Ich bin ein Fan von Post und Bahn

Eben habe ich mich wieder einmal aufgeregt über das beliebte Post- und Bahn-Bashing auf Facebook und Twitter. Dabei ist die Häme über die Öko-Schwedin in Bodenhaltung noch nicht einmal eine Woche alt.

Munteres Bahn-Bashing wegen einer Öko-Schwedin in Bodenhaltung

Als gäbe es sonst keine Nachrichten zogen die großen Tagesmedien einmal mehr über die Bahn her, weil Greta Thunberg im überfüllten und offenbar beschädigten Zug der Deutschen Bahn keinen Platz gefunden hatte und einige Kilometer auf dem Boden sitzen musste. Eine ganze Nation stellt den Kamm auf, weil eine Siebzehnjährige im Zug keinen Sitzplatz bekommt? Ehrlich jetzt? In dem Alter habe ich unzählige Bahnkilometer auf den putzigen Klapptischchen in vollbesetzten Gängen deutscher Züge verbracht oder auch lümmelnd direkt in den Eingangsbereichen krachend voller Waggons. Die „Erste Klasse“ kannten wir vom Hörensagen. 

Und heute mokiert sich ein wirklich lieber und kluger Freund auf Facebook über die Post. „Lange Schlangen, unfreundliche Mitarbeiter, wie in der DDR …“ – das Übliche eben.

Ich mag die Post. Da kostet eine 80-Cent-Marke immer 80 Cent und nicht mal 70 Cent, ein andermal 95 Cent, je nachdem, ob die Nachfrage gerad hoch ist oder niedrig und ob ich Werbung auf der Marke akzeptiere oder nicht.

Die Post transportiert jeden Brief, unabhängig davon, ob ich irgendein Abonnement abgeschlossen habe oder nicht und ob ich in der Stadt wohne oder im hintersten Bayerischen Wald. Ich kenne den Vornamen meiner Zustellerin und sie ist unglaublich nett.

Ach ja, über die Post und Eisenbahn haben wir schon Witze gemacht, da war ich noch sooo klein, da konnte ich noch gar nicht über den Tresen vom Fahrkartenschalter gucken:

„Warum sind die Postboten so große Skeptiker? Weil man gleich am Anfang einen Brief aufgibt, ha ha ha … „

Post und Bahn gehören in öffentliche Hand

Besser geworden ist seit der Privatisierung nichts. Und ich saß schon auf dem Boden voller Züge, da war Greta noch gar nicht geboren. Im Gegensatz zu den Zellen in Bautzen fand ich die gelben Telefonzellen immer eine gute Sache.

Ja, es gibt immer vieles zu verbessern bei Bahn und Post. Aber grundsätzlich gehören Bahn und Post als Infrastrukturaufgaben in die öffentliche Hand. In keinem Land der Welt hat eine private Organisation zu einer besseren Lösung geführt. Infrastruktur ist ein Kostenfaktor. Er lässt sich nicht gewinnmaximierend organisieren. Eine gute Post und eine gute Bahn müssen uns gutes Geld wert sein.  Und sie müssen uns manch gutes Wort und manch guten Tweet und manch gutes Posting wert sein. Und sie verdienen unsere Solidarität. Und erst recht verdienen die dort Beschäftigten unsere Solidarität. Ja, auch mir geht manchmal die Hutschnur hoch – und als Borsalino-Fan und geplagter Münchner S-Bahn-Nutzer weiß ich von was ich rede.

Trotz alledem und alledem:

Ich bin – und bleibe – ein Fan von Post und Bahn. 


© Titelbild Tobias Arhelger @ stockadobe.com 

 

 

2 Gedanken zu „Ich bin ein Fan von Post und Bahn“

  1. Ich stimme dir aus vollem Herzen zu! Vor allem die Aussage, durch die Privatisierung von Infrastrukturaufgaben seien diese noch nie besser erledigt worden, ist meiner Ansicht absolut richtig. Trotzdem darf man sich beschweren über Ulkigkeiten. Zum Beispiel, wenn mir die Bahn für die Strecke Berlin München vier verschiedene Sitzplätze in vier verschiedenen Wagen reserviert, oder dass ich beim Online-Briefmarken kaufen gefühlt 10 mal klicken muss, obwohl ich extra eine Online-Porto-Kasse eingerichtet habe, bei der ich mich natürlich auch noch anmelden muss.

  2. Wir sind fast in Tränen darüber ausgebrochen, dass die arme Greta Thunberg so ein furchtbares Schicksal erleiden musste. Weiß denn die Deutsche Bahn nicht, dass man diese Ikone der Öko-Bewegung, die ja sonst auch schon mal in einer schicken Sonder-Segelyacht unterwegs ist, nicht einfach auf einem popeligen Erster-Klasse-Platz fahren lassen darf. Da gehört doch mindestens ein Sonder-Abteil, ein Sonder-Waggon oder sonst irgendwas Sonder- reserviert!
    Und etwas ernster: Bahn und Post sind Infrastruktur-Einrichtungen, die der Daseinsvorsorge dienen. Diese müssen — wenn sie denn schon privatisiert sind — so reguliert und öffentlich ausgestattet werden, dass sie dieser Aufgabe für den Bürger gerecht werden kann. Man vergleiche etwa die Mittel, die der Bahn für die Modernisierung zur Verfügung stehen, mit denen, die in den Bau von Fernstraßen fließen, die dann von billigen LKW-Kolonnen kaputtgefahren werden. Von den versteckten ökologischen Kosten ganz zu schweigen.

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