Eine Maschine mobbt mich – ganz und gar analog.

Irgendwas ist doch immer.
Da will man an einem Samstagmorgen nach einem ausgiebigen Aufenthalt im Bad gemütlich frühstücken. Dazu gehört natürlich ein köstlicher, frischaufgebrühter Kaffee aus der Jura-Maschine. Ein erster Knopfdruck, das Gerät schaltet ein, ein zweiter nach einigen wenigen Minuten fordert mich auf: Gerät spülen. Das ist ok, das gehört so, schließlich soll der Kaffee gut schmecken. Wer weiß, was sich seit der letzten Benutzung in den Rohrleitungen der Kaffeemaschine an Mikroorganismen angesammelt hat.

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Während also der Kaffee in die Tasse läuft, verlasse ich die Küche. Es gibt schließlich ein entspanntes Frühstück und wer will da nicht mit seinen Liebsten gemeinsam am Tisch sitzen?
Doch die Geräusche vom Mahlwerk aus der Küche verheißen nichts Gutes. Es knarzt und knirscht nicht, ein leichtes Schleifgeräusch ist zu hören, das ist alles.
Noch bevor ich aufstehe, um den Kaffee zu holen, weiß ich, was mir die Maschine gleich mittels Display mitteilen wird:

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„Hättest Du auch gleich sagen können,“ maule ich die Maschine an. Aber sie kann ja nichts dafür. Irgendwann sind nun mal die Kaffeebohnen im Vorratsschacht zu Ende. Die Bohnen in der Nachfülldose in der Küche allerdings auch.
Das ist ganz normal und entspricht den Gesetzmäßigkeiten Murphys. Zum Glück – ich erwarte eigentlich etwas Anderes – befindet sich noch ein Kilo Bohnen im Vorratsschrank. Schnell ist die Tüte aufgeschnitten und der Vorratsschacht der Jura wieder gefüllt. Den Rest der Bohnen, soweit er passt, schütte ich in die Kaffeedose. Mehre Dutzend Bohnen machen dabei den Umweg über die Arbeitsfläche und den Küchenfußboden. Denn auch es passiert genau das, was immer passiert: Erst kommt gar nichts aus der Tüte, dann prasseln die Bohnen nur so aus der Verpackung, dass es sie in alle Richtungen verspritzt. Ich versuche, Ruhe zu bewahren. So ein paar Bohnen sind ja schnell eingesammelt.
Ich will Kaffee! Und Frühstück! Verdammt noch eins! Das kann doch nicht so schwer sein.
Meine Laune sinkt, aber der Kaffee ist in greifbare Nähe gerückt. Das stimmt mich fast schon wieder milde.
Die Jura-Maschine fühlt, dass sie mit Bohnen geladen ist und wird jetzt auf Knopfdruck Kaffee spendieren. Nein – wird sie nicht:

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Jetzt nämlich teilt sie mir mit, dass erst noch die Tresterschale geleert werden muss. Sie weiß nicht wohin mit dem benutzten Kaffeemehl. Sie quillt fast über; Kunststück, wenn oben der Schacht leer ist.
Ok, das also auch noch. Ich ennehme den Auffangbehälte und trage den Trester nach draußen. Im hohen Bogen fliegt er über’s Blumenbeet.
Irgendwer hat mir mal gesagt, dass sei gut für die Pflanzen, denn es wirkt düngend und hält die Schnecken ab. Das ist natürlich Unfug, denn die Schnecken lassen sich vom guten Kafffeemehl nicht irritieren. Sie kriechen trotzdem durch die Rabatten. Vor allem dieses Jahr…Beinahe trete ich noch auf eine draud.
Sollen die Schnecken machen, was sie wollen. Das ist mir jetzt sowas von sch…egal. Ich will Kaffee, ich will Frühstück. Jetzt. Aber zuvor nörgelt mich die Maschine mit der nächsten Aufforderung an:

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War ja klar. Die Schale ist sowieso draußen. Ich bemühe mich, ohne etwas zu verschütten, die bis zum Rand mit Brühe gefüllte Schale zum Spülbecken zu bugsieren. Das gelingt mir auch einigermaßen. Die wenigen Tropfen auf dem Küchenboden sind schnell aufgewischt. Jetzt könnte es weitergehen.
Damit mich die Maschine nicht weiter schikaniert, verpasse ich dem Tank gleich noch eine ordentliche Portion Wasser. Daran wird es jetzt also nicht scheitern.
„Strike!“ schnaube ich sie triumphierend an. „Du kommst mir nicht mit Wasser füllen.“

Doch, das tut sie.

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Warum? Ich habe doch erst Wasser eingefüllt. Der Tank ist voll. Das beweist, dass diese Maschine nicht nur unsensibel ist. Sie ist auch dämlich. Und unverschämt.
„Jetzt stell Dich nicht so an, Du Miststück.“
Ok, ich sehe, der Tank sitzt nicht richtig. Höre ich ein leises „Wer ist hier unsensibel? Wer ist hier dämlich?“. Nicht. Oder?  Kurz geruckelt, alles passt. „Jetzt bitte, sag, dass Du bereit bist!“

Nein, das sagt sie nicht. Sie kontert:

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„Denkst Du, Pussy!“ Ich weiß genau, dass Du noch Kaffee hergibst. Erst, wenn Du sagst Gerät jetzt reinigen ist Bohne und… (ja und was eigentlich? Ich kenne nur Hopfen und Malz, was gehört zur Bohne?) verloren. Ein läppisches Gerät reinigen ist nur so so etwas, wie das Gelb an der Ampel. Da geht’s noch allemal weiter. Also: „Stell Dich nicht so an, Her mit dem Kaffee“. Ich drücke noch einmal auf’s Menue und es heißt:

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Bitte, geht doch. Warum nicht gleich so? Es läuft..

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Jetzt erst mal einen Kaffee trinken und Rage Against the Machine auflagen. Aus Gründen.

5 Gedanken zu „Eine Maschine mobbt mich – ganz und gar analog.“

  1. Mein seliges Fräulein Mutter glaubte noch, dass in elektronischen Geräten aus Fernost ein kleiner, bösartiger Asiate drinsitzt, der den Bediener ärgern will, indem er das Gerät etwas ganz anderes machen ließ, als dieser wollte. Meine Mutter war eine kluge Frau!

  2. In deinem Fall denke ich, es war die Tasse: Die Jura ist ja intelligent und deshalb vermutlich Bayern-Fan. Sie weigert sich deshalb, eine Loser-Tasse zu füllen.

  3. Ich behaupte ja in Sachen schizophrener Kaffeeautomaten einen gewissen Expertenstatus für mich. Der Terrorroboter der Firma Kaffee Partner (http://www.vibrio.eu/blog/?p=1325), den wir früher in der Agentur mit der Zubereitung von Kaffee beauftragt hatten, kannte während der allfälligen Reinigungsprozedur zwei überaus seltsame Statusmeldungen: „Vorsicht ätzend“, was ich stets nachvollziehen konnte, aber auch „Vorsicht reizend“, was mich immer ein wenig irritiert hat.

  4. Tja, was soll ich sagen?
    Früher war halt alles besser …
    Und, wenn ich einen Kaffee will, wende ich mich nicht an die Schweizer …
    Ich trage ja auch keine italienische Uhr!

    Liebe Grüße, Alexander

  5. Ach ja, es ist doch eigentlich ganz vernünftig, dass die Maschine mit: „SCHALE FEHLT“ reagiert, wenn man eine Borussia Dortmund Tasse drunter stellt, oder?

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