Kick it & Klick it (Teil 13): Die Rechte sind sicher

19. Juli 2013 – München, Stuttgart, Hamburg

Über Grundrechte ist in den vergangenen Wochen viel diskutiert worden in unserem Lande. Auslöser ist natürlich der NSA-Skandal und die eklanten Verstöße gegen Grundrechte, allen voran natürlich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Viele Medien sehen in der Reise des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich nach Washington nur die Spitze des Eisbergs, was die fehlende Sicherstellung der Rechte deutscher Bürger angeht. Noch schärfer formulierten es die Politblogger, wie die Frankfurter Rundschau in einem Überblick zusammenstellte.
Bemerkenswert dabei ist, was als Grundrecht angesehen wird, wie dieses Schlagwort genutzt wird ohne sich über eine Definition, was ein Grundrecht eigentlich ist, zu verständigen. Weiterlesen

Eine ganz normale Keksschlacht

Etwas mehr Ruhe, bitte!

Das beste am Super Bowl, der Weltmeisterschaft im Football (an der allerdings nur amerikanische Mannschaften teilnehmen dürfen; so klein ist die Welt…) ist, wie jeder weiß, die Werbung. Mehr als drei Millionen Dollar lassen sich die großen Markenhersteller ein 30-Sekudnen-Spot kosten – mehr als dreimal so viel wie sonst zur „Primetime“. Aber wo sonst kann man so gut wie jeden lebenden US-Bürger mit einem einzigen Clip abholen? Letztes Jahr schoß Chevrolet mit seinem inzwischen bereits legendären “Wild Ride” den Vogel ab: Mit 119,628,000 war es die meistgesehene Fernsehwerbung aller Zeiten.

Wie die Kreativlinge 2013 abgeschlossen haben, ist noch nicht ganz raus. Dafür aber habe ich meinen eigenen ganz persönlichen Lieblingsspot bereits gewählt: Oreo. Sie spielt in einer öffentlichen Bücherei, wo Unterhaltungen bekanntlich nur im Flüsterton geführt werden dürfen, weil sonst die alte Bibliothekschefin kommt und einem mit dem Lineal auf die Finger haut (jedenfalls war es in meiner Jugendzeit in Amerika noch so).

Außerdem ist es zum Verständnis wichtig zu wissen, dass sich die Fans des im Übrigen meistverkauften Keks der Erde in zwei absolut unversöhnliche Lager spalten: Solche, die zuerst die Cremefüllung abschlecken und solche, die zuerst die knackigen Schokoplätzchen knabbern. Weiterlesen

Kick it & Klick it (Teil 12): Nase vorn…

14. Dezember 2012 – München, Hamburg, Dortmund

„Der FC Bayern“, so belehrte mich unlängs ein Reporter des Bayerischen Rundfunks, „braucht den BVB.“ Das war mir neu. Erst wenn der Rekordmeister (der BR wie auch andere bayerische Medien werden nicht müde, das zu erwähnen) einen anderen Verein hat, der ihm halbwegs auf Augenhöhe begegnet, zeigt die Mannschaft seine wahre Größe. So erklärte der Journalist seinen Hörern.
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Kick it & Klick it (Teil 11): Der Neger kennt sich halt nicht aus

10. Dezember 2012 – Manchester – London und zurück

Mario Balotelli verkörpert, was man als Trauma der deutschen Nationalmannschaft bezeichnen darf. Der Stürmer von Manchester City hatte in seiner Eigenschaft als Spieler der italienischen Nationalmannschaft maßgeblichen Anteil an dem desaströsen Ausgang des Halbfinalspiels Deutschland Italien. Denn er schoß beide Tore, die bei dem Spielstand von 1:2 Jogi Löws Jungs das Ticket für die Heimfahrt bescherten. Nicht, dass Balotelli im Alleingang das Ergebnis bewirkt hätte, das inspirationslose Spiel des deutschen Teams trug schon das Ihrige dazu bei. Aber das ist lange her. Seitdem aber sitzt das Trauma tief.
Wieder und wieder bemühte die Presse Bilder des muskelbepackten oberkörperfreien Spielers, der mit geballten Fäusten und grimmigen Blick seinen Erfolg feiert. Ein kahlrasierter Schädel mit einem blond gefärbtem kleinen Irokesenkamm. Und wieder und wieder hieß es: Was für eine Bestie.

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Kick it & Klick it (Teil 10): Football comes first… ist das so?

August 2012 – Bristol/Newcastle

„Football is more than sports“. Diesen Satz werden nicht nur hartgesottene Fans bedenkenlos unterschreiben, sonst wären die Einschaltquoten bei den vielen Spielübertagungen im Fernsehen nicht so hoch – und das, selbst wenn Bela Rethy kommentiert.  Neben den Gelegenheitsfans gibt es viele Zeitgenossen, für die Fussball ihr Ein und Alles ist. Es ist die ganz große Liebe, und sie hält bei vielen Fans ein Leben lang. Nicht umsonst heißt es beim amtierenden deutschen Meister ja auch  Echte Liebe:


Das gilt natürlich nicht nur hierzulande. Ein ganz besonderes Verhältnis pflegen die Engländer zum Ballsport: „A man’s passion for his team is more than a lifetime commitment.“ So schaut’s aus.

Aber ist das wirklich so?

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Kick it & Klick it (Teil 9): Game over, was bleibt ist ein fahler Geschmack

01. Juli 2012 – überall in Deutschland
Die EM 2012 ist vorbei, zurück bleibt ein fahler Beigeschmack. Gewonnen hat mit großer Souveränität die spanische 11.  Die hiesigen Händler dürfen nun die letzten Deutschland-Fanrtikel, wenn sie sie nicht schon nach dem Halbfinale aus den Regalen geräumt haben, einlagern. 2014 zur WM in Brasilien können sie sie ja wieder hervorkramen. Zeit wird’s auch, die letzten Autos abzuschminken, die Fahnen und Rückspiegelüberzieher und ähnlichen Firlefanz von den Fahrzeugen zu nehmen, wenn dies nicht ohnehin von irgendwelchen Spinnern schon längst bewerkstelligt wurde. In einigen Städten nämlich waren Fahnen und andere schwarz-rot-golden gefärbte Verzierungen abgebrochen oder geklaut worden. Stattdessen fanden die Fahrer einen Zettel: Lieber Autofahrer, liebe Autofahrerin. Ich habe Ihre Deutschland-Fahne entfernt. Egal aus welcher Motivation Sie diese Fahne angebracht haben, sie produziert in jedem Fall Nationalismus. Diese Fahne steht nicht für Fußball oder irgendein Team, sondern für Deutsche Identität.

Und damit sind wir mitten im Thema: Selten hat die Politisierung des Sports so viele teils bizarre teils ärgerliche Reaktionen hervorgerufen, wie in diesem Jahr. Was für ein Unfug zum Beispiel  ist es, Deutschlandfahnen am Auto anderer als Zeichen eines übersteigerten Nationalismus des Halters zu werten. Wer sich an das Sommermärchen 2006 erinnern mag, der weiß: Es gab kaum etwas, was nicht in schwarz-rot-gold getaucht war – und alle fanden’s gut.  Genauso bescheuert ist die Leserbriefdebatte in meiner Zeitung. Man erzürnt sich darüber, dass ein Teil der deutschen Mannschaft die Nationalhymne minicht tgesungen hat.  Besonders spitzfindige Beobachter mochten namentlich festmachen, dass gerade die Spieler mit Migrationshintergrund sich des Singens verweigerten: Podolski, Ösil, Kedhira, während die urbayerischen Pflanzerl Lahm, Badstuber, Müller, Schweinsteiger aus kräftigster Kehle schmetterten.  Was uns das sagen will, weiß ich nicht.  Vielleicht auch besser so – es reicht, wenn die Gazetten-Leserbriefschreiber lauthals fordern, man solle sich gefälligst an den Italienern mal ein Beispiel nehmen: Augen zu, Hand auf’s Herz und lauthals gesungen.

Dem einem sind die Fans zu nationalistisch (was sie de facto nicht sind), den anderen ist die Mannschaft zu wenig patriotisch. Und das sind mitnichten die einzigen Entgleisungen, die zu verzeichnen wären: Da wäre zum Beispiel das Thema Zamperoni.  Was soll die wütende Erregung gegenüber dem deutsch-italienischen Tagesthemensprecher Ingo Zamperoni,  der in der Halbzeit im Halbfinalespiel Deutschland – Italien während der Abmoderation lächelte, Dante zitierte, der besseren Mannschaft den Sieg wünschte und dem Ganzen eine persönliche Note gab.  Er sprach von seiner eigenen innerlichen Zerrissenheit. Die bodenlose Kommentare zu den Meldungen in den einschlägigen Nachrichtenplattformen sind absurd, strotzen vor Nationalismus und Borniertheit, dass man sich nur schämen kann. Tenor: Ein Moderator, der in einer öffentlich-rechtlichen deutschen Nachrichtensendung süffisant für Italien lächelt, und von unseren Gebühren bezahlt wird. Der verhöhnt den deutschen Fernseh- und Fußballzuschauer. Also uns – ja die ganze Nation. Der Mann gehört ausgewechselt.  Vor 70 Jahren wäre er wohl gleich ins… lassen wir das.

Das Beispiel zeigt die Unterkante dessen, was Fußballdeutschland auch ausmacht:  Ein schlechter Verlierer zu sein. Überhaupt scheinen viele Landsleute hier nicht einsehen zu wollen, dass Philipp Lahm und Co sang- und klanglos (hätten sie mal alle lieber die Hymne mitgesungen) gegen die Squadra azzura untergegangen ist. Beleidigte Fans quittierten das – übrigens auch öffentlich-rechtliche Radiosender  – mit Boykottaufrufen gegenüber Pizzerien und italienischen Eiscafés und schlagen vor, statt Cappuchino nur noch Filterkaffee zu trinken –  was natürlich ebenfalls kolossal peinlicher Unfug ist. Man kann fast sicher sein, dass es die Gleichen sind, die noch wenige Tage zuvor mit gleichem Hohn und gleicher Übrheblichkeit die Holländer nach Hause geschickt haben: Solange man auf der Siegerseite ist, ist’s noch witzig…

Und sonst?

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Die Mondlandung war echt – aber vielleicht ist ja die Fußball-EM ein Fake?

Die Holländer kamen mir ja gleich so seltsam unecht vor. Aber nun, da bewiesen ist, dass die UEFA die Fernsehbilder von der EM fälscht, ist alles möglich …

Was ist geschehen?

Während des EM-Spiels der Oranjes gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde in der Fernsehübertragung eine hübsche Szene eingeblendet, die die Lockerheit des deutschen Trainers während des Spiels demonstrieren sollte:

Das Problem an dieser hübschen Szene: sie wurde in die Live-Reportage eingeblendet. Aufgezeichnet wurde sie bereits eine viertel Stunde vor Anpfiff. Das ist Bildmanipulation, das ist Betrug, und das ist ernst zu nehmen.

Die Bilder kamen nicht vom ZDF, sondern von der UEFA. Alle Bilder während des Spiels müssen von den übertragenden Anstalten von Partnern der UEFA übernommen werden. Wo kämen wir schließlich hin, wenn jeder senden dürfte, was er will. Demokratie und Offenheit haben mit Spitzensport wenig zu tun. Es sollen schließlich die Werbebanner ins rechte Licht gerückt werden, nicht für die ukrainische Opposition demonstrierende grüne Bundestagsabgeordnete. Die Bilder von Rebecca Harms und Werner Schulz, die während des Spiels mit einem Plakat gegen Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine protestierten, durften nicht gesendet werden.

Und was sagt der DFB dazu? “Harald Stenger, Pressesprecher der Nationalmannschaft, will die Vorfälle im ukrainischen Charkow auf Nachfrage nicht kommentieren.” (Stern) Maul halten und durch ist einmal mehr die Devise. Ich erwarte von den ukrainischen Offiziellen eigentlich nicht gerade mustergültiges Verhalten in Sachen Offenheit, Presserecht und fairen professionellen Journalismus. Aber dass der DFB die Sache nicht zum Anlass nimmt, sich kritisch mit Medienmanipulationen durch die EM-Macher auseinanderzusetzen, empört mich.

 

Kick it & Klick it (Teil 8): Abpfiff auf dem Mittelmeer

08. Juni 2012 – Auf dem Mittelmeer

Das war sie also, die Hinrunde unserer Serie Kick it & Klick it – Fussball im digitalen Zeitalter. Jetzt hat König Fussball wieder das Szepter in die Hand genommen. Der reale Fussball regiert, die EM hat begonnen.
Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, jetzt wird sich zeigen, welche Fans früh genug mit dem Sammeln der Panini-Bilder begonnen haben und ihr Album komplettieren konnten, und welche nicht.
Zweifelsohne gehören wir  zu der letzteren Kategorie, selbst zwei Wochen im Mutterland des Klebebildchen-Herstellers war unergiebig. Überraschenderweise gab es fast nirgendwo Sticker-Tütchen zu kaufen (da war die WM 2010 und unser Besuch auf Korsika weitaus ergiebiger). Und wenn es doch welche gab, dann war die Ausbeute gering – es ist eine Mär zu glauben, dass in bestimmten Ländern die Dichte der bestimmter Panini-Sticker höher ist als in anderen. Noch nie hatten wir so viele Doppelte aus den Tüten geholt wie über 1.000 Kilometer entfernt von daheim…

Und das Eröffnungsspiel?

Fand für mich nicht statt. Eingesperrt in Tonnen von Stahl über, neben und unter uns; im Rumpf LKW, ganze Karawanen von Wohnmobilen und PKW auf der Fähre irgendwo zwischen Olbia und Livorno. Der Großteil der Urlauber auf der Heimreise langweilt sich bei böigen Winden und kühlem Wetter in den Lounges und dem Bordrestaurant. Der eine oder andere legt sich einfach auf den Boden und ringt der Überfahrt ein paar Minuten Schlaf ab. Denn die Heimfahrt über den Brenner ist weit und geht die ganze Nacht durch… Weiterlesen

Kick it & Klick it (Teil 7) – Gut gescherzt, Freunde

01. April 2012 – Berlin, Frankfurt/Main und auch sonst überall in diesem unseren Lande

Aprilscherze sind – das ist nicht neu – nur gut, wenn sie einen Inhalt liefern, über die sich andere aufregen, ärgern, empören, freuen oder sonstige emotionale Regungen empfinden. Dazu müssen sie natürlich nicht nur thematisch gut gewählt sein, sondern auch glaubwürdig präsentiert werden.
Einen zumindest kurzzeitig glaubhaften und in Fußballfankreisen heftig diskutierten Scherz erlaubte sich 2012 das Magazin 11 Freunde unter der Überschrift „DFB-Urteil: BVB droht Punktabzug“.
Der Anlauftext las sich dramatisch:
Vor zwei Wochen verhöhnten Dortmunder Profis ihre Gegner aus Fürth, am Freitag waren die VfB-Spieler dran. Nun schritt der DFB ein und verhandelt einen möglichen Punktabzug für den amtierenden Meister. Uli Hoeneß spricht von Gerechtigkeit.
Die Magazinmacher um Chefredakteur Philipp Köstler ahnten schon, dass es damit nicht getan war. Also posteten sie als Beleg einen Screenschot von einem Twitter-Eintrag, den Kevin Großkreutz angeblich gemacht haben sollte, stellten ein Beweisvideo ins Netz und zitierten sogar Stimmen aus der Liga als Beweis für die Echtheit der Meldung. Dann ein kleiner Link bei Facebook und der Sturm brach los. Weiterlesen

Kick it & Klick it (Teil 6) – Ein Neuer und schon wieder Ärger

27. Januar 2011 – München
Schüsse, die nach hinten losgehen, nennt man in der Fußballsprache Eigentor. Ein solches schoss der FC Bayern im Januar 2012. Das ist zwar schon eine Weile her, aber man erinnert sich gern…

Anfang des Jahes ließ der Verein seine Fans wissen, es gebe eine Pressekonferenz, die live bei Facebook zu verfolgen sei. Und hier werde der Verein seinen neuen Offensivspieler vorstellen. Schon wieder ein Neuer?

Gut gedacht...

Der Ärger um die Verpflichtung des Schalker Torwarts war noch in bester Erinnerung. Rebellierende Fans mit dem Schild Koa Neuer in der Südkurve, Schmährufe, ganz großes Gezeter.  Anderseits zeigte sich der Verein in einer Formkrise, Abhilfe und Ablenkung war dringend erforderlich. Das wussten auch die Fans. Begierig warteten alle auf Rettung, da kam die Ankündigung gerade recht. Tausende zog es vor die Rechner, doch sie sahen nur eines: Ein Bild von Christian Nerlinger, dem Sportdirektor der Münchner, der ein Portrait des neuen Spielers präsentierte:  Facebook spielte das Bild des jeweiligen Users auf die Seite ein.
Der neue und wichtige Offensivspieler, das ist der Fan. Das wollte der Verein seine Fans wissen lassen, nicht mehr und nicht weniger.
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