Der verschollene Großcousin

Ein Großcousin des großen Czyslansky gab lange der Wissenschaft eine harte Nuß nach der anderen zu knacken. Czyslansky selbst hüllte sich immer in Schweigen, wenn er nach diesem Zweig seiner Ver­wandt­schaft gefragt wurde.

Moses Czyslansky emigrierte in den Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts in die U.S.A., da ihm aufgrund diverser Vorfälle der Boden in Deutschland zu heiß unter den Füßen geworden war. Dort gab er sich zuerst als Holländer aus,. Später behauptete er, in Indiana geboren zu sein, um Diskussionen über seine Staats­bürger­schaft im Keim zu ersticken.

In den Staaten hielt sich sich zunächst mit Tagelöhnerjobs über Wasser, später startete er eine große, wenn­gleich völlig erfolglose Boxerkarriere. Dann verlor sich seine Spur. Erst rund achtzig Jahre später sollte  ihn ein unermüdlicher Forscher wiederentdecken: Matthew Abram Groening nahm die Spur wieder auf. Moses hatte seinen Namen geändert. Da es den Amerikanern schlechterdings unmöglich war, „Czyslansky“ auszusprechen, geschweige denn zu schreiben, insbesondere nach dem Genuß alkoholischer Getränke, verkürzte er Vor- wie Zunamen und machte von seinem Zunamen kaum noch Gebrauch. Aus „Moses“ wurde „Moe“, aus „Czyslansky“ machte er „Szyslak“ und so gründete er in der amerikanischen Stadt Springfield ein legendäres Lokal: Moe’s Tavern. 

Matthew Abram Groening hatte, wie wir heute wissen, große Bedenken, seine Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Zu einen musste er seine Informanten schützen, zum anderen ist es bis heute nicht gelungen, genau zu eruieren, welches der 274 Städte namens Springfield diesem Verwandten des großen Czyslansky zur Heimat geworden war. So kam er nicht umhin, seine Ergebnisse leicht literarisch zu verfremden, sie dann aber genial über alle TV-Sender zu verbreiten. Jeder konnte sehen, was aus Moses Czyslansky alias Moe Szyslak geworden war.

Matt Groening:

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und hier ein Bild von Moses Czyslansky alias Moe Szyslak

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Bildquellen: Moe Szyslak, about.com; Matt Groening: Flickr via en.wikipedia.org

2 Gedanken zu „Der verschollene Großcousin“

  1. Die Sache wird natürlich noch tiefgründiger, wenn man bedenkt, dass „Groening“ ursprünglich „Grönkowski“ hieß. In den (leider verschollenen) Tagebuchaufzeichnungen Czyslanskys soll die Rede gewesen sein von einem gewissen Bruno Gröning (aka Grönkowski), den er bei seiner Flucht vor den Russen im Winter 1944 in Danzig kennenlernte. Diese trat nach 1949 als spiritueller Heiler öffentlich in Erscheinung, betrachtete sich als von Gott gesandt und rief in seinen Vorträgen seine Mitmenschen zur „Großen Umkehr“ auf.

    Eine zentrale Stellung in Grönings Lehre nimmt laut Wikipedia der so genannte „Göttliche Heilstrom“ ein: „Der Heilstrom ist um uns, und jeder kann ihn sich holen, wenn er ihn braucht. So wie die Radiowellen da sind, so ist auch der Heilstrom da, rund um die Uhr und zu jeder Zeit.“ Gröning selbst sah sich als „Transformator“, der diesen Heilstrom in vollem Maße aufnehmen könne, um ihn dann, richtig dosiert, an die Heilungssuchenden weiterzuleiten.

    Erkrankten, die ihn nicht persönlich aufsuchen konnten, ließ Gröning von ihm selbst geformte Stanniolkugeln zukommen. Diese lud er zuvor nach eigenen Angaben mit der durch ihn strömenden Heilkraft auf.

    Von Czyslansky ist bekannt, dass er in seinen letzten Lebensjahren häufig Staniolkugeln bei sich trug. Er erklärte dies stets damit, dass er sein Frühstücksbrot morgens in Folie einwickele und in der Taswche mit sich führe, bis ihn der Hunger übermanne. Die Folie steckte er als geistiger Vater der modernen Umweltbewegungung stets zusammengeknüllt in die Tasche – so weit die Legende.

    Ist es dankbar, dass Czyslansky in Wahrheit an den Heilstrom glaubte und in dieser Richtung forschte? Ist es ferner denkbar, dass Matt Groening, der nach eigenen Angaben „nicht sehr kreativ“ ist, seine Eingebung, die zur Schöpfung der genialen Comicserie „The Simpsons“ führte, aus einer solchen Quelle schöpfte?

    Der Czyslansky-Forschung bleibt noch viel zu tun…

  2. eine interessante spur habt ihr da aufgetan. ich gebe zu bedenken, dass staniol zumeist aus zinnstein (SnO2) gewonnen wird. etwa 0,0035% der äußeren erdkruste dürften aus zinn bestehen, was uns hier aber nicht sonderlich interessieren muss, und ich an dieser stelle nur der vollständigkeit halber erwähne. die wichtigsten zinnsteinvorkommen befinden sich bekanntermaßen in australien, malaysia, indonesien, bolivien, nigeria und – im kongo! spätestens seit meiner kleinen aber von der einschlägigen fachwelt durchaus wohlwollend aufgenommenen arbeit über „czyslansky, obama, den sklavenhandel und die österreichische marine“ hier im blog ist aber bekannt, dass es eine direkte verbindung zwischen czyslansky und dem stamm der luos gibt, dem auch die vorfahren des heutigen amerikanischen präsidenten obama entstammen. da liegt es nahe, zu vermuten, dass ludovico czyslansky, der um das jahr 1848 als kapitän für die österreichische marine fuhr, im transatlantischen zinnsteinhandel tätig war. sollte unser czyslansky von ludovico gewußt haben, wäre ein kontakt zu staniolproblematik äußerst naheliegend.
    ich werde meinen freund marcello, den ehemaligen leiter des museo del mare trieste entsprechend befragen. vielleicht liegt ja die ganze lösung des heilstrom-geheimnisses in triestiner archiven …

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