Rundreise durch den Iran

Rundreise durch den Iran – Teil 3: Von Teheran über Mashhad und Kerman zum heißesten Punkt der Erde

Meine Rundreise durch den Iran begann am 14. April 2017 mit einem Abstecher durch das Alborz-Gebirge und führte mich anschließend in die heilige Stadt Mashhad und über Kerman zum heißesten Ort der Erde – in die Wüste Lut im Osten des Iran. Im vierten Teil des Reiseberichts geht es dann in den Zentraliran, nach Yazd und Isfahan, ehe es im fünften und letzten Bericht mit dem Zug von Isfahan nach Shiraz geht – und natürlich in die „Stadt der Perser“, die gar nicht die Stadt der Perser war, nach Persepolis.

Rundreise durch den Iran

Meine Rundreise durch den Iran bewältigte ich mit der Eisenbahn. In den ersten beiden Teilen meines Berichts habe ich über die Voraussetzungen und meine Reisegefährten ausführlich berichtet. Heute nun geht es endlich los; und zwar mit einer kleinen Eisenbahnreise in der Eisenbahnreise. Am 14. April ging es am Bahnhof von Teheran mit dem Sonderzug ins östlich gelegene Garmsar. Ich will Euch dabei nicht zutexten und schon gar nicht mit den üblichen Reiseführer- und Wikipedia-Inhalten langweilen. Ich werde mich also auf einen knappen Rahmentext, zahlreiche Bilder und ein paar persönliche Erfahrungen und Eindrücke beschränken. 

Durchs Alborz-Gebirge zum Kaspischen Meer

Karte Alborz-Gebirge

In Garmsar stiegen wir von unserem Luxuszug in einen kleineren Eilzug, der uns durch das Alborz-Gebirge führen sollte.

Tipp: Die ganze Reise lässt sich natürlich auch individuell buchen, die Tickets für den Zug kann man sogar online kaufen. Hierfür hat der Österreicher Johannes Heger eine „inoffizielle Website der Iran Railways“ ins Netz gestellt. Die Fahrt im 4er-Abteil eines Schlafwagens von Teheran nach Mashhad kostet derzeit zum Beispiel knapp 30 Euro. Für die rund 900 Kilometer benötigt der Zug zehn Stunden. So bequem wie im Sonderzug des Veranstalters Lernidee ist das dann natürlich nicht, aber für Low-Budget-Traveller ist das sicherlich eine Alternative.

Man muss wissen, dass der größte Teil des Iran aus einer Hochebene besteht, auf der sich auch die wichtigen großen Städte befinden: Teheran und Yazd: 1.200 Meter ü. d. M., Mashhad: 1.000 m, Isfahan: 1.600 m, Schiraz: 1.500 m. Ringsum liegen Berge, die bis zu fünfeinhalbtausend Meter hoch sind: der Damawand siebzig Kilometer nordöstlich von Teheran wäre von der Stadt aus zu sehen, würde der irrsinnige Smog über der Hauptstadt einem nicht ständig die Sicht und den Verstand rauben. 

Das Alborz-Gebirge östlich Teherans erhebt sich durchschnittlich gut 4.000 Meter hoch und unser Zug sollte auf knapp 2.500 Meter Höhe einen Pass überqueren, um sich danach in endlosen Serpentinen auf 350 Meter Höhe dem Kaspischen Meer bis auf Fischsprungweite zu nähern.

Albortz

Die eingleisige Zugstrecke durch den Alborz ist die große Märklin-Anlage Allahs.

Unser „großer Zug“ mit den luxuriösen Doppelkabinen hätte die engen Kehren nicht geschafft, so mussten wir die Strecke in einem gelenkigeren kleinen Bruder bewältigen.

Brücke des Sieges

Über die „Brücke des Sieges“ versorgten die Engländer im Zweiten Weltkrieg die von den Nazis besetzte Sowjetunion mit Nahrungsmitteln und Waffen.

Eine Tour über zahllose Kehrschleifen, Viadukte, atemberaubende Abgründe und durch eingleisige Tunnel – Märklin-Fans hätten hier mindestens so viel Spaß, wie auf dem schweizerischen Bernina- oder dem Glacier-Express. Allah hat seinen großen Farbkasten ausgepackt und mit viel Rot und Braun und wenig Grün eine beeindruckende Landschaft hingekleckst. Alles in allem wartet hier ein Wandergebiet auf Öko-Touristen und Naturliebhaber, eine Region, die noch weitgehend unerschlossen ist, aber von gastfreundlichen Menschen bewohnt und bewirtschaftet wird.

Savadkouh

In Savadkouh begrüßte uns nicht nur eine Folklore-Gruppe mit Musik und Tanz …

Reza Danehsadeh

… sondern auch Reza Danehsadeh, Tourismus-Minister der Region (rechts im Bild).

Pilgerstadt Mashhad

Rundreise Iran

Mashhad ist eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islam, und die einzige auf iranischem Boden. Entsprechend wichtig, gut ausgebaut und stark besucht ist die Stadt. Allerdings ist das Gelände des eigentlichen Heiligtums, der Grabstätte des Imam Ali ibn Musa ar-Reza, so weitläufig, dass man sich nicht vorkommt wie in Rothenburg ob der Tauber oder in einem der bayerischen Ludwigsschlösser. Es fehlen auch die Chinesen – und nicht nur die.

Mashhad

Mashhad ist eine der wichtigsten schiitischen Stätten im Iran. Nicht-muslimische Touristen sind die große Ausnahme.

Von den mehr als zwei Millionen jährlichen Besuchern kommen nicht einmal 7.000 aus dem Ausland. Und unter diesen wiederum sind Nicht-Muslime ungefähr so selten, wie Münchner im Hofbräuhaus. 

Für die Frauen in unserer Reisegruppe herrschte an der Grabstätte des Ali ibn Musa ar-Reza verschärfte Schleierfahndung: die ständig in der Öffentlichkeit zu tragenden Kopftücher (Hejab) und wallend-wehende Gewänder genügen hier der strengen Kleiderordnung nicht. Frauen müssen sich mit Hilfe kostenlos angebotener Tschadors in bunte Tschadori verwandeln, die sich gerade deshalb von den schwarz gekleideten iranischen Tschadori überdeutlich abheben und entsprechend von den Einheimischen neugierig beguckt werden.

Das Wort Tschador kommt übrigens von cador, dem persischen Wort für Zelt. Ein recht passender Begriff …

Touristinnen im Tschador

Der Mullah sieht’s mit Wohlgefallen, die einheimischen Besucher mit Neugier: europäische Frauen im Leih-Tschador.

Im Übrigen herrscht in Mashhad die gleiche Doppelmoral, wie überall im Lande. Ein Beispiel: Fotoapparate wurden im heiligen Distrikt vor einigen Jahren per Fatwa (einem religiösen Dekret der Mullahs) verboten. Fotografierende Mobiltelefone gab es damals noch nicht. Die Mitnahme und das Fotografieren mit Smartphone und Handy ist deshalb überall erlaubt und wird sogar von den Mullahs fleißig praktiziert.

Mashhad, Iran

Alui ibn Musa ar Reza Heiligtum

Alle Aufnahmen im Imam Alui ibn Musa ar Reza Heiligtum mussten mit dem Smartphone gemacht werden. Die geliebte Leica musste aus religiösen Gründen schmollend das Zugabteil hüten.

 

Im heiligen Bezirk von Mashhad

Im heiligen Bezirk von Mashhad

Viele der religiösen Vorschriften werden im Iran nicht minder phantasievoll umgangen, wie die strengen Fastenregeln in mittelalterlichen deutschen Klöstern („Er schwimmt“ – rief der Mönch erfreut über den Hasen im Weinfass und erklärte ihn zum Fisch).

Mit dem Polo in Kerman

Rundreise durch den Iran

Natürlich erreichten wir auch Kerman weder in einem VW, noch wie Marco Polo vor 700 Jahren auf einem Pferd, sondern in unserem Sonderzug.

Basar in Kerman

Als alte Handelsstadt verfügt Kerman natürlich auch über einen großen Basar.

Kerman ist das vielleicht wichtigste Zentrum der iranischen Teppichproduktion. Dabei fällt mir immer Harry Rowohlt ein, der in einer Lesung einmal berichtete, wie er seinen türkischen Nachbarn, den er beim Teppichklopfen im Hof antraf, frug: „Na Ali, springt er nicht an?“ Aber wie schon gesagt: wir fuhren ja Zug …

Hijabs

Angesichts der Vielfalt der angebotenen Hejabs würden sich auch fränkische Kräuterweiblein aus dem Knoblauchsland auf dem Markt wohlfühlen. Zwischen Spalt und Kerman gibt es offenbar kulturhistorische Parallelen …

Bei dem Besuch eines alten Hamams – eines Badehauses – wurde mir schnell klar, dass das mit dem Bilderverbot im Islam auch so eine ambivalente Sache ist: 

Hamam

Am Eingang zum Hamam in Kerman überraschen …

Iranischer Hamam

… spannende Fresken: zu sehen ist zum Beispiel ein Affe, der eine Birne entführt.

Und auch sonst werden sich wohl mittelalterliche Hamams nicht so sehr von mittelalterlichen europäischen Badehäusern unterschieden haben. Hier herrschten Sinnenfreuden, nicht der Klerus.

Der Prinzengarten in Kerman ist eine grüne Oase und eine der sieben UNESCO-Weltkultur- und -naturerbestätten, die ich in weniger als zwei Wochen während meiner Rundreise durch den Iran besuchen durfte.

Prinzengarten

Arabische Touristen beim Knipsen von Selfies im grünen Prinzengarten. Für sie ist der Park vermutlich so exotisch, wie für uns die Wüste, in die uns unsere nächste Etappe führte.

Durch die Wüste

Dass der heißeste Ort der Erde im Iran liegt, war mir neu. Aber auch meine geliebte Süddeutsche Zeitung spricht der Wüste Lut diesen Status zu. Und meine beiden Reiseführer Narges und Ismail bestätigten dies: 72 Grad über dem Boden habe man im vergangenen Jahr in der Lut gemessen, „in der Lut“, nicht „in der Luft“, also genau über jenem Boden, auf dem ich diese Panoramaaufnahme machen durfte (mindestens hier lohnt auch mal ein Klick aufs Bild – zur größeren Darstellung):

Wüste Lut Panorama

Panorama in der Wüste Lut, am heißesten Ort der Erde

In der Luft bzw. in einer Höhe von rund zwei Metern über dem Boden entspricht dies dann gut 55 Grad. Während meines Besuchs schwitzen wir am frühen Vormittag in vielleicht 35 oder 36 Grad. Aber eigentlich schwitzen wir auch gar nicht, da die Luft derart staubtrocken war … na ja, Sandwüste eben!

Es war nicht nur trockener, als in allen Wüsten, die man so aus den USA kennt, es war auch leerer, als bei den Navajos. Außer unseren Fahrzeugen und Fußspuren war niemand da, nicht mal Skorpione.

Wüste Lut, Iran

Unterwegs in der Wüste Lut

Spuren im Sand

Spuren im Sand – aber nur wenige!

Das heißt: in Wahrheit war natürlich doch jemand da, jedenfalls in der Nähe: Esel und Kuh spielten im letzten Dorf vor der großen Einöde Weihnachtskrippe:

In der Wüste Lut

Die Hofstelle, an der wir neben Esel und Kuh auch auf Ziege und Huhn trafen, gehörte zu einer aufgelassenen Karawanserei, die noch immer über ein beachtliches Eingangstor verfügt:

Karawanserei

Aufgelassene Karawanserei in der Wüste Lut.

Also schwieg Zarathustra

Mit dem Zug durch den Iran

Mit dem Sonderzug ging es nun weiter Richtung Yazd.

Aus der Lut ging es sodann per Sonderzug weiter in die Wüstengroßstadt Yazd, die legendäre Metropole des nicht minder legendären Zarathustra. Und warum er dort nicht sprach, sondern schwieg, dazu in Kürze mehr im vierten Teil meines Berichts von einer Rundreise durch den Iran hier auf dem Czyslansky-Blog.


Ein weiterer Bericht von meiner Rundreise per Eisenbahn durch den Iran ist übrigens auf Travellers Insight, dem Reiseblog des Flughafens München erschienen: https://www.travellers-insight.com/mit-der-eisenbahn-auf-rundreise-durch-den-iran/.

 

 

 

 

 

 

 

 

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