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Vom Gondeln und Glotzen

rr4Wer ganz oben ist, hat den beste Überblick!

Diese Binsenweisheit gilt noch immer, von Ausnahmen einmal abgesehen. Eine dieser Ausnahmen mag der eine oder andere aus dem Arbeitsleben kennen: Ganz oben in der Firmenhierarchie zu stehen bedeutet noch lange nicht, den besten Überblick über alles zu haben. Aber das ist ein anderes Thema, das in unserem Zusammenhang nicht weiter relevant ist.

Aber so mancher Benutzer des „Real Life“ weiß auch, wie schön es ist, von oben über Stadt, Land, Fluss zu schauen.
München hat in Sachen Skyline eher wenig zu bieten. Aber sofern die Witterung mitspielt, verzaubert die Stadt mit einem betörenden Blick bis weit hinein in die Alpen; vorausgesetzt man ist hoch genug. Ansonsten ist das Münchner Panorama weniger beeindruckend als zum Beispiel das Frankfurter. Dafür hat München andere Qualitäten.
Eine davon ist das Oktoberfest. Das zieht reichlich Besucher an, so viele, dass – wie mir eine Bedienung aus einem Festzelt glaubhaft versichert, zeitweilig WhatsApp nicht mehr geht. Zu hoch ist der Datenverkehr der bierseligen Besucher. Da kann es schon mal eine halbe Stunde dauern, bis eine WA-Nachricht von einem Bierzelt zum nächsten flattert.
Auch wir haben zur Wiesn Besuch, gemeinsam flanieren wir zwischen Zelten und Schaustellerbuden, Fahrgeschäften, Biergärten und Fressständen umher und steuern irgendwann auf das Riesenrad zu. Und wie war das noch?
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Stevie und das Brett vor’m Kopf

Stevie hat ein Brett vor’m Kopf – Nicht etwa im übertragenen Sinn, sondern im wahrsten Sinn des Wortes.
Stolz wie Oskar sitzt er in der in der Sporthalle in der zweiten Reihe und schaut seiner Tochter bei ihrem Aufrtitt zu. Dieser ist Teil des Showprogramms auf der Weihnachtsfeier des örtlichen Vereins. Und Stevie lässt keine Bewegung der Kleinen unbeobachtet. Zwar schaut er nicht mit den eigenen Augen zu sondern mit dem digitalen, aber das macht ja nichts.
Stevie nämlich filmt sein Töchterchen mit seinem Tablet. Eben einem Brett.
Das hält er sich breit vor’s Gesicht, damit er auch alles sieht.
Nur die, die hinter Stevie sitzen, sehen natürlich nichts.
Außer dem iPad.
honk2Das ist dem Mann im olivfarbenen T-Shirt, den tätowierten und aufgepumpten Oberarmen und der Army-Cap aber egal. Nicht, dass er das billigend in Kauf nimmt. Er denkt gar nicht erst so weit, dass er mit seiner Filmerei anderen die Sicht nimmt. Denken ist offensichtlich Stevies Sache sowieso nicht, sonst hätte er sich vermutlich einen besseren Platz für seine filmischen Tätigkeiten ausgesucht. Andere Eltern sind da klüger. Sie positionieren sich am Rand der Sporthalle sehr weit vorne, zücken Kameras und Handies und fotografieren oder filmen, was das Zeug und der Akku hergeben: Mit Handies, Kameras soger mit Spiegelrefelx. Aber so ein hippes iPad hat natürlich nur Stevie.
Und der filmt – wie bereits erwähnt – aus der Menge heraus.
Immer wieder macht seine Frau einen langen Hals. Auch sie will sehen, was Stevie filmt. Das Display zeigt das ja so schön an. Dass das wichtiger ist als die Choreographie der Sportgruppe, die sich direkt vor ihrer Nase abspielt, sagt alles. Später wird sie sich den Clip ansehen müssen, um zu sehen, was sich eigentlich gerade vor ihr abgespielt hat, ob alle im Takt waren, ihr Töcherlein eine gute Figur abgibt und überhaupt… Denn vom eigentlichen Auftritt bekommt sie genauso wenig mit wie Stevie.

honk1Stevies Clip wird vermutlich irgendwann bei Youtube auftauchen – ungeschnitten, mit verwackeltem Bild und mit schepperndem Ton samt aller Gespräche, die um ihn herum geführt wurden. Die werden garantiert auch zu hören sein. Der Clip bei Youtube muss sein, denn nur so kann Stevie den Link an Verwandte, Freunde und Bekannte zwischen Aachen und Görlitz verschicken und sein Töchterlein präsentieren. Begeisterte und stolze Väter sind so.
Und stolzeTablet-Besitzer wohl auch. Das muss man verstehen.
Muss man?

So klein, und schon eine Videokamera…

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Ich mach Tee Vau!

Um gescheite Videoaufnahmen zu machen, brauchst du eine gescheite Kamera. Früher, jedenfalls. Studiokameras waren früher so groß wie ein Volkswagen. 1982 habe ich den marktstart der ersten tragbaren Betamax-Kamera von Sony, die „F1“, mitorganisiert, da war die Kamera nur noch so groß wie ein Lexikonband, brauchte aber noch eine Art elektronische Handtasche, die man an einem Band über der Schulter mitschleppte und die per Nabelschnur mit der Kameraeinheit verbunden war.

Und nun sitze ich während der Intel-Pressekonferenz auf der CeBIT neben Stephan Fink von Fínk & Fuchs PR, und der fragt mich: „Wollen wir nicht schnell ein Interview über dein neues Buch machen, das ich auf unser YouTube-Kanal stellen kann?“ Klar, sage ich, wann und wo? „Na, jetzt gleich, hier“, sagt er – und zückt ein kleines Gerät, das aussieht, wie eine billige Wegwerfkamera.

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