Schlagwort-Archive: digitales Leben

Ich, Kindle

Hinter dem Bildschirm Kindle EditionEs stimmt tatsächlich: Ein Buch als Kindle-Edition zu publizieren ist kindleleicht – äh, ich meine natürlich „kinderleicht“. Ich habe dazu gerade mal eine Viertelstunde gebraucht, da war mein Buch „Hinter dem Bildschirm“ auch schon online erhältlich. Es kostet €6,24. Das war übrigens nicht meine Idee, sondern Amazons. Die geben die Preisspanne vor und empfehlen auch einen Preis, der attraktiv genug ist, dass möglichst viele Menschen draufklicken und kaufen. Ich hätte auch €9,99 verlangen können, aber ich bin ja (wie jeder weiß) ein bescheidener Mensch.

Das Reinstellen ist einfach. Es genügt, wenn man eine Word-Vorlage hat. PDF ginge auch, aber davon rät Amazon ab, weil es angeblich Probleme geben kann mit irgendwelchen Steuerzeichen und so.

Die Unterzeile des Buchs lautet „Leben, Lieben und Sterben im Internet-Zeitalter“ – und damit tut sich Amazon offensichtlich schwer. Unter der Rubrik „Gesponsorte Links“ tauchten sofort zwei Titel auf, die den geneigten Besucher möglicherweise auch interessieren würden, nämlich:

Sterbebegleitung: Qualifizierte schamanische Seminare & Ausbildungen zu Selbstmordgedanken? Es gibt Hilfe – Krisenintervention!

Ich hoffe, es kommt niemand jetzt auf falsche Gedanken…

51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen „die Netzgemeinde“

In einem offenen Brief an die „liebe Netzgemeinde“, die Grünen, die Piraten und die Linke beklagten gestern 51 Tatort-Autoren in einem Rundumschlag jedwede Angriffe auf das Urheberrecht. Sie wehren sich insbesondere gegen die von einigen geplante Verkürzung der Schutzfrist von bislang 70 Jahren ab Tod des Autors, aber auch ganz allgemein gegen Vorwürfe an die GEMA und die Musikindustrie. Sie beklagen, dass die Kritiker der derzeit gültigen Urheberrechtssituation sich nicht mit Autoren und Künstlern zusammensetzten und eine „demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei“ betreiben würden.

Der Brief vermengt die Diskussion um eine Reform des Urheberrechts mit der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung und überhaupt viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Er pauschaliert und wirft alle Kritiker des heute gültigen Urheberrechts, „die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien„, in einen großen Topf.

Die Krimi-Autoren haben mit diesem Brief viel Staub aufgewirbelt und mit Polemik und Pauschalierungen eine vernünftige Debatte um eine Modernisierung des Urheberrechts eher erschwert.

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Der vergebliche Traum vom papierlosen Büro

Papier ist geduldig. Immerhin gibt es Papier ja seit dem 2ten Jahrhundert vor Christi, als es der Legende nach von dem chinesischen Hofbeamten Cai Lun erfunden wurde. Die meisten von uns können sich ein Leben ohne Papier gar nicht vorstellen, und ich meine das keineswegs ironisch, also etwa im Sinne von Max Reger der einmal an einen Kritiker schrieb:

„Sehr geehrter Herr! Während ich dieses schreibe, sitze ich im kleinsten
Zimmer meines Hauses. Ihre Kritik habe ich vor mir. Gleich werde ich sie
hinter mir haben.“

Papier ist geduldig, aber das Internet ist es nicht. Die Absatzzahlen sogenannter „eBooks“ sowie der digitalen Lesegeräte wie Amazons Kindle steigen sprunghaft. Sind die Tage von Papier gezählt? Weiterlesen

Das Orakel der IT-Industrie

Manchmal frage ich mich, ob Gartner die größte Marketingmaschine der IT-Industrie ist, oder tatsächlich so viel Weitblick haben kann, dass seine Analysten Trends bereits im embryonalen Stadium erkennen, an deren Realisierung sich die IT-Szene teilweise noch über Jahre und Jahrzehnte abarbeiten muss: Nicht self fullfilling prophecy, sondern Gartners fullfilling prophecies. Zumindest bei Service orientierten Architekturen (SOA) und in noch größerem Maße bei Cloud Computing hat es funktioniert. Auch Begriffe wie Realtime Enterprise haben dank Gartner beachtliche Karrieren gemacht und viele Investitionen verschlungen.
Jetzt versucht Gartner sich gerade am nächsten großen Wurf: Die „Personal Cloud“ so die Auguren in ihrer neuesten Mitteilung würde ab 2014 den Personal Computer als Zentrum des digitalen Lebens ablösen. Wie genial ist das denn?! Weiterlesen

Ein Ticket in die Vergangenheit

Das Digitalzeitalter hat uns manchen Fortschritt beschert. Wie mühsam war doch damals die Fliegerei, als man noch ein Papierticket brauchte, das man sich im Reisebüro oder bei der Fluggesellschaft besorgen musste. Und wenn er weg war, war er weg, meistens jedenfalls. Ich erinnere mich mit Schrecken an eine Rucksackreise nach Indonesien im Jahre des Heils 1980, wo man mir selbigen samt Pass, Bargeld, Reiseschecks und natürlich auch die Rückflugkarte klaute und ich bettelarm und reichlich hilflos im Büro der staatlichen Fluggesellschaft Garuda um Ersatz vorsprach. Nach mehreren Stunden – das Telefax-System in Jakarta streikte gerade, wie so oft – erbarmte sich meiner eine hübsche junge Angestellte und stellte mir, ohne dass sie dazu autorisiert war, sozusagen auf Verdacht einen Flugschein aus, bat mich aber innständig, mich gleich nach der Ankunft beim Ticketschalter in Singapur zu melden und die Sache klar zu stellen. „Wenn Sie das nicht tun, bin ich meinen Job los. Und an meinem Gehalt hier hängt meine ganze Familie – meine Kinder, meine Großeltern und Schwiegermutter“, sagte sie besorgt.

Ich weiß nicht, was es ihr den Mut zu einem so tollkühnen Regelverstoß gab, aber ohne sie säße ich vielleicht immer noch in Fernost fest. Jedenfalls ging die Sache für uns beide gut aus: Ich gelangte wieder zurück in der Zivilisation, und sie konnte ihre Arbeitsstelle behalten. Heute wäre die Sache natürlich ganz einfach: Ich würde mir das eTicket einfach nochmal aufs Handy runterladen und es beim Einchecken der freundlichen Stewardess zeigen.

Ja, wir sind weit gekommen in der Zwischenzeit, jedenfalls  beim Fliegen. Als Konzertbesucher jedoch steckt man leider noch mitten in der digitalen Steinzeit. Weiterlesen

Digitale Steinzeit?

Endlich wurde Recht und Gesetz zum Durchbruch verholfen. Schon lange waren sie uns ein Dorn im Auge, die fies-gelbroten Packstationen der DHL Worldnet, vulgo Post. Dort wurden zwar auch regulär Päckchen abgegeben, aber schon lange war klar, daß dieser Dienst sehr gerne von Betrügern genutzt wurde, die dort mit gestohlenen Identitäten ihren krummen Machenschaften nachgehen konnten. Unerträglich die Tatsache, daß sich die Post an solchen Leuten bereichert.

Da die Post diesen Missbrauch nicht wirkungsvoll verhindern konnte, wurde ihr nun das Handwerk gelegt. Es half nichts, daß die Post beteuerte, daß ihre Dienste von vielen Menschen völlig legal genutzt würden und daß diese Menschen Packstationen äußerst praktisch fänden. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat geurteilt, daß es nicht genüge, wenn man bei Bekanntwerden einzelner Vorfälle jeweils einschreite, nein, die Packstationen müssen selbst aktiv werden und alle Pakete aufmachen und reinschauen. Sollte es sich um illegale Machenschaften handeln, müsste die Post die Pakete von sich aus vernichten. Tun sie dies nicht, haften sie.

Nanu? Klingt ja reichlich abstrus! Ist es auch, Weiterlesen

Nicht ohne mein Smartphone!

Darf man, oder darf man nicht? Diese Frage bewegt zurzeit die Gemüter in IT-Abteilungen rund um den Globus, und der Stachel sitzt tief. Da denken sich die Fachleute ausgeklügelte Sicherheitsstrategien aus, um die Firmendaten vor fremdem Zugriff zu schützen und böse Hacker am Eindringen in empfindliche Rechnersysteme zu schützen. Laptops werden mit teurer Sicherheits-Software ausgerüstet, alle kriegen einheitliche Firmen-Handys mit Fernwartungsfunktion, damit ja nichts schief gehen kann. Und dann kommt der Chef mit einem nagelneuen iPad von Apple ins Büro und freut sich darüber wie ein kleines Kind. Versuchen Sie mal, dem sein Spielzeug wegzunehmen: Eher schmeißt er Sie raus, als das er loslässt.

In der IT-Sicherheit gelten leider zweierlei Maß. Selbst wenn sich ein Unternehmen verbindliche Sicherheitsrichtlinien gegeben hat (was selten genug vorkommt!), so nehmen sich die Führungskräfte regelmäßig das Recht heraus, sie in ihrem speziellen Fall für unwirksam zu erklären. Schöne Vorbilder sind das…

Und es wird immer schlimmer: Weiterlesen

Achtung Fettnapf: „Happy Burzzeltag“!

Haben Sie heute Geburtstag?
Nein?
Wusste ich. Facebook, Xing und Co haben mich informiert: Heute gibt es niemanden zu beglückwünschen…

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Lieben. Gut, dass Ihr das alles nicht mit ansehen müsst...

Gibt es etwas Feineres als die Geburtstagserinnerungen von Facebook, Xing & Co.? Sie sind so hilfreich, dass ich gar keinen Geburtstagskalender mehr führe. Dumm ist allerdings, wenn reale Freunde, Verwandte, Kollegen nicht in Facebook & Co unterwegs sind. Pech für sie und peinlich für mich, da ich ihre Geburtstage todsicher vergesse.
Diese Minderheit außer acht lassend, werde ich fast täglich damit konfrontiert, dass irgendwer in meinen Kontaktlisten Geburtstag hat. Und schon sind wir mitten im Thema. Wie soll man auf diese Geburtstagsbenachrichtigung angemessen reagieren?

Am einfachsten ist es, dem Geburtstagskind einfach die Wünsche auf die Pinwand zu posten. Und genau das machen alle.

Aber mal ehrlich: Gibt es eine bessere Möglichkeit, seinem Mitmenschen mitzuteilen, dass er einem eigentlich völlig wurscht ist?
Der Subkontext eines solchen Pinwandeintrags ist: Du bedeutest mir nichts. Ich weiß nicht, wann du Geburtstag hast. Ich gratuliere Dir auch nicht persönlich sondern unverbindlich Deinem Online-Profil.
Folglich sind die Glückwünsche schablonenhaft und nichtssagend, schon bemerkt?
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