Das Ende eines Dotcoms

So kann es enden!

Kennen Sie Kim Schmitz? Ich schon. Das heißt, ich kannte ihn. Inzwischen gibt es ihn ja gar nicht mehr. Er hat sich in „Kim Dotcom“ umbenennen lassen. Jedenfalls ist das der Name, der auf dem Klingelschild seiner neuseeländischen Villa stand, als jetzt die Polizei mit zwei Hubschraubern anrückte, um ihn wegen massenweise Raubkopierens auf seiner inzwischen stillgelegten Plattform Megaupload zu verhaften. Wie es heißt hat er sich in einen Sicherheitsraum geflüchtet, aus dem ihn die Beamten rausschweißen mussten, bevor sie ihm die Handschellen anlegen konnten.

Es ist weit gekommen mit dem guten Kim. Damals, als ich ihn zum ersten Mal sah, standen wir beide am Stachus vor dem Landgericht München, wo er gerade wegen Betrugs, Computerbetrugs, Bandenhehlerei und Missbrauchs von Titeln zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das war eine coole Geschichte damals, 1998, und Kim sah auch danach noch cool aus mit seiner randlosen Brille und seinem pausbackigen Altarknabengesicht. Er schwadronierte ein bisschen rum, kündigte an, in die Berufung gehen zu wollen und verschwand dann Richtung U-Bahn.

Was mich eigentlich viel mehr beschäftigt als seine buntschillernde Karriere als ein er der größten Internet-Gauner auf Gottes Erdboden ist sein angenommener Nachname. Das ist nämlich megacool: Kim Dotcom. Darauf musst du erst mal kommen.

Ich selbst hatte das große Glück, als einer der ersten Privatmenschen in Deutschland eine eigene Web-Domain angemeldet zu haben, nämlich www.cole.de Wie früh ich dran war erkennt man schon daran, dass sie nur vier Buchstaben hat: Die letzte Domain mit vier Buchstaben ging ungefähr vor 15 Jahren weg.

Damit müsste man doch was machen können. Ich bin aber noch ein bisschen unentschlossen. Soll ich mich in „Tim Cole.de“ umtaufen lassen? Oder wie wär es denn, wenn ich gleich meine E-Mail-Adresse als Namen annehmen würde? „Tim @cole.de“ hat doch was. Steht ohnehin auf meiner Visitenkarte, ich müsste nicht einmal neue drucken lassen.

Vielleicht wäre es auch langsam an der Zeit, Kindern bei der Geburt gleich von amtswegen eine Mail-Adresse zu verpassen, die dann auch gleich im Geburtenregister als Name eingetragen werden kann. Das hätte den Vorteil, dass die Entscheidung darüber, wie das Kleine heißen soll, endlich den verantwortungslosen Eltern aus der Hand genommen würde, die ihren Kindern die Zukunft mit völlig irrsinnigen Vornamen verbauen. Welche Chancen hat schon ein Junge, der „Jöel-Szymon“ heißt.

Was, Sie glauben nicht, dass es so was gibt. Dann schauen Sie mal auf die Chantalismus-Website. Nicht, dass ich etwas gegen den Vornamen Chantal habe. Eine meiner liebsten Freundinnen heisst so, aber sie sieht auch so aus: klein, quirlig und zum Knuddeln charmant.

Ich verstehe aber, was die Macher dieser Website damit bezwecken wollen: Leute, denkt doch mal verdammt nochmal erst nach, bevor ihr eure Blagen ein Stigma verpasst, an dem sie ihr Leben lang zu kauen haben werden.

Sie könnten wie Kim Dotcom enden.

Ein Gedanke zu „Das Ende eines Dotcoms“

  1. Dass die Medien immer auf solche unerträgliche Selbstdarsteller hereinfallen und ihnen auch noch ein Forum bieten. Sowohl die Dot.com als auch die gesamte Hacker-Szene, haben sich schon in den Neunzigern angeekelt von Kim Schmitz abgewendet. Nur die üblichen Schnorrer und „Auch-im-Licht-Steher“ haben sich um den kriminellen Fettsack geschart.

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