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Kondolenz – meine natürliche Grenze digitaler Transformation

Tim Cole, Czyslansky-Autor, Verfechter und Apologet der digitalen Transformtion wird nicht müde, selbige unablässig zu lobpreisen.
Und für das, was er meint, gebührt ihm meine Zustimmung. Sein Werk ist lesens- und diskutierenswert und zudem ein großer Erfolg. Unermüdlich verkündet Cole seinen Facebook-Freunden jubelpersisch und zyklisch, dass er es schon wieder auf der Amazon-Bestsellerliste in irgendeiner Rubrik wieder auf Platz 1 geschafft (man muss nur die Parameter ordentlich justieren, dann klappt das schon). Die Wandlung von der analogen zur digitalen Transformaton vornehmlich in Unternehmen ist sein big issue. Zu Recht.
Im Privaten aber gibt es Grenzen – zumindest für mich. Es gibt Bereiche der digitalen Transformation, zu denen ich nicht mitgehen werde. Ich weigere mich einfach. Als Beispiel nenne ich Kondolenz.

Tod, Sterben und den Verlust von Freunden in den sozialen Netzwerken zur Sprache zu bringen und zu verarbeiten, ist weder neu noch mir fremd. Gerade in den verangenen Wochen, als zwei Freunde starben, bin ich diesem Thema wieder oft begegnet.
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Digitales Licht im unendlichen Dunkel

Kirchengänger, katholische und gläubige allzumal, kennen den Brauch, aber auch Nicht-Christen, die sich für die Architektur interessieren, haben sicher schon des Öfteren den Opferstock und die Kerzen in den Gotteshäusern gesehen. Hier brennen Kerzen für die Verstorbenen, denen man sich einen Moment lang nahe fühlen möchte.
Für die einen ist es Ausdruck gelebten Glaubens, für die anderen Geldschneiderei: Für einen Euro, den man in den Opferstock wirft, darf man eine Kerze anzünden und in einen Ständer stellen. Ein Licht für einen lieben Menschen, den man verloren hat – oder eben Kerzenwucher:
Das Licht (der Kerze) ist ein bedeutungsschweres Symbol im Christentum. Den Toten ein Licht anzünden, das wollen die einen. Die anderen wollen sich selbst vergewissern, dass irgendwo auf dieser Welt ein Licht für sie leuchtet, eines, dass sie in der Kathedrale von Messina oder Warschau oder an einem anderen Ort selbst angezündet haben. Vielleicht, so hoffen sie, wird ihnen dieses Licht einmal dann helfen, wenn sie es dringend brauchen. Eine schöne Vorstellung.
Wieder andere sagen: Einen Euro für ein Teelicht ist ein gesalzener Preis, aber gut, schließlich unterstüzt man mit seiner Gabe den aufwendigen und kostspieligen Erhalt historischer Bauten. Doch kein Brauch, der nicht durch den Einzug der Technik in seinen Grundfesten erschüttert wird…
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