Schlagwort-Archive: Gauck

Darf Gauck vor der Linken warnen? – Ein Plädoyer für einen kritischen und zu kritisierenden Bundespräsidenten

Bundespräsident Gauck

(Quelle: Tobias Kleinschmidt – www.securityconference.de)

Gauck stellt die (rhetorische) Frage, ob die Linke bereits in der Demokratie angekommen sei – und die Linke empört sich. Und nun meine ich mit der „Linken“ nicht die Partei, sondern all jene, die sich in unserem Land als „links“ verstehen, wesalb auch viele in der SPD und bei den Grünen nun über Gauck herziehen. Ich finde das falsch.

Gauck interpretiert das Amt des Bundespräsidenten nicht als dasjenige eines Repräsentanten des kleinsten gemeinsamen Nenners der Bundesbürger. Nicht zu jedem Thema, das in unserer Gesellschaft umstritten ist, darf er keine Meinung haben. Er will – und soll – kein Bonner Grußaugust sein, sondern ein Berliner Anreger. Nur wenn er seine Meinung sich zu sagen wagt, repräsentiert er wirklich den Kern unserer Gesellschaft: die auf Diskurs basierende Meinungsbildung und Meinungsfreiheit.

Gauck soll zum Diskurs anregen, in dem er seine Meinung, so sie einen relevanten Teil unserer Gesellschaft vertritt, in die Debatte wirft.  Und natürlich dürfen jene, die unter der SED gelitten haben, misstrauisch sein in Bezug auf die PDS und die „Linke“. Ihre Angst und ihre Sorge gehören zu unserem Land. Weiterlesen

Unsaland – ein Gottesstaat?

Joachim Gauck, Prediger im Gottesstaat (Bild: Tohma)

Ein Pastor als Präsident, eine Pastorentochter als Kanzlerin … ist Deutschland auf dem Weg zum Gottesstaat?

Die Frage ist ernster gemeint, als sie auf den ersten Blick wirkt. Die Wahl Gaucks und die unglaublichen Zustimmungswerte für diesen Mann aus beinahe allen Schichten der Bevölkerung sind ja kein Zufall. Überparteilichkeit und Predigertalente werden neuerdings wieder stark nachgefragt.

Tatsächlich ist dieser Trend ein Ausdruck antidemokratischer Dünkel. Denn wahre Demokratie lebt vom Konflikt, von der Auseinandersetzung, davon, dass die Menschen Partei ergreifen. Wenn die Menschen das „Parteiengezänk“ satt haben, dann haben sie in Wirklichkeit die Demokratie satt. Tief in ihrem Herzen wünschen sie sich einen „guten Diktator“, oder wenigstens eine Queen mit Richtlinienkompetenz.

A propos Queen.

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Genug gewulfft, jetzt wird gegaukelt…

Die Zeiten waren hart, die Menschen froren und hungerten. Der Krieg war verloren,  der Winter 1946 einer der kältesten. In seiner berühmten und viel zitierten Silvesterpredigt sprach der Kölner Kardinal Joseph Frings zu seinen Gläubigen:
„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Fringsen, was das Zeug hält. Foto: Deutsches Bundesarchiv

Mit diesen Worten, für die er sich vor der britischen Militärbesatzung verantworten musste, gab er dem Diebstahl von Lebensmitteln vor allem aber von Briketts den kirchlichen Segen. Schnell machte das Wort vom „Klüttklau“ im Kölnischen die Runde, und schon bald gab es für das kirchenmoralisch sanktionierte Stehlen von Heiz- und Lebensmittel ein neues Wort: Fringsen. Heute ist der Begriff aus der Mode gekommen, er droht, dem aktiven Sprachschatz verloren zu gehen.

Selten genug kommt es vor, dass ein Verb sich direkt auf den Eigennamen eines Menschen ableiten lässt, dass dieser mit seinem Namen für eine bestimmte Tätigkeit steht. Bei Markenartikeln ist das schon wieder anders: Während der Nachbar seine Einfahrt kärchert, sitze ich vor dem Rechner: Ich muss dringend etwas googlen.
Nun aber gibt es seit Januar ein neues Verb, das zumindest zeitweilig Verwendung findet. Nun also wulffen

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Germanys Next Bundespräsident

Viele, die gerade noch auf Wulff eingeschlagen haben und mit viel Esprit seine Unwürdigkeit mehrfach belegt haben, zeigen nun Symptome post­traumatischer Störung: Zuerst noch der Triumph, endich ist er weg, aber dann eben diese innere Leere, dieses leicht depressive Gefühl, das man immer nach dem unblutigen Absetzen eines Staats­ober­haupts hat. Ja, in Frankreich, damals, nach dem Sturm auf die Bastille, da war das noch anders, weg mit den ab­ge­wirt­schaf­teten Spitzen des Staats und dann den neuen Menschen schaffen.

Ganz so hat das nicht geklappt und so kehren wir alle reumütig wieder an unsere Arbeits­plätze zurück. Stellen die virtuellen Mistgabel und Dreschflegel wieder in den Schrank und verfolgen voll Entsetzen, daß ein Kandidat nach dem anderen absagt. Wirklich geeignete Menschen waren durchaus im Gespräch – sie sagten genauso ab wie die weniger geeigneten. Erstaunlich, daß sich dann doch ein Kandidat gefunden hat – und ein guter noch dazu, einer, den wir schon beim letzten Mal wollten.

Und was passiert als nächstes?  Weiterlesen