Digitale Beerdigung

Wir haben gestern in Sölden den alten Eberhard zu Grabe getragen, meinen Schwiegervater, der fast 93 Jahre alt geworden wäre. Und ich habe mich nicht getraut, ein Foto zu machen, weil ich’s peinlich fand. Dabei hätte ich gerne meiner Tochter ein Bild geschickt, die nicht dabei sein konnte.

Dafür klingelte in der Kirchenbank hinter mir das Handy während der Trauerrede. Was ist peinlicher?

Quaere: Brauchen wir ein neues Verhaltenskodex, eine Art digitalen Knigge für Anlässe wie Bestattungen oder Trauerfälle? Darf man per SMS kondolieren? Bin ich dabei gewesen, wenn ich per Internet-Video bei einer Beerdigung zugeschaltet worden bin?

Es gibt im Neuen Jahr 2009 vielleicht wichtigere Fragen zu klären, aber diese quälen mich trotzdem. Wie ist die Meinung?

2 Gedanken zu „Digitale Beerdigung“

  1. Nun, zunächst mein Beileid. Darf man das per Blog-Kommentar ausdrücken?

    Nun, ich denke, das ist so ein typischer „Das-kommt-darauf-an“-Fall. Wenn zwei Leute häufig per SMS und dann zur Beerdigung schwarzrandiges Bütten verwenden, ist das vielleicht merkwürdiger als die SMS. Zumindest im Innenverhältnis.

    Ob man bei einer Beerdigung dabei ist, fühlt man übrigens. Vielleicht war Deine Tochter eh dabei? Ich meine: gefühlt? Und braucht kein Bild, bzw. der gute altbayerische Brauch des Sterbebilds zeigt hier seinen Zweck?

    Klingelnde Handys sind peinlich, klingelnde Handys, an die einer drangeht, sind No-Go. Ich finde es gut, dass Du nicht photographiert hast. Dann kannst Du Dich auch in Zukunft auf Dein Bauchgefühl verlassen 😉

  2. Ebent. Das Bauchgefühl wird sich durch keine „Darf ich auf ’ner Beerdigung twittern?“-Regelung ersetzten lassen.

    Wobei: Wehe dem der kein Bauchgefühl hat…soll’s ja auch geben, sowas.

    Ich geh mal drüber grübeln und melde mich dann ggf. zurück.

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