Schlagwort-Archive: Werbung

So nicht!

In unserer Reihe „Idioten, die Online-Werbung machen“ geht der Preis heute an die Swissad GmbH (Bahnhofstrasse 9, CH-9435 Heerbrugg) fur folgende Email:

„Hallo Tim, dein neues Smartphone wartet auf dich – trotz Schufaprüfung! Bestelle dir jetzt dein neues Smartphone inklusive Allnet- & Internetflatrate.“

Quaere: Haben die von mir vorher eine Bonittsauskunft eingeholt? Ist mein Kreditrating wirklich so schlecht? Vielleicht sollte ich mal bei der Schufa anrufen…

Leib und Seele

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich über die skurrilen Werbeanzeigen, die Facebook mir auf die Pinwand setzt, wundere. Nach wie vor unerreicht ist das Angebot für Fichtensalbe für eingewachsene Fußnägel. Damals, im vergangenen Oktober, fühlte ich mich veranlasst, auf dieser Seite etwas dazu zu veröffentlichen.

Ich fand diese Werbung einigermaßen daneben, wie auch die Werbung für die Best Ager Plattform Genderbook.

Natürlich weiß ich, wie Facebook diese SponsorAds platziert, um diese möglichst zielgruppenaffin an den Mann zu bringen. Zum Einen sind es meine eigenen Aktivitäten und Interessen sowie meine persönlichen Angaben, die den Facebook-Rechnern sagen, welche Werbung bei mir eingespielt werden soll. Aber nicht nur: Auch das, was meine Freunde tun (vor allem die, mit denen ich interagiere), trägt dazu bei, mich mit dem zu umwerben, was mein soziales Umfeld tut, interessiert oder konsumiert. Weiterlesen

Offener Brief an Facebook

Betr: Werbung auf meiner Pinnwand

Sehr geehrter Herr Zuckerberg, liebes Facebook,
es heißt doch immer, Du weißt alles über Deine User. Es heißt doch auch, Du überprüfst die Inhalte von allen Nutzern. Da hast Du sicher viel zu tun.

Es heißt auch, Du steuerst die Werbung so gezielt auf die Pinnwände der Facebook-Nutzer, dass es die Richtigen erreicht. Das wundert mich. Du sammelst Daten und wertest sie nicht aus. Oder Du wertest sie falsch aus. Jedenfalls bin ich weder Zielgruppe für die Werbung, die Du für mich bereit hältst, noch finde ich sie unterhaltsam, aus ästhetischen oder anderen Gründen betrachtenswert. Ich weiß nicht, warum Du mir ein Produkt vorschlägst, für das ich gar keine Verwendung habe.
Wie kommst Du auf diese Idee? Was weißt Du über mich, was nicht mal ich selbst weiß?

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Wenn ich an mir so herunterschaue, dann entdecke ich weder Grund noch Zusammenhang für solche Produktvorschläge. Habe ich jemals bei Euch irgendetwas gemacht, was mich in die Nähe der Verwender solcher Salben rückt? Oder habe ich so viele Freunde, die das tun, dass ich mitgefangen bin und mitgehangen werde?

Lieber Herr Zuckerberg, sicher haben Sie enorm viel zu tun. Und Ihr Facebook Team bestimmt auch. Damit Sie das hier aber lesen können, setze ich diese Nachricht auch direkt in mein Profil. Ich hoffe, Sie finden das und irgendwer übersetzt Ihnen das, ich vermute mal, dass Sie nicht alle Sprachen sprechen, die bei Facebook so benutzt werden. Obwohl Zuckerberg ja sehr deutsch klingt, glaube ich nicht, dass Sie meine Nachricht unübersetzt verstehen. Also: Es geht um „eingewachsene Fußnägel“. Das heißt auf englisch „ingrown toenail“, das habe ich schon mal vorab gegoogelt, damit Sie es leichter haben. Denn ich weiß, wie viel Arbeit bei Ihnen sicher ansteht, all die Millionen Accounts zu überwachten. Haben Sie da eigentlich spezielle große Monitore?

Also, liebes Facebook: Ich möchte, dass Du, wenn Du das hier gelesen hast,  mir nie wieder solche Werbung für Salbe gegen ingrown toenails auf die Pinnwand setzt, ok?
Kümmerst Du Dich bitte darum? Wenn nämlich nicht und ich wieder solche unappetitlichen Dinge anschauen muss, dann werde ich viele böse Sachen über Dich bei Twitter schreiben. Und das ist doch sicher nicht in Deinem Sinne, oder? Und der Herr Zuckerberg möchte das sicher auch nicht.
Ich finde das ist ein fairer Deal, oder?
Also abgemacht.
Ich verlass mich drauf!

LP

„Zu schnell gelaufen“ heißt manchmal auch „dumm gelaufen“

Für die einen ist es wie ein Fußballspiel. Der Ball fliegt hin und her, wird angenommen und idealerweise scharf angeschnitten dem Gegner elegant ins Tor gedrückt, oder er wird dem Gegner per Volleyschuss direkt aus der Luft gleich um die Ohren gedonnert.
Für die anderen ist es eher der Wettlauf zwischen Hase und Igel. Der Eine rennt, müht sich ab, nur um festzustellen, dass alles vergebens war. Am Ziel angekommen ist der andere längst da.

Die Einen, das sind die Marketingstrategen, die Werbetreibenden und ihre Experten in den Agenturen. Die anderen, das sind die Menschen im realen Leben; und noch mehr deren digitale Alter Egos.
Gerade erst hat Puma wieder eine fulminante Idee für eine digitale Werbekampagne in die Tat umgesetzt. Fulminant war sie – keine 24 Stunden. Dann wurde alles mit einem Schlag eingestampft. So schnell kann’s gehen, wenn das reale Leben den Ball – um ins erste Bild zurückzukehren – aufnimmt und mit Wucht zurück schmettert, noch dazu angeschnitten. Puma hat einen wunderbaren Fehlpass geliefert, der prompt im eigenen Kasten landete.
Dabei war die Idee gut, so gut, dass die vielleicht in ihre eigene Leistung etwas zu verliebten Marketingleute und die beratende Online-Agentur nicht weit genug gedacht haben.
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Schland hat fertig

Schland hat fertig!
Schland ist Fußballweltmeister, und das ausgerechnet mit einem Tor von der Pummelfee Mario Götze in der Verlängerung (aber das ist ein anderes Thema). Ob Deutschland das verdient hat oder nicht, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt und wird sicherlich in den kommenden Tagen ausgiebig diskutiert. Da muss ich nicht auch noch meinen Senf dazu geben.
Aber wissen Sie was?

Endlich ist die WM 2014 vorbei.
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Dabei ist es nicht so, dass ich nicht mitgefiebert, vor dem Fernseher allein oder in Gesellschaft mit geschrieen, gezittert und -getobt hätte. Ich habe viele Spiele gesehen, nicht nur die der deutschen Fußballnationalmannschaft. Mal habe ich dem einen, mal dem anderen Team die Daumen gedrückt, habe mich begeistert oder gelangweilt, aufgeregt, abgeschaltet, bin eingeschlafen oder Bier holen gegangen.
Mit Freunden und Kollegen habe ich wieder und wieder die Mannschaftsaufstellung und taktische Ausrichtung diskutiert, Löws Fehler zur Sprache gebracht und sowieso alles besser gewusst als der Bundestrainer. Wir waren uns einig, dass rund 50 Millionen Deutsche mehr Sachveratand haben als Löw. Morgens ging der erste Griff zum Handy um die aktuellen Kicktipp-Tabellen abzurufen. Wer hat wie viele Punkte? An wem bin ich vorbei gezogen oder bin ich etwa abgerutscht? Meist war letzteres der Fall. Soweit zum Thema Sachverstand.
Spielergebnisse wurden ausgiebig vor, während und nach dem Spiel erörtert. Ebenso Schiedsrichterentscheidungen, die natürlich – sofern sie gegen unsere Jungs bzw. meine favorisierte Mannschaft ging – grundsätzlich falsch war. Und nicht nur die. Auch das hatten wir schon immer gewusst. Fifa-Schiedsrichter pfeifen nicht – sie selbst sind die Pfeifen.
Nun ist es vorbei. Das alles Spaß hat gemacht, aber ich bin froh, dass nun andere Themen anstehen.

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Jetzt ist es raus: Deutschland wählt weiß

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, ausdrücklich zu betonen, dass wir strikt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Rassismus sind“, zitierte gestern der Werbe-Branchendienst W&V eine Stellungnahme des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero. Und weiter heißt es: „Ferrero distanziert sich klar von derartigen Vorwürfen. Bei der aktuellen Werbung handelt es sich um die Darstellung einer Produktvariation von Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade. Alle Aussagen beziehen sich demnach einzig auf die weiße Schokolade – selbstverständlich ohne fremdenfeindlichen Hintergedanken…
Wir bedauern, wenn es bei dieser Werbung zu Missverständnissen gekommen ist und die Produktbotschaft anders aufgefasst wurde.“

Was hat der Schokoladen-Konzern, der ja nicht das erste Mal in das Fettnäpfchen politischer Unkorrektheit  getreten ist, denn nun wieder angestellt?

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Eine ganz normale Keksschlacht

Etwas mehr Ruhe, bitte!

Das beste am Super Bowl, der Weltmeisterschaft im Football (an der allerdings nur amerikanische Mannschaften teilnehmen dürfen; so klein ist die Welt…) ist, wie jeder weiß, die Werbung. Mehr als drei Millionen Dollar lassen sich die großen Markenhersteller ein 30-Sekudnen-Spot kosten – mehr als dreimal so viel wie sonst zur „Primetime“. Aber wo sonst kann man so gut wie jeden lebenden US-Bürger mit einem einzigen Clip abholen? Letztes Jahr schoß Chevrolet mit seinem inzwischen bereits legendären “Wild Ride” den Vogel ab: Mit 119,628,000 war es die meistgesehene Fernsehwerbung aller Zeiten.

Wie die Kreativlinge 2013 abgeschlossen haben, ist noch nicht ganz raus. Dafür aber habe ich meinen eigenen ganz persönlichen Lieblingsspot bereits gewählt: Oreo. Sie spielt in einer öffentlichen Bücherei, wo Unterhaltungen bekanntlich nur im Flüsterton geführt werden dürfen, weil sonst die alte Bibliothekschefin kommt und einem mit dem Lineal auf die Finger haut (jedenfalls war es in meiner Jugendzeit in Amerika noch so).

Außerdem ist es zum Verständnis wichtig zu wissen, dass sich die Fans des im Übrigen meistverkauften Keks der Erde in zwei absolut unversöhnliche Lager spalten: Solche, die zuerst die Cremefüllung abschlecken und solche, die zuerst die knackigen Schokoplätzchen knabbern. Weiterlesen

Marx und Engels gratulieren. Oder: Wann wir rauchen Seit an Seit …

Marx und Engels in der Anzeige

Heute erscheint die erste Anzeige auf Czyslansky. Das heißt, eigentlich zitieren wir die erste Anzeige auf Czyslansky. Sie ist nämlich einzigartig. Sie kommt vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie. Und wir bei Czyslansky sind ja einem guten Rauch selten abgeneigt. Diese Werbung ist jüngst exklusiv  in einer Sonderausgabe des VORWÄRTS aus Anlass des 150igsten Geburtstags der SPD erschienen. Und sie ist so originell, dass auch Google sie finden soll: nicht als Bild, sondern als Text:

Marx: „Warum sind wir eigentlich hier?“

Engels: „Weil wir Marx und Engels heißen und der SPD zum Geburtstag gratulieren wollen. Glückwunsch!“

Marx: „Lieber Engels, meinen Sie, das gefällt den Sozis?“

Engels: „Wieso nicht, Herr Marx?“ Weiterlesen

Der Journalist als Auslaufmodell

Der Mensch im Zeitalter von Vernetzung und digitaler Beschleunigung hat mehr Information zu Verfügung als je zuvor – zu viel, wie Kulturpessimisten vom Schlage eines Frank Schirrmacher behaupten. Das Bild einer riesigen Tsunamiwelle aus Bits und Bytes, die uns alle zu überfluten droht, ist zum gängigen Klischee geworden, das vor allem von denjenigen beschworen wird, die bisher selbst gewohnt waren, an den Schleusentoren zu stehen und zu regulieren, welche Informationen letztlich bis zum “Konsumenten” der Information gelangten. Mit Floskeln wie “Qualitätsjournalismus” oder “Sorgfaltspflicht” haben die Nachrichten-Jäger und -Sammler selbst, vor allem aber diejenigen, die sie bezahlt haben – die Bosse in den Verlagen, Medienhäusern und Fernsehsendern – die angeblich so wichtige Funktion der Vorselektion und Interpretation der Ereignisse durch für eigens dafür ausgebildete und deshalb angeblich besonders kompetente “Informations-Profis” besungen. Wie die delphischen Orakel von einst sollen ihrer Meinung nach nur Eingeweihte in der Lage sein, aus dem wirren Geflecht von Fakten die allein seligmachende Wahrheit zu extrahieren, die sie dann bedeutungsschwanger auf den Leitartikelseiten oder mit sonorer Stimme in den “Tagesthemen” dem ungebildeten Volk verkünden.

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Empört Euch – „Science: it’s a girl thing“

Science is a girl’s thing lautet die Kampagne der EU-Kommission, deren Ziel es ist, vor allem Mädchen, Schulabgängerinnen und junge Frauen für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz in der Wissenschaft zu interessieren. Immerhin sind Wissenschaft und Forschung noch immer weitgehend in Männerhand und der Mangel an guten und qualifizierten Forschern ist riesig. Wo, wenn nicht bei den Schulabgängerinnen, qualifizierten Nachwuchs suchen und ausbilden?

Soweit die Theorie.

Kaum ist jedoch der dazu gehörige Videoclip ins Netz gegangen, donnern Kritik und Häme aus allen Ecken: Die österreichische Zeitung Der Standard beschreibt die Kampagne so: Was die Macher der Kampagne allerdings präsentiert haben, ist eine Ansammlung von Stereotypen und sexistischen Bildern: In einem pink-lastigen Werbespot staksen drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor, posieren dort wie Models und das Logo der Kampagne wird von einem Lippenstift gekrönt. Dann verweist der Standard auf die zahllosen höhnischen Kommentare, die der Spot bei Youtube mittlerweile eingefahren hat.


Thats a rather odd looking kitchen. schreibt dort ein User, ein anderer This is a fucking disgrace  ein Dritter Get back in the garage and get me a beer!

Wie zu erwarten, sind von den Kommentaren nicht nur Häme und Spott zu lesen. Umgehend  kam auch der Sexismus-Vorwurf aufs Tapet. Der W&V-Branchendienst fasst zusammen: Bunte Farben, heiße Feger, Miniröcke, Stöckelschuhe, coole Fotos in lässigen Posen vor ausgefallener Kulisse, dazu ein Lippenstift-Logo. Viele Stimmen im Netz beklagen sich, einmal mehr reduziere das Frauen darauf, dass sie heiß zu sein hätten und weiter nichts.

Gleichzeitig melden sich im Netz Wissenschaftler zu Wort, die kritisieren, diese Kampagne habe mal rein gar nichts mit ihrem Berufsbild zu tun.  Das wundert nicht, Weiterlesen