Ein Schwarzer Fleck auf der weißen Weste Czylanskys

Damit hatte ich niemals gerechnet. Ich meine, natürlich war uns, den Freunden Czyslanskys, bekannt, dass der große Universalgelehrte sich gelegentlich kompositorisch seinem Hobby Musik widmete – unvergesslich sein Concerto für Nebelhörner, Pauke und Piccoloflöte – und auch war uns bewusst, dass Czyslansky in den 50iger Jahren eine Zeit lang durchaus Sympathien für die politischen Vorgänge in der damaligen DDR hegte, aber dass er sich als Komponist und Texter des Songs “Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee” an die sowjetimperialistischen Kinderschänder verkaufte – nein, das hatte ich nicht erwartet:

4 Gedanken zu „Ein Schwarzer Fleck auf der weißen Weste Czylanskys“

  1. Michael, ich bin empört! Wie kannst ausgerechnet du unseren Meister in so infamer Weise verdächtigen und verunglimpfen. Gibt es denn einen einzigen tragfähigen wissenschaftlichen Beweis für seine Urheberschaft an diesem Werk.

    Ich will zugeben, dass die präzise Schlichtheit dieses Werkes tatsächlich Ähnlichkeiten mit seinem sonstigen Werk hat, aber das hat auch der Trio-Song „Da Da Da“ und der ist zweifellos nicht von ihm, sondern von Remmler.

    Wären wir die SPD, wäre dir jetzt ein Ausschlussverfahren sicher, aber da wir ja eine liberale, wissenschaftliche Gesellschaft von Freidenkern sind, bleibt mir wohl nichts walter ulbricht, als den wissenschaftlichen Fehdehandschuh zu werfen.

  2. Lieber Alexander,
    es ist das „ratata“ aus dem Vers „ich baue einen Panzer – ratata, ratata“, der mich erst auf die Fährte gebracht hat. Diese scheinbar schlichte Sequenz, die beziehungsreich auf das Motiv „ra“ baut, findet sich identisch in seiner Nebelhornpartitur. Dort macht sie freilich Sinn, da die melodischen Fähigkeiten von Nebelhörnern eher begrenzt sind. Hier nun setzt Czyslansky auf die onomatopoetische Kraft, die dem „tata“ innewohnt. (Nebenbei sei angemerkt, dass sich ein indischer Autobauer des gleichen Tricks bedient). Das kann einfach kein Zufall sein, lieber Alexander. Wir sollten der Wahrheit ins Auge sehen, anstatt es zuzudrücken.

  3. @ Alexander
    Zu spät: Bimberg ist im Juli 2008 verstorben. Er wird das Geheimnis wohl mit ins Grab genommen haben. Andererseits: jetzt ist es ja kein Geheimnis mehr …

    Übrigens sass Bimberg bis 1992 auf einem Lehrstuhl für Musikpädagogik in Halle. Jede Zeile des Liederbuchs atmet sein pädagogisches Gespür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.