Alle Beiträge von Michael Kausch

Michael Kausch bloggt auch auf vibrio, Digisaurier, Travellers Insight, twittert unter www.twitter.com/michaelkausch, facebookelt hier und googelplusst hier.

alles so schön bunt hier – mit nina im ufo ins fernsehen

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"ich bin übrigens halb mensch, halb engel" outet sich "weltstar" nina hagen in ihrer neuen tv-"doku"-serie über ufos und extraterrestrische, die am 15. november auf pro sieben startet. der gefallene engel trifft, ausstaffiert mit sonnenschirmchen und friedensfähnchen, unter anderem auf einen us-amerikaner, der von sich behauptet, er sei halb erdenbürger und halb außerirdischer. zum beweis schließt er sich an eine steckdose an, leuchtet aber nicht. im vergangenen herbst hatte nina bereits während einer diskussion um ufos und engel joachim bublath aus dem maischberger studio verjagt.

die welt wird wohl in zeiten abstürzender sparkassenfilialleiter und verstaatlichter banken zunehmend von astrologen, weltraumfahrern, hexen und engeln bevölkert. die kurse der spinner entwickeln sich traditionell umgekehrt proportional zu den aktienkursen. erst verschwinden die wertlos gewordenen zertifikate, dann hat man plötzlich nicht mehr alle (fliegenden) untertassen im schrank.

schon in den krisengeschüttleten 20iger jahren konnte vor allem amerika – etwas abgeschwächt aber auch das alte europa – einen boom des sprituellen verzeichnen. adorno hat später den zusammenhang zwischen aberglauben und der anfälligkeit für faschistisches gedankengut in den arbeiten zur autoritären persönlichkeit aufgezeigt.

vorerst sendet der engel erst abends um halbelf. sollte sich die krise verschlimmern und die sternenjägerin ins hauptabendprogramm rutschen bleibt uns ja noch die flucht zum mond. grundstücke gibts beim mondmakler jetzt wieder günstiger …

"einfach reden" und "einfach einsperren" – wie skype (nicht nur) kritische chinesen hinter gitter bringen kann

wie die „open net initiative“ herausgefunden hat, belauschen chinesische regierungsstellen seit monaten skype-nutzer. während die ebay-tochter skype selbst noch vor zwei jahren behauptet hat, dass weltweit alle inhalte von skype komplett verschlüsselt übertragen würden und die vertraulichkeit jederzeit gewährleistet sei, stellt sich nun heraus, dass der chinesische partner von skype „TOM“ skype-telefonate systematisch nach „verdächtigen“ begriffen wie „falungong“, „unabhängigkeit taiwans“ und neuerdings „milchpulver“ durchsucht und computernamen und ip-adressen an chinesische behörden weitergibt.

nart villeneuve, der autor der oni-studie , erklärte im newsdienst france24, wie er dieser zusammenarbeit von skype und chinesischen behörden auf die spur kam, und dass er befürchtet, dass skype auch von amerikanischen behörden missbraucht werde:

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blog auf system(s)?

nun hat die bloggerei wirklich das zentrum der gesellschaft erfasst. ich meine, wenn sich die messe SYSTEMS eine blogger lounge zulegt, blogger in ihr pressezentrum einlädt und sich sogar aktiv als sponsor am kommenden wochenende auf dem münchner barcamp engagiert, dann ist das ganze wirklich kein avantgard-medium für dreadlockige web-freaks (hallo ossi) und geschwätzige überallkommunikatoren (fühlt sich irgend jemand hier angesprochen?) mehr.

die SYSTEMS, das ist die messe, in der sich jeden herbst mittelständler in grauen anzügen auf schmucklosen messeständen zum arbeiten treffen. das ist die messe, die seit vierzig jahren schon ziemlich erfolgreich ist, eben weil sie nicht auf show-effekte zielt, sondern auf gediegene meetings, konferenzen und ausstellungen für krawattenträger. und da huschen künftig die blogger durch die gänge?

gut so! da wächst zusammen, was zusammen gehört.

spannend wird nur die diskussion werden, ob es die journalisten mögen, wenn ihnen blogger künftig die schnittchen im pressezentrum wegessen. wer hat von meinem tellerchen gegessen? wer hat da aus meinem gläschen getrunken? wer hat auf meinem plätzchen geparkt? die SYSTEMS als labor für den culture crash. dass ich das noch erleben darf …

Sind wir nicht alle ein wenig Afrika?

Die Photokina 2008 stand (und steht) ganz im Zeichen Afrikas. Denn unter diesem Codenamen hat Leica – für die meisten völlig überraschend – für die große Sensation dieser Messe gesorgt und eine Kamera angekündigt, die so revolutionär ist, dass sie das Zeug hat, Leica als rotgepunkteter Phönix aus der Krise zu ziehen.

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Mit der S2 haben die Solmser eine Kamera mit den Innereien einer Mittelformatkamera im kompakten Gehäuse einer modernen Kleinbildkamera vorgestellt. Auf der Photokina kann man sie hinter Glas in einer Vitrine bewundern. Oder hinten im Gästecafé auch mal in die Hand nehmen. Dort wird sie von freundlichen Leica-Menschen ehrfürchtig und vorsichtig an den Tisch gebracht und liebevoll noch bei ihrem Kose- und Entwicklungsnamen genannt: AFRika (Auto-Fokus-Reflex-Integrierte-Kamera“.

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wenn die elefanten träumen

elefanten

das kommt ja nicht alle tage vor, dass sich ibm, microsoft, siemens und sun in einer presseveranstaltung gemeinsam ihre visionen für die it bis zum jahr 2020 erzählen; so geschehen gestern auf einer „elefantenrunde“ zu der die münchner SYSTEMS-macher eingeladen hatten. das erstaunlichste aber ist, dass gar nicht so einfach auszumachen ist, welcher elefant denn jetzt eigentlich aus welchem stall kommt. so ähnlich klingen ihre aussagen, dass man den elefanten auch gerne die kollegiale leitung eines harmonieseminars anvertrauen möchte.

fassen wir nur mal die jeweils ersten sätze ihrer statements zusammen:

a) frank sawatzke, director of marketing and strategy bei ibm: „die ibm vision für 2020 in sachen it sieht global integrierte unternehmen“.

b) ralph haupter, business- and marketing-officer bei microsoft: „im jahr 2020 haben sich neue formen der zusammenarbeit in vielen unternehmen etabliert.“

c) thomas wiemers, vice president strategic marketing bei siemens enterprise communications: „2020 werden informations-, kommunikations- und collaboration-technologien zu einer integrierten form von it verschmolzen sein“

e) donatus schmid, director marketing und sprecher der geschäftsleitung bei sun micrososystms: „the network is the computer“ wird jedes Jahr mehr wirklichkeit.“

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wenn zwei messeveranstalter pitchen hilft nur ein killepitsch

killepitsch

eine hightech-messe in deutschland mit zweistelligen zuwachsraten? mit vollen gängen und ständen? mit zum bersten übervollen vortragssälen? mit immer mehr ausländischen ausstellern und besuchern? mit einem funktionierenden match making-system? gibts nicht? gibts doch! noch!

die „online marketing düsseldorf“ – oder kurz omd – war in diesem jahr (genauer: von gestern bis heute) ein tolles ereignis. alle waren sie ins killepitschland gekommen: microsoft, yahoo, google, tommorow focus, springer und und und. die qualität der speaker und aussteller war hervorragend.

die organisation war nicht immer befriedigend (schlangen an der registrierung). aber selbst das verströmte eher den charme der frühen aufbruchjahre unserer branche, als dass es ernstlich verstörte.

für blogger gab es einen eigenen bereich und journalisten wurden weitgehend von langweiligen pressekonferenzen verschont.

aber wie das so ist: man soll aufhören wenn es am schönsten ist. und die diesjährige omd wird es so wohl nie wieder geben. so ist das halt, wenn sich macher und gemachte in die quere kommen.

vor einigen wochen schon hat der bvdw (der „gemachte“) der omd seine weitere unterstützung gekündigt. der verband will im kommenden jahr in köln eine eigene messe zum thema online-marketing veranstalten. gegen die omd. mit weitgehend identischem konzept. kölsch gegen alt. aber die branche braucht eine zweite online marketing messe ungefähr genauso wie der kölner ein alt und der düsseldorfer ein kölsch. und so wird im streit zwischen bvdw und den omd-machern um alexander felsenberg (der „macher“) wieder einmal eine tolle deutsche messe mit internationaler ausstrahlung den bach runtergehen. entweder wandern die grossen vermarkter zum kölsch und die agenturen und lösungsanbieter bleiben beim alt und zwei provinzmessen sterben einen langsamen tod, oder einer von beiden gibt vorher auf. nach meinem eindruck könnten dies die düsseldorfer sein. einen killepitsch drauf!

Auf nach Düsseldorf

duesseldorf

44 Prozent mehr Aussteller als im Vorjahr – welche Messe kann zur Zeit schon solche Erfolgsmeldungen präsentieren? Die online-marketing-düsseldorf, die morgen ihre gar nicht virtuellen Türen öffnet, scheint sich in diesem Jahr endgültig zum Pflichttermin für alle Online-Profis zu entwickeln. Die Schwerpunktthemen: Mobiles Marketing, Vod- und Podcasts, Social Networking und In-Game-Advertising. Aufhorchen lässt auch die Ausstellerliste, die neben den üblichen Verdächtigen von 1&1 über Google und Microsoft bis Yahoo! auch große Provider und Player wie die Deutsche Telekom, freenet und Vodafone umfasst.

Spätestens am Freitag werde ich berichten, was Sie verpasst haben. Oder treffen wir uns? Vielleicht gar abends in der CIGARWORLDLounge in der Düsseldorfer Burghofstrasse? Denn wie heisst es so schön in der Art of Smoke: „Wenn Zigarre rauchen ein Gespräch mit den Göttern ist, dann ist die Cigarworldlounge die derzeit größte Kirche für ein Gespräch mit dem Herrn!“

ein brief von marcello: auf den spuren der ella czyslansky

ella

ella czyslansky, ca. 1878

kaum aus sardischen gefilden zurückgekehrt, erreichte mich gestern ein brief meines neuen freundes marcello umbria – siehe „czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine“ – mit einem weiteren sensationellen fund. il capitano ludovico czyslansky, von dem an anderer stelle hier schon berichtet wurde, hinterlies offenbar in triest eine tochter: ella czyslansky. diese ella eröffnete im jahr 1875 in der via della pescheria ein etablissement, welches seine erotischen dienstleistungen nur notdürftig hinter der bürgerlichen fassade eines fischlokals verbarg. sie führte das haus nach informationen meines freundes marcello bis zu ihrem tod im jahr 1932.

im sommer 1905 freundete sie sich mit einem ihrer gäste an. dabei handelte es sich um keinen geringeren, als den irischen schriftsteller james joyce, der in jenem sommer erstmals nach triest umgesiedelt war und dem kleinen unternehmen unserer ella zeit seines lebens die treue hielt, wie auch sie ihm in guten wie in schlechten zeiten die stange hielt. sie fütterte joyce in seinen eher kargen triestiner tagen durch, verstand sie sich doch aufs beste in guter alter österreichischer tradition vor allem auf kräftig-schwere süsspeisen. geradezu berühmt war sie für ihre schokoladengerichte.

trotz ihrer zahlreichen literarischen bekanntschaften galt ella auf grund ihres zweifelhaften berufslebens unter den czyslanskys stets als schwarzes schaf. unser czyslansky erfuhr als kind nur hinter vorgehaltener hand von der existenz einer italienischen „nutten-ella“, wie sie despektierlich von seinem vater genannt wurde – ein spitzname, den sie wohl schon von der triestiner „besseren gesellschaft“ verliehen bekommen hatte.

es blieb von ihr nicht viel übrig nach ihrem tod – vom rezept eines nuss-nougat-brotaufstrichs abgesehen, der – freilich in arger verballhornung – ihren spitznamen noch heute in aller welt bekannt hält.

die czyslansky-variante

schach

remis in 42 zügen (czyslansky reagiert mit schwarz)

es ist der einschlägigen fachwelt ja schon lange bekannt, dass czyslansky bereits in jungen jahren als überaus begabter schachspieler galt. in einer alten ausgabe der rumänischen schachzeitung „Revista Româna de Sah“ entdeckte ich jüngst einen hinweis auf die berühmte „czyslansky-variante“, mit der er angeblich am 23. märz 1946 den russischen schachgross- und weltmeister alexander alexandrowitsch aljechin in dessen letzter partie bezwang.

nach nur 32 minuten führte aljechins genialer zug bauer d2:d3 zu einer für den jungen czyslansky, der schwarz spielte, scheinbar ausweglosen situation (siehe oben). in den nächsten 42 zügen aber gelang es czyslansky dem russischen altmeister ein remis abzutrotzen (siehe anatoli karpow: die zwölf schönsten stellungen der schachgeschichte in 24 2d-grafiken. falk praxiswissen band 12). leider ging das wissen um die details der czyslansky-variante später verloren. sie gilt deshalb noch heute als schlichterdings unspielbar. von tigran petrosjan wurde nur der 27. zug überliefert, in dem czyslansky aljechins zug mit dem turm h3:f3 mit dem rösselsprung f4:d5 pariert (tigran petrosjan: wenn der bauer mit der dame. aus dem ukrainischen. unveröffentlichtes manuskript. o.o., o.j., zitiert nach „Revista Româna de Sah“ vom 27. februar 1963). nicht schlecht!

da sich unter den regelmäßigen lesern unseres czyslansky-blogs sicherlich zahlreiche passionierte schachspieler befinden, bitte ich hiermit um vorschläge für die 42 züge, die sich der oben dargestellten ein wenig unübersichtlichen ausgangssituation anschliessen könnten und letztlich zum erwähnten remis führten. vielleicht gelingt uns ja in dieser kleinen und feinen community eine rekonstruktion der sagenhaften czyslansky-variante. dann wäre eine weitere lücke in der rekonstruktion des lebenswerkes unseres verehrten czyslansky geschlossen.

czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine

Lloydarsenal

es war ein ebenso großer, wie glücklicher zufall, dass ich während meines diesjährigen urlaubs an einem sonnigen mittwochnachmittag im wunderschönen antico caffè am piazza constituzione der sardischen hauptstadt cagliari saß, traf ich doch dort auf die überaus eindrucksvolle gestalt eines mannes in den gehobenen 70igern, die „la nuova sardegna“ unter einem, die „europeo“ unter dem anderen arm. ich kam mit ihm schnell über die qualität des dargebotenen marrocchino ins gespräch und es stellte sich alsbald heraus, dass es sich bei meinem gegenüber um keinen geringeren, als den unter den archivaren der welt hoch gelobten marcello umbria handelte, den ehemaligen leiter des museo del mare trieste, des ebenso wunderbaren, wie leider noch allzu unbekannten triestiner marinemuseums. vor jahren schon war ich bei einem besuch dieses ehrenwerten hauses auf die lange tradition der österreichischen seeschifffahrt aufmerksam geworden, auf maritime helden wie josef ludwig franz ressel, einem österreicher, dem die erfindung der schiffsschraube zu verdanken ist, und dem im erwähnten museum zu recht ein ganzer raum im obergeschoss des hauptgebäudes gewidmet ist. im laufe einiger gläschen vorzüglichen vernaccia di oristano kam mein freund, wie ich ihn heute nennen darf, marcello auf ein thema zu sprechen, bei dem ich im gedenken an unser schönes czyslansky-projekt spontan die ohren spitzte: die geschichte des österreichischen sklavenhandels.

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