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Qualitätsjournalist – ein Hundeleben!

Ein Hundeleben ist das!

Ein Hundeleben ist das!

Ich bin eigentlich kein typischer taz-Leser, aber manchmal verirre ich mich mal auf die Website und genieße den rotzfrechen Stil und die eklektische Themenauswahl der Berliner Kollegen. So auch heute, wo mich die Headline „Bald in der ganzen Stadt: Leinenzwang“ unwiderstehlich anzog. Ich las dort einen pointiert geschriebenen und außerordentlich respektlosen Beitrag über die ausufernde Verbotswut Berliner Politiker, der plötzlich eine unerwartete Wende nahm und in eine schwarzhumorige Tirade gegen Hundebesitzer umschwenkte („…versuchen Sie mal, mit Leuten zu reden, die ihren kalbsgroßen Köter „Prinzessin“ nennen) und in der Forderung gipfelte: „Macht aus dem Leinenzwang ein landesweites Hundeverbot, bitte.“ Weiterlesen

Nur für Mädchen…

immernoch werden hexen verbrannt
auf den scheiten der ideologie.
irgendwer ist immer der böse im land
und dann kann man als guter und die augen voll sand,
in die heiligen kriege ziehn…
(Konstantin Wecker: „Hexeneinmaleins“)

 

Und schon haben wir sie wieder – die Sexismusdebatte, diesmal soll sie das Sommerloch der taz füllen helfen. Aber damit nicht genug, unseres auch: Denn einmal mehr darf sich, wenn sie/er es denn will,  die/der Czyslansky-LeserIn in den Kreis derjenigen einreihen, die sich lauthals echauffieren, weil es ein Markenartikler/eine Markenartiklerin geschafft hat, eine Kampagne auf den Markt zu bringen, der man/frau den Makel anheften könnte, sexistisch zu sein. Oder noch bsser: Unsere LeserInnnen dürfen sich erhaben genug fühlen, sich bei denen einreihen, die sich darüber aufregen, wenn und weil andere sich aufregen.

Ist etwas Schreckliches passiert?
Ja…

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Bilder können lügen. Die tageszeitung behauptet, die ARD habe bei der Berichterstattung zur Bundespräsidentenwahl böse manipuliert

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„Nachdem Christian Wulff am Mittwoch doch noch zum Bundespräsidenten gewählt wurde, zeigte die ARD Applaus für Christian Wulff, den es gar nicht gegeben hat.“ So schreibt die tageszeitung heute. Die ARD habe auf die Anmoderation von Ulrich Deppendorf „Ich höre gerade, es gibt auch Bilder von draußen, von unserer Vidiwall. … Auch da haben die Zuschauer, die Zaungäste applaudiert, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde und als klar war, dass Deutschland wieder einen Bundespräsidenten hat“ ein Bild jubelnder Zuschauer von der Wiese vor dem Reichstags gezeigt. Peinlich nur: laut taz jubelten die Zuschauer nicht über das Ergebnis von Christian Wulff, sondern sie applaudierten zur Verkündung der Stimmen für den Gegenkandidaten Joachim Gauck. Es handelte sich um eine Aufzeichnung. Zur Verkündung des neuen Bundespräsidenten hingegen stellt die taz fest: „Die große Mehrheit hingegen buhte laut. Auch ‚Pfui‘-Rufe waren vor dem Reichstag unüberhörbar.“

Nur ein peinlicher Regiefehler? Dann darf man wohl in Kürze eine Klarstellung der ARD erwarten. Ulrich Deppendorf, ein anerkannt seriöser Journalist, hat hier sicherlich kein schmutziges Spielchen gespielt. Aber in jedem Fall zeigt diese Geschichte – so sie stimmt, und nichts spricht dagegen – das Potential, dass in der Bildberichterstattung steckt. Um es mal ganz vorsichtlich zu formulieren …

Zwischen Bhagwan und Autowahn

Das Elend des Philosophen

Friedrich Nietzsche hatte sein Leben lang ein gesundes Misstrauen gegen fest angestellte Philosophen, vom Staat bezahlte Denker, Professoren, die sich den Luxus von Wortspielereien und ein materiell sorgloses Leben auf unkündbaren Lehrstühlen leisten konnten. Einer von diesen heißt in der Gegenwart Peter Sloterdijk. Er hat sich zu einer Art philosophischem Popstar entwickelt, mit eigener Fernsehsendung und alle Jahre wieder einer mehr oder minder umfangreichen Buchveröffentlichung. Früher hing er mal dem Bhagwan an und reiste ins indische Poona, um den Ashram in Augenschein zu nehmen und die sexuelle Befreiung zu begutachten (oder zu erfahren). Nietzsche hat er auch gelesen und darüber geschrieben. Naja, spricht wirklich nicht gegen ihn, und wenn Universitäten für folgenloses Wörterjonglieren auch noch Geld ausgeben … Wer wollte es ihm verdenken, wenn er es sich überweisen lässt und sich heimlich ins Fäustchen lacht.

Nun hat er also ein neues Werk herausgebracht, und ich nehme es zum Anlass, wie der Igel dem Hasen zuzurufen: Ich war zuerst da. Weiterlesen

häppi böhrsdäi, liebe taz

vor 30 jahren kommentierte der sätzer/die sätzerin erstmals die wichtigsten artikel der berliner tageszeitung. ich hab den anfang gar nicht so mitbekommen, war ich doch damals einer der (zu wenigen) abonnenten der gleichzeitig gegründeten alternativzeitung „die neue“. während „die neue“ aber schon nach einem guten jahr in die ewige altpapiertonne wanderte schaffte die taz das überleben.

an dieser stelle „alles gute zum geburtstag!“

ich empfehle eine kleine gedenkminute mit der lektüre der hübschesten titelseiten aus 30 jahre taz einzulegen.

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(Bilder: taz)

bei der FR gibts mehr davon!

Der eigentliche Pirat ist Google!

Hans Pfitzinger, der als Freund Czyslanskys und „TAZ-Blogger stets ein waches Auge hat für Dinge, die die digitale Welt bewegen, schickt mir ein Link zu einem sehr lesenswerten Beitrag in der heutigen TAZ-Ausgabe zum Thema „Schwedische Tauschbörse gegen Hollywood„. Es geht um die Website Pirate Bay, dem Freihafen für Musik- und Video-Downloads, den die Musikindustrie mit einer vollen juristischen Breitseite versenken will.

Ich habe folgenden Kommentar dort hinterlassen:

Eigentlich steht nicht Pirate Bay vor Gericht – sondern Google! Deren Geschäftsmodell lässt sich ebenfalls treffend als die unbefugte Weitergabe von geistigem Eigentum beschreiben. Sie kopieren Inhalte von www.czyslansky.net (und ein paar hundert Millionen weiteren) in ihre Cache-Speicher und halten sie dort für jedermann frei zur Verfügung. Da ich keine Möglichkeit habe, diese gecachten Inhalte zu löschen, verliere ich mein informationelles Selbstbestimmungsrecht. Der einzige Unterschied: Ich bin kein Musik-Multi mit einem Stall voller Rechtsanwälte, die für mich den Prozess führen.

Sollte Pirate Bay aber in Stockholm verlieren, müssen sich auch Google & Co warm anziehen, denn dann hätte womöglich eine Sammelklage Aussicht auf Erfolg. Zumindest in Schweden…

Dem wäre – jedenfalls aus meiner Sicht – nichts hinzufügen.