Schlagwort-Archive: Buchbesprechung

Czyslanskys Bettlektüre #6: Hermann Grab: Der Stadtpark

Hermann Grab Der Stadtpark

„Ich habe Hermann Grabs Erzählung mit einem Vergnügen gelesen, wie sie mir lange kein Manuskript bereitet hat.“ Der Satz könnte von mir sein, ist er aber nicht. Thomas Mann hat sich so über Hermann Grabs kleinen Roman „Der Stadtpark“ geäußert, ein Werk, das fast vergessen war und auf das ich erst durch einen Hinweis meines Sohnes aufmerksam wurde. es war ein wertvoller Hinweis, denn Hermann Grab ist für mich persönlich wohl die literarische (Wieder-)Entdeckung des Jahres. Warum eigentlich?

Herman Grab war ein begnadeter Impressionist der Schriftstellerei. Geboren am 6. Mai 1903 – ja, uns eint der Geburtstag – in Prag, der Stadt in der 20 Jahre zuvor Franz Kafka auf die Welt kam. Zumindest letzteres ist kein Zufall, denn der Geist der Stadt an der Moldau prägte beide. Beide auch waren sie jüdischer Abstammung, wenngleich Grabs Familie wie zahlreiche andere großbürgerliche Sippen auch zum Katholizismus konvergiert war. Grab wie Kafka wurden gleichermaßen von der Erfahrung des Niedergangs der bürgerlichen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert wie vom Antisemitismus in der modrigen Spätphase der k.u.k.-Monarchie geformt.

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Eine Laudatio zum Buch „Digitale Aufklärung“ von Tim Cole und Ossi Urchs

Cole Urchs Kausch

Die folgende Laudatio durfte ich anlässlich der Vorstellung des Buchs „Digitale Aufklärung“ von Tim Cole und Ossi Urchs am 7. Oktonber 2013 im Münchner Presseclub halten. Die darin zitierten zehn Thesen haben beide Autoren hier auf Czyslansky in kleinen Beiträgen zur Diskussion gestellt:

These 1: http://www.czyslansky.net/?p=9987

These 2: http://www.czyslansky.net/?p=10017

These 3: http://www.czyslansky.net/?p=10057

These 4: http://www.czyslansky.net/?p=10100

These 5: http://www.czyslansky.net/?p=10154

These 6: http://www.czyslansky.net/?p=10182

These 7: http://www.czyslansky.net/?p=10205

These 8: http://www.czyslansky.net/?p=10224

These 9: http://www.czyslansky.net/?p=10227

These 10: http://www.czyslansky.net/?p=10229

 

Laudatio

Worum geht es heute eigentlich? Um nichts wirklich Wichtiges. Nur um ein einfaches Buch. Also um etwas, das dem Aussterben längst anheim gegeben ist. Keine Ahnung, warum Sie sich für etwas so ganz und gar Altertümliches überhaupt noch interessieren. Vielleicht wegen des Inhalts. Es hat immerhin fast einhundert Seiten. Um genau zu sein: es enthält 291.453 Anschläge. Wir reden also über ein Buch in 2.082 Tweets.

Was heißt das?

Einerseits: ich selbst habe für ziemlich genau 4.000 Tweets vier Jahre und vier Monate gebraucht. Tim Cole und Ossi Urchs haben ihr Buch in nicht ganz zwei Jahren verfasst. Kurz: wenn Ihr uns etwas sagen wolltet, so hättet ihr das ebenso gut auch twittern können. Eure Anschlag-pro-Tag-Leistung entspricht derjenigen eines durchschnittlichen Twitteratis.

Andererseits: Tim hält dieses Buch für die Quintessenz von nicht weniger als dreißig Jahren, denn solange kennen sich die beiden Autoren schon. Ihre intellektuelle Blutsbrüderschaft beschlossen sie in ihrer gemeinsamen Zeit als „Edelfedern“ beim bekannten Frauenmagazin „Playboy“ in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends. Dieses Buch ist nichts weniger, als der Ausdruck einer wahren Altersfreundschaft.

Tim beschreibt in seinem Nachwort, wie er in den frühen 90iger Jahren zum ersten Mal vom „Internet“ hörte. Und sein Stichwortgeber war ausgerechnet Ossi Urchs. Dieser Urknall „Tim trifft das Internet“ begab sich, als Ossi ihm von der Band Greatful Dead vorschwärmte, jener Musikgruppe mit den immer etwas ältlichen Fans, die in Hippie-Klamotten und bunten VW Bussen quer und zielunbewusst wie die Lemminge durch den amerikanischen Kontinent kreuzten und deren Musik seinerzeit irgendwie „online und umsonst“ statt auf käuflichem Vinyl verbreitet wurde. Mit diesem Szenario im Kopf und der Befürchtung eines Tages als alternder Playboy-Reporter von der Biologie marginalisiert zu werden, beschloss Tim irgendwann Deutschlands erster Internet-Publizist zu werden. Er startete 1994 sein erstes Blog – den Uropa des Czyslansky-Blogs sozusagen – und traf sich in den kommenden Jahren immer wieder mit Ossi um Meinungen und Deinungen auszutauschen und so entstand im Laufe von bald dreißig langen Jahren ein erstes gemeinsames Buch, eben jenes Buch, um das es heute gehen soll.

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Lese-Tipp: Michael Hülskötter: Windows 8 auf Tablet-PCs

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Braucht man für Microsoft Windows 8 wirklich ein Handbuch? Microsoft glaubt: NEIN! Für Surface liefert der neue Hardwarehersteller erst gar kein Manual mehr aus. Schließlich steckt in Windows 8 ja auch alles drin, was man in Redmond  in den vergangenen Jahren zum Thema Ergonomie gelernt, entwickelt und erforscht hat. Äh … oder doch nicht?

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