Schlagwort-Archive: Hoeneß

Ehrenmann 2.0

Nachdem sich so ziemlich jeder zur Causa Hoeneß zu Wort gemeldet hat, bin ich wohl jetzt dran. Für mich ist klar: Der Mann ist ein Verbrecher und wandert zu Recht für dreieinhalb Jahre hinter Gittern.

Aber andererseits: Der Mann ist ein Vorbild für uns alle, vor allem aber für die Jugend. Oder er war es jedenfalls mal, bis ihn der Spieltrieb packte. Der Rest ist bekannt.

Die Frage, die mich beschäftigt ist aber eine andere, nämlich: Warum hat er auf Rechtsmittel verzichtet und sich sozusagen in vorauseilendem Gehorsam zum Strafantritt angemeldet? Ich bin ja Berufszyniker, und ich unterstelle Menschen wie ihm, die sich bis an die Spitze von Politik, Wirtschaft oder eben auch von Sport emporgewurschtelt haben, dass sie es vor allem mit den Ellenbogen geschafft haben, also über eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit und Eigennutz verfügen. Da passt eine solche Geste so gar nicht ins Bild, oder? Weiterlesen

Wenn der Spieler drei mal postet…

Zwei Dinge ist Mittelfeldspieler Anatolij Tymoschtschuk gewiss nicht: Einer der führenden Stars im Teamaufgebot des FC Bayern und ganz gewiss ist er auch kein Maulwurf. Seine via Twitter herausposaunten „Nachrichten“ zur Gefühlslage erscheinen unter seinem Namen. Man weiß, mit wem man es zu tun hat.

Als er vor einigen Wochen ein Foto der in der Kabine schön ordentlich aufgereihten Trikots bei Twitter hochlud und mit den Worten kommentierte „Wir sind bereit!“ platzten dem ohnehin rotschädeligem Bayern-Präsident Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Rummenigge fast der Kragen.
Tymoschtschuk, Neuer, Breno – die Spieler des FC Bayern kommunizierten munter via Twitter und Facebook, kommentieren ihre Leistungen und lassen auch sonst allerhand über sich wissen. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, viele Stars aus Sport und Entertainment nutzen die Bühne des Social Media, um sich selbst gegenüber ihren Fans und Freunde zu präsentieren – so wie eben Millionen und Abermillionen „normaler“ Menschen das auch tun.

Ärger in der Arena. Spieler sollen spielen und nicht twittern. Foto: Paul Huebgen, Wikipedia

Und sie sind genauso gedankenlos und ungeübt im Hochladen von Kommentaren und Bildern wie viele andere im Alter von Anfang Zwanzig. Nur gibt es da einen Haken: Die Posts von Erika Mustermann interessieren nicht wirklich jemanden, die von Anatolij Tymoschtschuk hingegen schon…
Der Verein reagierte prompt und verbot  seinen Spielern vor und nach dem Spiel solche öffentlichen Äußerungen und die Verbreitung von Bildern aus dem Allerheiligsten. Tymoschtschuk hatte – vielleicht unwissend – eine der in Stein gemeißelten Regeln gebrochen: Nichts aus der Kabine dringt in die Öffentlichkeit . Die Umkleide des FC Bayern ist fast so heilig wie die Kaaba in Mekka oder einst der Tempel Salomos in Jerusalem: Sanktuarien, deren An- und vor allem Inneneinsichten dem schnöden Volke verborgen zu halten sind.
Die Fans reagierten empört. Zum einen habe Tymoschtschuk nichts wirklich Schlimmes oder Pikantes gezeigt, es seien nicht mal Personen auf dem Bild. Zum anderen schätzen sie diese Illusion einer unmittelbaren Nähe zu ihren Spieler-Idolen. Ein wenig Vertrautheit, ein wenig Menschlichkeit, ein Star zum anfassen – wenigstens virtuell. Irgendwie…

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