Schlagwort-Archive: Wikileaks

Im Kino: INSIDE WIKILEAKS

52465-the-fifth-estate-poster-575Julian Assange ist ein Getriebener. Besessen von dem eigenen Dogma Transparenz um jeden Preis; aber auch besessen vom eigenen Ego, der Kontrollwut und der Angst, irgendjemand könnte ihm den Schneid abkaufen. Mal ist er ein Alphatier, ein charismatischer Führer, dann wieder depressiv und an der Grenze zum Autismus. Auf der einen Seite ist erzutiefst überzeugt von sich, auf der anderen Seite zweifelnd. Gehetzt von Termin zu Termin, von Land zu Land, heute in Kenia, morgen in Island, misstraurisch und überheblich gegenüber der „alten“, weil gedruckten Presse, der vierten Macht. Irgendwie ist er ein Genie, das niemand so wirklich versteht, und leider behaftet mit allerhand charakterlichen Fehlern.

Daniel Domscheit-Berg ist das genaue Gegenteil. Ein überzeugter Jünger, ein Anhänger und Verteidiger,  kreuzbrav und bieder hinter seiner Nerd-Brille und seinem Vollbart, infiziert und fasziniert vom großen Meister, den er immer wieder zitiert: „Julian hat gesagt… Julian hat aber gesagt“, gutgläubig, fast schon naiv. Und er ist der gute Mensch mit dem Gewissen. Denn er ist es, der zum ersten Mal die Frage in den Raum stellt, warum Dokumente, die auf Wikileaks veröffentlicht werden, nicht redigiert werden, wenn doch Gefahr für Leib und Leben besteht. Damit wirft er die Frage nach den Folgen des Tuns auf. Ethik aus der Verantwortung statt aus der Gesinnung.
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Totale Transparenz, oder: Alles ist öffentlich

Not just Big Brother - everybody's watching you!

Not just Big Brother – everybody’s watching you!

Die Causa Snowdon und Prism-Leak sind ein weiterer Beweis dafür, dass unsere Vorstellung von Privatheit im Digitalzeitalter hoffungslos veraltet ist. Na und?

Wie viele Dinge, die jetzt dank digitaler Beschleunigung ins Wanken geraten, ist Privatheit im Prinzip ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft des 18ten und 19ten Jahrhunderts. Der vielzitierte „Rückzug ins Private“ ist ja im Grunde genommen auch erst seit dieser Zeit möglich, denn ein prägendes Merkmal des Bürgertums ist seine Fähigkeit, sich abzuschotten gegen Einflüsse von außen und in einem eigenen, oft realitätsfremden Biotop zu existieren: Glücklich ist, wer vergißt!

Mit der Ausnahme dieses relativ kurzen Zeitabschnitts hat der Mensch stets in dörflichen oder Stammesgemeinschaften gelebt, also in relativ kleinen, überschaubaren und starren Systemen. Im Dorf gibt es kein Privatleben. Im Dorf weiß jeder alles über jeden –aber man tut so, als wüsste man es nicht.

Privatheit ist nicht nur eine relativ neue Erfindung, sie ist auch eine ausgesprochen westliche Idee. Weiterlesen

Grimmig

Wer hätt’s gewußt? All diese Lieder sind von ein und dem selben Autor:

  • Alle Vögel sind schon da
  • Wer hat die schönsten Schäfchen
  • Ein Männlein steht im Walde
  • Summ, summ, summ, Bienchen summ herum
  • Winter ade , scheiden tut weh
  • Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald
  • Der Kuckuck und der Esel
  • Morgen kommt der Weihnachtsmann

Jeder kennt die Lieder. Und keiner(?) weiß, von wem sie sind, aber jeder kennt den Autor, der sich übrigens wegen seiner revolutionären Lieder und Gesinnung zu rechtfertigen hatte – verrücktes neunzehntes Jahrhundert. Um wen geht es?

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Czyslanskys Feigenblatt

Hier hat niemand etwas zu verbergen

Geht es nur mir so, oder ist die Tatsache, dass sich ausgerechnet Julian Assange, der Ober-Lecker, sich darüber beschwert, dass Dokumente der schwedischen Staatsanwaltschaft über das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Vergewaltigung und/oder sexueller Nötigung an die Öffentlichkeit gelangt sind, komisch oder nicht? Ich meine: Der Kerl predigt die totale Offenlegung, leitet damit nicht mehr und nicht weniger als das Ende der Privatheit ein – und regt sich auf, weil Dokumente über ihn plötzlich hintenrum auftauchen.  Er müsste sich doch freuen: Die Staatsanwälte haben sich seine Lehren zu Herzen genommen!

Wie wir wissen, war Czyslansky selbst ein großer Befürworter der totalen Offenheit und ein Mitbegründer der (allerdings nur kurzlebigen) „Wacky League“, deren Mitglieder sich dazu verpflichteten, alle vertraulichen Dokumente über sich wie Kontoauszüge, Steuererklärungen, Zeugnisse, Tagebücher und pubertäre Liebesbriefe zu veröffentlichen.  Man hielt sie deshalb für verrückt (englisch: „wacky“), woraus sich der Name der Liga ableitet. Ihr Erkennungszeichen war übrigens ein Feigenblatt, dass sie am Revers trugen. Wenn sich zwei Wacky Leaguer begegneten, nahmen sie das Feigenblatt ab zum Zeichen dafür, dass sie nichts zu verbergen hätten.

Leider standen ihnen damals nur vergleichsweise rudimentäre Kommunikationssysteme zur Verfügung, die im Wesentlichen aus zwei angemieteten Großflächenplakaten bestanden (siehe Foto).

Bemerkenswert ist die Aufschrift „Hoosier“ auf der Tafel, denn es handelt sich dabei um die Eigenbezeichung der weitgehend aus Schweden eingereisten Bewohner des US-Bundesstaats Indiana. Von Czyslansky wissen wir, dass er an der University of Indiana in Bloomington Kontakt zu der Gruppe von Computerpionieren hatte, aus der später das Institute for Cognitive Sciences entstand. Auch diese hatten mehrheitlich schwedische Wurzeln. Schließt sich hier etwa der Kreis? Sind die Staatsanwälte in Stockholm womöglich die letzten versprengten Überbleibsel der Wacky League, die nun anheben, Czyslanskys Ziel einer Welt ohne Feigenblätter zum verspäteten Durchbruch zu verhelfen? Dann wären sie und Assange ja heimliche Verbündete – eine wunderbare Konspirationstheorie. Weitersagen!

BILD dir eine Meinung – Neues aus Bloggingen: meinungsbilder.eu

meinungsbilder

Haben Sie eine Meinung zu “Guttenbergs Reise nach Afghanistan”, “Bürgerproteste wie gegen Stuttgart 21” oder zu Wikileaks? Dann halten Sie mit Ihrer Meinung nicht “hinter dem Berg”. (Übrigens: eine Redewendung aus dem 30-jährigen Krieg, in dem die Schweden gerne nicht alle ihre Truppen zeigten, sondern immer ein paar “hinter dem Berg” hielten. Inzwischen sollten wir strategisch ein wenig weiter sein …) Also rauf auf’s Blog! >Und wenn Sie keinen eigenen haben, dann ist vielleicht der neue Blog meinungsbilder eine gute Alternative für Sie:

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Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Parteien ihren gewöhnlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwischen Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat auch der Kaiser sein Recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WikiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin, oder sowas wie ein „digitaler Durchlauferhitzer“, der lediglich Informationen weiterleitet, die andere veröffentlicht haben (wollen). Für mich ist klar: Assange ist Journalist! Spätestens, seit sich die Mitarbeiter von WikiLeaks mit dem Redigieren des „Hubschraubervideos“, in dem die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad zu sehen ist, in die Inhalte eingemischt haben, kann WIkiLeaks nämlich nicht mehr behaupten, die Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom „Spiegel“, von der „New York Times“ und dem britischen „Guardian“ zusammen, ist also zumindest als journalistischer Mitarbeiter zu betrachten. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als „wissenschaftlichen Journalismus.“
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Datenlecks sind ein alter Hut

Man vergisst leicht vor lauter Aufregung über WikiLeaks und den wohl endgültigen Verlust der staatlichen Datenhoheit, dass dies keineswegs ein Problem ist, das erst durch Internet und Digitalität entstanden ist. Lecks im Apparat gab es schon immer, und den auf diese Weise bloßgestellten Machthabern war der ungewollte Abfluss an Informationen immer schon ein Dorn in der Seite.

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Vicky Liecks kündigt Veröffentlichung der geheimen Czyslansky-Dokumente an

spiegel

Das musste ja früher oder später so kommen: kaum veröffentlicht Wikileaks die größten Geheimnisse der Welt, die wir freilich alle längst kannten, schon werden auch die streng vertraulichen Forschungsergebnisse der Czyslansky-Gesellschaft an die interessierte Öffentlichkeit lanciert. Aber wir wissen ja seit Alexander Broy: “Es gibt keine Geheimnisse mehr”.

Naheliegend, dass ich auf diesem alexandrinischem Erkennisstand aufsetze und den Umweg über die bürgerliche Presse von SPIEGEL bis NYT erst gar nicht mehr gehe. Die geheimen Czyslansky-Protokolle werden deshalb im Laufe der kommenden Wochen direkt hier auf Czyslansky veröffentlicht. Jeder eingesparte Umweg ist ein entscheidender Schritt zu mehr Partizipation und Bürgerkompetenz, zu Basis-Demokratie und Wahnsinn.

Aber worum geht es eigentlich? Um die Rettung Obamas! Um nicht mehr und um nicht weniger. Und das geht so (Cliffhänger):

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Die verlorene Unschuld der Bundesrepublik

Was denkt man, wenn man eine interessante Webseite nicht erreicht? In einer Demokratie denkt man „Pfusch beim Provider“? „Server abgestürzt“? „Rechnung nicht bezahlt“? In einer Diktatur denkt man an Werner Finck, der sich das Vergnügen gönnte, im Dritten Reich Kabarett zu machen. Und der sagte:

Gestern waren wir zu.
Heute sind wir offen.
Wenn wir heute zu offen sind, sind wir morgen wieder zu.

Wikileaks.de war bis vor kurzem noch erreichbar. Gut, drangsaliert, es gab Hausdurchsuchungen und den zynischen Kommentar, es werde wegen Kinderpornographie ermittelt. Um was es tatsächlich ging, konnte man im Netz bereits lesen. Für kinderpornographische Inhalte hat sich der Besitzer der Domain wikileaks.de nicht interessiert. Er war nicht einmal beteiligt an der Veröffentlichung jener peinlichen australischen Liste. Aber selbst wenn er es gewesen wäre: Wehret den Anfängen. Es darf nicht strafbar sein, der Welt zu zeigen, dass Geheimnisse im Internet nicht zuverlässig geheim bleiben. Und dass die ominöse Liste eben nicht nur strafbares Material enthielt.

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Von den anderen lernen

wikileaksWie schön wäre es, das Thema ad acta legen zu können, aber es läßt uns nicht los. Die Familienministerin ist noch nicht fertig. „Wenn die Internetseitensperrung im Ausland funktioniert, wieso funktioniert sie nicht bei uns?“ – so war sie mehrfach zu vernehmen. Fundamentalopposition ist nicht konstruktiv. Wenn ich verlange, dass sich die Politiker mit den Argumenten derer auseinandersetzen, die sich auskennen, sollte ich mir die Argumente der Gegenseite ernsthaft anhören.

Nichts spricht dagegen, von den Erfahrungen im Ausland zu profitieren. Aber wer sagt denn, dass die Sperrung im Ausland das tut, was sie soll?

Beginnen wir in Finnland. Weiterlesen