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Im Kino: INSIDE WIKILEAKS

52465-the-fifth-estate-poster-575Julian Assange ist ein Getriebener. Besessen von dem eigenen Dogma Transparenz um jeden Preis; aber auch besessen vom eigenen Ego, der Kontrollwut und der Angst, irgendjemand könnte ihm den Schneid abkaufen. Mal ist er ein Alphatier, ein charismatischer Führer, dann wieder depressiv und an der Grenze zum Autismus. Auf der einen Seite ist erzutiefst überzeugt von sich, auf der anderen Seite zweifelnd. Gehetzt von Termin zu Termin, von Land zu Land, heute in Kenia, morgen in Island, misstraurisch und überheblich gegenüber der „alten“, weil gedruckten Presse, der vierten Macht. Irgendwie ist er ein Genie, das niemand so wirklich versteht, und leider behaftet mit allerhand charakterlichen Fehlern.

Daniel Domscheit-Berg ist das genaue Gegenteil. Ein überzeugter Jünger, ein Anhänger und Verteidiger,  kreuzbrav und bieder hinter seiner Nerd-Brille und seinem Vollbart, infiziert und fasziniert vom großen Meister, den er immer wieder zitiert: „Julian hat gesagt… Julian hat aber gesagt“, gutgläubig, fast schon naiv. Und er ist der gute Mensch mit dem Gewissen. Denn er ist es, der zum ersten Mal die Frage in den Raum stellt, warum Dokumente, die auf Wikileaks veröffentlicht werden, nicht redigiert werden, wenn doch Gefahr für Leib und Leben besteht. Damit wirft er die Frage nach den Folgen des Tuns auf. Ethik aus der Verantwortung statt aus der Gesinnung.
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