Schlagwort-Archive: ARD

Nachklapp zu #Naidoo: Thomas Schreibers Schuh

Kaum zwei Tage dauerte es, bis die ARD eingeknickt ist und einen Rückzieher machte: Xavier Naidoo wird Deutschland (Sie erinnern sich: Das Land, dass es nach Naidoos Anscht gar nicht als souveränen Staat gibt) nicht vertreten. Die über 25.000 Unterzeichner der verschiedenen Online-Petitionen können sich zurücklehnen, ebenso Twitterdeutschland, die vielen Naidoo-Kritiker auf Facebook und die großen Medien. Denn auch sie alle haben über die heftige Kritik gegen den Mannheimer Sänger berichtet, zum Teil mit sehr deutlich formulierten kritischen Worten.
Spiegel Online ist es immerhin eine Eilmeldung wert, die über dpa und andere Preseagenturen gestreute Meldung an seine Leser zu bringen:
spon-shotDort heißt es, ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sei klar gewesen, dass Naidoo polarisiert. Mit der Wucht der Reaktion habe der Sender jedoch nicht gerechnet. Weiterlesen

Gezwitscher am Tatort…

Dass der Tatort Deutschlands liebstes TV-Programm geworden ist, ist nicht neu. Kaum eine Folge der ARD-Krimiserie, die nicht sensationelle Quoten einfährt und längst die einstigen Zugpferde im Fernsehkonsum abgeschlagen hinter sich lässt. Selbst die schlechteste Tatort-Quote toppt die Tagesschau. Und von Wetten Dass brauchen wir gar nicht mehr zu reden. Lediglich sportliche Großereignisse bringen noch bessere Ergebnisse – dort natürlich allen voran König Fußball.
Längst hat der Tatort auch seinen Weg ins virtuelle, digitle Leben gefunden. Längst ist der Tatort Gegenstand tausender Tweets auf Twitter. Noch während der Ausstrahulung haut die deutsche Twittergemeinde wie wild in die Tasten. Das ist nichts Besonderes. Das macht sie nicht nur beim Tatort, das macht sie auch bei Germany’s Next Top Model, Schwiegertochter gesucht, Deutschland sucht den Superstar… und bei allen Fußballspielen. Alles, was Quote bringt und/oder polarisiert, wird kommentiert. Auf Teufel komm raus und mit der twittereigenen Sucht nach Zynismus, Häme, Boshaftigkeit und Originalität. Die gehässigen Pointenjäger schwärmen aus und machen reichlich Beute. Aber auch die „ganz normalen“ Twitterer beteiligen sich am Kommentaremarathon. Das verwundert nicht.
Weiterlesen

Die gute alte Tagesschau zeigt’s allen

Die Zahlen stimmen!
Mit stolzer Brust verkündet das ARD-Werbung SALES & SERVICES Team, dass auch junge Zuschauer die Tagesschau als wichtigste mediale Informationsquelle schätzen. Wenn es um politische Meinungsbildung geht, bevorzugen selbst die Jüngeren nicht das Internet oder mobile Dienste, sondern die TV-Nachrichten im Ersten!


So steht es zu lesen im aktuellen Newsletter, den der Vermarkter der ARD an alle Kunden verschickt hat. Zu diesem dort präsentierten Ergebnis kommt das Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg. Und weiter heißt es im Newsletter: Nachrichten im Fernsehen sind und bleiben besonders wichtig: 94% der Deutschen nutzen mindestens einmal pro Woche ein Nachrichtenformat im Fernsehen, um sich auf den neusten Stand zu bringen. In der Relevanz steht die Tagesschau hierbei unangefochten an der Spitze: 29,1% der Befragten sehen in der Tagesschau medienübergreifend die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung, ZDF heute dagegen liegt mit 5,6% deutlich dahinter.
Auch die Zuschauerzahlen verdeutlichen die absolute Alleinstellung der Tagesschau. Während die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau im Durchschnitt täglich 5,19 Mio. Seher erreicht, werden andere Nachrichtensendungen wie ZDF „heute“ oder „RTL aktuell“ von 3,54 Mio. bzw. 3,81 Mio. Zuschauern gesehen.

Selbstverständlich möchte der Sender mit diesen Angaben den Werbekunden die Spots direkt vor der Tagesschau schmackhaft machen. Und nur mal so am Rande bemerkt: Die so genannte „Best Minute“ kostet laut Senderangaben € 34.800 in der bundeligaspielfreien Zeit. Samstags während der Liga steigt der Preis auf € 42.600. Für viele Werbetreibende sind das keine astronomischen Zahlen. Der Normalbürger und vermutlich ein Teil der Czyslansky-Leser wird sich aber vielleicht etwas unbehaglich fühlen, wenn er weiß, dass ein Unternehmen mit einem einzigen geschalteten Spot in dieser EINEN Minute Werbezeit mehr Geld investiert oder verbläst als ein durchschnittliches Mitarbeiterjahresgehalt. Das nämlich liegt nämlich bei rund € 2.700 pro Monat, also bei rund € 32.400 p.a..  Anhand der Gehaltsvergleichtabelle kann jeder  prüfen, welche Jobs mehr und welche weniger wert sind als eine Sendeminute vor der Tagesschau. Ob der eigene dazu gehört, kann man ja am Gehaltszettel kontrollieren. Und natürlich kann auch jeder mal überlegen, wie viele Sendeminuten sein Eigenheim wert ist, sein Auto, sein Bausparvertrag usw.

Datenquelle: Hans-Bredow-Institut / Studie Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung / Wichtigste Informationsquellen zur Meinungsbildung über politische Themen.

Weiterlesen

Der TV-Komplott: Wie ARD und ZDF heimlich nach der Weltherrschaft greifen

Die üblichen Verdächtigen!
Die Chefs von ARD und ZDF haben die Bundesregierung aufgefordert, das Handelsabkommen ACTA „sofort“ zu unterzeichnen, wie es in einer Erklärung der Deutschen Content Alliance heißt, der neben den beiden großen öffentlich-rechtlichen Sendern auch der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) und die GEMA angehören. Dass am vergangenen Wochenende Hunderttausende von Internet-Fans gegen ACTA auf die eisigen Straßen Deutschlands gegangen sind, beeindruckt die Medienbonzen nicht – im Gegensatz zu der Politik, die ganz schnell einen Rückzieher machte und ACTA erst mal ad acta gelegt hat. Für die Fernsehmacher ist das Internet nach wie vor ein Hort von Kriminellen, die ständig versuchen, sich an ihren kostbaren Inhalten zu vergreifen.

Damit stellen sich ARD und ZDF in eine Reihe mit jenen Medienkonzernen, deren Geschäftsmodell zunehmend darin besteht, ihre Kunden strafrechtlich zu verfolgen und Teenagern die Staatsanwaltschaft ins Haus zu schicken, weil sie den Ausdruck „information wants to be free“ allzu wörtlich genommen haben. Notabene: Es sind die gleichen Herren, die sich gegenseitig dicke Jahresgehälter aus den Taschen ihrer unter Zahlungszwang stehenden Fernsehgebührenzahler spendieren. Nein, sie kennen keine Scham, die Sender-Popanze!

Dass die Fernsehmacher keine Ahnung haben, was ihre Zuschauer wollen, ist ja nicht gerade eine brühfrische Erkenntnis. Dazu genügt ein Blick ins aktuelle Programm. Man könnte sie deshalb auch als eine zunehmend belanglose Irritation abtun – gäbe es nicht konkrete Hinweise darauf, dass es sich bei den Sendern in Wahrheit selbst um kriminelle Vereinigungen handelt, deren geheimer Auftrag darin besteht, die Jugend der Welt zu hilflosen, willensunfähigen Abhängigen zu machen – Drogendealer, deren „Stoff“ aus bunt angemalter Luft besteht, der aber extrem süchtig macht. Weiterlesen

Mitmachen im Alt-Herren-Klub

Eine unaufhaltsame Entwicklung

Traue bekanntlich keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Oder zumindest selbst ausgelegt. Diese alte Weisheit fiel mir wieder ein bei der Lektüre der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, deren Ergebnis HR-Intendant Helmut Reitze, stellvertretender Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, so zusammenfasste: „Sie zeigt, dass es keinen Verdrängungswettbewerb zwischen Fernsehen und Hörfunk einerseits und Internet andererseits gibt.“

Das ist erstens nur die halbe Wahrheit: Während die Fernsehnutzung, ausgedrückt in durchschnittlicher Nutzungsdauer pro Woche in Stunden, in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent zugelegt hat, hat das gute alte Dampfradio 10 Prozent verloren. Wer hier wen substituiert hat, bleibt offen.

Weiterlesen

Bilder können lügen. Die tageszeitung behauptet, die ARD habe bei der Berichterstattung zur Bundespräsidentenwahl böse manipuliert

ard_logo

„Nachdem Christian Wulff am Mittwoch doch noch zum Bundespräsidenten gewählt wurde, zeigte die ARD Applaus für Christian Wulff, den es gar nicht gegeben hat.“ So schreibt die tageszeitung heute. Die ARD habe auf die Anmoderation von Ulrich Deppendorf „Ich höre gerade, es gibt auch Bilder von draußen, von unserer Vidiwall. … Auch da haben die Zuschauer, die Zaungäste applaudiert, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde und als klar war, dass Deutschland wieder einen Bundespräsidenten hat“ ein Bild jubelnder Zuschauer von der Wiese vor dem Reichstags gezeigt. Peinlich nur: laut taz jubelten die Zuschauer nicht über das Ergebnis von Christian Wulff, sondern sie applaudierten zur Verkündung der Stimmen für den Gegenkandidaten Joachim Gauck. Es handelte sich um eine Aufzeichnung. Zur Verkündung des neuen Bundespräsidenten hingegen stellt die taz fest: „Die große Mehrheit hingegen buhte laut. Auch ‚Pfui‘-Rufe waren vor dem Reichstag unüberhörbar.“

Nur ein peinlicher Regiefehler? Dann darf man wohl in Kürze eine Klarstellung der ARD erwarten. Ulrich Deppendorf, ein anerkannt seriöser Journalist, hat hier sicherlich kein schmutziges Spielchen gespielt. Aber in jedem Fall zeigt diese Geschichte – so sie stimmt, und nichts spricht dagegen – das Potential, dass in der Bildberichterstattung steckt. Um es mal ganz vorsichtlich zu formulieren …