PR 2.0 mal andersrum – ein Beispiel für Social Media Ignoranz und ihre Folgen

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Wenn nach einem Image-Desaster im Internet 2.0 die Krisen-PR anrollt, ist es für die Schadensbegrenzung meistens schon zu spät. In Blogs, Communities und Foren formieren sich einzelne kritische Verbrauchererfahrungen schnell zu Lawinen, die kaum mehr zu kontrollieren sind. Anfang 2010 bot sich für mich die Chance und Notwendigkeit einmal auszuprobieren, was es konkret auf sich hat mit der viel beschworenen neuen Kundenmacht im Internet – nicht aus Lust am Stänkern, sondern weil sich mein Problem nicht mehr anders lösen lies. Entstanden ist ein Fallbeispiel für PR 2.0 – oder besser: für ihr Fehlen, wenn Kunden das Web 2.0 zu nutzen verstehen!

Bloggen bis der Kaffeemann kommt

Seit rund zwei Jahren ärgerten sich die Mitarbeiter bei vibrio über einen Kaffeevollautomaten der Firma „Kaffee Partner“. Ganz abgesehen davon, dass die meisten Kollegen mit der Qualität des gebrühten Kaffees unzufrieden waren, erschien der Pflege- und Serviceaufwand als zu hoch. Vor allem aber war die Maschine häufig defekt. Alle Nachfragen, ob wir nicht aus „Kulanz“ aus dem mehrjährigen Leasing-Vertrag des Anbieters entlassen werden könnten, wurden von der Firma Kaffee Partner abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet. Als im Herbst 2009 die Maschine wieder einmal fünf Tage defekt war, der Anbieter eine anteilige Kürzung der Leasingkosten schroff ablehnte, mehrere Schreiben der Agenturleitung an die Geschäftsführung der Firma Kaffee Partner unbeantwortet blieben und das Unternehmen zuletzt gar mit dem Anwalt drohte, beschloss ich, meinen Unmut über die Situation öffentlich zu machen. Eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit sollte schließlich wissen, wie so etwas geht.

So publizierte ich am 8. Januar unsere bisherigen Erfahrungen in einem Posting hier auf der Dampflog. Ein Posting ist aber nur so erfolgreich, wie es vernetzt ist. Also analysierten wir über einfache Suchabfragen in Google und Bing, welche Online Communities von Kaufentscheidern für Kaffeemaschinen in Büroumgebungen besonders intensiv genutzt werden und platzierten auf etwa einem Dutzend dieser Seiten kleine Kommentare mit Links auf den Beitrag in unserem Blog. Die derart genutzten Seiten reichten von allgemeinen Meinungs-Seiten wie www.ciao.de bis zu Themen-Foren wie www.kaffee-netz.de. Wir haben dabei nur einige Grundregeln suchmaschinenfreundlichen Bloggens beachtet, aber sie reichten aus, dass durch diese kleinen Aktionen unser Blog-Posting nicht nur gefunden und entsprechend von Gastlesern kommentiert wurde. Nach nur zwei Wochen wurden wir durch unseren Artikel bei der Google-Suche nach „Kaffee Partner“ bereits an sechster Stelle gelistet. Am 4. Februar erreichten wir bei Google sogar Platz 1 unter den unabhängigen Links – nach „Kaffee Partner“ – unter mehr als 860.000 Fundstellen.

In der Folge wuchsen die Besucherzahlen unseres Blogs über Suchverweise von Google sprunghaft an. Das war zwar schön, aber natürlich nicht unser eigentliches Ziel. Wir wollten ja nicht Passagierzahlen der Dampflog steigern, sondern wir wollten endlich aus dem Vertrag mit Kaffee Partner raus. In vier Wochen hatten knapp tausend Leute mein Posting gelesen und vermutlich einige tausend andere Leser die diversen Kommentare auf anderen Internetseiten. Die Anzahl der gegenüber Kaffee Partner kritischen Kommentare überwogen die wohlmeinenden deutlich. Es rumorte und gärte im Web.

 

Online Monitoring ist heute Pflicht für jedes Unternehmen

Nur die Firma Kaffee Partner meldete sich nicht. Das verwunderte uns durchaus. Das Leasing eines großen Kaffeevollautomats kostet über fünf Jahre zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Wenn auch nur fünf Prozent der Leser unseres Blogs in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst wurden, ist das finanzielle Risiko für ein im Web 2.0 kritisiertes Unternehmen erheblich, den möglichen Schaden kann sich jeder selbst ausrechnen.

Erst nach rund fünf Wochen erhielten wir einen Anruf des Unternehmens mit der Frage, ob man etwas tun könne, um die von uns verursachten negativen Stimmen im Internet zu reduzieren. Plötzlich ging man auf unsere Bitte nach einer vorzeitigen Auflösung des Leasingvertrags ein und am 23. Februar wurde die vielbesprochene Maschine vom Hersteller abgeholt. Wir hatten unser Ziel erreicht. Für uns ist die Sache damit erst einmal erledigt, nicht aber für Kaffee Partner. Denn das Internet hört ja nicht einfach auf. Es geht nicht weg. Auf der Dampflog wird immer noch über Kaffee Partner diskutiert. es melden sich unzufriedene ehemalige Mitarbeiter und weitere Kunden – auch Kunden, die sich mit Kaffee Partner gerichtliche Auseinandersetzungen liefern. Ich selbst kommentiere und poste schon seit Wochen nicht mehr, und doch hält sich der vibrio Blog bis heute unter den Top Ten bei der Google-Suche nach “Kaffee Partner”.

Was also hat Kaffee Partner aus meiner Sicht falsch gemacht? Eine Reaktionszeit von mehr als vier Wochen sind im Web 2.0 vier Lichtjahre. Negative Erfahrungsberichte schaukeln sich – je nach Produkt und Produktverbreitung – im Stunden- und Tagesrhythmus auf. Unternehmen haben eigentlich nur 24 Stunden Zeit, um auf kritische Berichte zu reagieren und ihren Krisen-Aktionsplan umzusetzen.

Viele Unternehmen diskutieren heute, ob sie eigene Blogs oder Twitter-Accounts benötigen. Dabei müssen Unternehmen erstmal in eine Web-Analyse mit automatisierter Alert-Funktion und in ein agiles Krisen-Reaktionsteam investieren. Ich erwarte nicht, dass plötzlich alle Unternehmen zu aktiven Web 2.0-Playern werden und jeder mittelständische Geschäftsführer seinen Blog pflegt. Im Zweifel hat die Facebook-Internet-Fan-Seite noch ein wenig Zeit. Aber jedes Unternehmen in jeder Branche muss heute schon die Debatten im Internet ernst nehmen, wenn es nicht ganz schnell sein Image unwiderruflich beschädigen und seinen Umsatz riskieren will.

Der Kunde wird im Web 2.0 zum wichtigsten Vertriebsmitarbeiter

Vor allem aber sollten die Unternehmenslenker und Marketingverantwortlichen weniger auf die Zahlen der Neukundenabschlüsse achten, sondern die Bewertungen ihrer Bestandskunden im Web analysieren. Denn eigentlich ist es selbst nach 24 Stunden schon zu spät: Wer im Web 2.0 erfolgreich sein will, muss seine Kunden pflegen, denn diese entscheiden langfristig über seinen Markterfolg. Zufriedene Kunden sind wichtiger, als gut gemachte Neukunden-Mailings. Im Web 2.0 sind zufriedene Kunden die wichtigsten Vertriebsmitarbeiter. Eins ist klar: Die Web 2.0-Gesellschaft ist eine Service-Gesellschaft.

Übrigens: Am 24. März werde ich genau zu diesem Thema und am Beispiel unserer kleinen Kaffee-Geschichte um 10:45 Uhr auf der SMX-Konferenz in München einen Vortrag halten. Vielleicht sehen wir uns ja da. Würde mich freuen.

33 Gedanken zu „PR 2.0 mal andersrum – ein Beispiel für Social Media Ignoranz und ihre Folgen“

  1. Allerdings zeigt der Fall auch etwas anderes: Die beste Krisenprävention ist ein gutes Produkt und ein guter Service. Wie das hier aussieht, würde Kaffee Partner auch mit Social Media nicht geholfen sein… oder?

  2. Hallo,

    danke für den Artikel. Ich ziehe allerdings einen anderen Schluss daraus: Kaffee-Partner sollte nicht mehr Geld in Webmonitoring und Krisen-PR investieren, sondern schlicht fair mit seinen Kunden und Partnern umgehen!

  3. @pfeiffer

    ja und nein: der fall zeigt klar, dass im web 2.0 der vorhandene kunde zum wichtigsten vertriebsmitarbeiter wird. im web 2.0 ist ordentlicher kundenservice pflicht. kommunikation 2.0 und online-monitoring sind aber zwingender denn je, um frühzeitig auf krisen reagieren zu können. ohne optimierung der service-strukturen hätte das dann freilich auch nicht viel bewirkt. aber das ist das elend der pr-leute schon immer: gute pr kann man nachhaltig nur für gute unternehmen machen.

    das heist für @lange: mit social media „alleine“ ist keinem unternehmen geholfen. es wird in zukunft unsere verantwortung als kommunikationsexperten sein, unsere kunden auf die risiken des web 2.0 hinzuweisen und darauf zu drüngen, dass sich die unternehmen den neuen gegebenheiten mit mächtigeren kunden und verbrauchern einstellen – mit besseren servicestrukturen. der kunde wird mündig. und wir können mitmachen.

  4. Nur miese Unternehmen müssen Angst vor dem Social Web haben – Es spricht sich eben alles schneller und weiter herum. Gutes, wie Schlechtes.

    Ist wie früher auf dem Dorf. Wenn der Huberbauer einen b’schissen hat, hat keiner mehr was bei ihm gekauft.

  5. Ja der Kunde wird mündig und will im Web 2.0 sich Gehör verschaffen und Gehör finden Möglicherweise ist alleine die Zurücknahme der Kaffeemaschine nicht die logische Konsequenz, die sich hier für die Kaffe Partner ergeben sollte – schliesslich ist ja mit der Rücknahme nur der Vibrio individuell geholfen.

    Und das wird auch hier das Problem bleiben – die Inhalte bleiben im Netz erhalten, die Nutzer lesen diese auch noch in einem Jahr, der Kaffee schmeckt immer noch schlecht – und nur Vibrio freut sich über eine neue Kaffeemaschine.

    Freue mich für Euch – wir haben noch eine Kaffeemaschine von Kaffee Partner hier 🙂

  6. Danke für die Einsicht. Deshalb liebe ich das Internet, weil heute unanständiges Geschäftsgebahren schlicht sichtbar wird. Ich bin bei Mirco, Unternehmen müssen schon viel weiter vorne, nämlich beim Angebot ansetzen, dann wird auch die Kommunikation ein Erfolg. PR Desaster entstehen ja nicht (nur) wegem nicht reagieren, sondern beim Keim.
    Wie geht ein Unternehmen mit Menschen (intern und extern) um.

  7. Danke für diesen tollen Artikel. ich bin ebenfalls der meinung, dass durch das web 2.0 Unternehmen in die richtige richtung gelenkt werden. ehrlichkeit und kundennutzen stehen im vordergrund.

  8. Manche Firmen müssen halt zu ihrem Glück gezwungen werden. 😉
    Aber „vier Wochen sind im Web 2.0 vier Lichtjahre“ ist Unsinn, ne. Dann wären ja 4 Tage 4 Kilometer? 😉

  9. @Tom

    Genauer gesagt sind 4 Lichtjahre, also vier Wochen im Web – das Julianische Jahr zugrunde gelegt – exakt 37.842.921.890.323,2 km

    Was der Autor allerdings mit diesem Ausspruch vermutlich meint, ist die Entfernung, die manche Unternehmen noch von einem profunden Verständnis des Netzes entfernt sind.

  10. Hallo Michael,

    ich denke Dein/Eurer Case zeigt, was Social Media in diesem Fall bewegen kann und was nicht. Du konntest einerseits wunderbar die Aufmerksamkeit auf Euer Problem generieren (Austausch mit anderen unzufriedenen Kunden). Andererseits stellt sich die Frage, ob das Unternehmen seine Unternehmenskultur dahingehend ändert, daß sie künftig mehr auf zufriedene Kunden setzen, gerade auch im Hinblick auf ihre Webbemühungen (Monitoring etc.)

    Mich würde somit einfach interessieren: wie haben Sie Dir/Euch ggü. denn reagiert. ging es Ihnen nur um die Suchmaschineneergebnisse oder konnte man auch heraus hören, daß sie aus dieser langsamen Reaktionszeit Lehren für die Zukunft ziehen. Immerhin und das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Menschen machen Unternehmen machen Menschen. Ergo: Unternehmen leben durch die Menschen in ihnen.

    Ich gebe Dir absolut recht, was die zufriedenheit von Kunden angeht. Es ist so wichtig und ihr Eindruck, ihre Referenz, sie könnne „Gold“ wert sein.

    Schließlich stellt sich die Frage nach dem Image- und Reputationsverlust, dem das Unternehmen erliegt, wenn eine immer breitere Öffentlichkeit aus Kunden und ehemaligen Mitarbeitern ihm die rote Karte zeigt. Was folgt daraus? Konkrete Einnahmeverluste? Rückgang bei Bestands- und Neukunden?

    Letztlich stellt sich hierbei die Frage, wie das Unternehmen mit dem Case umgeht im Nachhinein. Nimmt es die Kritik an und stellt klar, daß Fehler gemacht wurden und man aus diesen lernt? Es ist zu hoffen, daß im Hinblick auf das Web 2.0 Konsequenzen gezogen werden.

    Eines noch zu den negativen Stimmen im Internet: Das Internet vergisst nicht ist ein gern gebrauchtes Zitat. Von wem es stammt, weiß ich nicht. Aber: Wie findet man als Otto-Normal-Verbraucher eine Webseite von 1995? Wird in den nächsten Monaten nicht einfach weiter und immer mehr Content drüber wachsen? Kann das Unternehmen schließlich nicht auch die Suchmaschinenbetreiber und Webseitenbetreiber um Löschung bitten?

    Insgesamt finde ich es schon beeindruckend, was Eure Bemühungen erreicht haben. Es bleibt zu hoffen, daß das Unternehmen das Positive daraus zieht und künftig kundenorientierter agiert, zumindest soweit wie es sich in Eurem Beitrag darstellt.

    Beste Grüße

    Johannes

  11. @johannes,

    erstmal vielen dank für deinen nachdenkenswerten beitrag. du bringst die sache auch genau auf den punkt: wie gehen unternehmen mit solchen erfahrungen um? in der ersten reaktion (die eben nach fünf wochen erfolgte) ging es einzig um schadensbegrenzung: „sie machen gerade im internet kaffee partner schlecht. wie kann man das beenden?“ die hintergründe für die probleme haben niemanden interessiert. dazu wollte auch niemand etwas wissen. angerufen hat ein mitarbeiter, der nach eigenen aussagen für den technischen kundendienst verantwortlich ist, über den ich mich gar nicht beschweren kann. der mann macht vermutlich einen guten job. er ist aber eigentlich für mein problem gar nicht zuständig. das unternehmen hat offenbar kein professionelles beschwerdemanagement. beschwerden kann man sich außerhalb von technischen fehlermeldungen vermutlich gar nicht vorstellen. wenn man die diskussion auf unserem agenturblog verfolgt (http://www.vibrio.eu/blog/?p=1325) hat es den anschein, dass für nicht-technische beschwerden direkt die anwälte des unternehmens verantwortlich sind.

    wir haben durch die veröffentlichung unserer probleme bis heute vermutlich rund 3.000 internet-user direkt erreicht. wenn nur 5% dieser leser unsere erfahrungen in ihre kaufentscheidung einfließen lassen und ein leasing-vertrag bei dem unternehmen in fünf jahren zwischen 5.000 und 10.000 euro kostet, dann kann man sich das unternehmerische risiko gut ausrechnen.

    was die juristischen möglichkeiten betroffener unternehmen betrifft: ich bin selbst sehr vorsichtig mit meinen formulierungen, unterstelle nichts, was ich nicht belegen kann und prüfe auch alle kommentare vor einer freischaltung. dass dies sinnvoll ist, zeigt das beispiel der „shopblogger“, die die diskussion um einen einen kritischen beitrag zur firma kaffee partner im jahr 2007 offensichtlich einstellen mussten: http://www.shopblogger.de/blog/archives/855-Kaffee-Partner.html. aber was helfen juristische auseinandersetzungen, wenn sich die kritischen verbraucher immer wieder aufs neue foren schaffen werden, um ihre kritik zu adressieren.

    dieser letzt punkt ist für mich ein wichtiger lerneffekt aus der aktion: verbraucher warten nicht, bis sich eine der vielen „verbraucherportale“ wie ciao.com einer sache annehmen. sie schaffen sich die foren über „crowding“ selbst: werfe ein reiskorn ins web 2.0 und der sack wird von ganz alleine voll. so diskutieren kaffeetrinker heute auf dem blog einer pr-agentur. es ist ihnen einfach schnurzegal, was das für ein blog ist. es ist ihnen auch egal, ob der administrator des blogs noch mitdiskutiert. die menge schafft sich ihre foren einfach selbst nach dem goggleschen zufallsprinzip. ich habe dem zufall nur ein wenig auf die sprünge geholfen.

  12. Ich hoffe ja inständig, dass dadurch die Qualität von Produkten und Dienstleistungen nachhaltig verbessert wird. Wo man früher immer mit einem ganzen Kamerateam von großen Fernsehsendern auftauchen musste, damit etwas geschieht, reichen heute ein paar wenige Zeilen im Netz aus um Hersteller anzuprangern und ihnen das Geschäft zu vermiesen. Da überlegen sie es sich ab jetzt hoffentlich zweimal, ob sie sich besser um das Wohlbefinden ihrer Kunden kümmern – oder eben nicht.

  13. Beeindruckendes Beispiel zur Macht des Verbrauchers im Web-Zeitalter. Nun stellt sich die Frage, ob eine solche Erfahrung zum Umdenken bei Kaffee Partner beiträgt. Ihre erste Reaktion läuft ja – durchaus legitim – auf Schadensbegrenzung hinaus. Werden sie aber künftig anders mit unzufriedenen Kunden umgehen?

    Vielleicht sollte ich es einmal ausprobieren – wir haben auch eine Maschine von denen hier stehen 😉

  14. Ich denke, sowohl die Überschrift des Beitrags als auch Mirkos Kommentar treffen präzise auf den Punkt. In der Social-Media-Kommunikation steht ROI nun einmal an erster Stelle für den „Return on Ignoring“ – wenn ich nicht verfolge, was im Web-2.0 über mich geredet wird, kann ich früher oder später ein großes Problem kriegen.

    Anderseits ist „Social Media“ kein Allheilmittel, wie das Beispiel zeigt. Ich kann als Unternehmen zwar auf Einzelfälle reagieren und hier im Zweifelsfall auch positives Feedback erhalten. Wenn sich im Hintergrund aber Prozesse und Unternehmenskultur nicht ändern, werde ich langfristig das selbe Problem immer wieder bekommen. Das gleiche Problem besteht übrigens auch bei der klassischen (PR-)Kommunikation.

    Genau aus diesem Grund weise ich auch bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass unser „Leiter Kundenzufriedenheit“ keine Social-Media-Kampagne ist.

  15. @kiki,

    und ewig grüßt der kaffee partner: sieht in der tat so aus, als würde hier jemand unter verdeckter adresse mit falschem namen versuchen positive stimmung für kaffee partner zu machen. zweimal der gleich text aber mit unterschiedlichem absendernamen. und mit einem jahr zeitdifferenz verweist susanne/günther auf eine dokumentation, die „vor kurzem“ erschien. überraschen muss das nicht, aber skandalös wäre es reichlich …
    hier gibts den kritischen textvergleich: http://www.vibrio.eu/blog/?p=1549

  16. Hallo Michael,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Das die Verbraucher nicht warten ist klar. Es wartet auch niemand auf das Unternehmen im vorliegenden Fall…im Gegenteil.

    Wenn das was Du und @Kiki da andeuten stimmt, wäre es das i tüpfelchen. die bewertung über lasse ich jedem selbst… schade.

    letztlich zeigt der case aber auch: erklären und sensibilisieren muß geleistet werden, um sich Social Media zu annzunähern, um einen vagen Eindruck davon zu bekommen, wo sich manch einer aus der Zielgruppe von Unternehmen heutzutage aufhält. Im Grunde schon in dessen virtuellem Warenlager 😉

    Viele Grüße

    Johannes

  17. @Alexander Broy

    Der Vergleich mit dem Dorf ist spitze ;-)! Bringt die (scheinbare) Komplexität des Web 2.0 endlich auf den Punkt.

  18. Ich hoffe als Kleingewerbetreibender, dass dieses Verhalten keine Schule macht, zumindest aber dass mir meine Kunden auch mal ein Fehlverhalten nachsehen können und nicht so nachtreten. Ehrlich gesagt, wüsste ich nämlich weder für das Web 2.0 noch das Internet wie ich es kenne, wie man sich gegen solche bloggenden Kunden wehren soll. Bei so viel Leidenschaft des enttäuschten Kunden ist es glaube ich auch völlig egal, ob ein Unternehmer in 1 Woche, 4 Wochen oder gar nicht reagiert. Auf der Suche nach einer empfehlenswerten Maschine für mein Geschäft habe ich auf diversen Internetseiten die Kritiken von Herrn Kausch gelesen. Bei dieser Art Kunde wäre doch eine positive Online-Reputation nur möglich, wenn man absolut fehlerfrei jeden Kunden 100% zufrieden stellt. Ich bin seit über 25 Jahren selbstständiger Tischler und bin keineswegs fehlerfrei. Ich musste auch schon den ein oder anderen Gerichtsprozess durchfechten, aber soweit meine Kenntnisse reichen, ist mich noch kein Kunde derart angegangen. Und hoffentlich bleibt das so. Richard

  19. @Richard

    Ich sehe jedem Lieferanten und Anbieter Fehler nach und es ist auch nicht egal wann und wie ein Unternehmen auf Kunden reagiert. Im konkreten Fall habe ich ja wirklich alles mögliche versucht, zu einer vernünftigen Einigung zu kommen. Ich bin selbst Dienstleister, mache leider manchmal Fehler und muss dafür dann auch gerade stehen.
    Aber Unternehmen, die ihre Kunden nicht ernst nehmen, werden im Internet zunehmend Probleme bekommen. Unternehmen, denen ein durch gutes Marketing gewonnener Neukunde wichtiger ist, als ein Bestandskunde, werden ebenfalls Probleme bekommen. Das Internet führt eben tendenziell dazu, dass diejenigen Unternehmen erfolgreich sein werden, die von ihren Kunden empfohlen werden. Die Reputation bei Kunden und Partnern wird wichtiger werden, als ein noch so geschicktes Neukundenmarketing und ein noch so agressiver Vertrieb. Unternehmen, die schnell und agressiv Märkte „erobern“ und dabei verbrannte Erde hinterlassen werden im Wettbewerb zurückfallen. Für kundenorientierte und nachhaltig auf Qualität achtende Unternehmen ist das eine große Chance – und keine Gefahr.
    „Reputation Management“ – und dafür plädiere ich hier – rettet kein schlechtes Unternehmen, ist aber eine Voraussetzung dafür, dass gute Unternehmen künftig bessere Chancen im Wettbewerb haben.

  20. Der Artikel ist genau richtig. Viele Firmen können mit Repuation nicht wirklich umgehen, weil Ihnen einfach dafür das Geld fehlt. Lieber geben Sie es für einen schönen Firmenwagen aus. Man sollte gerade eine Reputation Management nicht die Kalte Schulter zeigen, denn hat eine Firma erstmal den falschen Ruf, wie zum Beispiel http://wong.to/wlbt6 Ihr Autoglaser.

  21. Ein gutes Produkt und alles ist vergessen! In Zeiten, in denen Verbraucher mit 3-Minuten-Videoclips auf ein ebensolanges Gedächtnis trainiert werden, ist doch der Ruf egal. Beispiel Telekom: Alle laufen wegen der hohen Preise weg, das iphone wird exklusiv vertrieben und alle laufen wieder hin. Noch ein Beispiel?: Apple´s Shop und -AppPolitik: Alle meckern, alle schimpfen aber wegen guter Produkte finden sich am Ende doch alle mit dem Negativen ab. Ich könnte noch hunderte Beispiele aufzählen, von Toyota bis Nestlé. Fakt ist, ihre Einschätzung stimmt nur für kleinere Unternehmen. Große Unternehmen mit tollen Produkten gepaart mit dem Kurzzeitgedächtnis des Verbrauchers können ihr Geld besser in gute Werbung!

  22. Gerald Du sprichst mir aus dem Herzen. Die Katastrophe in Japan zeigt es auch mal wieder in aller Deutlichkeit. Leute können durch die modernen Medien in Minuten für oder gegen eine Sache begeistert werden, und genauso schnell verlieren Sie wieder ihr Interesse. Und wenn im Freundeskreis ein Produkt coolen Einzug hält, kauft man es, obwohl man mal gehört hat, dass in den Anlagen des chinesischen Herstellers der Produktionsbedingungen wegen, die Arbeiter Selbstmord begehen. Eine Frage an BlogRoy: Meinen Sie, bis auf ein paar Lippenbekenntnisse und der Einstellung von ein paar tausend Chinesen zu Dumpinglöhnen hat Foxconn irgendetwas gegen den weltweiten Protest getan? Und Dank ipad & Co. gab es auch noch kräftigen Umsatzgewinn in 2010 – und zwar ohne Geld in die Online-Reputation zu stecken.

  23. Ich habe mich nun auch eine Zeit lang mit de Themen „Kaffee Partner“ und Web 2.0 beschäftigt und bin jetzt auf eine Seite gestoßen, die so ziemlich alle negativen Aspekte von Kaffee Partner aufweist und dennoch sehr objektiv scheint. Es werden nicht nur Berichte von Kunden erwähnt, sondern auch Berichte von ehemaligen Mitarbeitern, die total unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber (Kaffee Partner) waren. Es ist also nicht nur die Social Media Ignoranz, die Kaffee Partner in den Ruin treiben wird, sondern scheinbar auch die interne Unzufriedenheit, die im Vertrieb von Kaffee Partner herrscht
    Hier der Link: http://www.kaffee-partner-erfahrung.de/mitarbeiter.php

    Auch die anderen Teile der Homepage sind gut überschaubar und fassen zusammen, was sämtliche Blogs und Verbraucher-Portale bisher über Kaffee Partner berichtet haben. Alle die in Erwägung ziehen einen Vertrag mit Kaffee Partner abzuschließen, sollten der Seite mal einen Besuch abstatten. Es lohnt sich!

    Mit freundlichen Grüßen
    Ben

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