin auch dafür bürokratische Hemmnisse beim überfälligen Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland abzubauen.

Ja, das Netz der Deutschen Glasfaser erweist sich bislang als stabil und auch die versprochene Performance wird eingehalten. Gut so.

Aber nein: das alles rechtfertigt nicht, …

  • dass Kundenbeschwerden über Jahre ignoriert werden,
  • dass ungefragt private Grundstücke aufgegraben werden,
  • dass Unterauftraggeber auf den Kunden losgelassen werden, die sich mit diesen sprachlich gar nicht verständigen können: meine Installation wurde von zwei netten Menschen realisiert, die weder Deutsch noch Englisch konnten. Und unter uns: mein Ungarisch ist wirklich jämmerlich …

So jämmerlich, wie das Loch in meiner Einfahrt.

3 Gedanken zu „Wenn die Deutsche Glasfaser anderen eine Grube gräbt …“

  1. Nach mehreren Wochen kam gestern die erste wirklich persönliche Antwort von der Deutschen Glasfaser mit einer Entschuldigung und der Einsicht, dass es durchaus die Aufgabe der Baufirma ist, aufgebuddelte Löcher auch wieder zuzubuddeln. Wir hatten die Grube inzwischen selbst verschlossen. Alle anderen Punkte meiner Beschwerde blieben unerwähnt. Mal sehen, wie lange es nun dauert bis jemand die Absperrungen abholt.

  2. Und wieder sind einige Wochen ins Land gegangen. Die Deutsche Glasfaser hat im mai zugesagt, dass sie die Baufirma veranlassen werde die Absperrgitter abholen. Heute kam eine Mail an mit dem Hinweis, die Bauarbeiten im Ort seien abgeschlossen (siehe Bild). Die Absperrgitter sind natürlich noch da. Wer also professionelle Absperrungen für seine Baustelle oder seinen Hobbykeller sucht: Ich gebe sie kostenlos ab! Sie stehen seit sechs Monaten hier herum wie Godot, der nicht gehen will.

  3. Die DG bzw. deren Generalunternehmer hat bei uns mit den konkreten Arbeiten im Haus begonnen und von mir dann nach ein paar Stunden erstmal Baustopp erhalten. Jetzt warte ich auf das Backoffice der DG, damit wir klären, wie es weitergeht. Ich bin kurz davor, dem Generalunternehmer Hausverbot zu erteilen.
    Ich werde auf alle Fälle schnell drüber bloggen und das hier verlinken.

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