Bambi, Blondie, Bertha… ziemlich beste Freunde

Der beste Freund des Menschen ist natürlich nicht der Mensch. Den der ist bekannterweise seinen Mitmenschen ein Wolf. Auch wenn er hin und wieder im Schafspelz daherkommt. Der beste Freund des Menschen ist der Hund, und der ist nicht nur der beste, sondern auch der treueste… wie Blondie. Und wer könnte das besser beurteilen als der geniale Walter Moers:


Nun ist es eine Sache, einen Vierbeiner an seiner Seite zu wissen, ein Federvieh im Käfig, beschuppte Kreisschwimmer im Aquarium oder sich schlängelndes oder kriechendes Getier im Terrarium zu halten.
Eine andere Sache ist es, seinem Viehzeugs digitales Leben einzuhauchen. Vielleicht erinnern Sie sich an das Frühjahr 2011. Damals entwich dem New Yorker Zoo eine ägyptische Kobra. Tagelang amüsierte ein Unbekannter unter dem Namen BronxZoosCobra die Twitter-Gemeinde mit witzigen Tweets, die er – in die Rolle der Kobra geschlüpft – postete. Ein großer Spaß, originell und witzig. Ein sprechendes Tier, das sich eine Witz macht mit allen, die es suchten. Das war wie ein digitales Katz- und Maus-Spiel, Im April 2011 war die Kobra gefunden, der Witz war vorbei.
Zwar gab es bemühte Wiederaufgüsse, ob nun die Schnappschildkröte „Lotti“ oder das angebliche Krokodil im Schwandorfer Badesee… Die Idee, die schon bei der Kobra nicht neu war, wurde so lange wiederholt, bis es auch der Letzte nicht mehr komisch fand. Irgendwandn twitterte sogar Angela Merkels Halskette (@Schlandkette)…

Warum fällt mir mal wieder einer der erzieherischen Merkverse meiner Großmutter ein:

Einmal ist es lustig.
Dann wird’s lästig.

Natürlich macht es dem einen oder anderen Leser Spaß, Bücher zu lesen oder Filme zu sehen, die aus den Augen von Tieren erzählt werden, vor allem, wenn diese dann auch noch sprechen. Disney kann und lässt hochprofessionell so manches Lied davon singen. Aber nicht nur: Ein Hund namens Beethoven, ein Schweinchen namens Babe… Kuck mal, wer alles da so spricht.
Es ist nicht so, dass ich nicht auch meinen Spaß daran habe – vor allem, wenn die Texte originell sind und bei Filmen auch noch genial synchronisiert werden. Da kommt dann tierische Freude auf. Das ist lustig
Lästig aber wird es, seinen Haustieren einen Twitter- oder Facebook-Account anzulegen und seine Freunde oder Follower zu nötigen, diese zu adden. Plötzlich tauchen Freundschaftsanfragen von Nachbars Dackeldame Bertha bei Facebook auf. Und der ist nicht der einzige tierische Account auf der Plattform. Manche bringen es echt zu Starruhm:

Das ist nicht Blondie... nur ein HundLeider sind die meisten dieser Accounts nicht halb so originell oder lustig wie bei Disney, nicht halb so wertvoll wie Aesops Fabeln oder Grimms Märchen oder eine twitternde ägyptische Kobra. Kunststück: Da sitzt ja auch keine Unterhaltungsindustrie mit routinieren Gagschreibern, Trendforschen Psychologen und Marketingstrategen dahinter, die Markt und Zielgruppen genau scannen um zu sehen: Welches mit Menschen kommunizierende Tier muss welchen Scherz reißen, um gemocht (und als Plüsch, Mc Donald’s Figur, Schlafanzugaufdruck und Puzzle verhökert) zu werden. Da sitzt auch kein Literat dahinter.. und auch gar kein subversiver Twitterer.

Nachbars Dackeldame Bertha hat keine digitalen Ghostwriter-Genies hinter sich. Da schreibt der Nachbar noch selbst. Und das ist nur bedingt komisch, wenig unterhaltsam und eigentlich überflüssig. Wenn der Nachbar Spaß daran hat, dann soll er. Aber ich mag das Viech nicht im echten Leben, warum sollte ich es digital schätzen? Warum soll ich also die Freundschaftsanfrage von Nachbars Dackel annehmen? Ich möchte das nicht! Also fragt mich doch gar nicht erst um digitale Freundschaft mit einem Dackel an. Es reicht, auf Twitter sprechenden Schafen, Fröschen und und Bambis zu folgen… wenn sie denn was zu sagen haben.

Da lobe ich mir meine Schildkröten. Die halten – außer beim Sex und dann nur mit schweren Atemgeräuschen – einfach den Mund. Immer. Real und digital. Die sind viel zu cool zum Quatschen oder für Facebookfreundschaftsanfragen:SONY DSC

PS: Zur Ehrenrettung meiner Nachbarn: Keiner von ihnen hat einen Dackel, der mir eine Freundschaftsanfrage geschickt hat. Aber ich habe tatsächlich schon Anfragen von Vierbeinern bekommen 🙂

Bilder: Screenshot von Facebook (oben), aus dem Archiv des Autors (unten)

2 Gedanken zu „Bambi, Blondie, Bertha… ziemlich beste Freunde“

  1. Nein, lieber Herr Kausch. Wie kommen Sie denn darauf… Soweit reichen meine Fähgkeiten nicht, mich in das komplexe Hirn einer Schildkröte hineinzudenken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.