Schlagwort-Archive: digitales Leben

Mein Kindle

Eines ist jetzt schon klar. Ich gebe ihn nicht wieder her. Auf Reisen ist er absolut Gold wert, nur leichter als das Edelmetall und viel leichter als die vielen Paperbacks, die ich sonst immer mitschleppen muss.
Als ich allerdings das auch E-Reader genannte Gerätchen zum ersten Mal in Händen hielt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es ein ganzes Buch geschweige denn bis zu 1400 (Herstellerangabe) ersetzen könnte. So unscheinbar, ohne Touchscreen (ich habe einen Kindle 4) nur dunkelgrau/hellgrau anzeigend, wirkte er. Und auch der Bildschirm mit seinen in den Seitenpanelen eingelassenen Tasten zum Vor- und Zurückblättern beeindruckt eher durch seine Mickrigkeit. Dafür passt er, wie ich später feststellte, in die Innentasche jedes Sakkos.
Aber wild entschlossen, nicht weiter am althergebrachten Papier zu kleben – Print-Sozialisierung hin oder her – habe ich den Kindle ins WLAN eingeklinkt und das erste Buch heruntergeladen. Dabei machte ich mit einer weiteren Besonderheit Bekanntschaft. Weiterlesen

Also,Twittern kann er, der Götterbote!

Ich vermute einmal, es ist ein offenes Geheimnis, dass die Zahl von Abgängern von Eliteinternaten bei Hermes-Boten relativ gering ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass die Zahl der Analphabeten bei Hermes überdurchschnittlich hoch ist. (Ich meine nicht den Juristinnen und Juristen Ausstatter in Paris, sondern den Paketdienst.)

Bei all den Logistigdienstleistern, wie DHL, GLS, DPD, UPS und wie sie auch immer heißen mögen, ist es eigentlich die Regel, dass die Pakete ein paar Tage später ankommen. Nur bei Hermes ist das immer so eine Sache. Hat man sich bei Ebay irgendetwas tolles, ganz billig „geschossen“ und denkt der Adrenalin-Spiegel könne nach der Bieterschlacht kaum noch höher steigen, weit gefehlt, das grosse Zittern beginnt erst, wenn einem der Verkäufer eine Hermes-Tracking-Nummer geschickt hat – Au weia. Hermes!

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Social Media für CIOs

Je populärer ein soziales Netzwerk wird, desto mehr Leute registrieren sich und desto schwieriger wird es, sich dem Sog zu entziehen. Das gilt insbesondere für Facebook. Es ist mit 500 Millionen registrierten Nutzern weltweit inzwischen so groß, dass es mehr „Einwohner“ hat als die USA.
Das macht die stark weiter wachsende virtuelle Nation inzwischen nicht nur für Unternehmen aus der Beratungs- (z. B. McKinsey, Accenture)und IT-Branche (z. B. Microsoft, IBM) interessant, sondern auch für IT-Profis und IT-Verantwortliche. Folgerichtig tauchen in letzter Zeit verstärkt CIOs in Facebook auf. Weiterlesen

Ich surfe, also bin ich

Vom Golfspiel sagen eingefleischte Anhänger, es sei keine Sache von Leben und Tod – es sei in Wahrheit viel, viel wichtiger… Vielleicht gilt das auch fürs Internet. Jedenfalls kann ich mir kein Leben mehr ohne Internet vorstellen. Die Welt hinter dem Bildschirm hat inzwischen für alle Lebensbereiche Relevanz, und sogar über das Leben hinaus.

Deshalb ist die Frage relevant: Wie nimmt das Internet Einfluss auf unsere intimsten Augenblicke? Nein, ich meine nicht Sex, oder jedenfalls nicht nur. Ich meine den Moment, an dem ein Kind geboren wird oder ein Mensch stirbt. Welche Rolle spielt das globalste aller Medien bei derart persönlichen und deshalb zwangsläufig recht lokalen Ereignissen? Wie teilt sich jemand mit in einer Situation, die geradezu nach Mitteilung und Selbstausdruck schreit?

Früher hat der glückliche Vater, den die Nachricht von der erfolgreichen Niederkunft seiner Frau erreichte, dicke Zigarren an die Freunde und Kollegen verteilt. Heute schickt er oft Minuten nach der Geburt die ersten Fotos eines winzigen, etwas verschrumpelten Lebewesens, das mit zusammengekniffenen Augen abschätzig seine neue Lebensumgebung mustert, als E-Mail-Anhang an sämtliche Outlook-Kontakte oder stellt das verschwommene Live-Video vom Geburtsvorgang gleich bei YouTube ein. Trauergäste twittern bei der Beerdigung. „O tempore, o mores!“, rufen da die Internet-Skeptiker, „geil!“ die Hardcore-Onliner.

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Ohne Papier keine Kultur

Papier ist überall. Es nimmt unsere Ideen und Gedanken auf, transportiert und konserviert sie. Wir wickeln darin unsere Frühstücksbrötchen ein und trinken aus ihm unseren Morgenkaffee. Es hängt neben der Toilette und in den größten Museen der Welt, von Künstlern wie Pablo Picasso und George Braque zu Kunstwerke von unschätzbarem Wert verarbeitet. Wir wickeln darin unsere Wertsachen ein, legen sie in Umzugskartons und ziehen damit um. Wir falten daraus kleine Flugzeuge und lassen sie mit unseren Träumen davon fliegen. Wir schleifen Unebenheiten mit ihm glatt und isolieren damit Elektroleitungen. Wir bezahlen damit beim Einkaufen oder blättern gedankenverloren darin  herum, wenn wir beim Friseur oder beim Zahnarzt warten müssen. Manchmal ziehen wir es sogar an und laufen darin herum. Papier ist vielseitig und funktionell, flexibel und verfügbar, billig und benutzerfreundlich, anpassbar und allgegenwärtig, natürlich und authentisch, leicht und kräftig, zuverlässig und zeitlos.

„Ohne Papier gäbe es unsere Kultur nicht“, sagte mir neulich Dr. Dorothea Eimert, Leiterin des Deutschen Papiermuseums in Düren, einer Kleinstadt am Nordrand der Eifel, das jahrhundertelang von Papier gelebt hat und immer noch als Zentrum der deutschen Papierindustrie gilt. Hätte Guttenberg einen anderen, ähnlich variablen und robusten Beschreibstoff für den Buchdruck gefunden? Zwar hat der Mensch in seiner Geschichte Zeichen und Buchstaben in Tontafeln und auf Baumrinde geritzt, die alten Ägypter hatten ganze Bibliotheken auf Papyrusrollen, im Mittealter haben Mönche ihre Illuminationen auf Rinderhäute gepinselt. Aber die Entstehung unserer heutigen allgegenwärtigen Bild- und Schriftsprache verdanken wir mit einiger Sicherheit dem namenlosen Erfinder des Papiers.

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Die digitale Entschleierung

Interessante Frage: Darf man jemanden, der anonym twittert, outen? Aktuell wird das gerade bei einem ziemlich heftigen Kommentar-Krieg der sich rund um das angeküdigte Video-Weinportal „TVino“ des Hamburger Weinverkosters Hendrik Thoma entzündet hat. Es handelt sich nämlich ganz offensichtlich um eine PR- und Marketingmaßnahme des mächtigen Hanseatischen Weinhandelskontors HAWESKO, was aber in den Pressemitteilungen zu einer „Zusammenarbeit“ mit Thoma verniedlicht wird.

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Happy Birthday, Czyslansky!

Auf den Tag genau vor einem Jahr startete mit czyslansky.net ein wegweisendes, ja ein bahnbrechendes, vor allem aber ein längst überfälliges Experiment. Dass es längst an der Zeit gewesen ist, dem großen Genius des Digitalen ein passendes –  sprich: digitales – Denkmal zu setzen, war Kennern seines einzigartigen Lebenswerks natürlich klar. Doch welche Form sie annehmen sollte, darüber gab es ungefähr so viele unterschiedliche Meinungen, wie es Czyslansky-Jünger gibt. Der Vorschlag, eine Säule hell pulsierendes Lichtes von einer Hügelspitze in seinen geliebten nordbömischen Isergebirge erstrahlen zu lassen, wurde als „steroidgeschwängerter Schwert der Jedi-Ritter“ abgetan, ebenso die Idee einer geschmackvollen Messingtafel an dem Gebäude in der Züricher Blunschligasse zu enthüllen, wo er seinen legendären “Mechanischer Merker” baute, dessen tausende von mittels Wäscheklammern an eine Kurbelleine befestigte Karteikarten Tim Berners-Lee vermutlich den Anstoß zur Entwicklung des universellen Wissensspeichers World Wide Web gab. Weiterlesen

Eine Reise mit dem Mini

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HP hat einen wunderschönen kleinen Laptop herausgebracht, der sogar aufs Wort gehorcht.

Wenn man als Journalist über ein Thema schreiben soll ist es stets hilfreich, etwas davon zu verstehen. Als ich also von den Kollegen von „ProFirma“ den Auftrag erhielt, ein Stück über die neuen Kleinst-Laptops, den so genannten Netbooks, zu schreiben, habe ich mich gleich an die Pressestelle von HP gewandt und darum gebeten, ein solches Teil für ein paar Tage ausliehen zu dürfen, um mich damit vertraut zu machen. Weiterlesen

Wider das kostenfreie Web

Unter dem Titel „Das wollt ihr nicht wirklich“ hat Marek Lieberberg einen bemerkenswerten Beitrag veröffentlicht. Am Beispiel der Musikindustrie verdeutlicht der gelernte Konzertveranstalter, welche Folgen der ungehinderte und kostenfreie Zugang auf Inhalte haben kann. Die Rechnung, die er aufmacht ist ganz einfach: Wenn niemand mehr kreative Leistungen bezahlt, werden keine mehr erbracht, oder nur noch im Nebenberuf. Dass das nicht unbedingt hohe Qualität erzeugt, ist jetzt schon allerorten zu bemerken.

…Der willkürliche, ungehinderte und kostenlose Zugriff auf alle geistigen Inhalte sowie der sogenannte freie, benutzergenerierte content führen über file sharing und digitale Piraterie zu einer Erodierung kreativer Rechte. Jetzt schon spürbare Konsequenzen sind das Versiegen intellektueller Quellen und die Verarmung der kulturellen Landschaft, die sich in der Schließung von Zeitungen, der Ausdünnung von Reporternetzen und der Aufgabe von bibliographischen Verlagen manifestiert. Alles nur wegen der Krise? Von wegen! Orientierungslosigkeit und laissez faire sind Wegbereiter dieser Entwicklung.

Twitter wächst wie blöd

Nielsen berichtet, dass Twitter zwischen Februar 2008 und Februar 2009 um sage und schreibe 1382 Prozent gewachsen ist. Die Redaktion von CNET wird über dieser Wachstumsrate ganz ehrfürchtig, ist ja auch toll. Jetzt müssten die Jungs nur noch Geld verdienen. Apropos Geld: in einer Unterhaltung unter zwei Nicht-Twitter-Profis ( ich war einer davon) kam die Frage auf: Berechnet der jeweilige Mobilfunkprovider die SMS eigentlich ganz regulär, die man sich über Twitter aufs Handy schicken lässt, wenn eine neue Nachricht auftacht? Das kann ja teuer werden.