Schlagwort-Archive: Kunst

Wassermusik? Mega-Lenco? Plattenwaschmaschine? Nein: Kunst!

Vinylsee

Ich bin ja bekennender Vinylyriker, also ein Fan von guten alten – und neuen – Schallplatten. Und ich erinnere mich mit Schrecken an die alte Diskussion, ob man Schallplatten besser nass oder trocken abspielen sollte. Ich habe an meine Platten niemals etwas anderes als Wasser, ein kinderpoposanftes Reinigungsmittelchen und einen ordentlichen Diamanten kommen lassen; niemals diese Lenco-Brühe, wo keiner so recht wusste, was da eigentlich drin war. Schallplatten nass abspielen: das geht aber auch gar nicht!

Gegen eine gute Schallplattenwaschmaschine ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil: ich bin glühender Fan meiner Glaess Plattenwaschmaschine mit integrierter Ultraschallreinigung.

Auch Händels Wassermusik höre ich leidlich gerne. Aber das hier schlägt doch alles, was ich bisher in Sachen Wasser und Vinyl gesehen habe:

Ist diese Installation des kalifornischen Künstlers Evan Holm Kunst? Ja schon.

Er schreibt: „There will be a time when all tracings of human culture will dissolve back into the soil under the slow crush of the unfolding universe.  The pool, black and depthless, represents loss, represents mystery and represents the collective subconscious of the human race.  By placing these records underneath the dark and obscure surface of the pool, I am enacting a small moment of remorse towards this loss.   In the end however this is an optimistic sculpture, for just after that moment of submergence; tone, melody and ultimately song is pulled back out of the pool, past the veil of the subconscious, out from under the crush of time, and back into a living and breathing realm.  When I perform with this sculpture, I am honoring and celebrating all the musicians, all the artists that have helped to build our human culture.“

Nur meine Platten gebe ich dafür nicht her. Und meinen Dreher von Ulla Scheu auch nicht.

The Grand Insolvency Show

Der Titel ist etwas irreführend. Nicht Griechenland ist das Thema, sondern die Statistik als Kunst. Statistiken begleiten uns von früh bis spät: Die Sitzeverteilung im Deutschen Bundestag, die 10 meistgekauften Bücher diese Woche, die Veränderung des Alkoholkonsums in Deutschland in den letzten 30 Jahren, die Ausbruchwahrscheinlichkeit bestimmter isländischer Geysire, Waffenexporte der Ukraine, Rohstoffvorkommen in der Nordsee, das Verhältnis zwischen Nisthäufigkeit von Störchen am Neusiedler See und der dortigen Geburtenrate.

Letzteres war übrigens real, falls ich nicht doch einer urbanen Legende aufgesessen bin: Weiterlesen

Ausstellungstipp: Der Bananensprayer kommt nach München

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(Copyright aller Bananen: Bananensprayer)

Vom 12. November bis zum 9. Jänner stellt der Kölner Bananensprayer Thomas Baumgärtel in der Münchner Galerie Kaysser aus. Oder falls er nicht ausstellt, wird er zumindest einige Bananenschalen hinterlegen.

Damit kehrt der Künstler erstmals heim in die bayerische Fremde. Nicht umsonst halten viele Bayern für eine Art Bananenrepublik.

Kultur jenseits von Joghurt

Es gibt Probleme, die sind nicht einfach zu lösen, und es gibt welche, die wären einfach, dächte nur einmal jeder der Beteiligten vernünftig und vorurteilsfrei nach. Und es gibt Probleme, da verkünden alle Beteiligten, alles wäre so ein­fach, aber bei näherer Betrachtung wird es nur immer komplizierter.

Das Urheberrecht im Jahr 40 nach Erfindung des Internet ist da so ein Fall. Weiterlesen

Kunst, auf die Spitze getrieben

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Andy Warhol glaubte, dass jeder Mensch 15 Minuten lang berühmt sein wird. In England, dem Land mit der wohl höchsten Exzentrikerdichte Europas, können es jetzt auch 60 Minuten sein. Seit gestern steht jedem Bürger des Landes die Spitze einer Säule auf dem Trafalgarplatz zur Verfügung, um dort vor den Augen der Passanten sowie Millionen von per Internet zugeschalteten Zuschauern das zu tun oder zu lassen, was sie wollen.

Das Projekt heißt „One & Other“ und ist der Versuch, die Grenzen der Kunst um eine neue Form der Selbstdarstellung zu erweitern, wobei man sich – alles schon mal dagewesen – des Vorbilds Symeon Stylites des Älteren (389-459) von Telanissos bedient. „Es geht nicht um Privileg, nicht um Macht, nicht um Krieg oder darum, die Toten zu ehren“, lässt sich der Aktionskünstler Antony Gormley, der geistige Vater es Projekts, heute in der International Herald Tribune zitieren: „Es geht darum, die Lebenden zu feiern.“

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Twitter Ausdrucken ist Kunst

Gerne verspottet man deutsche Führungskräfte als E-Mail-Ausdrucker und spielt damit auf ihre Rückständigkeit in Sachen Neue Medien und Kommunikation an. Wie absurd muß einem da erst ein Twitter-Ausdrucker vorkommen. Unwillkürlich sieht man vor seinem geistigen Auge einen typischen Mittelständler, dem es immer noch schwerfällt seine Sekretärin, die eigentlich längst eine Assistentin ist, nicht mit Fräulein anzusprechen. Er bittet diese ihm seine heutigen Tweet-Ausdrucke zur Kenntnisnahme vorzulegen. In einer schweren, leinengebundenen Ziehharmonika-Unterschriftenmappe bringt sie dem gewichtigen Mann nach Zeitstempel und Absender sortierte kleine, mit nur maximal 140 Zeichen beschriebene, Ausdrucke und legt sie auf seine dunkle Leder-Schreibunterlage, die den antiken Nussbaumholzschreibtisch vor dem Verkratzen durch eine zu energische Handhabung eines Montblanc Meisterstücks schützt.
Wäre käme bei diesem Stück Kopfkino auf die Idee, daß Tweets-Ausdrucken Kunst sein könnte?
Christopher Baker tut genau das, er druckt Tweets aus und läßt diese in seiner Installation Murmur Study #1 in langen Papierschlangen, gleich einem Wasserfall, in den Raum hineinfließen.

LED-Schafs-Kunst

Das man durch Kunstsponsoring eine hohe Aufmerksamkeit erregen kann, hat Samsung bewiesen. Über 2 Millionen Aufrufe bei Youtube, werden sicher sowohl von den Künstlern, als auch dem Sponsor als Erfolg gewertet. Nur den Darstellern, dieses Happenings ist es vermutlich absolut gleichgültig, denn es sind Schafe und Hütehunde aus Wales. Unter dem Titel „Extreme Sheep LED Art“ kann man bestaunen, was man mit ein paar Schafherden, ein paar Schäferhunden und noch mehr LEDs so alles anstellen kann.