buchbesprechungen

Digitale Transformation – Laudatio zur Vorstellung des neuen Buchs von Tim Cole

Digitale TransformationDiese kleine Laudatio durfte ich am 5. Oktober 2015 aus Anlass der Vorstellung des neuen Buchs von Tim Cole im Münchner Presseclub halten. Das Buch ist unter dem Titel „Digitale Transformation“ im Verlag Franz Vahlen GmbH unter der ISBN 9783800650439 erschienen.

Dass Tim Cole mich eingeladen hat heute aus Anlass der Vorstellung seines neuen Buchs die Laudatio zu halten, ehrt – nein, nicht mich, es ehrt ihn.

Die Wikipedia definiert ja eine Laudatio als „Lobrede zu Ehren einer Person“. Und weiter: „Bei einer Laudatio gilt es als Fauxpas, den Laureaten in irgendeiner Weise negativ darzustellen oder zu beschämen.“ Aber Tim weiß natürlich, dass unsere nun wirklich viele Jahre schon haltende enge Freundschaft ohne Kritik nicht funktionieren würde. Dass du dies weißt, lieber Tim und ich hier trotzdem stehe, ehrt deinen Mut. Du wirst ihn brauchen. Ich will dich hier nicht ungeschoren davon kommen lassen.

Bücher sind wie Menschen: Schon der schnelle Blick auf die Kleidung meines menschlichen Gegenüber macht mich neugierig, manchmal wohl auch lüstern und gelegentlich gar treibt er mich – etwa im Falle von bunten Hawaii-Hemden – geradewegs in die Flucht. Selten täuscht das Outfit.

Bei deinem neuen Buch lieber Tim ging es mir von Anfang an nicht anders. Ich wusste noch nichts vom Inhalt, da konnte ich nach kurzem Blick auf die Titelentwürfe schon sagen „Ja, dieses Buch möchte ich gerne heute hier im Münchner Presseclub vorstellen“. Denn dieses Buch-Cover ist ein Versprechen auf vollkommene Verwirrung. Ganz offensichtlich bringt der gute Tim wieder ein großes kreatives Durcheinander in die Köpfe seiner übersatten Leser. Zu offensichtlich hat Tim einmal mehr seinen Mut bewiesen, uns Leser hoffnungslos zu überfordern.

Und mit dieser Überforderung meine ich nicht die vermeintliche Ohnmacht des Lesers, Tim’s Ruf zu folgen und sich nun endlich digital zu transformieren. Nein, mich verblüffte deine Unverfrorenheit die Beschreibung des behandelten Gegenstands über eine schlichte unkommentierte Begriffs-Cloud auf dem Cover kundzutun: „Industrie 4.0, Industrial Big Data, 3D-Druck, Arbeiten 4.0, Social Shipping, Customer Journey, Employer Branding, Inbound Marketing, Instant Gratification”

Tim, bist du dir wirklich sicher, dass du nicht doch irgendein aktuelles Buzzword vergessen hast?

Weiterlesen

Eine Laudatio zum Buch „Digitale Aufklärung“ von Tim Cole und Ossi Urchs

Cole Urchs Kausch

Die folgende Laudatio durfte ich anlässlich der Vorstellung des Buchs „Digitale Aufklärung“ von Tim Cole und Ossi Urchs am 7. Oktonber 2013 im Münchner Presseclub halten. Die darin zitierten zehn Thesen haben beide Autoren hier auf Czyslansky in kleinen Beiträgen zur Diskussion gestellt:

These 1: http://www.czyslansky.net/?p=9987

These 2: http://www.czyslansky.net/?p=10017

These 3: http://www.czyslansky.net/?p=10057

These 4: http://www.czyslansky.net/?p=10100

These 5: http://www.czyslansky.net/?p=10154

These 6: http://www.czyslansky.net/?p=10182

These 7: http://www.czyslansky.net/?p=10205

These 8: http://www.czyslansky.net/?p=10224

These 9: http://www.czyslansky.net/?p=10227

These 10: http://www.czyslansky.net/?p=10229

 

Laudatio

Worum geht es heute eigentlich? Um nichts wirklich Wichtiges. Nur um ein einfaches Buch. Also um etwas, das dem Aussterben längst anheim gegeben ist. Keine Ahnung, warum Sie sich für etwas so ganz und gar Altertümliches überhaupt noch interessieren. Vielleicht wegen des Inhalts. Es hat immerhin fast einhundert Seiten. Um genau zu sein: es enthält 291.453 Anschläge. Wir reden also über ein Buch in 2.082 Tweets.

Was heißt das?

Einerseits: ich selbst habe für ziemlich genau 4.000 Tweets vier Jahre und vier Monate gebraucht. Tim Cole und Ossi Urchs haben ihr Buch in nicht ganz zwei Jahren verfasst. Kurz: wenn Ihr uns etwas sagen wolltet, so hättet ihr das ebenso gut auch twittern können. Eure Anschlag-pro-Tag-Leistung entspricht derjenigen eines durchschnittlichen Twitteratis.

Andererseits: Tim hält dieses Buch für die Quintessenz von nicht weniger als dreißig Jahren, denn solange kennen sich die beiden Autoren schon. Ihre intellektuelle Blutsbrüderschaft beschlossen sie in ihrer gemeinsamen Zeit als „Edelfedern“ beim bekannten Frauenmagazin „Playboy“ in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends. Dieses Buch ist nichts weniger, als der Ausdruck einer wahren Altersfreundschaft.

Tim beschreibt in seinem Nachwort, wie er in den frühen 90iger Jahren zum ersten Mal vom „Internet“ hörte. Und sein Stichwortgeber war ausgerechnet Ossi Urchs. Dieser Urknall „Tim trifft das Internet“ begab sich, als Ossi ihm von der Band Greatful Dead vorschwärmte, jener Musikgruppe mit den immer etwas ältlichen Fans, die in Hippie-Klamotten und bunten VW Bussen quer und zielunbewusst wie die Lemminge durch den amerikanischen Kontinent kreuzten und deren Musik seinerzeit irgendwie „online und umsonst“ statt auf käuflichem Vinyl verbreitet wurde. Mit diesem Szenario im Kopf und der Befürchtung eines Tages als alternder Playboy-Reporter von der Biologie marginalisiert zu werden, beschloss Tim irgendwann Deutschlands erster Internet-Publizist zu werden. Er startete 1994 sein erstes Blog – den Uropa des Czyslansky-Blogs sozusagen – und traf sich in den kommenden Jahren immer wieder mit Ossi um Meinungen und Deinungen auszutauschen und so entstand im Laufe von bald dreißig langen Jahren ein erstes gemeinsames Buch, eben jenes Buch, um das es heute gehen soll.

Weiterlesen

“Der Darm denkt mit” – Von seltsamen Buchtiteln

buch1buch2buch3

Eckart, Luzia und Bodo suchen hier seltsame Buchtitel. Sie werden wohl fündig werden. Im Zweifel schreibt sich diese Jury ihre Bücher einfach selbst. Aber das wird wohl gar nicht nötig sein, werden Eckart von Hirschhausen (Die Leber wächst mit ihren Aufgaben – Rowohlt, 2008), Lucia Braun (Da-Da-Da-Sein. in: Die ZEIT, September 1989) und Bodo Mrozek (Jury-Chef des Wettbewerbs “Das schönste bedrohte Wort”, 2007) doch von uns allen im Internet unterstützt bei ihrer Suche nach dem “Kuriosestem Buchtitel”.

Auf der nächsten Frankfurter Buchmesse werden sie dann einen Preis überreichen. Vielleicht an Ulrike Thiel für ihr aufklärerisches Werk “Geritten werden: So erlebt es das Pferd” oder aber an Christiane Kautz, die ihrem Namen mit dem Titel “Kaninchen besser verstehen” alle Ehre macht. Frauen dominieren übrigens bei den kuriosika literaris, man denke nur an Kerstin Höckel (“Wie wir damals auf dem Bauernhof geheiratet haben, und der Alois am Tag drauf fast den Hund erschossen hat, weil er was gegen die Stadtmenschen hat und das Glück überhaupt”), Aimee Bender (“Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen”) oder Christina Eibel ("Nicht alle Russen haben Goldzaehne, sind immer betrunken und auch nicht jeder russische Beamte ist korrupt"). Aber vielleicht ist das ja auch alles nur die Rache für ein Buch, das selbstverständlich ein Mann verfasst hat: Juckel Henke “Frauen, die nach Schinken stinken”.

Mein persönlicher Favorit ist übrigens auch das Werk eines Mannes, die eher wissenschaftliche Abhandlung“Deutsche sehen dich an: Reise zu den Quellen des Irrsinns” von Dietmar Wischmeyers.

Haben auch Sie schon mal seltsame Dinge gelesen? Oder gar geschrieben? Dann reichen Sie doch Ihren Tipp an Eckart, Luzia und Bodo weiter: http://kuriosesterbuchtitel.de.

Hart fallen – weich landen / Ein Buch für erfolgreiche Angsthasen und mutige Gescheiterte

müllerzantop

Ich hasse Ratgeber-Literatur. Und ich liebe dieses Buch: „Hart fallen – weich landen“ von Susanne Müller-Zantop. Das beste an diesem Buch ist sicherlich, dass es so viel mehr ist, als der Klappentext verspricht. Susanne Müller-Zantop hat nämlich ein Mutmacherbuch geschrieben und eine große kleine Reportage einer Frau, die sich seit mehr als zwanzig Jahren im Zentrum der IT-Branche bewegt.

Weiterlesen

Payback – die Rache des Frank Schirrmacher

„Schaurig-schön, aber holprig inszeniert.“
TV Movie übe „Der Rächer“

 Lesebericht zu Frank Schirrmacher: Payback anläßlich der Diskussion der Freunde Czyslanskys am 16.12.09 ab 15 Uhr im Münchner Presseclub

schirrmacher2

Die Messlatte ist hoch gesteckt, über die Frank Schirrmacher mit seinem Buch „Payback“ springen will. Dessen Klappentext verspricht nichts weniger, als „die ersten Schritte aus dem Labyrinth … [der Technik] anhand von bahnbrechenden wissenschaftlichen Ergebnissen“.  Wer so viel verspricht, der muss es sich gefallen lassen, wenn man genauer hinsieht, wenn man auch zwischen den Zeilen liest und wenn man nicht zimperlich ist mit Kritik.

Weiterlesen