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Bolz zu Gast bei Czyslansky: Abschied vom Gutenberg-Universum

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Zerbricht sich Schirrmachers Kopf:
Medienphilosoph Norbert Bolz

Norbert Bolz muß sich nicht dahinter verstecken: Er ist ein kluger Kopf, mit oder ohne Zeitung davor. Der Professor an der TU Berlin ist der Philosoph unter den Medienwissenschaftlern in Deutschland, gefragter Vortragsredner, Feingeist, Vordenker par excellence. Czyslansky und er hätten viel Freude miteinander gehabt.  Für meinen Freund Peter Wippermann vom Trendbüro in Hamburg hat er einen langen und sehr lesenswerten Beitrag zum „Trendtag 2010“ geschrieben zum Thema „Flow Control“ – aber seltsamerweise den Schluss offen gelassen. Ich habe ihn gebeten, den Beitrag für Czyslansky zu Ende zu schreiben, was er gerne getan hat.

Wir eröffnen damit eine lose Reihe von Gastbeiträgen namhafter Autoren, die im Sinne des großen Czyslansky die Zukunft der digitalen Gesellschaft mitgestalten.

Kopf hoch, Herr Schirrmacher!

Um mit der Komplexität der Informationen zu Recht zu kommen, brauchen wir ausreichende Eigenkomplexität. Es gehört zu den großartigsten Einsichten jener Psychologie der optimalen Erfahrung, dass sich Freude von bloßer Lust dadurch unterscheidet, dass sie Komplexität aufbaut. Und die Eigenkomplexität des Menschen – früher hätte man Seele gesagt – speist sich aus ganz anderen Quellen als die Systemkomplexität der Information, nämlich aus Ideen und Geschichten.

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Warum Frank Schirrmacher nicht mehr mitkommt

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Bild: Michael Fischer-Art

Eigentlich sollte man einen, der nicht zwischen köperbindigen Gewebe mit eingestreuten Noppen aus grobem Wollgarn und einem Eintrag in einem neuartigen sozialen Netzwerk unterscheiden kann, nicht besonders ernst nehmen. Wenn er aber Frank Schirrmacher heißt und sich anmaßt, ein Buch über das Informationszeitalter zu schreiben, dann kann man nicht umhin, sich mit ihm auseinander zu setzen. Schließlich wird er einem ja gerade von allen Seiten vorgesetzt, im „Spiegel“, in der „Zeit“, in der alten Tante „FAZ“ (deren Herausgeber er ist) und natürlich auf den Feuilletonseiten der „Süddeutschen“ – dort wenigstens mit der nötigen kritischen Distanz. Immerhin ist dem SZ-Autoren Andrian Kreye der hochnotpeinliche Tippfehler in Schirrmachers anfänglicher Aufzählung der apokalyptischen Reiter des Digitalen aufgefallen („SMS, E-Mails, Feeds, Tweeds…“).

Ansonsten könnten wir alle zur Tagesordnung übergehen und „Payback“, das jüngste Angstmacherbuch Schirrmachers, auf den gleiche Müllhaufen der Geschichte werfen wie sein böswilliger Versuch, im „Methulsalem-Komplott“ die Jungen gegen die Alten aufzubringen, oder sein prekäres Gelabere über soziale Entwurzelung in „Minimum“. Die Bretter, die Schirrmacher bohrt, sind von solch hauchdünner Konsistenz, dass es sich kaum lohnt, die Sägespäne wegzuwischen. Weiterlesen