grüße aus dem jenseits

finalpopup

wie oft haben sie sich schon gedacht: „warte nur, eines tages sag ichs dir: dass du eine alte wiederwärtige ratte bist, mein ganzes leben habe ich mit dir versaut, du nichtsnütziges unwürdiges etwas. nur weil du die macht hast, habe ich mich ein leben lang geduckt. immer habe ich geschwiegen aus angst vor deiner rache und deinen schwirmeligen anwälten. aber heute – JETZT – ist es soweit: ich schreie es in die welt: du bist das kabel nicht wert, durch das ich diese letzte mail schicke …“

famous last words können nun endlich gesprochen und gesendet werden: auf der site „final pop up“ darf ein letztes mal geschimpft werden, was das email hält. endlich gibt es ihn: den service für den letzten digitalen fluch.

finalpopup, kurz fipup genannt, übermittelt die von einem Nutzer verfassten und gestalteten Botschaften nach seinem Ableben an Personen seiner Wahl. So kann der Nutzer Hinterbliebene ein letztes Mal grüssen, diesem und jenem noch etwas mitteilen, etwas nachträglich veröffentlichen, sich bei jemandem bedanken, beichten usw. Den Möglichkeiten, die fipup bietet, sind nahezu keine Grenzen gesetzt.“

mit knapp 40 euro pro jahr ist man dabei. man definiert die empfänger seiner letzten botschaft, hinterlässt text, bild und gerne auch ein video. nicht zu vergessen der gute rat der finalen popuper: „Wichtig ist, seine Beiträge stets aktuell zu halten, denn das Ableben kommt meist unverhofft – und dann ist es definitiv zu spät!“

seltsam nur: kein österreichischer todesprofi kam auf diese entzückende idee, sondern ein schweizer. oder doch fast: der präsident der pjt management ag, die hinter dem neuen dienst steht, ist jürgen füllgraf, exilierter deutscher textilunternehmer. neben ihm zeichnet peter schuitemaker verantwortlich, ein holländischer schweizer, wie der name schon nahelegt. das muss ein schöner abend gewesen sein, als die beiden diese idee überkam …

3 Gedanken zu „grüße aus dem jenseits“

  1. Ich denke ich spar mir die 40 Euro und sag schon jetzt allen „was sie mich können“, posthum und auch schon zu Lebzeiten.

    Muss der Lieblingsspruch meiner Großmutter: „Du sollst mit warmen Händen schenken“ abgewandelt werden in: „Du kannst mich am warmen A***** lecken“?

  2. Ich frage mich nur, wie ich den Startbefehl für die Botschaft aus dem Jenseits geben soll. Vielleicht im letzten Aufröcheln noch schnell per Twitter senden: „Ich nippele jetzt ab – tschüs!“ Das Ganze mit Keyword-gesteuerter Weiterleitfunktion in die Schweiz?

    Vor einem ähnlichen Problem standen übrigens die amerikanischen Generäle, die aus ihren gehärteten Bunkern heraus auf einen atomaren Erstschlag der Russen zu reagieren hatten. Sie haben dazu das Internet erfunden…

  3. Der Starschuss ist, wenn man 4 Jahre lang sein Abo nicht bezahlt, dann gilt man als verschollen, steht auf der Website.
    Ich vermute (hoffe) allerdings, dass wir alle diese Firmen und Anbieter überleben werden, denn wenn der Mensch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 75 Jahren hat, beträgt die bei einem WEB 2.0 Startup meistens nur 2 Jahre.

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