Schlagwort-Archive: Tatort

Gezwitscher am Tatort…

Dass der Tatort Deutschlands liebstes TV-Programm geworden ist, ist nicht neu. Kaum eine Folge der ARD-Krimiserie, die nicht sensationelle Quoten einfährt und längst die einstigen Zugpferde im Fernsehkonsum abgeschlagen hinter sich lässt. Selbst die schlechteste Tatort-Quote toppt die Tagesschau. Und von Wetten Dass brauchen wir gar nicht mehr zu reden. Lediglich sportliche Großereignisse bringen noch bessere Ergebnisse – dort natürlich allen voran König Fußball.
Längst hat der Tatort auch seinen Weg ins virtuelle, digitle Leben gefunden. Längst ist der Tatort Gegenstand tausender Tweets auf Twitter. Noch während der Ausstrahulung haut die deutsche Twittergemeinde wie wild in die Tasten. Das ist nichts Besonderes. Das macht sie nicht nur beim Tatort, das macht sie auch bei Germany’s Next Top Model, Schwiegertochter gesucht, Deutschland sucht den Superstar… und bei allen Fußballspielen. Alles, was Quote bringt und/oder polarisiert, wird kommentiert. Auf Teufel komm raus und mit der twittereigenen Sucht nach Zynismus, Häme, Boshaftigkeit und Originalität. Die gehässigen Pointenjäger schwärmen aus und machen reichlich Beute. Aber auch die „ganz normalen“ Twitterer beteiligen sich am Kommentaremarathon. Das verwundert nicht.
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Stimmung wie in der Südkurve, aber kaum Bewegung auf dem Spielfeld. Ein Nachruf auf den Münchner Urheberrechts-Twittwoch

Thomas Pfeiffer hatte bekannte Namen aufs Podium geladen: Tatort-Autor Jochen Greve, Grünen MdB Dr. Konstantin von Notz, Verbandssprecher Reinher Karl und Piraten-Kapitän Bruno Kramm (von links)

Wenn ein Auto nichts taugt, nennt man es Montagsauto, weil am Montag „die Genauigkeit der Arbeit leidet“, wie Volksmund und Wikipedia wissen. Der letzte Münchner Twittwoch fand an einem Montag statt. Das mag manches erklären …

Eines vorneweg: die Diskussionskultur war erbärmlich und weder dem Thema, noch dem Niveau der meisten Podiumsgäste angemessen. Die Stimmung erinnerte stark an  die Südkurve, die Beweglichkeit auf dem Spielfeld (also vorne) an die Abwehr von Chelsea: stark im Mauern, in den Zweikämpfen dominierte die Blutgrätsche. (Bilder aus der Arena gibt’s übrigens hier)

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51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen „die Netzgemeinde“

In einem offenen Brief an die „liebe Netzgemeinde“, die Grünen, die Piraten und die Linke beklagten gestern 51 Tatort-Autoren in einem Rundumschlag jedwede Angriffe auf das Urheberrecht. Sie wehren sich insbesondere gegen die von einigen geplante Verkürzung der Schutzfrist von bislang 70 Jahren ab Tod des Autors, aber auch ganz allgemein gegen Vorwürfe an die GEMA und die Musikindustrie. Sie beklagen, dass die Kritiker der derzeit gültigen Urheberrechtssituation sich nicht mit Autoren und Künstlern zusammensetzten und eine „demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei“ betreiben würden.

Der Brief vermengt die Diskussion um eine Reform des Urheberrechts mit der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung und überhaupt viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Er pauschaliert und wirft alle Kritiker des heute gültigen Urheberrechts, „die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien„, in einen großen Topf.

Die Krimi-Autoren haben mit diesem Brief viel Staub aufgewirbelt und mit Polemik und Pauschalierungen eine vernünftige Debatte um eine Modernisierung des Urheberrechts eher erschwert.

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