Schlagwort-Archive: Süddeutsche Zeitung

Im Absagen-Hagel…

Jedes Jahr – so möchte man meinen – das gleiche Spiel: Im Frühjahr startet die große Bewerbungswelle der Auszubilden. Noch vor Schulabschluss bewerben sich zahlreiche Schulabgänger um Ausbildungsplätze bei Betrieben, Praxen, Kanzleien, Behörden, Konzernen usw.
Und jedes Jahr zum September hin melden Arbeitsämter und Handwerkskammern, dass es immer noch Tausende unbesetzter Lehrstellen gibt. Mehr ist der Meldung nicht zu entnehmen, aber der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eher unbeliebte Berufe handelt (Arbeitsbedingungen, Gehalt, Perspektiven) ; oder um unbeliebte Regionen (früher gern mal unter dem Stichwort „Zonenrandgebiet“ subsumierte strukturschwache Landkreise). Irgendwann kommt eben jeder unter – irgendwo. Oder auch nicht.

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Mein Zeitungssterben

Zeitungssterben by Tim Möller-Kaya

Ich hatte ja gehofft, dass ich es noch bis zum Ablaufdatum schaffe, ohne auf elektronisches Papier umsteigen zu müssen. Aber dann kam es alles ganz anders. Es fing damit an, dass ich mir so einen schicken kleinen Kindle von Amazon zugelegt habe, um auf Reisen nicht mehr diese wuchtigen Schmöker mitschleppen zu müssen. Jetzt trage ich eine ganze Bücherei in der Westentasche mit mir herum und lese im wahrsten Sinne des Wortes wo ich geh‘ und steh‘: In der Straßenbahn, beim Zahnarzt (im Behandlungsstuhl!), auf dem Zugklo. Ich lese sogar heimlich im Flieger während Takeoff und Landung. Man muss nur aufpassen, dass es die Stewardess nicht mitkriegt, aber die streiken ja sowieso…

Meine Tageszeitung, jedoch, die sollte mir das Schicksal eigentlich schon aus der toten, klammen Hand reißen müssen. Schließlich habe ich ja Tgeszeitung „gelernt“, damals als man sie noch im Bleidruck herstellte wie weiland der alte Genschfleisch, genannt Gutenberg. Weiterlesen

Auf der High End traf sich nicht die High Society

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Bild: High End Society

Gestern ging hier in München im M.O.C. die High End zu Ende, eine meiner absoluten Lieblingsmessen: alles rund um Plattenspieler, (Röhren-)Verstärker und überhaupt um die Dinge, die unser Wohnzimmer zu einem akustischen Genusstempel machen (können). Mehr als 20.000 Besucher hatten die Veranstalter erwartet. Finale Besucherzahlen haben die PR-Kollegen des Veranstalters leider noch nicht publiziert. Aber auch das ist wie immer: die größte Hifi-Messe Europas hat auch in diesem Jahr auf PR weitgehend verzichtet: Die Pressematerialien sind kaum mehr als Marketingprospekte der Hersteller, das Pressezentrum kaum mehr als eine Ecke im Foyer und die Berichterstattung in den „großen“ Medien bekannt karg. Immerhin bringen es die Pressemeldungen des Veranstalters nicht mehr regelmäßig in unser Kuriositätenkabinett der PR-Sprachvirtuosen, wie noch vor einigen Jahren. Habt Ihr einen neuen Texter?

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Die SZ blogt doch keinen hinter dem Ofen hervor …

„Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren.“ Das analysiert Felix Salmon im sz-magazin. Da man alldort leider nur kleine Kommentare hinterlassen kann, aber die Süddeutschen von sich behaupten, sie würden diese Thesen zur Diskussion stellen, bleibt einem leidenschaftlichen SZ-Leser ja gar nichts anderes übrig, als über diese Thesen zu bloggen. Was hiermit geschieht:

1. Deutschland blogge nicht, weil Deutschland in Hierarchien denke, während die Blogosphäre eine Gleichheitsmaschine sei.

Nein: auch in Deutschland glaubt man den „Oberen“ lange schon nicht mehr und die Beliebtheit der Leserbriefseiten in unseren Zeitungen wird nur von der Relevanz der Todesanzeigen („Schau mal an, der auch!“) getoppt.

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SZ Online: Heute steht drin, was gestern passierte…

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Es ist auch unter den Anhängern Czyslanskys immer wieder ein Klagen und Lamentieren über den Niedergang des deutschen Qualitätsjournalismus und über die Fehlsichtigkeit deutscher Verleger und Redakteuren gleichermaßen in punkto Online-Chancenerkennung zu vernehmen. Und dass sich die gute, alte Tante SZ im Internet nicht gerade mit Ruhm bekleckert, war schon mal Thema an dieser Stelle (siehe „Die Süddeutsche hat das Internet verpennt“ vom 4.12.08). Falls es noch eines weiteren Anschauungsbeispiels bedarf, empfehle ich einen Blick auf die aktuelle Online-Ausgabe von Münchens Vorzeigeblatt.

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Die „Süddeutsche“ hat das Internet verpennt

Er hat wieder zugeschlagen! Dr. Bernd Graff, spätberufener Internet-Beobachter und „Stellvertreter des Chefredaktuers“ der Online-Ausgabe der SZ, hat es uns mal wieder so richtig gesagt. „Dem Cyberspace sind die Utopien abhanden gekommen“, donnert er von der neuerdings luftigen Kanzel in der Hultschiner Straße. „Die Verheißung, die mit solcher Grenzüberschreitung einmal verbunden war, ist nirgends mehr zu spüren“, behauptet er und macht sich über Apples neuen Virtual Reality Headset lustig: „Es reicht völlig, dass man damit Theater sehen kann, das gar nicht da ist.“

Das schwülstige Versatzsrück, das sich immerhin über zwei volle Zeitungsspalten auf der ersten Seite des Feuilletons zieht, ist ein entsetzliches – vor allem aber entsetzlich langweiliges – Wiederkäuen von Zitaten aus den Kindertagen des Cyberpunk, von Rudy Rucker über Timothy Leary bis William Gibson und Donna Haraway. So ganz genau wird zwar nicht klar, was ihn so stört, aber offenbar möchte er mal so richtig zum Rundumschlag gegen den Hype ausholen.

Dass der Schlag ins Leere geht liegt daran, dass er eine nur halbverstandene Version des Internets von vor 10 Jahren durch den Kakao zu ziehen versucht – und dabei natürlich selbst tief hinein taucht.

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